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Der Soundcore Liberty 5 Pro Max ist das Spitzenmodell der Liberty-5-Serie und der einzige Kopfhörer darin, dessen Ladecase einen richtigen Touchscreen im Deckel trägt. Über das 1,78 Zoll große Display steuert ihr zwölf Funktionen ohne Handy, und es kann Gespräche aufnehmen und daraus ein Transkript mit Zusammenfassung erzeugen. Auf dem Karton steht deshalb „AI Note-Taking Earbuds”.
Der Rest ist bekannt, denn Anker schreibt selbst, dass die Ohrhörer bei Pro und Pro Max identisch sind, inklusive Geräuschunterdrückung, Treiber und Akku. Die 249,99€ zahlt ihr also allein für das Case, 70€ mehr als beim Liberty 5 Pro und fast das Vierfache des Basismodells. Ob das aufgeht, entscheidet sich an einer einzigen Frage: Wie oft schreibt ihr Gespräche wirklich mit?
Die drei Modelle der Liberty-5-Serie im Vergleich
| Liberty 5 | Liberty 5 Pro | Liberty 5 Pro Max | |
|---|---|---|---|
| Preis | rund 70€ | 179,99€ | 249,99€ |
| Ohrhörer | langer Stiel, ohne Flügel | kurzer Stiel mit Flügel | stiellos mit Flügel |
| Treiber | bei allen drei derselbe 9,2mm-Treiber | ||
| Ladecase | ohne Display, 48g | kleines Display an der Kante, 57g | Touchscreen im Deckel, 73g |
| Geräuschunterdrückung | rund 76% gedämpft | rund 84% gedämpft | rund 84%, wie der Pro |
| Mikrofone | 6 | 10, mit Knochenschall-Sensoren | 10, wie der Pro |
| Akku mit Geräuschunterdrückung | rund 7 Stunden | rund 6 Stunden | rund 6 Stunden |
| Stärke | der Preis | Telefonieren | Gespräche mitschreiben |
Lieferumfang des Soundcore Liberty 5 Pro Max
Im Karton liegt viel Anpassungsmaterial, aber kein Zubehör für das teuerste Bauteil:
- Ohrhörer mit Ohrflügel Größe 1 und Ohrstöpsel Größe M vormontiert
- Ladecase mit Touchscreen
- fünf Ohrstöpselgrößen von XXS bis L
- drei Ohrflügel-Größen
- USB-C-Kabel
Was fehlt, ist eine Schutzfolie für das Display. Bei einem Bildschirm, der außen auf dem Deckel sitzt und mit dem Case durch die Hosentasche wandert, ist das ein echtes Versäumnis. Das Display fängt sich in der Hosentasche entsprechend schnell feine Kratzer ein, und die passende Hülle aus dem Zubehör verdeckt ausgerechnet einen Teil der Touchfläche.
Design und Verarbeitung
Das Ladecase ist mit rund 73 Gramm deutlich schwerer als beim kleineren Modell, das ohne Bildschirm auskommt. In der Hosentasche merkt ihr das. Dafür ist die Verarbeitung sauber, das Case liegt angenehm in der Hand und wirkt wertig.
Ein Punkt gehört klar benannt: Der Wasserschutz nach IP55 gilt ausdrücklich nur für die Ohrhörer. Für das Ladecase gibt Anker im Handbuch gar keine Schutzart an, auf der Produktseite steht sie trotzdem für beides. Wer bei Regen unterwegs ist, sollte das Case besser in die Innentasche stecken.
Die Ohrhörer selbst haben keinen Stiel, sie sitzen als kleine Bohne mit weichem Flügel in der Ohrmuschel. Der Halt ist gut, bei uns hat auch beim Laufen und Radfahren nichts gewackelt, und es entsteht kein Druckgefühl im Ohr. Den Passform-Test in der App solltet ihr trotzdem machen, denn er ist laut Anleitung Voraussetzung dafür, dass die Geräuschunterdrückung ihre volle Leistung bringt.
Insgesamt ist das Paket hochwertig verarbeitet, das ungeschützte und schnell zerkratzende Display bleibt aber der wunde Punkt.
