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Xiaomi Xring O3: Der zweite eigene Prozessor im Check

Mit dem Xiaomi 18 Fold bringt der Hersteller seinen zweiten eigenen High-End-Prozessor auf den Markt. Den Xring O3 fertigt TSMC wie schon seinen Vorgänger im 3-nm-Verfahren. Bislang steckt er nur im neuen Foldable, das in China mit 12GB RAM und 512GB Speicher bei ca. 1.550€ startet, als Import etwas mehr. Optisch ist das Foldable unübersehbar an Apples iPhone Duo (zur Ankündigung) angelehnt, in diesem Artikel geht es aber um den Prozessor. Wir haben das Gerät seit einigen Tagen im Test und können schon jetzt sagen: Xiaomi liefert zum zweiten Mal ab.

Xiaomi 18 Fold Aufgeklappt auf Xiaomi Karton

Vor gut einem Jahr hatte Xiaomi mit dem Xring O1 im Xiaomi 15S Pro (zum Test) gezeigt, dass ein eigener Chip mit Qualcomm mithalten kann. Damals allerdings mit einer deutlichen Einschränkung: Unter Dauerlast wurde das Smartphone so heiß, dass unsere Stresstests nach zehn Durchläufen abbrachen. Genau daran muss sich der Nachfolger messen lassen.

Eigene Chips anderer Hersteller

Xiaomi Xring O3 Banner I

Eigene Prozessoren sind in den letzten Jahren vor allem durch Flops aufgefallen. Googles Tensor wird seit der ersten Generation zu warm und hinkt bei der Leistung mittlerweile meilenweit hinterher. Samsungs Exynos-Chips waren über Jahre heißer und weniger effizient als die Snapdragon-Konkurrenz. Erstmals beim Galaxy S23 verzichtete Samsung deshalb ganz auf den eigenen Chip. Huawei hatte mit Kirin einmal starke Chips, verlor durch den US-Bann aber den Zugang zu TSMC und fertigt seitdem mit älterer Technik. Wirklich im Griff haben es nur die großen Drei: Qualcomm, Apple und MediaTek.

Xiaomi geht dabei auffällig vorsichtig vor. Der O1 steckte nur im 15S Pro und in einem Tablet, der Rest der Modellreihe bekam Snapdragon-Chips. Beim O3 zeigt sich dasselbe Bild: Das gerade vorgestellte Xiaomi 18 Pro Max (zur Ankündigung) setzt auf den neuen Snapdragon 8 Elite Gen 6, der O3 bleibt dem 18 Fold vorbehalten. Xiaomi überstürzt nichts und testet den eigenen Chip erst in einzelnen Geräten.

Aufbau des Xring O3

Xiaomi 18 Fold Device Info

Den O3 hat Xiaomi selbst entworfen, TSMC fertigt ihn im 3-nm-Verfahren, genau wie den Snapdragon 8 Elite Gen 5 und den Dimensity 9500. Die zehn Rechenkerne stammen aus Arms aktueller C1-Reihe und verteilen sich auf drei Cluster. Kerntypen und Taktraten haben wir per ADB direkt am Testgerät ausgelesen:

Gruppe Kerne Kerntyp Maximaler Takt
Große Kerne 2 Arm C1-Ultra 4,35GHz
Mittlere Kerne 4 Arm C1-Premium 3,69GHz
Kleine Kerne 4 Arm C1-Pro 3,15GHz
Grafik Arm Mali G2 Ultra NX mit 16 Kernen
Modem extern, MediaTek T900
Fertigung TSMC, 3nm (N3P)

Echte Sparkerne gibt es beim O3 nicht, selbst die kleinsten Kerne takten mit über 3GHz. Der Chip unterstützt als erster Smartphone-Prozessor LPDDR6-Arbeitsspeicher und bringt eine eigene NPU für KI-Berechnungen mit. Dass das Modem von MediaTek stammt, zeigt auch das Gerät selbst: Die Modem-Firmware trägt MediaTeks Kennung. Mit Blick auf die Probleme, die Google in der Vergangenheit mit seinem Modem hatte, ist das eine sehr gute Entscheidung von Xiaomi.

