Die OEM-Geräte von NiPoGi, AceMagic, Kamrui und Co. haben vor zwei Jahren an Reputation eingebüßt, als auf dem Windows-Image einiger Mini-PCs vorinstallierte Malware entdeckt wurde. Trotz fairer Preise konnten wir deshalb keine Kaufempfehlung für Produkte dieser Hersteller mehr aussprechen. Zwischenzeitlich ist etwas Gras über die Sache gewachsen und wir haben den NiPoGi H1 als Testgerät vorliegen. Die üppige Speicherausstattung im Zusammenspiel mit einem AMD Ryzen 7 ist Grund genug für uns, das Gerät genauer unter die Lupe zu nehmen. In diesem Artikel erfahrt ihr, ob ihr den Mini-PC guten Gewissens kaufen könnt oder ob ihr euch lieber bei der Konkurrenz umseht.
Design, Verarbeitung und Upgrademöglichkeiten
Die Abmessungen von 128 x 128 x 52 Millimetern und das Gewicht von 503 Gramm sind charakteristisch für einen Mini-PC. Das gilt auch für das Design, wobei das durchgehende, bronzefarbene Lüftungsgitter und das Emblem in Hochglanzoptik auf der Oberseite den NiPoGi H1 optisch gegenüber den Mitbewerbern etwas aufwerten. Abseits davon befinden sich auf Vorder- und Rückseite die Schnittstellen und seitlich am Gehäuse Lufteinlässe. An der Unterseite sorgen vier Gummifüße für einen sicheren Stand.
Mit dem gelungenen Aussehen kann die Materialauswahl leider nicht ganz mithalten. Das schwarze Kunststoffgehäuse kann sowohl haptisch als auch von seiner Stabilität her nicht ganz überzeugen. Unter Druck entlockt ihr dem NiPoGi H1 ein hörbares Knarzen und das Plastik wirkt nicht sonderlich hochwertig. Zwar wäre es in der Preisklasse des Geräts vermessen, ein Äußeres aus Metall zu erwarten, wer allerdings besonders auf Materialqualität achtet, ist mit Modellen der Konkurrenz besser bedient.
Upgrademöglichkeiten
Nach dem Lösen der vier Schrauben unter den Gummifüßen des Gehäuses lässt sich die Unterbodenschale abnehmen. Darunter kommen zwei Steckplätze für M.2 2280 SSDs zum Vorschein. Von diesen ist einer logischerweise bereits mit einer PCIe 3.0 SSD belegt, beim leeren Slot gilt zu beachten, dass laut Spezifikation keine SATA-III SSDs unterstützt werden. Auch die CMOS-Batterie und die Netzwerkkarte lassen sich bei Bedarf ohne großen Aufwand wechseln. Allerdings ist, entgegen den Produktbildern auf NiPoGis Website, der LPDDR5-RAM fest verlötet und ein Upgrade sowie ein Austausch nicht möglich. Andere Hersteller bieten das OEM-Gerät jedoch mit SO-DIMM-Steckplätzen an. Wer in Sachen Arbeitsspeicher also zukunftssicher sein möchte, sollte vor dem Kauf des H1 einen genauen Blick in die Produktspezifikationen werfen.
Lieferumfang des NiPoGi H1 Mini-PC
Das im Karton enthaltene Zubehör haben wir in dieser oder ähnlicher Form bereits bei einem Großteil der Mini-PCs der letzten Jahre gesehen. Mit dem Gerät befinden sich ein Netzteil, ein 1 Meter langes HDMI-2.0-Kabel und eine VESA-Schablone mit im Lieferumfang. Eine Schnellstartanleitung liegt ebenfalls mit bei. Das Netzteil selbst ist insgesamt 2,80 Meter lang und leistet 65 Watt. Das dreipolige Stromkabel lässt sich bei Bedarf problemlos austauschen, um den Abstand des Mini-PCs zur Steckdose zu vergrößern oder Kabelsalat vorzubeugen.
