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Der Blackview MP50 will ein Rundum-sorglos-Paket sein: ein winziger Mini-PC mit vorinstalliertem Windows 11 Pro, dazu Tastatur und Maus direkt im Karton. Ihr packt aus, schließt einen Monitor an und legt los. Beworben wird der kleine Würfel für rund 350€, im Angebot ist er auch schon für 300€ inklusive Eingabegeräten bei Amazon zu haben. Der Haken steckt im Prozessor: Blackview verbaut einen AMD Ryzen 5 3500U aus dem Jahr 2019.
Kompakte Computer kann Blackview eigentlich gut, das hat der winzige Blackview MP80 (zum Test) mit Intel N95 bereits gezeigt. Der MP50 ist etwas größer, setzt auf AMD und tritt damit gegen die günstigen Intel-N-Mini-PCs an, die derzeit den Ton in der Einsteigerklasse angeben. Die Frage ist nur, ob ein sechs Jahre alter Chip in einem Gerät für 350€ noch eine gute Figur macht. Ich habe den MP50 mit unseren eigenen Benchmarks durch die üblichen Tests geschickt und ihn den Mini-PCs aus unserer Bestenliste gegenübergestellt.
Design und Lieferumfang
Der MP50 ist wirklich klein. Mit 100 x 100 x 33 Millimeter und nur 282 Gramm passt er in jede Handfläche und verschwindet hinter jedem Monitor. Das Gehäuse besteht aus Kunststoff mit einer glänzenden, dunklen Oberseite und einem matten Rahmen. Das wirkt für den Preis ordentlich verarbeitet und keineswegs billig. Große Gummifüße sorgen für sicheren Stand, auf der Unterseite sitzt das Typenschild mit allen Eckdaten.
Ein echtes Highlight ist die Wartung. Über einen Schiebe-Riegel lässt sich der Deckel ohne Werkzeug abnehmen, und schon liegen Arbeitsspeicher und SSD frei. So einfach kommt ihr bei kaum einem anderen Mini-PC an die Komponenten, das ist wirklich vorbildlich gelöst.
Beim Lieferumfang zeigt sich Blackview großzügig. Neben dem Netzteil und einem kurzen HDMI-Kabel liegen eine Tastatur, eine Maus und eine VESA-Halterung mit Schrauben bei, mit der ihr den MP50 hinter einen Monitor oder Fernseher schrauben könnt. Damit ist das Paket auf dem Papier komplett.
- Bluetooth-Tastatur (englisches Layout)
- Bluetooth-Maus
- VESA-Halterung mit Schrauben
- Netzteil (12V/3A)
- HDMI-Kabel (0,8 Meter)
- Bedienungsanleitung
Einen Haken hat das Bundle aber. Tastatur und Maus verbinden sich ausschließlich über Bluetooth, ein USB-Empfänger liegt nicht bei. Wer den MP50 komplett neu einrichtet und kein zweites Eingabegerät zur Hand hat, steht vor einem Problem: Für die Bluetooth-Kopplung müsst ihr bereits durch die Windows-Ersteinrichtung geklickt haben, und genau dafür braucht ihr eine funktionierende Maus oder Tastatur. Ein simpler USB-Dongle hätte das Problem für wenige Euro gelöst.
Anschlüsse und Konnektivität des Blackview MP50
Bei den Anschlüssen bleibt der Blackview MP50 solide, aber nicht üppig. Vorn sitzen der Power-Button, zwei USB-A-Anschlüsse und eine 3,5mm-Klinke für Kopfhörer oder Headset. Auf der Rückseite gibt es Gigabit-LAN, einen HDMI-2.0- und einen DisplayPort-1.4-Ausgang, zwei weitere USB-A-Anschlüsse und den Stromanschluss.
Vorn:
- Power-Button mit Status-LED
- 2 x USB-A (3.0 – 5GBit/s)
- 3,5mm-Klinke (Audio)
Hinten:
- Gigabit-LAN
- 1 x HDMI 2.0
- 1 x DisplayPort 1.4
- 2 x USB-A (2.0)
- Stromanschluss (12V/3A)
Über HDMI und DisplayPort lassen sich zwei 4K-Monitore mit jeweils 60Hz gleichzeitig ansteuern, das reicht für einen aufgeräumten Büro-Arbeitsplatz. Positiv fällt auf, dass die beiden vorderen USB-Anschlüsse echtes USB 3.0 sind. Mit einer externen SSD habe ich hier über 400MB/s beim Lesen und Schreiben gemessen, während die hinteren Ports nur mit USB 2.0 arbeiten. Wer schnelle Datenträger anschließt, nutzt also die Front. Was fehlt, ist ein USB-C-Anschluss und ein SD-Kartenleser.
