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Der Acemagic Retro X3 ist ein Mini-PC im Kostüm einer Spielkonsole aus den Achtzigern. Weißes Gehäuse, roter Einschaltknopf, Lüftungsschlitze wie an einem Kassettenschacht: Wer das Gerät auf den Schreibtisch stellt, bekommt garantiert Rückfragen. Unter der Verkleidung steckt aktuelle Technik: ein AMD Ryzen 7 255 mit acht Kernen, 16GB Arbeitsspeicher und einer 1TB großen NVMe-SSD.
Mit dem aktuellen Gutschein kostet der Retro X3 rund 639€ statt der aufgerufenen 899,90€, und erst mit diesem Preis wird er interessant. Denn für 639€ steht er direkt neben Geräten wie dem Geekom A8 (zum Test) oder dem Mac mini M4 (zum Test). Wir haben ihn eine Woche lang im Arbeitsalltag genutzt und durchgemessen, inklusive Wärmebild unter Volllast, Stromzähler und einem Blick ins BIOS. Zwei Dinge sind dabei herausgekommen.
| Prozessor | AMD Ryzen 7 255 (Hawk Point), 8 Kerne / 16 Threads, bis 4,9 GHz, 16MB L3 |
|---|---|
| Grafik | AMD Radeon 780M, 12 Recheneinheiten |
| Arbeitsspeicher | 16GB LPDDR5-6400, fest verlötet, nicht aufrüstbar |
| Speicher | 1TB NVMe-SSD (faspeed P9), zweiter M.2-Steckplatz frei |
| Anschlüsse vorn | USB-C, 2x USB-A, 3,5-mm-Audio, Power |
| Anschlüsse hinten | HDMI, DisplayPort, 2,5-Gbit-LAN, 4x USB-A, Strom, Kensington |
| Funk | MediaTek MT7922: WiFi 6E, Bluetooth |
| System | Windows 11 Pro 25H2, TPM 2.0 |
| Preis | rund 639€ mit Gutschein |
Lieferumfang des Acemagic Retro X3
Im Karton liegt alles, was zum Loslegen nötig ist:
- Retro X3 mit vorinstalliertem Windows 11 Pro
- Netzteil mit separatem Netzkabel
- HDMI-Kabel
- VESA-Halterung mit Schrauben
- mehrsprachiges Handbuch, Deutsch inklusive
Die VESA-Halterung ist erwähnenswert, weil sie bei diesem Gehäuse schade ist: Hinter dem Monitor sieht niemand mehr das Retro-Design.
Design und Verarbeitung
Das Gehäuse besteht aus Kunststoff, wirkt aber sauber gefertigt, nichts knarzt oder hat schiefe Spaltmaße. Der Deckel ist großflächig perforiert und wird nach oben abgenommen, gehalten von einem Schiebeschalter an der Seite. Werkzeug braucht ihr dafür nicht.
Der schönste Gag steckt innen: Auf der Deckelunterseite ist ein komplettes Retro-Spielmenü aufgedruckt, mit Ladebalken, Steuerkreuz und Startknopf.
Anschlüsse
- Vorne:
- 1x USB-C
- 2x USB-A (blau)
- 1x 3,5-mm-Audioanschluss
- Einschaltknopf
- Hinten:
- 1x HDMI
- 1x DisplayPort
- 1x 2,5-Gbit-LAN
- 4x USB-A (blau)
- 1x Hohlstecker für das Netzteil
- 1x Kensington-Schloss
Bei den Anschlüssen gibt es wenig zu meckern. Vorn sitzen USB-C, zwei USB-A, ein Kopfhöreranschluss und der rote Einschaltknopf, hinten HDMI, DisplayPort, 2,5-Gbit-LAN, vier weitere USB-A-Anschlüsse, die Stromversorgung und ein Kensington-Schloss. Sechs USB-A-Anschlüsse sind für diese Geräteklasse großzügig. Der einzige USB-C-Anschluss sitzt allerdings vorn, und geladen wird ausschließlich über den runden Hohlstecker. Ein weiterer USB-C-Anschluss und ein SD-Kartenslot wären schön gewesen.
Insgesamt ist der Retro X3 gut verarbeitet und der Deckel lässt sich ohne Werkzeug öffnen.
Innenleben und Arbeitsspeicher
Der Arbeitsspeicher ist fest verlötet. Im geöffneten Gehäuse gibt es keinen einzigen Speichersockel, nur die Hauptplatine mit der SSD, dem WLAN-Modul und einem zweiten, freien M.2-Steckplatz. Windows meldet vier Bausteine an einer einzigen Position, und die Teilenummer Samsung K3LK7K70BM-BGCP steht laut Datenblatt des Herstellers für LPDDR5. Auch das BIOS selbst nennt „16384MB LPDD5″. Die 16GB, die ihr kauft, bleiben also 16GB, für die gesamte Lebensdauer des Geräts.
Erweitern könnt ihr nur den Speicherplatz: Der zweite M.2-Steckplatz ist frei und nimmt eine weitere NVMe-SSD auf. Die WLAN-Karte ist eine MediaTek MT7922 mit WiFi 6E, die Knopfzelle fürs BIOS sitzt zugänglich daneben.
Leistung
- Geekbench 6
- Geekbench 7
Verbaut ist der AMD Ryzen 7 255 mit acht Kernen und 16 Threads. Das ist ein umbenannter Hawk-Point-Chip in 4-Nanometer-Fertigung, und er liefert in dieser Klasse sehr ordentlich ab. In den Benchmarks landet der Retro X3 klar im oberen Feld der Mini-PCs, die wir bisher gemessen haben.