Konnektivität und Kommunikation
Die Auswahl an Schnittstellen, die der NiPoGi H1 bietet, ist zweifelsohne eine der Stärken des Mini-PCs. Neben diversen USB-A-Ports bietet das Gerät einen USB-C-Anschluss, der eine Bildausgabe mittels DP Alt Mode ermöglicht. Im Zusammenspiel mit dem HDMI- und dem DisplayPort lassen sich am NiPoGi H1 damit insgesamt drei Displays mit einer Auflösung von 4K bei 60fps betreiben. Unterm Strich beläuft sich die Auswahl der Schnittstellen auf die folgende:
Front:
- 1 x USB-A 3.1 (10Gbit/s)
- 1 x USB-A 2.0 (480Mbit/s)
- 1 x 3,5mm Audio (In & Out)
- 1 x Power Button
Hinten:
- 4 x USB-A 3.0 (5Gbit/s)
- 1 x RJ45 (2,5Gbit/s)
- 1 x HDMI 2.0
- 1 x DP 1.4
- 1 x DC-IN Stromanschluss
- 1 x Kensington-Lock
Wie üblich haben wir die Geschwindigkeit der USB-Anschlüsse mittels Benchmark gemessen, um die vom Hersteller angegebenen Standards zu überprüfen. Dabei fiel im Vergleich mit den Spezifikationen auf, dass einer der USB-A-Ports auf der Vorderseite lediglich USB-Standard 2.0 statt des angegebenen 3.1-Standards entspricht. Selbst bei den Geräten von Geekom in den oberen Preisklassen finden sich vereinzelt noch USB-A-2.0-Ports unter den Schnittstellen, der Hersteller gibt dies allerdings transparent in seinen Spezifikationen an.
- USB-A 3.0 hinten links oben
- USB-A 3.0 hinten links unten
- USB-A 3.0 hinten rechts oben
- USB-A 3.0 hinten rechts unten
- USB-A 2.0 vorne links
- USB-A 3.1 vorne rechts
- USB-C 3.1 vorne
Kabelloser Datenaustausch mit lokalen Netzwerken geschieht beim H1 über WiFi 6 und das äußerst zuverlässig. Der Mini-PC konnte die Bandbreite meines heimischen DSL-Tarifs über eine Entfernung von zwei Räumen zum Router zwar nicht ganz ausreizen, die Verbindung blieb allerdings frei von Ein- oder Abbrüchen. Über Bluetooth 5.2 zeigt sich ein ähnliches Bild. Geräte bleiben zuverlässig mit dem Mini-PC gekoppelt, die Reichweite befindet sich allerdings nicht ganz auf dem Niveau der Konkurrenz. Da ihr das Gerät in den meisten Fällen jedoch nicht aus der Ferne bedient, ist diese Kritik auf hohem Niveau.
Leistung
Der H1 ist unter verschiedenen Herstellern mit fünf unterschiedlichen Prozessoren erhältlich. In unserem Testgerät tut der altbekannte Ryzen 7 7735HS seinen Dienst. AMD brachte den Chip 2023 auf den Markt, er basiert auf der Zen3+-Architektur, die im 6nm-Prozess gefertigt wird. Die 8 Kerne mit insgesamt 16 Threads takten mit 3,2GHz, im Boost sind bis zu 4,75GHz möglich. Die GPU ist AMDs Radeon 680M mit 12 Kernen und einer Taktfrequenz von bis zu 2,2GHz.
- Geekbench 6
- Geekbench 6 OpenCL
Im Alltag macht der Ryzen alles mit, was dem Einsatzgebiet eines Mini-PCs entspricht und die Navigation durch Windows gestaltet sich flüssig. Auch die Benchmarks zeigen, dass die Kühlung des NiPoGi H1 effektiv arbeitet, die Ergebnisse sind auf Höhe anderer Geräte mit dem Ryzen 7 7735HS. Diese zeigen allerdings auch, dass der Mini-PC nicht auf fordernde Szenarien wie Gaming und Videoschnitt ausgelegt ist.
