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Epomaker HE75 V2 TMR im Test – lohnen sich die neuen Hall-Switche?

Getestet von Max Drechsel am
Vorteile
  • gute Ergonomie und Verarbeitung
  • umfrangreiche und individualisierbare LEDs
  • austauschbare, robuste Keycaps
  • 100% Hot-Swap-Sockel
  • Bluetooth, WiFi & Kabel
  • programmierbare Tasten
  • Auslösepunkt einstellbar
Nachteile
  • keine Handballenablage
  • nicht so leise wie Konkurrenz
  • QWERTY-Layout
  • kein Nummernblock
  • relativ teuer
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Mehr Tastaturen von Epomaker haben es in unsere Testumgebung geschafft. Hall-Effekt-Switches gehören dabei zum guten Ton. Mit der Epomaker HE75 V2 TMR überarbeitet das Unternehmen seine bestehende 75%-Tastatur und modernisiert diese nicht nur optisch, sondern auch unter der Haube. Dabei setzt der Hersteller auf die namensgebende Tunnel Magnetoresistance (TMR). Wir hatten die Tastatur mehrere Wochen zum Schreiben, Spielen und Browsen im Test.

Design & Verarbeitung

Epomaker HE75 TMR Test Design 2

Mit rund 1.000g und 324 x 132 x 43mm fällt die Epomaker HE75 V2 TMR in die Größenordnung einer typischen 75%-Tastatur. Der Rand um die Tasten fällt recht schmal aus, auf eine Handballenablage wird dementsprechend verzichtet. Es handelt sich um eine Tastatur im QWERTY-Layout.

Das USB-C-Kabel ist abnehmbar. Damit einher geht auch ein wenig Kritik: Der Anschluss ist so weit in der Tastatur versenkt, dass ihr nur mit Kabeln zurande kommt, die an den Enden sehr schmal ausfallen. Das mitgelieferte Kabel passt natürlich. Neben USB-C stehen leider nur Bluetooth 5.0 und selbstverständlich das 2,4-GHz-Band mit Dongle bereit.

Bei den Tastenkappen hat sich der Hersteller für halbtransparente Varianten entschieden. Die Buchstaben und Zeichen sind in die Tastenkappen eingelassen, nicht aufgedruckt. Für eine bessere Lesbarkeit wurde die Oberseite der Kappe leicht mattiert, sodass die LEDs darunter durchscheinen und die Kappe auch an der Oberseite beleuchten, aber eben nicht komplett.

Epomaker verbaut einen großzügigen LED-Streifen, der überschwänglich „Ambient-Light“ genannt wird. Vielleicht etwas übertrieben, aber der breite Streifen auf der Rückseite erzeugt durchaus eine große Menge an Licht.

Praktischer ist der austauschbare Drehregler. Ganz recht, der Regler, den mittlerweile viele Tastaturen besitzen, um etwa die Lautstärke zu steuern, ist bei der HE75 V2 TMR herausnehmbar. Wer will, kann stattdessen zwei weitere Tasten einsetzen. Standardmäßig sind das „Druck“ und „Einfügen“, die Tasten können aber auch frei belegt werden.

Insgesamt besteht die Epomaker HE75 V2 TMR aus Kunststoff, mit Ausnahme des Drehreglers, der aus Metall gefertigt ist. Auch die Zwischenebenen bestehen aus Silikon, verschiedenen Arten von PET oder Schaumstoff. Kein weiteres Gehäuseteil besteht aus Aluminium, auch nicht die Bodenplatte. Dennoch wirkt die Epomaker HE75 V2 TMR solide gefertigt. Die Spaltmaße fallen gering aus, die Tasten sitzen fest und der geringe Platz wird optimal genutzt. Die HE75 V2 TMR ist bisher in Schwarz und Weiß erhältlich. Bei der weißen Version ist neben den Tasten auch die obere Abdeckung leicht transparent.

Lieferumfang der Epomaker HE75 V2 TMR

Epomaker HE75 TMR Test Design 26

Die Verpackung von Epomaker ist nichts Besonderes, schützt die Tastatur im Inneren aber durch etwas Schaumstoff. Außen ist die Tastatur als Skizze aufgedruckt.

