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Touroll J2 ST – neues, günstiges Trekking E-Bike im Test

Getestet von Sven Schubert am
Vorteile
  • sehr guter Preis mit knapp 700€
  • gute Beleuchtung und Sicht bei Nacht
  • stabiler Gepäckträger
  • einfach und schnell zusammengebaut
Nachteile
  • für starke Steigungen zu schwacher Motor
  • keine gefederte Sattelstütze
  • kein Display, nur Schalter
  • mit 28kg relativ schwer
  • kleine 26" Räder, nur für kleine Leute
  • schwache mechanische Scheibenbremsen
  • lange Ladezeit mit 8 Stunden
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Das Touroll J2 ST ist der Nachfolger des E-Bikes, das wir 2024 getestet haben. Damals konnte uns das Touroll J1 (zum Test) im Gesamtpaket überzeugen, insbesondere angesichts des sehr guten Preises von 700€. Das neue Touroll J2 ST verfügt weiterhin über einen 250W starken Heckmotor, der euch bis zu einer Geschwindigkeit von 25km/h unterstützt, sowie über eine StVZO-konforme Beleuchtung und die notwendigen Reflektoren. Außerdem ist das Touroll J2 ST nun in den drei Farben Sand, Grau und Blau erhältlich. Für einen kleinen Aufpreis von weniger als 100€ steht auch eine Pro-Version mit hydraulischen statt mechanischen Scheibenbremsen zur Verfügung.

TourollJ2ST TotaleFahrer

In diesem Test erfahrt ihr alles Wissenswerte über das neue Touroll J2 ST, das uns in der Farbe Sand vorlag. Wir klären, ob es das Zeug zu einem neuen Preis-Leistungs-Tipp hat.

Unterschiede zum alten Modell Touroll J1

Um den Preis von 2024 halten zu können, wurden einige Elemente vereinfacht oder gestrichen. So gibt es beispielsweise keine Bremslichtfunktion mehr, das Display entfällt und die Bedienung erfolgt über wenige Schalter. Die Räder wurden von 27,5 auf 26 Zoll verkleinert, statt fünf Unterstützungsstufen stehen drei zur Verfügung und die Lockout-Funktion der gefederten Gabel fehlt. Zudem besitzen die Räder nur noch einen seitlichen Reflektor statt zwei.

Alles in allem sind das keine gravierenden Änderungen, abgesehen von den kleineren Rädern. Damit ist das Touroll J2 ST maximal für Personen bis 175cm Körpergröße geeignet.

Lieferung und Aufbau

Die Lieferung verläuft gewohnt unkompliziert: Das Touroll J2 ST erreicht euch transportsicher verpackt in einem großen Karton als normales Paket und nicht per Spedition. Der Zusammenbau gelingt einfach und ist in wenigen Minuten erledigt. Das Entfernen der aufwendigen Verpackung nimmt dennoch gut eine halbe Stunde in Anspruch. Zum Durchtrennen der zahlreichen Kabelbinder empfiehlt sich ein Miniseitenschneider für Elektroniker oder eine Nagelschere. Einen Cutter solltet ihr nicht verwenden, um Beschädigungen zu vermeiden.

Ihr müsst lediglich Vorderrad, Lenker, vorderes Schutzblech, vorderes Licht und die Pedale montieren. Das dafür notwendige Werkzeug sowie ein Paar Gewebehandschuhe liegen bei. Sobald der Akku aufgeladen ist, die Reifen aufgepumpt sind und alle Schrauben fest sitzen, kann die Fahrt beginnen. Eventuell müsst ihr vorher noch die Bremsen oder die Schaltung nachstellen. Zum Aufpumpen der Reifen, die mit einem Autoventil versehen sind, eignet sich die Xiaomi Air Pump 2 (zum Test) optimal.

Lieferumfang:

  • Werkzeug für den Zusammenbau
  • Pedale
  • Ladegerät mit deutschem Stecker
  • Bedienungsanleitung

Technische Daten

  • Scheibenbremse (160mm) vorn und hinten (mechanisch per Seilzug)
  • 7-Gang-Shimano-Schaltung
  • 250W / 45Nm Heckmotor (Peakleistung 450W)
  • Akku mit 36V / 15,6Ah / 561Wh
  • 120kg Maximalgewicht
  • 28,5kg Gewicht
  • Gefederte Gabel vorn
  • Reichweite 100km (38km im Test)
  • Reifen 26 x 1,75 Zoll
  • Schutzklasse IPX4 (allseitiges Spritzwasser ohne Druck)
  • Rahmen aus Stahl

Touroll J2 ST im Videotest

Das Video wurde mit einem Oppo Find X7 (zum Test) und der Ton mit einem Rode smartLAV+ Lavalier-Mikrofon aufgenommen. Die Clips während der Fahrt entstanden mit einer Insta360 X3 Kamera.