Die Speicherausstattung unseres Testgeräts beläuft sich auf 1TB Flash- und 24GB Arbeitsspeicher. Alternativ lässt sich der H1 in den Speicherkonfigurationen 16/512GB und 16GB/1TB ordern. Mit 3.564MB/s Lese- und 2.522MB/s Schreibgeschwindigkeit beweist die SSD, dass sie dem PCIe 3.0 Standard gerecht wird. Maximal unterstützt der Mini-PC SSDs mit bis zu 2TB Kapazität und damit 4TB Gesamtspeicher.
System
Unser Testgerät erreichte uns mit lizenziertem Windows 11 Pro. Unter Berücksichtigung der vergangenen Malwarevorfälle haben wir das System des NiPoGi H1 genauer als sonst unter die Lupe genommen. Und tatsächlich scheint dieses seriös zu sein. Das Durchleuchten der Systemdateien mittels zweier Virenscanner sowie das Durchsuchen der zuletzt betroffenen Pfade verlief ergebnislos. Der Netzwerk-Traffic blieb ebenso unauffällig. Wir können also eine vorsichtige Entwarnung hinsichtlich der Integrität des Betriebssystems aussprechen. Wer dennoch Zweifel an dieser hat, setzt dieses einfach neu auf. Durch das TPM 2.0 Modul wird Windows 11 nativ unterstützt und die Sicherheit im Betrieb erhöht. Das UEFI des Mini-PCs lässt sich über die Entf-Taste beim Startvorgang aufrufen und bietet umfassende Einstellungsmöglichkeiten. Insbesondere lässt sich für bestmögliche Leistung das CPU-Profil „Performance” dort aktivieren.
Stromverbrauch und Kühlung
Erfahrungsgemäß können AMDs Prozessoren gut mit ihrem Energieverbrauch haushalten und der Ryzen 7 7735HS ist hier keine Ausnahme. Im Leerlauf begnügt sich der NiPoGi H1 mit 10 bis 12 Watt. Da die Temperatur der CPU-Kerne unter diesen Bedingungen nur zwischen 50 und 60 Grad liegt, hält sich die Kühlung zurück und ist praktisch nicht zu hören. Fordert ihr den Mini-PC etwas mehr, dreht der Lüfter auf, beim Abspielen eines 4K-Videos und massenhaft offenen Browsertabs messen wir eine Geräuschkulisse von 37 bis 39dB(A). Mit 22 bis 25 Watt steigt auch die Leistungsaufnahme des NiPoGi H1 moderat an. Selbst wenn ihr den Mini-PC mittels Benchmarks an seine Grenzen bringt, steigt dieser auf maximal 52 Watt. Mit dem 65W-Netzteil bleibt also genug Spielraum für die Stromversorgung diverser USB-Geräte. Auch die Temperaturen bleiben unter Volllast mit 80 bis 90 Grad im Rahmen. Geschuldet ist das auch dem Kühlsystem, das in der Spitze mit hörbaren 41,2dB(A) arbeitet.
Testergebnis
Geht es nach unserem Testgerät, hat NiPoGi die Phase der malwareverseuchten Geräte ab Werk überwunden. Der H1 ist einen genaueren Blick wert, wenn ihr euch einen Mini-PC der Mittelklasse zulegen möchtet. Neben einer Leistung, die für den Alltag absolut ausreicht, bietet das Gerät eine praxistaugliche Auswahl an Schnittstellen und leistet sich in keiner unserer Testkategorien größere Patzer. Bei den Preisen, zu denen der H1 gehandelt wird, macht ihr einen guten Deal. Wer trotz unserer Überprüfung dem vorinstallierten Windows-Image misstraut, schläft nachts vermutlich mit Alternativen wie dem Ninkear M8 (zum Test) ruhiger. Dessen höhere Leistungsfähigkeit bezahlt ihr in diesem Fall mit dem Verzicht auf einige USB-A-Ports.
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