  • Epomaker HE75 V2 TMR
  • Zange für Tasten und Schalter
  • USB-A-auf-USB-C-Kabel (ca. 2,5m)
  • Vier Schalter (Creamy Jade)
  • Zwei Tastenkappen (Print, Insert)
  • Schnellstartanleitung
  • Mehrsprachige Bedienungsanleitung

Ergonomie & Layout

Epomaker HE75 TMR Test Design 3

Fullsize war gestern, zumindest wenn ihr euch die meistverkauften Gaming-Tastaturen anschaut. Bei dem 75%-Layout fehlt alles ab den Pfeiltasten. Es gibt also keinen Nummernblock und einige Funktionstasten mussten ebenfalls weichen. Die „Löschen“-Taste wandert rechts neben Enter. Besonders die kleinere Enter-Taste und die zusätzliche Taste darüber machen mir persönlich immer Probleme, was aber mehr am QWERTY-Layout als an der Tastaturgröße an sich liegt. Insgesamt sprechen wir von 80 Tasten plus zwei weiteren, wenn ihr den Drehknopf ersetzt.

Dieser ermöglicht es, durch sehr leichte Rasterpunkte, die Lautstärke in Zweierschritten zu regeln. Ein Druck auf den Knopf schaltet die Audioausgabe stumm. Über die Applikation lässt sich das Verhalten aber anpassen und sogar Makros für Spiele einstellen.

An der Unterseite befinden sich zwei gummierte, verstellbare Standfüße, die bis zu drei Kippwinkel von 5,8°, und 12° ermöglichen. In einem der Füße ist außerdem das Fach für den Dongle untergebracht.

Wir haben die Epomaker HE75 V2 TMR mit Creamy-Jade-Switches erhalten. Epomaker bietet diese Tastatur nur mit diesen Schaltern an. Da die Tastatur vollständig modular ist, können die Schalter jedoch gegen andere Hall-Switches getauscht werden.

Creamy Jade hatten wir schon in anderen Epomaker-Tastaturen. Ihre maximale Auslösekraft liegt bei 55gf ± 5, minimal bei 30gf ± 5. Dank Hall-Effekt ist der Auslöseweg einstellbar, und zwar so weit, dass er effektiv abgeschafft wird. Epomaker spricht von 0,1mm minimal. Der Auslöseweg kann in absurden 0,005-mm-Schritten (5 Mikrometer) angepasst werden. Maximal liegt dieser bei 3,3 ± 0,1mm, wobei Bottom-Out 3,6 ± 0,1mm misst. Die Switches agieren linear, haben also kein hörbares Klicken, wenn der Tastendruck registriert wird.

Zeit, auf den TMR-Zusatz einzugehen. Wie eingangs erwähnt, steht er für Tunnel Magnetoresistance. Dies ist eine neuere Variante der Hall-Switches. Herkömmliche Hall-Switches messen die Spannung durch das Magnetfeld, das durch den Druck erzeugt wird. TMR hingegen misst den elektrischen Widerstand durch das Magnetfeld.

TMR soll gegenüber herkömmlichen Hall-Schaltern eine noch krassere Präzision ermöglichen. Die Erfassung von Eingaben ist empfindlicher, Messwerte der Sensorik stabiler, es gibt weniger Sensorrauschen, einen nochmals geringeren Energieverbrauch und eine noch geringere Latenz. In der Praxis dürftet ihr jedoch kaum bis keinen Unterschied zu den schon extrem genauen, herkömmlichen Hall-Switches merken. Wir sprechen hier etwa von einer Latenzverringerung von 0,12ms bei Hall auf 0,09ms bei Hall-TMR. Mehr Potenzial sehe ich im nochmals geringeren Stromverbrauch.

Tippgefühl und Beleuchtung

Epomaker HE75 TMR Test Design 19

Verglichen mit der Gamakay TK75HE V2 wirkt der Widerstand minimal höher, dafür geschmeidiger. Aber nicht durchgehend präziser: Besonders bei schnellen Tastenfolgen, etwa dem Spammen von Baubefehlen in StarCraft 2, geht die eine oder andere Eingabe zu Beginn unter. Durch die möglichen Anpassungen über die App könnt ihr dem aber entgegenwirken, etwa durch ein Reduzieren des Hubwegs, bis der nächste Tastendruck erkannt wird.

