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Narwal Freo 20 im Test – mit selbstreinigender Wischwalze

Getestet von Erik Schmid am
Vorteile
  • selbstreinigende Wischwalze
  • Kantenreinigung: Walze fährt heraus
  • immer frisches Wischwasser
  • ordentliche Saugleistung
  • leise auf Hartboden
  • vollautomatische Reinigungsstation
  • durchdachte App mit sichtbarer Automatik
Nachteile
  • schwächelt im Hochflorteppich
  • überfährt Kleinteile
  • weicht großen Flecken aus
  • keine automatische Reinigungsmitteldosierung
  • nicht günstiger als die Konkurrenz
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Narwal hat sich in den letzten Jahren einen Namen mit einer Technik gemacht, die lange kaum jemand so umgesetzt hat: einer Wischwalze, die sich während der Fahrt selbst reinigt. Bisher war das der Grund, zum Topmodell zu greifen, etwa zum Narwal Flow (zum Test) oder dem neuen Flow 2. Mit dem Freo 20 wandert dieses FlowWash-System zum ersten Mal in ein Gerät, das nicht das Topmodell ist.

Narwal Freo 20 Test Head

Ich habe den Freo 20 einen Monat lang in einer 90-Quadratmeter-Wohnung laufen lassen, auf PVC in der Küche, Laminat und Parkett in den Wohnräumen, Fliesen im Bad und Teppich im Wohnzimmer. Eine Sache ist mir dabei ausgerechnet beim Wischen aufgefallen.

Technisch ist der Freo 20 fast ein Narwal Flow 2

Narwal Freo 20 Test Flow 2Gleiche Bauhöhe von 9,5 Zentimetern, gleiche 31.000 Pascal Saugleistung, dieselben zwei Kameras zur Orientierung, dasselbe Wischsystem. Gespart wird an drei Stellen:

  • Der Akku fällt mit 6.400mAh etwas kleiner aus,
  • der Hauptbürste fehlt die absenkbare Abdeckung mit Gummidichtung,
  • und die Station dosiert kein Reinigungsmittel mehr.

Dafür ist sie sieben Zentimeter niedriger, und ihr seid an keine Herstellerkartuschen gebunden. Bei den Kanten nehmen sich beide nichts, weil auch dem Flow 2 die ausfahrbare Seitenbürste fehlt.

Der Freo 20 soll hierzulande rund 800€ kosten, der Flow 2 liegt auch im Angebot bei etwa 1.100€. Damit läuft die Entscheidung zwischen beiden vor allem auf den Bodenbelag hinaus: Wer überwiegend Hartboden hat, spart die 300€ ohne echten Nachteil, der Aufpreis lohnt erst bei viel Teppich.

Lieferumfang und Aufbau

Narwal Freo 20 Test Lieferumfang

Der Karton ist schlicht gehalten, fast ohne Aufdruck. Im Lieferumfang findet ihr:

  • Saugroboter mit vormontierter Wischwalze und Filter
  • Reinigungsstation mit farblich passendem weißen Netzkabel
  • Seitenbürste zum Anstecken
  • Entkalker für den Frischwassertank
  • Staubbeutel (einer ist bereits eingesetzt, ein zweiter liegt bei)
  • zusätzlicher Filter (das Gleiche: einer eingesetzt, einer zusätzlich)
  • Reinigungsmittel-Probe (wird in den Frischwassertank gegeben)
  • Kurzanleitung mit Sicherheitshinweisen

Positiv, dass ein zweiter Staubbeutel und ein Ersatzfilter beiliegen. Der Aufbau dauert keine zehn Minuten: Schutzfolien abziehen, Seitenbürste einclipsen, Entkalker in den Frischwassertank stecken, Station anschließen, Wasser einfüllen.

Design und Verarbeitung

Saugroboter

Mit 9,5 Zentimetern Bauhöhe gehört der Freo 20 zu den flacheren Geräten am Markt. Möglich wird das, weil Narwal auf den klassischen Laserturm auf der Oberseite verzichtet. Stattdessen sitzt der Laser nach hinten gerichtet, ergänzt um einen seitlichen Sensor und zwei Kameras an der Front, die jeweils 136 Grad abdecken. Ein kleines LED-Licht hilft fast dauerhaft bei der Sicht.

Unter dem Roboter sitzt eine einzelne Seitenbürste. Die ist starr montiert und rotiert einfach die ganze Zeit mit, sie fährt also nicht zum Rand aus. Die Wischwalze dagegen schiebt sich seitlich heraus und kommt damit näher an Fußleisten und Ecken. Das ist ein wichtiger Unterschied für die Praxis, auf den ich weiter unten zurückkomme.