WLAN und Bluetooth
Hier zeigt die Plattform ihr Alter. Der MP50 funkt nur mit WiFi 5 und Bluetooth 4.2, während moderne Einsteiger-Mini-PCs wie der Beelink EQ14 (zum Test) längst WiFi 6 und Bluetooth 5.2 bieten. Im Alltag reicht WiFi 5 trotzdem locker aus. In meinem Speedtest kamen stabile 261Mbit/s im Download an, für Streaming, Surfen und Cloud-Arbeit ist das mehr als genug.
Leistung des Blackview MP50
Im Blackview MP50 arbeitet ein AMD Ryzen 5 3500U, ein Vierkern-Prozessor mit acht Threads, der im 12-Nanometer-Verfahren gefertigt wird und bereits 2019 auf den Markt kam. Dazu kommt die integrierte Radeon Vega 8 als Grafikeinheit. Auf dem Papier klingt „Ryzen 5″ nach mehr als einem schlichten Intel-N-Chip, in der Praxis holt die Zeit den alten Prozessor aber ein.
In den Benchmarks landet der MP50 am unteren Ende unseres Vergleichsfelds. Das lässt sich nicht schönreden: Der moderne Intel N150 im Beelink EQ14 oder im GMKtec G3 Plus (zum Test) rechnet trotz nur vier Threads sowohl im Single- als auch im Multi-Core spürbar schneller, und beide Geräte kosten rund 200€. Wer im gleichen Preisbereich zum Beelink EQi12 (zum Test) mit Intel i5-1235U greift, spielt bei der Rechenleistung in einer komplett anderen Liga. Einen kleinen Erfolg holt sich der MP50 nur bei der Grafik: Die Radeon Vega 8 setzt sich im 3DMark Time Spy vor die Intel-Grafik der N-Serie. Für ernsthaftes Spielen reicht auch das nicht, moderne 3D-Titel überfordern die kleine Einheit klar.
Für den eigentlichen Einsatzzweck ist die Leistung aber vollkommen ausreichend. Office-Anwendungen, Surfen mit vielen Tabs, Videokonferenzen, Streaming und 4K-YouTube-Videos laufen flüssig, und als Wohnzimmer- oder Zweit-PC macht der MP50 eine gute Figur. Nur wer viele Tabs in Chrome, ausgiebiges Multitasking oder Videoschnitt plant, sollte die Finger davon lassen. Beim Arbeitsspeicher setzt Blackview auf 16GB DDR4 im Single-Channel-Betrieb, die zwar ausreichen, sich aber nur austauschen und nicht erweitern lassen.
Als Systemlaufwerk kommt eine 512GB große M.2-2280-SSD zum Einsatz. Wichtig: Es handelt sich um eine SATA-SSD, keine schnellere NVMe. Mit rund 537MB/s beim Lesen liegt sie auf dem für SATA üblichen Niveau, ein Blitzstart wie bei modernen NVMe-Laufwerken bleibt aus. Dank des werkzeuglosen Zugangs lässt sich die SSD aber jederzeit gegen ein größeres Modell tauschen.
Windows 11 Pro und BIOS
Beim System gibt es nichts zu meckern. Der MP50 wird mit einem sauberen, bereits aktivierten Windows 11 Pro in der aktuellen Version 24H2 ausgeliefert, der Sicherheitschip TPM 2.0 ist vorhanden und funktioniert. Vorinstallierte Werbe-Software oder fragwürdige Zusatzprogramme habe ich keine gefunden. Zur Sicherheit habe ich das System mit zwei Virenscannern geprüft, sowohl Kaspersky als auch Avast meldeten keinerlei Bedrohungen. Bei manchen No-Name-Herstellern gab es in der Vergangenheit Skandale mit vorinstallierter Spyware, hier ist alles sauber.
Positiv fällt außerdem auf, dass Blackview den vollen Zugriff auf das BIOS erlaubt. Wer möchte, kann tief in die Einstellungen eingreifen, Boot-Reihenfolge und Energieoptionen anpassen oder die Sicherheitsfunktionen konfigurieren.