Epomaker integriert auch einen Rapid-Trigger-Modus, der auf eine höhere Auflösung setzt. Über die Tastenkombination FN + R_Shift kann dieser aktiviert werden, alternativ über die App.

Creamy Jade ist in jedem Fall deutlich lauter als Phoenix Silent von Gamakay. Das Geräusch ist zwar nicht übermäßig prägnant, erzeugt aber beim Aufschlagen der Tasten einen dumpfen Ton. Im Discord wurden die Anschläge nicht wahrgenommen. Im direkten Vergleich hört ihr den Unterschied jedoch deutlich. Das macht die HE75 V2 TMR fürs Büro im schlechtesten Fall unbrauchbar, im besten Fall fällt sie nicht mehr auf als herkömmliche Office-Tastaturen.

Epomaker verbaut nicht nur einen simplen LED-Streifen, sondern streut das Licht durch eine Kristallformation. Das sieht meiner Meinung nach schick aus, auch wenn ihr als Spieler nicht viel davon seht. Die Beleuchtung verläuft auch links und rechts ein Stück weit um die Tastatur herum und beleuchtet zusätzlich den USB-Anschluss. Die LEDs leuchten sehr hell und erzeugen so auch vor der Tastatur eine gewisse Lichtstimmung. Das Ganze lässt sich aber auch dimmen oder deaktivieren.

Oberhalb der Pfeiltasten befindet sich ein weiterer, kleiner LED-Spot. Dieser dient nur für die Akkustandanzeige bei kabelloser Nutzung und erstrahlt in Grün, Gelb und Rot, nach jeweils rund einem Drittel verbrauchter Ladung.

Software

Epomaker HE75 TMR Test App 8

Upgear ist nach wie vor die Wahl bei Epomaker, wenn es um die Anpassbarkeit der Tastaturen geht. Der Vorteil von Upgear ist normalerweise, dass es auch als Webversion verfügbar ist. Der Funktionsumfang ist minimal begrenzter als bei der zu installierenden Variante (Epomaker Driver V4), dafür aber von überall aus erreichbar. Das Design wurde mittlerweile überarbeitet und wirkt nun aufgeräumter und intuitiver. Allerdings werden die HE75 V2 TMR und auch die normale HE75 nicht von der Webversion unterstützt. Der installierte Treiber ist also zwingend erforderlich, wenn ihr das Optimum aus der Tastatur herausholen wollt. Den Download dafür findet ihr hier: Zum Epomaker HE75 V2 TMR Treiber Download.

Epomaker HE75 TMR Test App 7

Verbessert hat Epomaker die Erkennungsrate: Erkannt wurde die HE75 V2 TMR sofort, egal ob über USB oder Wireless. Wird die Online-Variante unterstützt, gibt es eigentlich nur wenige Argumente, die Offline-Variante zu installieren. Eines dieser Argumente ist der Community-Tab, in dem Design- und Makro-Profile ausgetauscht werden. Hier könnt ihr extra angepasste Tastenbelegungen und Sensibilitätsanpassungen von anderen Nutzern übernehmen und ausprobieren. Für Platzhirsche wie etwa Fortnite könnt ihr so auch ein Gaming-Profil laden, das dann auf dieses Spiel abgestimmt ist.

Grundsätzlich lassen sich alle Tasten anpassen und mit Makros versehen. Ein Teil der Einstellungen ist nur für einzelne Tasten möglich, manche für alle. Was das Layout der Applikation angeht, wurde die Offline-Variante noch nicht auf das neue Design der Webversion gehoben, dadurch wirkt alles etwas unstrukturierter. Viele Info-Buttons helfen aber dabei, die Funktionen zu verstehen. Von Hubwegen und Todeszonen über Rapid-Trigger bis hin zum Auslösepunkt einzelner Tasten gibt es quasi keine Limitierungen mehr.

Konnektivität & Latenz

Epomaker HE75 TMR Test Design 12

Alle üblichen Verbindungsarten unterstützt die 75HE V2 TMR: USB-C, Funk und Bluetooth. Gewählt wird die Verbindung über einen Schalter neben dem USB-Anschluss. Bluetooth stellt erneut die schlechteste Wahl dar. Es verbraucht am meisten Strom, auch weil es nur in Version 5.0 vorliegt, und hat mit angegebenen 15ms die höchste Latenz. Zudem kann die Polling-Rate maximal 125Hz betragen, während Funk und Kabel bis zu 8.000Hz ermöglichen.

