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Manchmal stolpert ihr über ein Produkt, das einfach zu gut klingt, um wahr zu sein. Ein aufblasbares Zelt von “Pakicetus” für 4 bis 6 Personen, mit Dachfenster, wasserdicht und winddicht, für rund 200€. Auf den Produktbildern sah das so wertig aus, dass wir nicht widerstehen konnten und uns ein Exemplar besorgt haben, einfach um herauszufinden, ob hinter dem Preis ein Haken steckt. So viel vorweg: Das Zelt hat uns überrascht, und zwar im positiven Sinne.
Einen klassischen Markennamen gibt es nicht. Auf Karton und Transporttasche steht zwar der Schriftzug „Pakicetus”, aber das ist eher ein austauschbares Import-Label als eine etablierte Outdoor-Marke. Genau das macht die Einordnung spannend, denn ihr kauft hier reine Substanz statt Markenversprechen. In der Theorie zumindest.
Erhältlich ist das Zelt für etwa 200€ bei Banggood. Geliefert wird es aus einem EU-Lager, der Versand geht also angenehm schnell und ohne Zoll-Überraschungen. In unserem Fall hat es 5 Tage gedauert. In diesem Video seht ihr unsere Eindrücke, alle Infos gibt’s im folgenden Test.
Versionen im Vergleich
Das Zelt wird in mehreren Größen angeboten. Unser Testmodell ist die kompaktere Variante mit rund 6,3 Quadratmetern Grundfläche (etwa 300 mal 210 Zentimeter) für 4 bis 6 Personen. Wer mehr Platz braucht, greift zur großen 12-Quadratmeter-Version für 6 bis 8 Personen, die nach demselben Prinzip funktioniert und entsprechend teurer ausfällt. Diese Version ist allerdings seit langer Zeit schon ausverkauft. Farblich habt ihr die Wahl zwischen einem klassischen Oliv-Grün und einem helleren Khaki-Sandton. An Material, Aufbau und Verarbeitung ändert sich zwischen den Varianten nichts, lediglich Grundfläche, Personenzahl und Preis skalieren mit. Zudem gibt es eine Version mit Vorzelt.
Lieferumfang und erster Eindruck
Geliefert wird das Zelt in einem unscheinbaren Karton, im Inneren steckt es zusätzlich in einem Schutzbeutel und einer ordentlichen Transporttasche mit Tragegurten. Im Lieferumfang finden sich neben dem Zelt selbst eine Luftpumpe, sechs Abspannseile, zehn Heringe zur Befestigung von Schnüren und Windsicherung sowie die Tasche. Die mitgelieferte Pumpe ist keine Qualitätsware, aber auch nicht der billigste Plastikkram, sie erfüllt ihren Zweck.
Ein Wermutstropfen liegt der Verpackung allerdings bei: die Anleitung. Das bedruckte Blatt verdient den Namen kaum, es zeigt mehr Piktogramme als echte Erklärung. Wer noch nie ein aufblasbares Zelt aufgebaut hat, ist hier auf sich allein gestellt.
Aufbau: auslegen, aufpumpen, fertig
So mau die Anleitung ist, so simpel ist der Aufbau. Im Grunde muss das Zelt nur ausgelegt und dann aufgepumpt werden. Den Einlass für den Pumpenschlauch sucht ihr kurz, er sitzt etwas versteckt an der Rückseite des Zeltes. Habt ihr ihn gefunden, schließt ihr die Pumpe an und legt los. Das Aufpumpen ist durchaus eine sportliche Angelegenheit, geht aber überraschend schnell. Je nach Kondition seid ihr in fünf bis zehn Minuten durch, deutlich weniger, als wir erwartet hatten. Praktisch: Am Ventil sitzt eine Art Überdruck-Sicherung, die überschüssige Luft wieder ablässt, sobald der richtige Druck erreicht ist. So pumpt ihr das Zelt prall, ohne es zu überlasten.
Den Aufbau bekommt zur Not auch eine einzelne Person allein hin. Wer es ganz genau nimmt: Für die Luftbeschickung per Elektropumpe braucht ihr eher eine SUP-Pumpe, normale Luftmatratzen-Pumpen schaffen den nötigen Druck nicht. Mit der beiliegenden Handpumpe klappt es aber problemlos.