Lüfter, Lautstärke und Stromverbrauch
Beim Stromverbrauch gibt sich der Blackview MP50 anständig, aber nicht rekordverdächtig. Im Leerlauf zieht er rund 18 Watt, bei normaler Büroarbeit sind es etwa 23 Watt und unter Volllast maximal 32 Watt. Gegenüber einem großen Tower spart das ordentlich Strom. Im Vergleich zu den sparsamsten Intel-N-Winzlingen, die im Dauerbetrieb bei 8 bis 10 Watt liegen, gönnt sich der ältere Ryzen im Leerlauf allerdings deutlich mehr. Die Abwärme bleibt dabei im Rahmen, auf der Oberfläche habe ich unter Last knapp 40 Grad gemessen.
Beim Lüfter kann ich den Werbeversprechen und manch anderem Test allerdings nicht folgen. Der MP50 wird nicht wirklich leise. Ich habe rund 34,7 dB(A) gemessen, und die Geräuschkulisse ist hochfrequent und damit deutlich hörbar. Auch im Leerlauf wird der kleine Lüfter kaum ruhiger, wer den Rechner direkt auf dem Schreibtisch stehen hat, nimmt ihn wahr. Wer absolute Stille sucht, wie sie etwa der flüsterleise Beelink EQ14 bietet, wird hier nicht glücklich.
Testergebnis
Der Blackview MP50 will das perfekte Rundum-sorglos-Paket für Einsteiger sein, und in vielen Punkten gelingt ihm das auch. Das winzige Gehäuse ist mit gerade einmal 100 x 100 x 33 Millimeter kaum größer als eine Handfläche, ordentlich verarbeitet und lässt sich über einen cleveren Schiebe-Riegel völlig werkzeuglos öffnen. So einfach kommt ihr bei kaum einem anderen Mini-PC an RAM und SSD. Dazu liefert Blackview ein sauberes, bereits aktiviertes Windows 11 Pro und packt mit Tastatur, Maus und VESA-Halterung einen ungewöhnlich großzügigen Lieferumfang bei. Wer auspacken, hinter den Monitor schrauben und sofort loslegen will, bekommt hier ein durchdachtes, komplettes kleines System.
Der Knackpunkt ist der Prozessor. Blackview verbaut einen AMD Ryzen 5 3500U aus dem Jahr 2019, und der zeigt in unseren Benchmarks deutlich sein Alter. Im direkten Vergleich mit unserer Mini-PC-Bestenliste landet der MP50 am unteren Ende des Feldes: Selbst moderne Intel-N150-Geräte wie der Beelink EQ14 (zum Test) oder der GMKtec G3 Plus (zum Test) rechnen spürbar schneller und kosten dabei nur rund die Hälfte. Einzig bei der Grafik sichert sich die Radeon Vega 8 einen kleinen Vorsprung vor der Intel-N-Konkurrenz, für ernsthaftes Gaming reicht aber auch das nicht. Für rund 300€ bekommt ihr hier also ungefähr die Rechenleistung eines 200-Euro-Geräts.
Dazu kommen ein paar Ecken, die ihr dem Preis anlasten müsst. Der Lüfter ist entgegen mancher Werbeversprechen nicht wirklich leise, sondern arbeitet hochfrequent und bleibt auch im Leerlauf hörbar. Die Funkausstattung ist mit WiFi 5 und Bluetooth 4.2 nicht mehr zeitgemäß, ein USB-C-Anschluss und ein Kartenleser fehlen ganz, und die mitgelieferte Tastatur mit Maus koppelt ausschließlich über Bluetooth, was die allererste Einrichtung unnötig umständlich macht.
Das alles macht den MP50 keineswegs zu einem schlechten Gerät. Für Office, Surfen, Streaming, 4K-Videos und den Einsatz als Wohnzimmer- oder Zweitrechner leistet er zuverlässige Dienste, und die einfache Wartbarkeit sowie das komplette Zubehör sind echte Argumente. Er ist nur schlecht kalkuliert: Für den aufgerufenen Preis gibt es bei uns durchweg schnellere Alternativen.
Wer vor allem auf das Preis-Leistungs-Verhältnis achtet, fährt mit dem Beelink EQ14 oder dem GMKtec G3 Plus günstiger und flotter, und wer etwas mehr investieren mag, bekommt mit dem Beelink EQi12 (zum Test) deutlich mehr Rechenleistung fürs Geld. So bleibt für den Blackview MP50 nur eine eingeschränkte Empfehlung, die vor allem dann greift, wenn er im Angebot spürbar unter seine reguläre Marke von rund 300€ rutscht und ihr den kompletten Lieferumfang sowie die kompakte Bauform wirklich braucht.
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