Die Hauptbürste kombiniert Borsten und Gummilamellen und ist so aufgehängt, dass Haare seitlich abwandern statt sich aufzuwickeln. Was hier fehlt, ist die absenkbare Abdeckung mit Gummidichtung, die der Flow 2 mitbringt. Beim Flaggschiff fährt das komplette Saugmodul auf Teppich nach unten und dichtet ab, wodurch ein stärkerer Unterdruck entsteht. Der Freo 20 hat diesen Mechanismus nicht.

Reinigungsstation

Die Station ist die auffälligste Änderung. Sie misst rund 43 x 40 x 46 Zentimeter und ist damit knapp sieben Zentimeter niedriger als die des Flow 2, dafür etwas tiefer. Sie kommt ausschließlich in Weiß und hat eine dreidimensionale Webstruktur in die Front geprägt, die sie eher nach Möbelstück als nach Technik aussehen lässt.

Wie bei den bisherigen Freo-Modellen fährt der Roboter in die Station hinein und nicht davor. Innen erwarten euch Frischwasser- und Schmutzwassertank sowie der Staubbeutel mit 2,4 Litern, der in einem Schubfach vor dem Schmutzwassertank sitzt. Das ist etwas versteckt, im Alltag aber kein Problem, weil ihr da ohnehin nur alle paar Monate ran müsst. Die Wanne lässt sich zum Reinigen herausnehmen, der Bodenfilter ist abnehmbar.

Die Station wäscht die Walze mit angeblich bis zu 100 Grad heißem Wasser und trocknet sie anschließend mit warmer Luft. Ein physischer Knopf startet eine Reinigung ohne App: welches Reinigungsprogramm abgespult werden soll, ist in der App definierbar.

Eine automatische Reinigungsmittel-Dosierung gibt es nicht. Wollt ihr ein Mittel nutzen, kippt ihr es von Hand in den Frischwassertank. Das ist ein Handgriff mehr als beim Flow 2, hat aber auch eine gute Seite: Ihr seid an keine Herstellerkartuschen gebunden, könnt nehmen, was ihr wollt und habt keine laufenden Kosten.

Ein Wort zu den Folgekosten, weil die bei Saugrobotern gern unterschätzt werden. Staubbeutel, Filter, Seitenbürste und irgendwann die Wischwalze wollen ersetzt werden. Direkt beim Hersteller und bei Amazon zahlt ihr dafür ordentlich, günstiger fahrt ihr über AliExpress, wo ihr am besten gleich einen Viererpack bestellt und dann für lange Zeit Ruhe habt. Beim Filter müsst ihr ohnehin nicht bei jedem Anzeichen zum Nachschub greifen, einmal ordentlich ausgeklopft macht der problemlos eine zweite Runde mit.

Insgesamt ist die Station einfacher aufgebaut als bei den Topmodellen, erledigt aber alles, worauf es im Alltag ankommt.

App und Einrichtung

Die Einrichtung führt euch über Bluetooth und WLAN durch die Kopplung und schickt den Roboter danach auf eine Erkundungsfahrt. Danach steht die Karte inklusive automatisch aufgeteilter Räume.

Bei mir hat das gut funktioniert. Die meisten Räume waren auf Anhieb korrekt getrennt, nachbessern musste ich nur einmal, um Flur und Abstellkammer zu teilen. Probleme gab es an einer Glastür, die der Roboter schlicht nicht als Tür erkannt hat. Das ist der Preis der Kamera-Navigation, und ich würde es angesichts des Restergebnisses verschmerzen.

Die App selbst gefällt mir. Sie ist übersichtlich aufgebaut, bietet trotzdem viele Einstellungen und zeigt den Zustand von Staubbeutel und Trocknung an. Zeitpläne, Sperrzonen und Mehretagenkarten sind vorhanden, Waschen und Trocknen lassen sich auch manuell anstoßen. Die deutsche Übersetzung ist nicht auf muttersprachlichem Niveau, ihr versteht aber jederzeit, was gemeint ist.

Praktisch ist der Freo-Mind-Modus. Darin regelt der Roboter Saugkraft, Wassermenge und Route selbstständig nach Raum und Verschmutzungsgrad. Im Betrieb seht ihr dem Gerät an, wie es seine Parameter unterwegs anpasst.

Modi und die Sache mit den Teppichen

Neben Freo Mind (automatisierte Reinigung, mit KI-Anpassung) stehen euch feste Modi zur Verfügung: nur saugen, nur wischen, saugen und wischen gleichzeitig oder erst saugen und dann wischen.

Teppiche erkennt der Freo 20 selbstständig und legt sie als schraffierte Flächen auf die Karte. In der App bestimmt ihr anschließend pro Teppich, was passieren soll: auslassen, nur überfahren, ohne zu reinigen, oder eben saugen. Das klingt nach Arbeit, ist aber einmal eingerichtet und dann erledigt.