Der Touchscreen im Ladecase
Im Deckel steckt ein 1,78 Zoll großer AMOLED-Bildschirm, und der ist tatsächlich gut: hell, scharf und flüssig, mit eigenen Hintergrundbildern. Zwölf Funktionen sind hinterlegt, vom Umschalten der Geräuschunterdrückung über die Klangprofile und den Raumklang bis zur Musiksteuerung und der Übersetzung.
Der praktische Nutzen liegt nicht bei den großen Versprechen, sondern im Kleinen: Geräuschunterdrückung und Klangprofil ohne Handy umschalten, die Lautstärke am Case regeln, die Helligkeit anpassen. Der Reiz nutzt sich allerdings schnell ab, und dann greift ihr doch wieder zum Handy.
Die Bedienung ist die Schwachstelle. Der Touchscreen reagiert nicht immer zuverlässig, manche Eingabe braucht zwei Anläufe, und es gibt einen Konstruktionsfehler: Weil die gesamte Deckelinnenseite Touchfläche ist, löst das Herausnehmen eines Ohrhörers oft eine ungewollte Aktion aus. Wer sechs Widgets belegen kann, aber nur drei nutzt, hat davon wenigstens weniger Ärger.
Der KI-Notizblock
Auf dem Karton steht „AI Note-Taking Earbuds”, und das ist der Grund, warum dieses Modell existiert. Ihr startet eine Aufnahme am Case, die App macht daraus ein Transkript mit Sprechererkennung und auf Wunsch eine Zusammenfassung. Das funktioniert erstaunlich gut: Unser deutsches Testgespräch kam sauber lesbar zurück, inklusive korrekt getrennter Sprecher. Insgesamt versteht das System 154 Sprachen.
Der erste Haken steht im Kleingedruckten des Herstellers: Aufgenommen wird ausschließlich über das Mikrofon im Ladecase, also nur, was tatsächlich im Raum gesprochen wird. Videokonferenzen und Telefonate erfasst das System nicht. Wer sich die Ohrhörer für Teams-Meetings im Homeoffice kauft, kauft am Bedarf vorbei. Für Besprechungen am Tisch, Interviews oder Vorlesungen ist es dagegen genau richtig.
Der zweite Haken ist der Preis. Im Kaufpreis enthalten sind 120 Transkriptionsminuten pro Monat, und das auch nur für 24 Monate. Das sind zwei Stunden Meeting im Monat. Wer mehr braucht, zahlt für das Abo rund 18€ monatlich. Im ersten Jahr wären das zusätzlich über 200€, also mehr, als der Kopfhörer selbst gekostet hat. Es gibt einen Ausweg: Die reine Aufnahme läuft ohne Abo, und die Audiodatei lässt sich aus der App exportieren und woanders auswerten.
Die Übersetzung ist eine ähnliche Geschichte. Sie läuft nicht auf dem Case, sondern im Handy, braucht also Internet und eine laufende App. Die Trefferquote ist alltagstauglich, für Läden, Bahnhöfe und Flughäfen reicht es. Der Lautsprecher im Case ist allerdings so leise, dass ihr ihn außerhalb ruhiger Räume kaum versteht.
Klang und Geräuschunterdrückung
Ab Werk ist die Abstimmung deutlich basslastig, und der Hochton bleibt zurückhaltend. Der Bassschub hängt nicht an der Geräuschunterdrückung, ihr entkommt ihm also nicht durch Abschalten. Mit dem Achtband-Equalizer und dem Hörtest lässt sich viel geradebiegen, und danach klingt der Kopfhörer erwachsen. Ganz nach oben reicht es trotzdem nicht: Ab etwa 12,5 Kilohertz fällt der Hochton ab, und ausgerechnet dort endet auch der Equalizer.
Der Grund dafür ist Hardware. Pro Seite arbeitet ein einzelner 9,2-Millimeter-Treiber, während das frühere Spitzenmodell an dieser Stelle noch zwei Treiber hatte. Für 250€ ist das schwer zu erklären.
