Das UcityS ist ein City-E-Bike mit Tiefeinstieg und das erste E-Bike von iScooter, das wir im Test haben. Mit einem Preis von unter 700€ gehört es zum untersten Preissegment. Umso spannender ist die Frage, wie viel Bike ihr für diesen Preis noch bekommt. Oder anders ausgedrückt: Wo hat der Hersteller gespart, und wie unangenehm fällt das im Alltag auf? Das iScooter UcityS hat einen 250W-Heckmotor mit einer Peakleistung von 500W, der euch bis zu den üblichen 25km/h unterstützt. Eine StVZO-konforme Beleuchtung und die notwendigen Reflektoren sind ebenfalls an Bord. Erhältlich ist das E-Bike in Schwarz, Lila und Weiß. Im Test hatten wir die schwarze Variante.
In diesem Test erfahrt ihr alles Wissenswerte über das neue iScooter UcityS. Wir klären, ob es das Zeug zu einem neuen Preis-Leistungs-Tipp hat. Das fast preisgleiche Touroll J2 ST hatten wir kürzlich ebenfalls im Test.
Lieferung und Aufbau
Die Lieferung ist wie immer unkompliziert. Das iScooter UcityS kommt transportsicher verpackt in einem großen Karton, als normales Paket und nicht per Spedition. Für den Zusammenbau sind etwas mehr Handgriffe nötig, als wir es bisher gewohnt waren. Neben Vorderrad, Schutzblech vorn, Gepäckträger, Scheinwerfer, Reflektor, Klingel, Pedale, Sattel, Lenker und Lenkkopf müsst ihr auch die vordere Bremse montieren. Da alles sehr gründlich verpackt ist, seid ihr locker eine Stunde beschäftigt.
Achtung: Die Gabel ist mit mehreren dicken Kabelbindern maximal vorgespannt, um das Packmaß klein zu halten. Sobald ihr diese durchschneidet, schnellt die gefederte Gabel kräftig auseinander!
Danach müsst ihr nur noch die Reifen aufpumpen, den Akku aufladen, alle Schrauben ein weiteres Mal nachziehen und bei Bedarf Bremsen und Schaltung nachstellen. Die Reifen haben Autoventile. Eine einfache Luftpumpe aus Kunststoff liegt bei, alternativ funktioniert auch die Xiaomi Air Pump 2 (zum Test) wunderbar.
- Fertig
- Zubehör bzw. Anbauteile
- Luftpumpe
Lieferumfang:
- Werkzeug für den Zusammenbau
- Pedale
- Ladegerät mit deutschem Stecker
- Bedienungsanleitung
- Kleine Standluftpumpe
- Gepäckträger
Technische Daten
- Scheibenbremsen vorn und hinten (mechanisch per Seilzug)
- 7-Gang-Shimano-Schaltung
- 250W-Heckmotor (Peakleistung 500W)
- Akku mit 36V/13Ah/468Wh
- 120kg Maximalgewicht
- 28kg Gewicht (gemessen 29kg)
- Gefederte Gabel vorn mit Lockout-Funktion
- Reichweite 89km (38km im Test bei höchster Unterstützung, Strecke mit 600 Höhenmetern)
- Reifen 26 x 1,95″
- Schutzklasse IPX4 (allseitiges Spritzwasser ohne Druck)
- Rahmen aus Stahl
iScooter UcityS im Videotest
Das Video haben wir mit einem Oppo Find X7 (zum Test) aufgenommen, den Ton mit einem Rode smartLAV+ Lavalier-Mikrofon. Die Aufnahmen während der Fahrt entstanden mit einer Insta360 X3.
Praxistest und Fahrverhalten
Mit meiner Körpergröße von 175cm sitze ich noch einigermaßen komfortabel auf dem iScooter UcityS. Ein höherer Sattel wäre besser gewesen, und auch die Rahmengeometrie fiel für mich etwas zu kurz aus. Für Fahrer über 175cm ist das Bike einfach nicht mehr geeignet.
Das iScooter UcityS musste sich auf den Testfahrten in ziemlich hügeligem Gelände mit zahlreichen Anstiegen bewähren. Dabei kam es bergauf sehr schnell an seine Grenzen. Die steilsten Abschnitte habe ich nur mit großer Kraftanstrengung im kleinsten Gang geschafft. Der Fahrkomfort war dagegen sehr gut. Trotz fehlender gefederter Sattelstütze hat der Sattel mit seinen zwei integrierten Federn einen guten Job gemacht. Auch die Federgabel hat Unebenheiten sauber geschluckt. Auf gut asphaltierten Strecken könnt ihr sie zusätzlich per Lockout-Funktion blockieren. Die Motorsteuerung arbeitet leider ohne Drehmomentsensor und ist schlecht abgestimmt. Beim Anfahren setzt die Unterstützung erst nach der ersten Kurbelumdrehung ein, und sobald ihr das Treten einstellt, schiebt euch der Antrieb noch etwa 2 Sekunden weiter. Legt ihr während der Fahrt eine kurze Tretpause ein, dauert es anschließend volle 4 Kurbelumdrehungen, bis die Unterstützung wieder greift. Den Motor könnt ihr auf 6/10/15/20/25km/h einstellen, die 6km/h entsprechen dabei der Schiebehilfe.
