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Soundcore Liberty 5 Test

Getestet von Joscha am Preis-Leistungs-Tipp!
Vorteile
  • starkes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • sehr gute App mit echtem Equalizer
  • lange Laufzeit
  • sechs Ohrstöpselgrößen
  • kabelloses Laden
  • leicht und kompakt
Nachteile
  • Drucksensor ab Werk zu schwergängig
  • Lautstärke ab Werk nicht belegt
  • Werksklang zu basslastig
  • Dämpfung im Tiefton nur Durchschnitt
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Mit der Liberty-5-Serie hat Anker seine Ohrhörer neu sortiert. Ganz unten steht das Modell, um das es hier geht: der Soundcore Liberty 5. Darüber folgen der Liberty 5 Pro und die Liberty 5 Pro Max, die sich vor allem durch ihr Ladecase mit Display unterscheiden. Beim Basismodell gibt es dieses Display nicht, dafür sitzt hier auch derselbe Audio-Treiber wie in den beiden teureren Geschwistern.

soundcore liberty 5 ladecase geoeffnet mit ohrhoerern

Für 60 bis 80€ je nach Farbe bekommt ihr damit eine Ausstattung, die vor zwei Jahren noch als Oberklasse durchgegangen wäre: Geräuschunterdrückung mit fünf Stufen, Dolby Audio, kabelloses Laden, sechs Ohrstöpselgrößen und eine App. Die UVP von 99,99€ zahlt dabei praktisch niemand.

Liberty-5-Serie im Vergleich

Liberty 5 Liberty 5 Pro Liberty 5 Pro Max
Preis rund 70€ 179,99€ 249,99€
Ohrhörer langer Stiel, ohne Flügel kurzer Stiel mit Flügel stiellos mit Flügel
Treiber bei allen drei derselbe 9,2-mm-Treiber
Ladecase ohne Display, 48g kleines Display an der Kante, 57g Touchscreen im Deckel, 73g
Geräuschunterdrückung rund 76% gedämpft rund 84% gedämpft rund 84%, wie der Pro
Mikrofone 6 10, mit Knochenschall-Sensoren 10, wie der Pro
Akku mit Geräuschunterdrückung rund 7 Stunden rund 6 Stunden rund 6 Stunden
Stärke der Preis Telefonieren Gespräche mitschreiben

Lieferumfang des Soundcore Liberty 5

Im Karton steckt das Nötigste:

  • Ohrhörer mit vormontierten Ohrstöpseln in Größe M
  • Ladecase
  • fünf weitere Ohrstöpsel-Paare (XXS, XS, S, L, XL) im Fach unter der Einlage
  • USB-C-Kabel
  • Faltblatt mit Kurzanleitung

Ein Netzteil liegt nicht bei. Wichtig für alle, die gleich nach Ersatzstöpseln suchen: Die fünf zusätzlichen Paare liegen unter der Papp-Einlage und werden leicht übersehen.

Design und Verarbeitung

Das Ladecase ist matt und angenehm kompakt, es verschwindet problemlos in der Hosentasche. Der Deckel wird geschoben statt geklappt, und einen Öffnungsknopf wie beim Vorgänger gibt es nicht mehr. Im Dunkeln und mit einer Hand ist das Case dadurch fummeliger zu bedienen. Ein Display fehlt ebenfalls, stattdessen zeigt ein schmaler LED-Streifen den Ladestand an. Das Display der Pro-Modelle vermisst im Alltag kaum jemand.

Die Ohrhörer selbst sind hochglänzend und mit 4,6 Gramm pro Seite sehr leicht. Sie sitzen als klassische Stiel-Ohrhörer im Ohr, Ohrflügel gibt es nicht. Beim Sport kann das zum Problem werden, mehrere Käufer berichten von schlechtem Halt mit verschwitzten Ohren. Ich hatte ein solches Problem nicht. Wer eine schmale Ohrmuschel hat, sollte den Passform-Test in der App unbedingt machen: Das ist auch Voraussetzung dafür, dass die Geräuschunterdrückung überhaupt volle Leistung bringt.

Nach IP55 sind ausschließlich die Ohrhörer geschützt, nicht das Ladecase. Schweiß und Regen sind kein Problem, Duschen und Schwimmen dagegen schon.

Insgesamt ist der Liberty 5 sauber verarbeitet und angenehm unauffällig, verliert gegenüber dem Vorgänger aber beim Bedienkomfort des Cases.

Bedienung

Die Ohrhörer werden nicht angetippt, sondern am Stiel zusammengedrückt. Der Druckpunkt gilt als träge, oft braucht es zwei Versuche, und das Gerät verwechselt einfaches und mehrfaches Drücken.

Der Grund dafür steht in der App. Unter „Druckempfindlichkeit der Earbuds” stehen drei Stufen zur Wahl: Am festesten, Mittel und Am leichtesten. Ab Werk ist ausgerechnet Am festesten eingestellt, also die schwergängigste Variante. Wer die Stufe auf Mittel oder Am leichtesten stellt, hat einen deutlich anderen Kopfhörer in der Hand. Diesen einen Handgriff sollte jeder Käufer als Erstes machen.