Praxistest und Fahrverhalten

Mit 175cm Körpergröße sitzt man gerade noch akzeptabel auf dem Fahrrad, ein etwas höherer Sattel wäre jedoch wünschenswert. Die von Touroll als Maximum angegebenen 195cm passen für dieses Modell nicht.

TourollJ2ST Dimensions2

Wir absolvierten die Testfahrten in hügeligem Gelände mit zahlreichen Steigungen. Das Touroll J2 ST kommt gerade an Steigungen schnell an seine Grenzen. Die steilsten Anstiege bewältigten wir nur im ersten Gang gerade so. Gröbere Unebenheiten wirken mit der ungefederten Sattelstütze auf längeren Strecken störend. Eine gefederte Sattelstütze lässt sich für ca. 50€ jedoch schnell nachrüsten. Der Abstand zwischen Pedalen und eingeklapptem Ständer fällt sehr knapp aus. Mit Schuhgröße 45 stießen wir mit der Ferse an den Ständer. Das birgt ein Sicherheitsrisiko.

TourollJ2ST Pedalkollision

Bremsen und Schaltung

Die Bremsleistung der mechanischen Scheibenbremsen reicht bei hohen Geschwindigkeiten nicht aus. Beginnt bei Talfahrten daher frühzeitig mit dem Bremsen. Da der Aufpreis für das Touroll J2 ST Pro weniger als 100€ beträgt, empfehlen wir dringend den Griff zur Pro-Version. Die drei Fahrstufen bieten mit etwa 10, 20 und 25km/h eine gut abgestimmte Unterstützung. Ein Drehmomentsensor fehlt, der Motor schaltet sich lediglich an oder ab. Eine dynamische Unterstützung, wie sie ein Drehmomentsensor bietet, entfällt somit. Die Elektronik regelt jedoch zuverlässig, sodass ein ähnliches Fahrgefühl entsteht. Die maximale Unterstützung von 25km/h wird nicht ganz erreicht; sie stoppt bereits bei 24km/h. Der Gesetzgeber erlaubt eine Toleranz von 10%, was 27km/h entspräche.

Die ermittelte Reichweite von 38km fällt gering aus. Die Teststrecke beinhaltete jedoch etwa 300 Höhenmeter bei einer Temperatur von 36°C. Im vorherigen Test des Touroll J1 erreichten wir in der Ebene 72km bei identischem Motor und Akku. Die beworbenen 100km erscheinen in der Ebene, mit mittlerer Unterstützung und bei 20°C, realistisch.

Die 7-Gang-Shimano-Schaltung arbeitet schnell und präzise. Ein Bügel schützt den Umwerfer zuverlässig vor Sturzschäden.

Die mechanischen Scheibenbremsen greifen im Vergleich zur hydraulischen Variante deutlich schwächer, lassen sich aber unkompliziert einstellen. Touroll bewirbt zudem eine E-Brake. Dies suggeriert eine Motorbremse, die faktisch nicht existiert. Beim Bremsen unterbricht das System lediglich die Stromzufuhr des Motors. Der solide Seitenständer ist nah an den Pedalen montiert. Mit großen Schuhen besteht die Gefahr, daran hängenzubleiben.

Der Sattel bietet hohen Komfort, die Sattelstütze verzichtet auf eine Federung. In der Aufnahme des Sattelrohrs befanden sich mutmaßlich Fertigungsreste, da das Rohr beim Einsetzen deutliche Kratzspuren erlitt.

Vordere Befestigungspunkte für einen Korb und der stabile Heckgepäckträger erweisen sich im Alltag als praktisch.

TourollJ2ST Fronthalterung

Beleuchtung und Steuerung

Der LED-Scheinwerfer des Touroll J2 ST leuchtet die Fahrbahn zuverlässig aus, was sichere Fahrten im Dunkeln bei 25km/h ermöglicht. Das kräftige Rücklicht sorgt für eine hohe Sichtbarkeit. Eine Bremslichtfunktion fehlt.

Bei der Steuerung sparte der Hersteller im Vergleich zum Vorgänger ein, die Bedienelemente bleiben jedoch ergonomisch und griffgünstig platziert. Auf der linken Seite befinden sich die Bedieneinheit mit Tasten für Licht, Unterstützungsstufe, Akkuanzeige, der Ein-/Aus-Schalter sowie der Bremshebel für das Vorderrad. Rechts sitzen die Klingel, der Schalthebel für die 7-Gang-Shimano-Schaltung und der Bremshebel für das Hinterrad.