Ich habe es so eingestellt, dass der Roboter zuerst alle Teppiche abarbeitet, bevor er die Wischwalze überhaupt befeuchtet. Er fährt also im Schlafzimmer auf den großen Teppich, saugt ihn ab, kehrt danach zur Station zurück, macht die Walze nass und wischt und saugt anschließend die restliche Wohnung in einem Durchgang. Wer möchte, trennt die beiden Arbeitsschritte stattdessen komplett. Kleine Badvorleger räume ich vor der Reinigung weg. Damit hat der Freo 20 Probleme, allerdings geht es hier keinem Saugroboter anders.

Reinigungsleistung des Narwal Freo 20

Narwal Freo 20 Test Sauger Station

Navigation und Hinderniserkennung

Ohne Laserturm auf dem Dach navigiert der Freo 20 hauptsächlich über seine beiden Kameras, und das klappt gut. Er zieht saubere Bahnen, findet zuverlässig in die Räume und arbeitet strukturiert.

Bei den Hindernissen fällt das Ergebnis gemischt aus. Kabel erkennt er sehr gut und lässt sie konsequent liegen, an Schuhen fährt er dicht vorbei, ohne sie anzurempeln. Kleinteile sind dagegen chancenlos: Einen Stift auf dem Boden überfährt er einfach, und über flache Stuhlbeine von rund zwei Zentimetern Höhe knallt er ohne Rücksicht drüber. Er ist also einerseits vorsichtig, andererseits stellenweise ziemlich forsch. Von einer herausragenden Objekterkennung würde ich nicht sprechen, für den Alltag reicht es aber problemlos.

Narwal Freo 20 Test Praxis Licht

Beim Andocken ist er genügsamer, als ich erwartet hatte. Meine Station steht im Bad zwischen Wäschekorb und Schrank, seitlich sind kaum drei Zentimeter Luft. Der Freo 20 fährt trotzdem behutsam und sauber rückwärts hinein. Große Freiflächen rund um die Station braucht ihr also nicht einzuplanen.

Türschwellen von zwei Zentimetern nimmt er ohne Anlauf. Unter Sofa und Bett passt er dank der flachen Bauform. Eine Einschränkung gibt es trotzdem: Unter meine Küchenschränke mit einem Spalt von zehn bis elf Zentimetern fährt er nicht, obwohl er rein rechnerisch hineinpassen würde. Das machen allerdings nur wenige Saugroboter.

Insgesamt navigiert der Freo 20 solide und souverän durch die Wohnung, auch wenn er bei Kleinteilen auf dem Boden nicht zu den Genauesten gehört.

Saugleistung

31.000 Pascal stehen auf dem Datenblatt, was aktuell zu den höchsten Angaben am Markt zählt. Wie immer sagt diese Zahl allein wenig aus, entscheidend ist, was am Boden ankommt.

Auf Hartböden gibt es nichts zu bemängeln. Krümel, Staub und Haare nimmt der Freo 20 zuverlässig auf, und dabei arbeitet er in der Standardstufe angenehm leise. Auf Teppich schaltet er hörbar eine Stufe höher, und genau dann zieht er auch am meisten Strom.

Die Teppichleistung ist gut, sie erreicht aber nicht das Niveau des Flow 2. Dem Freo 20 fehlt eben jenes Saugmodul, das beim Flaggschiff nach unten fährt und den Bürstenraum abdichtet. Oberflächenschmutz und Haare holt er aus dem Flor heraus, für die Tiefenreinigung eines Hochflorteppichs ist er nicht das richtige Gerät. Wer überwiegend Hartboden hat und ein bis zwei Teppiche, ist damit gut bedient.

An den Haaren hat sich nach einem Monat nur wenig gesammelt. Ganz ohne Nacharbeit kommt ihr nicht aus, ich schätze, dass ihr euch die Hauptbürste etwa halbjährlich einmal vornehmen solltet. Ein echtes Null-Verheddern ist es also nicht, aber die Konkurrenz macht es kaum besser.

Wischen

Das Wischen ist die eigentliche Besonderheit des Freo 20. Statt zweier rotierender Pads arbeitet er mit einer flachgedrückten Walze, die über sechzehn Düsen permanent mit 60 Grad Celsius warmem Frischwasser versorgt wird. Ein Abstreifer nimmt das Schmutzwasser sofort wieder auf und leitet es in einen separaten Tank. Die Walze wischt also nie mit dem Dreck von eben weiter, sondern immer mit frischem Wasser. Mit zwölf Newton drückt sie dabei auf den Boden, und auf Teppich hebt sie sich an.