Die 2,4-GHz-Verbindung mit Dongle wird mit einer Latenz von 0,58ms angegeben, bei Kabel sogar nur 0,1ms. Die Verzögerungen sind hier also nicht mehr spürbar. Wenn ihr nicht schnell genug tippt, ist also kaum noch die Tastatur schuld. Dafür wird jede Eingabe nahezu in Echtzeit umgesetzt.

Akkulaufzeit

Epomaker HE75 TMR Test Design 13

Trotz der Größe und des Gewichts kommt der Akku auf satte 8.000mAh. Im Zusammenspiel mit durchgehender Beleuchtung sind rund 18 bis 20 Stunden drin. Das ist ein passabler Wert, der aber in Anbetracht des großen Akkus nicht besonders heraussticht. Ohne LEDs hingegen liegt ihr bei rund 100 bis 120 Stunden auf der Uhr. Das ist ebenfalls okay, geht aber besser: Jonas hatte bei der Epomaker TH108 Pro mit 10.000mAh grob 200 Stunden ohne Beleuchtung.

Realistisch kann man sagen, dass die Tastatur ohne LED-Beleuchtung etwas über zwei Wochen durchhält. Mit Beleuchtung weniger als eine Woche. Es ist einstellbar, wie schnell sie in den Stand-by wechselt; kürzere Zyklen können helfen, die Laufzeit noch etwas zu strecken. FN + Enter zeigt den Akkustand leider nicht mehr an, dafür aber FN + Leertaste. Das Ganze findet zusätzlich zur LED statt, gibt aber durch die 10%-Schritte eine genauere Anzeige über die Restladung ab.

Testergebnis

Getestet von
Max Drechsel

Nach mehreren Wochen mit der Epomaker HE75 V2 TMR kann ich sagen: TMR ist ein nettes Checklistenfeature, aber sollte nicht über der Preisfrage stehen. Und der Sprung ist gewaltig. Die normale Epomaker HE75 V2 kostet bereits 96€, die TMR-Variante 137€. Diesen Aufpreis ist das Feature der ansonsten baugleichen Modelle nicht wert.

Wir haben es hier mit einer guten, aber nicht überragenden 75%-Tastatur zu tun. Das liegt meiner Meinung nach an den im Vergleich mit anderen Herstellern etwas weniger performanten Creamy-Jade-Switches. Das Tippgefühl gestaltet sich vorzeigbar, keine Frage, aber auch hier nicht überragend. Wobei bedacht werden sollte, dass diese Einschätzung höchst subjektiv ausfällt.

Dank der Einstellungsmöglichkeiten in der Software könnt ihr die Tastatur absolut präzise konfigurieren, es gibt effektiv kein Argument für zu wenig Präzision oder Reaktion auf Basis von Tastendrücken. Aber der Tastenwiderstand, die Lautstärke und das allgemeine Gefühl der Schalter haben mir weniger zugesagt. Vielleicht hätten mir die Sea Salt Silent V2 Switches der Epomaker TH108 Pro besser gefallen.

Ein Nachteil objektiver Natur ist, dass Epomaker kein QWERTZ-Layout verkauft. Nachrüsten geht natürlich, ist aber mit zusätzlichen Kosten verbunden. Schön umgesetzt wurde die Beleuchtung der Tasten ebenso wie die der Rückseite. Viel Beleuchtung zehrt jedoch an dem üppig ausgelegten Akku.

Dennoch würde ich die im Text genannte Gamakay TK75HE V2 der Epomaker HE75 V2 TMR vorziehen. Die Phoenix-Silent-Switches sind unglaublich leise und dennoch genau, außerdem kommt sie im QWERTZ-Layout. Die Einstellmöglichkeiten sind nahezu identisch. Einzig die Akkulaufzeit ist noch mal etwas schlechter. Der Preis liegt stattdessen bei rund 85€ und ist damit deutlich günstiger.

Summa summarum ist die Epomaker HE75 V2 TMR eine gute Tastatur, die zurzeit jedoch zu teuer verkauft wird, um konkurrenzfähig zu sein. Dafür bekommt ihr für den Aufpreis aktuellste Technik. Wer die TMR-Switches ausprobieren will, sollte auf ein Angebot im 100€-Bereich warten.

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