Leistung im Vergleich

Zum Vergleich ziehen wir den Vorgänger und die stärksten Chips von Qualcomm und MediaTek heran, die wir bisher im Test hatten: den Snapdragon 8 Elite Gen 5 im Xiaomi 17 und den Dimensity 9500 im Oppo Find X9 Pro.

Geekbench Single (v6)
0
400
800
1.200
1.600
2.000
2.400
2.800
3.200
3.600
4.000
Geekbench Multi (v6)
0
2.000
4.000
6.000
8.000
10.000
12.000
14.000
16.000
18.000
20.000
3D Mark (Wildlife Extreme)
0
1.000
2.000
3.000
4.000
5.000
6.000
7.000
8.000
9.000
10.000

Dazu kommen die neueren Benchmark-Versionen, die wir mit dem Xiaomi 17 gegengemessen haben, und die Dauerlast-Tests:

Xring O1
(Xiaomi 15S Pro)
Xring O3
(Xiaomi 18 Fold)
Snapdragon 8 Elite Gen 5
(Xiaomi 17)
Dimensity 9500
(Oppo Find X9 Pro)
AnTuTu v12 nicht gemessen 4.619.123 3.178.041 nicht gemessen
AnTuTu v11 2.963.052 4.390.671 3.705.844 3.663.500
Geekbench 7 Single/Multi nicht gemessen 2.888 / 10.386 2.965 / 9.388 nicht gemessen
Grafik-Verlust im Stresstest Abbruch nach 10 Durchläufen 60% über 20 Durchläufe 40 bis 50% rund 50%
CPU-Verlust unter Dauerlast Abbruch wegen Überhitzung 62% nach 30 Minuten 40 bis 50% rund 50% nach 25 Minuten

Im direkten Vergleich mit dem Xiaomi 17 liegt der O3 in AnTuTu v12 rund 45% vorne, die Grafikleistung ist dort fast doppelt so hoch. Auch im Multi-Core-Test und in 3DMark setzt sich Xiaomis Chip an die Spitze. Nur in der Single-Core-Leistung liegen Snapdragon und Dimensity knapp vorne. Gegenüber dem O1 legt der O3 im Multi-Core-Test und in der Grafik jeweils rund ein Drittel zu.

Einzuordnen ist das so: Der O3 tritt gegen die aktuelle Chip-Generation an. Qualcomm und MediaTek wechseln mit ihren neuen Chips wie dem Dimensity 9600 Pro (zur Ankündigung) gerade auf 2nm, der O3 bleibt bei 3nm. Gegen die kommende Generation wird der Vorsprung deutlich kleiner ausfallen. Spannend ist trotzdem, wie nah Xiaomi der Konkurrenz mittlerweile kommt.

Hitze und Thermal Throttling

Der größte Kritikpunkt am O1 ist behoben: Das 18 Fold bricht keinen Stresstest mehr ab. Gedrosselt wird trotzdem, und zwar deutlich. Im 30-minütigen CPU-Stresstest bricht die Leistung nach etwa sieben Minuten ein, am Ende verliert der O3 62%. Zum Vergleich: Das Xiaomi 17 verliert unter Dauerlast 40 bis 50%, das Find X9 Pro rund 50%. Thermal Throttling betrifft also alle drei, beim O3 im flachen Foldable-Gehäuse greift es aber am stärksten.

Beim Grafikchip zeigt sich dasselbe Bild. Den 3DMark-Stresstest absolviert das 18 Fold über alle 20 Durchläufe, der O1 brach nach zehn ab. Die Grafikleistung sinkt dabei aber um 60%.

Im Alltag merkt ihr davon nichts. 30 Minuten Genshin Impact liefen bei uns ohne einen einzigen Ruckler. Das Gerät wurde dabei mit rund 39 Grad spürbar warm, aber nie unangenehm.