Der interessanteste Wert ist aber nicht die Höhe, sondern die Beständigkeit. Im 3DMark Time Spy erreicht das Gerät 3089 Punkte und liegt damit praktisch exakt auf dem Durchschnitt identischer Hardware. Es drosselt also nicht, sondern holt aus dem Chip heraus, was vorgesehen ist. Dazu passt der Blick ins BIOS: Das Leistungslimit steht ab Werk auf „Performance Mode”. Acemagic traut der eigenen Kühlung genug, um den Chip nicht künstlich einzubremsen. Auch in den weltweiten Tests meldet niemand eine Drosselung, das deckt sich also.
Für Büroarbeit, viele Browser-Tabs, Videoschnitt in Full-HD und ältere Spiele reicht das locker. Die Radeon 780M ist eine der stärksten integrierten Grafikeinheiten, an aktuelle Spiele in hohen Einstellungen braucht ihr trotzdem nicht zu denken. Und der eigentliche Flaschenhals sind die 16GB: Weil sich Grafik und System den Speicher teilen, wird es bei speicherhungrigen Spielen eng, und aufrüsten könnt ihr nicht.
SSD und der USB-C-Anschluss
- Interne SSD
- USB-C Anschluss
Die verbaute 1TB-SSD ist schneller als erwartet: 5073MB/s beim Lesen und 5463MB/s beim Schreiben sind echtes PCIe-4.0-Niveau und für ein Gerät dieser Preisklasse ungewöhnlich stark. Ein Wermutstropfen bleibt: Beim Lesen vieler kleiner Dateien fällt sie mit 75MB/s deutlich ab, ein typisches Zeichen für eine SSD ohne eigenen Zwischenspeicher. Beim Kopieren großer Dateien merkt ihr davon nichts, beim Öffnen vieler kleiner Dateien schon.
Nun zum vorderen USB-C-Anschluss. Mit einer externen Thunderbolt-SSD messen wir beim Lesen 2710MB/s, was sauberes USB4-Tempo ist. Hier gibt es nichts zu beanstanden.
Kühlung, Lautstärke und Stromverbrauch
Das Wärmebild nach einer Viertelstunde Volllast ist das beste Argument des Geräts. Die Oberseite kommt auf 37 °C, das Maximum im ganzen Bild liegt bei 38,4 °C. Vor allem aber verteilt sich die Wärme völlig gleichmäßig über die perforierte Deckplatte, es gibt keinen Hotspot. Auch nach längerer Last stieg die Temperatur nicht weiter an.
Bei der Lautstärke messen wir 32,8 dB(A) im Leerlauf und 41,8 dB(A) unter Volllast. Der Leerlaufwert ist sehr leise, unter Volllast hört ihr das Gerät deutlich, was bei 80 Watt Leistungsaufnahme allerdings normal ist. Im Alltag mit Office und Browser dreht der Lüfter kaum auf.
Beim Verbrauch stehen 18 Watt im Leerlauf und 80 Watt unter Volllast auf dem Messgerät. Über einen kompletten Arbeitstag von 7:30 bis 16:00 Uhr zog der Retro X3 insgesamt 233 Wattstunden, also gut 27 Watt im Schnitt. Hochgerechnet auf 220 Arbeitstage sind das rund 60 Kilowattstunden im Jahr oder etwa 21€ Stromkosten.
Insgesamt ist die Kühlung die eigentliche Stärke dieses Geräts: 80 Watt Dauerlast ohne Drosselung, ohne Hotspot und ohne Lärmbelästigung im Alltag.
Windows und Auslieferungszustand
Windows 11 Pro ist vorinstalliert und aktiviert, das Image stammt vom 24. Juli 2026. Positiv: Es liegt keine Bloatware auf dem Gerät, alle Treiber sind vorhanden, und ein kompletter Virenscan blieb ohne Fund. Das ist bei Acemagic ausdrücklich erwähnenswert, weil bei Modellen dieser Marke 2024 ab Werk Schadsoftware nachgewiesen wurde. Dieses Gerät ist sauber.
Secure Boot ist ab Werk abgeschaltet — das lässt sich im BIOS in einer Minute ändern und sollte auf eurer Liste stehen.
Das BIOS selbst ist erfreulich vollständig: alle Reiter offen, TPM 2.0 aktiv, das Leistungslimit einstellbar. Was der Hersteller dagegen gar nicht hinterlegt hat, sind Geräte- und Seriennummer, dort steht überall nur „Default string”.
Testergebnis
Der Retro X3 ist besser, als das Gehäuse vermuten lässt. Die Kühlung hält 80 Watt aus, ohne dass Takt oder Lautstärke aus dem Ruder laufen, die SSD ist schnell, die Anschlussausstattung großzügig, und das Gerät kommt mit sauberem Windows.
Zum aufgerufenen Listenpreis von 899,90€ wäre er trotzdem keine Empfehlung. Bei rund 639€ sieht die Rechnung anders aus: Dafür bekommt ihr einen starken Prozessor, eine 1TB SSD und ein Gehäuse, das Spaß macht. Wer einen leisen Büro- und Medienrechner sucht, der auch bei GPU-intensiven Aufgaben nicht direkt einen Flaschenhals hat, macht hier nichts falsch.
Lediglich einen Punkt solltet ihr vorher beachten: Die 16GB Arbeitsspeicher sind verlötet und bleiben für immer 16GB, egal was die Ankündigungen zum Marktstart behaupten.
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