Der zweite Fallstrick sitzt gleich daneben. Ab Werk ist die Lautstärkeregelung überhaupt nicht auf die Ohrhörer gelegt, dreimal Drücken ist mit „Keine” belegt. Wer die App nie öffnet, holt zum Lauterstellen jedes Mal das Handy heraus. Und selbst wenn ihr die Funktion zuweist, bleibt sie unhandlich: Ein Lautstärkeschritt kostet dann drei Druckvorgänge. Der Vorgänger hatte dafür eine Wischgeste, deren Wegfall ist ein echter Rückschritt.

Klang und Geräuschunterdrückung

Ab Werk läuft das Profil „soundcore Signature”, und das ist deutlich basslastiger abgestimmt als bei allen Vorgängern. Gleichzeitig sind die Höhen angehoben, was S-Laute schon bei mittlerer Lautstärke zischen lässt.

Das lässt sich beheben, denn der Achtband-Equalizer in der App greift wirklich. Wer 100 Hertz und rund 6 Kilohertz absenkt, bekommt einen gut abgestimmten Kopfhörer. Ab Werk klingt er dagegen etwas zu knallig.

Bei der Geräuschunterdrückung ist die Einordnung ehrlicherweise nüchtern, also Durchschnitt für diese Geräteklasse. Hochfrequente Geräusche werden vergleichsweise gut abgeschirmt, tiefe Geräusche dafür weniger. Im Büro gegen Stimmen und Tastaturen ist er dadurch stark, im Auto und in der S-Bahn bleibt das tiefe Dröhnen hörbar. Wer ihn hauptsächlich für die Pendelstrecke kauft, sollte das wissen.

Telefonieren

soundcore liberty 5 im ohr getragen

Telefonie ist die Disziplin, in der der Liberty 5 gut abliefert. Sechs Mikrofone sitzen am unteren Ende der Stiele und filtern Hintergrundgeräusche zuverlässig heraus. Natürlich wird nicht die Klangqualität der teureren Pro-Modelle erreicht, aber das ist auch deren Haupt-Verkaufsargument.

Probleme gibt es mit Wind. Sobald es draußen zieht, wird ein Gespräch schwierig. Technisch steckt dahinter, dass die Ohrhörer bei erkanntem Wind die Geräuschunterdrückung komplett abschalten und danach einige Sekunden brauchen, bis sie zurückkommt. Für Telefonate im Büro oder in der Wohnung ist das egal, für lange Gespräche auf dem Fahrrad taugt der Liberty 5 nicht.

Die Soundcore-App

Die Soundcore-App gehört zum Besten, die es in dieser Preisklasse gibt: 22 fertige Klangprofile, ein Achtband-Equalizer, ein Hörtest, ein Passform-Test, fünf Stufen für die Geräuschunterdrückung mit eigenem Flugzeug-Modus, eine Lautstärkegrenze, Trage-Erkennung und eine Wiederfinden-Funktion.

Akkulaufzeit des Soundcore Liberty 5

soundcore liberty 5 typenschild im ladecase

Anker verspricht 8 Stunden mit Geräuschunterdrückung und 12 Stunden ohne. In unserem Test landen wir bei rund 7 Stunden mit und gut 10 Stunden ohne Geräuschunterdrückung. Das sind etwa 15 Prozent weniger als beworben, aber immer noch ordentliche Werte für diese Klasse. Anker legt die Messbedingung immerhin offen, gemessen wird bei 50 Prozent Lautstärke.

Mit dem Ladecase kommt ihr auf etwa 32 bis 48 Stunden. Zehn Minuten am Kabel reichen für rund 5 Stunden Musik, geladen wird über USB-C oder kabellos. Eine Zahl solltet ihr kennen: Wer zwei Geräte gleichzeitig verbunden hat und zusätzlich die hochauflösende Übertragung oder Dolby Audio nutzt, kommt nur noch auf 4 Stunden.

Insgesamt ist die Laufzeit gut, bleibt aber spürbar hinter der Werbung zurück.

Testergebnis

Getestet von
Joscha

Der Soundcore Liberty 5 ist kein großer Sprung, sondern eine Seitwärtsbewegung. Beim Akku legt er gegenüber dem Liberty 4 (zum Test) deutlich zu, bei der Geräuschunterdrückung und beim Klang ab Werk gibt er Boden ab. Wer bereits einen guten Soundcore-Kopfhörer besitzt, braucht diesen hier nicht.

Für alle anderen zählt der Preis. Zwischen 60 und 70€ bekommt ihr einen leichten, sauber verarbeiteten Kopfhörer mit ordentlicher Geräuschunterdrückung, langer Laufzeit und einer App, die fast alles richtig macht. Zwei Einstellungen solltet ihr direkt nach dem Auspacken ändern: die Druckempfindlichkeit runter auf Mittel und die Lautstärkeregelung auf dreimal Drücken legen. Danach ist der größte Kritikpunkt dieses Kopfhörers weitgehend erledigt.

Natürlich gibt es auch Grenzen. Für die tägliche Bahnfahrt ist die Dämpfung im Tiefton zu schwach, für Telefonate im Freien ist er die falsche Wahl, und beim Sport fehlt der Halt. Das sind keine Deal-Breaker, aber ihr solltet vorher wissen, wofür ihr ihn kauft. Das Testergebniss ist insgesamt dennoch sehr gut, wenngleich Soundcore nicht unsere Empfehlung, den EarFun Air Pro 4+ (zum Test) vom Thron stoßen kann. Dort bekommt man zum ähnlichen Kurs vor allem ein noch besseres Klangerlebnis geboten.

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