Bei der Geräuschunterdrückung sieht es besser aus. Die Dämpfung liegt im Mittel bei 23 bis 25 Dezibel und damit in der soliden Oberklasse. Gegen gleichförmigen Lärm ist das Ergebnis stark, U-Bahn, Flugzeug und Stadtverkehr verschwinden nahezu. Schwächer wird es bei kurzen, harten Geräuschen: Tastaturklappern und Geschirr im Ohr bleiben hörbar. Fünf manuelle Stufen und ein automatischer Modus sind feiner abgestuft als bei den meisten Mitbewerbern.
Telefonieren
Hier spielt der Kopfhörer seine eigentliche Stärke aus. Zehn Sensoren arbeiten für die Stimmtrennung, darunter zwei, die die Stimme direkt am Schädelknochen abgreifen. Unsere Gesprächspartner haben von der Umgebung praktisch nichts mitbekommen, selbst bei Gegenwind auf dem Rad. Weil die Rechenarbeit im Ohrhörer passiert und nicht im Handy, funktioniert das an jedem Gerät gleich gut.
Eine Grenze gibt es: Im Großraumbüro, wenn ringsum Kollegen sprechen, filtert das System so aggressiv, dass es Teile der eigenen Stimme mit wegschneidet. Allein im Raum ist die Sprachqualität dagegen hervorragend.
Praktisch ist die Sprachsteuerung mit über 20 festen Befehlen, die ohne Internet direkt auf dem Gerät laufen. Dauerhaft aktiv halbiert sie allerdings die Laufzeit.
Akkulaufzeit des Soundcore Liberty 5 Pro Max
Anker nennt 6,5 Stunden mit Geräuschunterdrückung, und das ist erreichbar. In der Praxis kommen wir auf gut 6 Stunden mit der Standardübertragung und rund 5 Stunden mit der hochauflösenden Übertragung. Die vollständige Tabelle steht nur im Handbuch: beim Telefonieren 4 Stunden, mit Raumklang 5 Stunden, mit dauerhafter Sprachsteuerung nur noch 3 Stunden.
Dazu kommt ein Effekt, den es beim kleineren Modell nicht gibt: Der Bildschirm zieht Strom aus dem Ladecase. Ihr werdet das Case also häufiger laden als bei einem Kopfhörer ohne Display. Geladen wird mit 5 Watt über USB-C oder kabellos, ein Schnellladenetzteil bringt hier nichts.
Insgesamt reicht die Laufzeit für einen Arbeitstag, das Case will aber öfter an die Steckdose als gewohnt.
Testergebnis
Der Soundcore Liberty 5 Pro Max verlangt eine klare Entscheidung. Als Kopfhörer ist er sehr gut, aber nicht besser als das 70€ günstigere Modell, denn die Ohrhörer sind bauartgleich. Wer also nur hören und telefonieren will, greift zum kleineren Pro und spart sich das Geld.
Sinnvoll wird der Aufpreis genau dann, wenn ihr regelmäßig Gespräche im Raum mitschreiben lasst: Besprechungen, Interviews, Vorlesungen. Dafür ist die Lösung erstaunlich bequem, weil ihr nur an das Case tippt und den Rest die App erledigt. Rechnet dann aber das Abo mit ein, denn zwei Freistunden im Monat sind schnell aufgebraucht.
Natürlich gibt es auch Punkte, die bei 250€ nicht sein müssten. Es liegt keine Displayschutzfolie bei, obwohl der Bildschirm außen sitzt. Der Touchscreen reagiert nicht immer sauber. Und beim Klang bleibt der Hochton hinter dem zurück, was in dieser Preisklasse zu erwarten wäre. Das sind keine Deal-Breaker, aber sie erklären, warum wir hier eher zum kleineren Modell raten.
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Dann testet mal bitte den HTC NE20. Den habe ich für circa 20 Euro gekauft und für den Preis ist der Super. Hat auch so ein Display und kann per App kostenlose Übersetzung. Kann klanglich und bezüglich der Rauschunterdrückung vielleicht nicht mithalten, aber bei dem Preiskann man damit Leben. 🙂