Die Akkuanzeige schwankt je nach Beanspruchung des Motors stark; an Steigungen sinkt der angezeigte Wert rasant. Für die Abschätzung der Restreichweite taugt die Anzeige kaum.

Reichweite und Laden

Die vom Hersteller versprochenen 100km Reichweite gelten für Idealbedingungen; im Praxistest ermittelten wir lediglich 38km. Folglich mussten ich das Rad auf den letzten Kilometern ohne Motor fahren, bzw. den Berg hochschieben: Die die Übersetzung und das Gewicht sind ohne Akku absolut nicht bergtauglich. Die Bedingungen fielen mit 300 Höhenmetern und 36°C jedoch anspruchsvoll aus. Der 250W starke Motor (450W Peakleistung) entleerte den 561Wh-Akku an den Steigungen zügig. Das Touroll J2 ST eignet sich primär für Stadtfahrten mit moderaten Steigungen oder kurze Touren.

Das Netzteil unterstützt kein Schnellladen, ein vollständiger Ladevorgang nimmt acht Stunden in Anspruch. Eine Stunde Zwischenladen erzielt entsprechend wenig Wirkung. Der Akku lässt sich mit einem Handgriff entnehmen und wahlweise im Fahrrad oder separat laden. Ein Schloss sichert ihn gegen Diebstahl. Der Schutz vor Regen fällt rudimentär aus.

Reifenwechsel hinten

Bei der letzten Testfahrt erlitt das Hinterrad einen Plattfuß. Die Luft entwich schlagartig, sodass die restliche Strecke schiebend bewältigt werden musste. Dieser Vorfall bot die Gelegenheit, den Schlauchwechsel am Hinterrad mit dem integrierten Motor zu testen. Nach der Bestellung eines neuen Schlauchs erfolgte der Wechsel. Wie auf den Fotos ersichtlich, liegt ein Fabrikationsfehler vor: Das Loch befindet sich auf der Innenseite des Schlauchs, die an der Felge anliegt. Die Felge wies in diesem Bereich keine Unebenheiten auf, die den Schaden hätten verursachen können.

Für die Reparatur stellt ihr das Fahrrad idealerweise kopfüber auf eine Unterlage, um Kratzer zu vermeiden. Trennt anschließend das Motorkabel durch Auseinanderziehen der Steckverbindung. Löst danach die Kabelbinder am Rahmen, die das Motorkabel fixieren. Da diese eng anliegen, empfiehlt sich der Einsatz eines kleinen Seitenschneiders. Danach fixiert man das Kabel wieder mit einem Kabelbinder.

Löst danach die beiden großen Hutmuttern, um das Hinterrad mit dem Motor nach oben herauszuziehen. Zieht dabei den Kettenumwerfer ein Stück zurück, damit die Kassette ungehindert vorbeigleitet. Nutzt für die Demontage des Reifens idealerweise ein Set Reifenheber. Andere Hilfsmittel wie Schraubendreher bergen ein hohes Risiko, die Felge zu beschädigen. Der Einbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge. Gegebenenfalls müsst ihr an der Rahmenaufnahme vorsichtig mit einem Schraubendreher hebeln, um das Rad wieder exakt zu positionieren.

Testergebnis

Getestet von
Sven Schubert

Für 700€ liefert das Touroll J2 ST ein durchweg solides Paket für preisbewusste Käufer, die ein vollausgestattetes City- und Trekking-E-Bike suchen. Zu den klaren Stärken zählen die zuverlässige 7-Gang-Shimano-Schaltung, die hell ausleuchtende LED-Beleuchtung sowie praktische Alltags-Features wie der stabile Heckgepäckträger und die vorderen Befestigungspunkte. Auch der komfortable Sattel und die komplette StVZO-Ausstattung fallen positiv ins Gewicht.

Dennoch müsst ihr in dieser Preisklasse einige Kompromisse eingehen. Der 250W starke Heckmotor gerät an steilen Anstiegen spürbar an seine Grenzen, und die Reichweite fällt unter hoher Belastung mit 38km gering aus. Zudem ist das Fahrrad durch die kompakten 26 Zoll großen Räder maximal für Personen bis 175cm geeignet. Mit großen Schuhen besteht die Gefahr, am eng positionierten Seitenständer hängenzubleiben, und die Ladezeit von acht Stunden erfordert etwas Planung.

Wer primär im Flachland auf befestigten Wegen pendelt und keine langen Touren absolviert, findet hier ein funktionales E-Bike. Angesichts der schwachen mechanischen Bremsen raten wir jedoch dringend dazu, den Aufpreis von weniger als 100€ zu investieren und direkt zum Touroll J2 ST Pro mit hydraulischen Scheibenbremsen zu greifen.

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