Der Unterschied zu Pad-Systemen ist sichtbar. Normalen Haushaltsschmutz, also Fußspuren, Küchenspritzer und getrocknete Wasserflecken, wischt der Freo 20 in einem Durchgang weg. Die Walze fährt zudem seitlich aus und kommt dadurch näher an Fußleisten und in Ecken als die starre Seitenbürste beim Saugen. Vollständig in die Ecke kommt er nicht.

Narwal Freo 20 Test Praxis Walze

Interessant wurde es beim härtesten Test. Ich habe Ketchup auf dem Boden verteilt, und der Freo 20 erkennt den Haufen zuverlässig. Er behandelt ihn allerdings als Hindernis und meidet den Bereich, statt ihn anzugehen. Fährt er doch hindurch, ist der Ketchup anschließend weg. Nach zwei Durchgängen war die nicht eingetrocknete Spur restlos entfernt. Das Gerät kann es also, es traut sich nur nicht zu.

So gut die Walze arbeitet, eine sachliche Einordnung gehört dazu: Sie ersetzt keinen Nasssauger und keinen Wischmopp. Sie hebt das Grundniveau eurer Böden spürbar an und hält sie sauberer, als es ein Saugroboter mit Pads schafft. Die gründliche Reinigung nimmt sie euch nicht ab.

Insgesamt wischt der Freo 20 gründlicher, als ich es von Pad-Systemen kenne, bleibt aber eine Ergänzung und kein Ersatz für den Wischmopp.

Akkulaufzeit, Ladedauer und Lautstärke

Der 6.400mAh-Akku reicht bequem für die gesamte Wohnung. Für 70 Quadratmeter Reinigungsfläche mit Saugen und Wischen braucht der Freo 20 rund 80 Minuten und verliert dabei etwa 30 Prozent Ladung. Mein Wohnzimmer mit 11,5 Quadratmetern reiner Teppichfläche schafft er in 24 Minuten und braucht 30% Akku mit Teppichboost.

Dass die Ladung so weit reicht, liegt auch am Nachladen zwischendurch. Immer wenn der Roboter zur Station zurückkehrt, um die Walze zu spülen, lädt er nebenbei nach. Eine vollständige Ladung von leer auf voll dauert rund drei Stunden, in der Praxis werdet ihr das aber kaum je erleben.

Bei der Lautstärke gibt es wenig zu meckern. Auf Hartboden im Standardmodus nehmt ihr den Freo 20 kaum wahr, Fernsehen und Videokonferenzen sind problemlos möglich, während er arbeitet. Nur wenn er auf dem Teppich die Saugkraft hochfährt, hört ihr ihn deutlich.

Testergebnis

Getestet von
Erik Schmid

Der Narwal Freo 20 bringt die Wischwalze, die Narwal bisher den Topmodellen vorbehalten hat, in eine niedrigere Preisklasse. Was dabei wegfällt, ist überschaubar: etwas Akku, die Abdichtung am Saugmodul und die automatische Reinigungsmittel-Dosierung.

Das Wischen ist der Grund, sich für dieses Gerät zu interessieren. Die Walze arbeitet permanent mit frischem Wasser, kommt näher an die Kanten als die Saugeinheit und hinterlässt einen saubereren Boden, als ich es von Pad-Systemen kenne. Dazu kommt eine App, die übersichtlich bleibt und trotzdem genug Einstellungen bietet. Die Station ist einfacher aufgebaut als bei den Topmodellen, erledigt aber alles Nötige vollautomatisch und fällt im Wohnzimmer wenig auf.

Dass 800€ für die Mittelklasse trotzdem happig sind, will ich nicht unter den Tisch fallen lassen. Wischwalzen sind inzwischen auch bei anderen Herstellern in dieser Preisregion angekommen, und Narwal fehlt hierzulande vor allem Bekanntheit.

Auf der Negativseite stehen die Teppich-Tiefenreinigung, bei der das absenkbare Saugmodul des Flow 2 spürbar fehlt, und eine Objekterkennung, die kleine Dinge auf dem Boden schlicht überfährt. Deal-Breaker sind das nicht, ihr solltet nur wissen, worauf ihr euch einlasst.

Am Ende hängt die Empfehlung an eurem Haushalt. Wohnt ihr zu zweit ohne Hund und Kinder, wird euer Boden gar nicht so schmutzig, und der Freo 20 hält ihn gut und dauerhaft sauber. Gehören Hunde dazu, die viel draußen sind, oder kleine Kinder, dann bleibt ein Nasssauger für die gründliche Reinigung Pflicht. Der Freo 20 hebt in diesem Fall das Grundniveau an, ersetzt das Wischen von Hand aber nicht.

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