Die Marktmacht von Qualcomm lässt sich damit ruhig einmal hinterfragen. Auch Snapdragon-Smartphones kämpfen seit Jahren mit Hitze und drosseln unter Last deutlich, nur fällt das in der Berichterstattung selten ins Gewicht. Qualcomm lädt jedes Jahr Technik-Journalisten aus aller Welt zum Snapdragon Summit nach Hawaii ein. Entsprechend begeistert klingen danach die Artikel über den neuesten Snapdragon mit dem noch längeren und völlig bescheuerten Namen.

Akkulaufzeit

Die eigentliche Überraschung des neuen Xring O3 ist die Effizienz. Im PCMark Battery Test erreichen wir auf dem großen Innendisplay mit 120Hz 22,5 Stunden und mit 60Hz 23,4 Stunden. Auf dem kleinen Außendisplay sind es in beiden Fällen rund 25,5 Stunden. Das ist mehr, als das 15S Pro mit dem O1 auf einem deutlich kleineren Display geschafft hat (19,6 Stunden mit 120Hz), und das mit nur 6.000mAh. Eine Stunde YouTube auf dem großen Display kostet gerade einmal 3% Akku. So wenig verbraucht auch das Xiaomi 17 mit seinem 6,3 Zoll großen Display.

Mehr als Leistung

Xiaomi 18 Fold Aufgeklappt von oben

Ein eigener Chip wirkt sich auf mehr als nur die Benchmarks aus. Auch die Bildverarbeitung der Kamera hängt am Prozessor, deshalb sehen die Fotos anders aus als bei einem Snapdragon-Gerät. Das war schon beim 15S Pro so. Wie gut der O3 dabei abschneidet, schauen wir uns im ausführlichen Test des 18 Fold an.

Dass Xiaomi das Modem von MediaTek zukauft, hat einen Vorteil: An dieser Stelle hatten Tensor und Exynos lange Probleme. Mit dem bewährten Modem umgeht Xiaomi dieses Risiko.

Neu ist auch die Sprachauswahl. Unser 18 Fold ist eine unveränderte China-Version mit gesperrtem Bootloader und lässt sich trotzdem komplett auf Deutsch einstellen, inklusive Xiaomis eigener Menüs. Beim 15S Pro und beim Xiaomi 17 gab es in der China-Version nur Englisch. Wir vermuten, dass Xiaomi mit HyperOS 4 für China und den Rest der Welt dieselbe Basis mit allen Sprachpaketen verwendet. Wenn ihr das 18 Fold importiert, ist das eine gute Nachricht.

Kosten für Xiaomi

Ob sich der eigene Chip für Xiaomi rechnet, verrät das Unternehmen nicht. Günstig ist er in der Herstellung vermutlich noch nicht: Der Xring O3 ist schon ohne Modem größer als der Snapdragon 8 Elite Gen 5 mit integriertem Modem, das zugekaufte MediaTek-Modem kommt noch hinzu. Auf lange Sicht spricht aber einiges dafür, dass sich das ändert. Die Entwicklung ist bezahlt, die Qualcomm-Marge fällt weg, und mit jeder neuen Generation und jedem zusätzlichen Gerät sinkt der Preis pro Chip. Meine These: Der Xring wird für Xiaomi in Zukunft günstiger als ein zugekaufter Snapdragon.

Einschätzung

Xiaomi ist mit dem eigenen Chip auf einem guten Weg. Der Xring O3 ist in den meisten Benchmarks schneller als die aktuellen Chips von Qualcomm und MediaTek, verbraucht dabei auffällig wenig Strom und hat das Hitzeproblem des Vorgängers im Alltag im Griff. Unter Dauerlast drosselt er allerdings stärker als die Konkurrenz. Dass Xiaomi den Chip vorerst nur im 18 Fold einsetzt, zeigt, dass der Hersteller nichts überstürzt. Wo Google und Samsung seit Jahren scheitern, beherrscht Xiaomi den eigenen High-End-Chip schon in der zweiten Generation.

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2 Kommentare
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Ole
Gast
Ole
12 Minuten her

“Seit dem Galaxy S23 verzichtete Samsung deshalb ganz auf den eigenen Chip.”
Ist so nicht korrekt, das S24 (Exynos 2400) und das S26 (Exynos 2600) nutzen Exynos SoCs in Europa.

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