Bremsen und Schaltung
Die Bremsleistung ist für eine mechanische Scheibenbremse gut. Mit einer hydraulischen Anlage kann sie dennoch nicht mithalten. Bei einer Notbremsung müsst ihr sehr kräftig zupacken. Einstellen lassen sich die Bremsen sehr gut, denn der innere Bremsbelag ist über eine Inbusschraube unabhängig vom äußeren justierbar. Sobald ihr bremst, schaltet der Motor ab.
- Scheibenbremse vorn
- Scheibenbremse hinten
Die 7-Gang-Shimano-Schaltung arbeitet präzise und schnell. Auch an einen Sturzschutzbügel für das Schaltwerk hat der Hersteller gedacht. Beim Hochschalten klickt ihr die Gänge einzeln durch. Beim Herunterschalten zieht ihr den Hebel dagegen einfach lang durch und wechselt so in einem Rutsch vom 7. in den 1. Gang. Außerdem hat das iScooter UcityS einen Kettenschutz, der aber leider mit dem Pedal kollidiert.
- 7-Gang Shimano Schaltung
- Pedale touchiert Kettenschutz
Das lässt sich jedoch schnell beheben: Verbiegt ihr den vorderen Halteblechstreifen ein wenig, liegt der Kettenschutz weiter innen, und das Pedal kommt frei daran vorbei.
Beleuchtung, Steuerung und App
Der LED-Scheinwerfer des iScooter UcityS leuchtet die Fahrbahn sehr gut aus, sodass ihr auch bei 25km/h sicher unterwegs seid. Das kräftige Rücklicht sorgt zusammen mit den Reflektoren für eine gute Sichtbarkeit bei Nacht. Außerdem gibt es eine Bremslichtfunktion. Beim Bremsen wird das Licht gefühlt doppelt so hell und blinkt. Dadurch nehmen euch andere Verkehrsteilnehmer in diesem Moment auch im Dunkeln sehr gut wahr.
- Frontlicht
- Rücklicht mit Reflektor
- Nachtausleuchtung
Die Steuerung hat ein einfaches Monochrom-Display, das sich auch im Sonnenlicht sehr gut ablesen lässt. Es zeigt Daten wie Geschwindigkeit, Kraftabgabe des Motors, Tageskilometer, Gesamtkilometer, Licht an/aus und einiges mehr an. Die Balkenanzeige für die Restreichweite funktioniert ebenfalls gut: Sie schwankt bei wechselnder Belastung nicht laufend hin und her.
- Display und Bremshebel
- Schaltung, Klingel, Bremshebel
- Display mit allen Anzeigen
Auch wenn die App schlicht gehalten ist: Dass ihr in dieser Preisklasse noch einen solchen Mehrwert bekommt, ist super.
- Hauptansicht
- Details
- Kartenansicht
In der App seht ihr den genauen Ladezustand des Akkus. Außerdem könnt ihr das iScooter UcityS hier elektronisch verriegeln. Die Detailansicht gibt euch einen Überblick über Motortemperatur, Gesamtfahrleistung und aktuellen Stromverbrauch. Die Kartenansicht zeigt euren Standort und ein paar weitere Infos.
Reichweite, Motor, Akku und Laden
Die vom Hersteller beworbenen 89km haben wir bei Weitem nicht erreicht: Wir sind nur 38km weit gekommen. Allerdings gilt der Herstellerwert für 15km/h auf ebener Strecke, während wir mit 25km/h unterwegs waren und 600 Höhenmeter bewältigt haben. Unter diesen Bedingungen hat sich der kleine Akku mit seinen 468Wh gut geschlagen. Für hügelige Strecken ist das iScooter UcityS mit seinem 250W-Motor und der Peakleistung von 500W nicht besonders gut geeignet. Im Flachland werdet ihr euch damit wohler fühlen.
Auch wenn der Hersteller das Ladegerät als Schnelllader bezeichnet, dauert das Laden des Akkus immer noch 6 Stunden. Ein schnelles Nachladen zwischendurch fällt damit definitiv aus. Ihr werdet das iScooter UcityS also eher über Nacht aufladen. Der Akku sitzt abgeschlossen im Rahmen, lässt sich aber mit einem Handgriff entnehmen. Laden könnt ihr ihn wahlweise ausgebaut oder direkt am Fahrrad.
Testergebnis
Für deutlich unter 700€ bekommt ihr mit dem iScooter UcityS ein komplett ausgestattetes City-E-Bike mit Tiefeinstieg für preisbewusste Käufer. Zu den Stärken gehören die zuverlässige 7-Gang-Shimano-Schaltung, die gut einstellbaren Scheibenbremsen, das starke LED-Licht und die elektronische Wegfahrsperre. Der komfortable Sattel, die App und das schicke zweifarbige Design runden das Paket ab.
Allerdings müsst ihr in dieser Preisklasse auch einige Kompromisse eingehen. Der 250W-Heckmotor kommt schnell an seine Grenzen, daher eignet sich das iScooter UcityS weniger für sehr hügeliges Gelände. Der Akku braucht gemütliche 6h zum Aufladen. Ein schnelles Nachladen vor einer längeren Strecke ist damit nicht drin. Apropos längere Strecke: Sind viele Steigungen mit von der Partie, geht dem E-Bike schon nach 38km die Puste aus.
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