Verarbeitung und Material
Hier sitzt die eigentliche Überraschung. Das Zelt wirkt von innen wie von außen erstaunlich stabil und sauber verarbeitet. Die Luftkammern, also die tragenden Schläuche, sind richtig dick und ordentlich vernäht und machen nicht den Eindruck, beim ersten Kontakt mit einem spitzen Gegenstand aufzugeben. Der Außenstoff fühlt sich wertig an, die Nähte der Plane sind mit wasserdichtem Band verschweißt, und der Boden ist eine echte, wasserdichte Wanne. Die Reißverschlüsse und die Moskitonetze an Türen und Fenstern laufen sauber.
Wir haben das Zelt zusammen mit ein paar Helfern aufgebaut, und die Schätzungen für den Materialwert lagen durchweg bei 500 bis 700€. Dass hier nur rund 200€ aufgerufen werden, ist angesichts der Verarbeitung schwer zu glauben.
Platz, Fenster und Praxis
Mit einer Grundfläche von rund 3 x 2,1 Metern und etwa 2m Höhe an der Spitze ist das Hauszelt großzügig geschnitten. Wir würden sagen, dass darin locker bis zu fünf Personen mit Gepäck schlafen können. Im Inneren gibt es mehrere Mesh-Fenster und ein Dachfenster, das für Licht und Belüftung sorgt.
Ganz ohne Abstriche geht es bei dem Preis aber nicht, und ein paar Punkte solltet ihr kennen. Die Seitenwände fallen niedrig aus, sodass das Zelt innen etwas trapezförmig wirkt, mit einer hohen Luftmatratze oder einem Feldbett wird der Randbereich dadurch knapp. Und das durchsichtige Dachfenster ist eher Deko als Aussichtsplattform, durchschauen könnt ihr die Folie nur sehr verschwommen. Beides sind aber keine Dealbreaker, sondern typische Kompromisse in dieser Preisklasse.
Abbau und Transport
Zum Abbauen öffnet ihr das Ventil, dann lässt das Zelt innerhalb von etwa drei bis fünf Minuten die Luft ab und sinkt in sich zusammen. Das eigentliche Zusammenfalten ist, wie bei fast allen großen Zelten, der etwas fummeligere Teil. Allein bekommt ihr das Ding nur mit Mühe wieder so klein, dass es in die Tasche passt, zu zweit geht das etwas besser. Wir haben es aber geschafft, und der komplette Abbau hat nur rund 15 Minuten gedauert.
Das Packmaß ist für ein Zelt dieser Größe völlig in Ordnung. Kompakt wie ein kleines Trekkingzelt ist es natürlich nicht, aber ihr könnt es alleine ein paar Meter weit tragen, und die Tasche mit Gurten hilft dabei.
Testergebnis
Alles in allem hat uns das aufblasbare Hauszelt wirklich überzeugt. Für rund 200€ bekommt ihr hier eine Verarbeitung und ein Raumgefühl, das ihr eher bei einem drei Mal so teuren Zelt erwarten würdet. Der Aufbau gelingt in Minuten und notfalls auch allein, das Material wirkt robust, und der Wetterschutz aus verschweißten Nähten und wasserdichter Bodenwanne macht einen soliden Eindruck. Die schlechte Anleitung, das nutzlose Sichtfenster und die etwas niedrigen Seitenwände sind die Kompromisse, die ihr für diesen Preis eingeht, und die fallen angesichts des Gesamtpakets kaum ins Gewicht.
Wer ein geräumiges, schnell aufgebautes Familienzelt für gelegentliche Camping-Trips sucht und mit den kleinen Eigenheiten leben kann, macht hier ein echtes Schnäppchen. Für Dauereinsatz bei Dauerregen und Sturm würden wir, wie bei den meisten Zelten dieser Klasse, trotzdem nicht die Hand ins Feuer legen, aber als Preis-Leistungs-Tipp ist das Zelt eine klare Empfehlung.
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