Über Baristas mache ich mich regelmäßig lustig: Über die Waage um sieben Uhr morgens, über das Verteilen des Mahlguts mit der Nadel, über die Stoppuhr am Auslauf. Meinen Kaffeevollautomaten bin ich vor längerem losgeworden, und zwar aus genau demselben Grund: Er wollte zu oft und zu viel von mir. Entkalken, spülen, Brüheinheit reinigen, Meldung wegklicken. Seitdem steht bei mir eine Filtermaschine für 30€ und macht jeden Morgen drei Tassen Arbeiterbrühe.
Dann war Joscha auf der IFA und hat mir eine Kaffeemaschine zuschicken lassen, die ich zwei Wochen testen sollte. Die HiBREW H1C kostet rund 110€ und nimmt sechs verschiedene Sorten Kaffee an: Nespresso-Kapseln, Dolce Gusto, K-Cups, ESE-Pads, losen Tee und gemahlenen Kaffee. HiBREW führt zwei solcher Reihen nebeneinander, und die H1C ist nicht der Nachfolger der HiBREW H2C (zum Test), sondern deren Schwestermodell.
Beide arbeiten gleich: Hebel auf, Adapter in den Schacht, Hebel zu. Der Unterschied steckt in den Adaptern, die H1C nimmt zusätzlich K-Cups und losen Tee, die H2C dafür Lavazza-Kapseln. Wer einen richtigen Siebträger sucht, ist mit der HiBREW H10A (zum Test) besser bedient, die passende Mühle dazu gibt es mit der HiBREW G5 (zum Test) vom selben Hersteller.
Ich habe die Maschine zwei Wochen lang fast nur mit gemahlenem Kaffee benutzt. Genau der Teil ist bei einer Kapselmaschine hoffentlich der interessante. Solltet ihr euch selbst als Hobby-Barista sehen, hört hier bitte unbedingt auf weiterzulesen!
| HiBREW H1C | HiBREW H2C | |
|---|---|---|
| Preis | rund 110€ | 112 bis 128€ |
| Bauform | bei beiden Adapter-Einsätze in einem Schacht unter dem Hebel | |
| Kaffeesysteme | Nespresso, Dolce Gusto, K-Cup, ESE-Pad (44 Millimeter), gemahlener Kaffee, loser Tee | Nespresso, Dolce Gusto, Lavazza, 51-Millimeter-Pads, gemahlener Kaffee |
| Gemahlener Kaffee | 12 Gramm | 12 Gramm |
| Wassertank | 600ml | 650ml |
| Aufheizzeit | 25 Sekunden | rund 30 Sekunden |
| Druck und Leistung | bei beiden 20 bar und 1.450W | |
Lieferumfang der HiBREW H1C
HiBREW bewirbt die H1C als 6-in-1-Maschine, im Karton liegen dafür aber weniger Adapter. Zwei Paare teilen sich jeweils einen Adapter und tauschen nur das Metallsieb: gemahlener Kaffee und ESE-Pad im einen, K-Cup und loser Tee im anderen.
- Adapter für Nespresso-Kapseln
- Adapter für Dolce-Gusto-Kapseln
- Adapter für K-Cups (mit zweitem Siebeinsatz auch für losen Tee)
- Adapter für gemahlenen Kaffee (mit zweitem Sieb auch für ESE-Pads)
- Kaffeelöffel, dessen Rückseite als Tamper dient
- Wasser-Injektionspumpe
- Anleitung auf Englisch
Die kleine Handpumpe ist der ungewöhnlichste Teil im Karton. Zieht die Maschine nach längerer Standzeit kein Wasser, drückt ihr damit Wasser in die Leitung, bis die Luft draußen ist. Ich brauchte sie nicht, mein Testgerät war auf der IFA schon im Einsatz.
Eine Milchdüse fehlt. Cappuccino gibt es nur über die entsprechenden Kapseln oder über aufgeschäumte Milch aus einem zweiten Gerät.
Design und Verarbeitung
Mit 260 x 110 x 268 Millimeter und 2,5 Kilogramm ist die H1C schmaler als meine Filtermaschine und braucht entsprechend wenig Platz. Sie steht hochkant, der durchsichtige Wassertank sitzt an der Seite und fasst 600ml. Für meine drei Tassen am Morgen reicht eine Füllung, danach muss ich nachlegen. Erhältlich ist die Maschine in Schwarz und in Weiß.
Der Hebel oben besteht aus gebürstetem Metall und fühlt sich stabil und wertig an. Ansonsten fasst ihr überall Kunststoff an, die glänzend schwarze Oberseite nimmt jeden Staubkrümel mit und auch das Display sieht nach kurzer Berührung verschmiert und mitgenommen aus. Für 110€ geht das aber voll in Ordnung.
Vor einem Detail warnt sogar ein Aufkleber am Gerät: Im Brühkopf über der Kapsel sitzt eine spitze Nadel. Beim Wechseln der Adapter müsst ihr aufpassen. Heiß ist der Adapter direkt nach dem Bezug ebenfalls. Unten auf dem Sockel steht die Tasse nicht perfekt gerade, das ist der einzige Punkt, der mich am Aufbau gestört hat. Das liegt aber daran, dass die Abtropfschale für Espresso auch in einer höheren Position befestigt werden kann. Dort sitzt sie besser.
Insgesamt steht die H1C solide auf der Arbeitsplatte und wirkt an keiner Stelle billig. Wer Metall oder Holz anfassen will, muss eine Preisklasse höher einsteigen.
Bedienung und Funktionen
Drei Tasten, mehr gibt es nicht: Tassengröße links, Powerbutton in der Mitte, Brühen rechts. Nach dem Einschalten stehen exakt 25 Sekunden später 92 Grad im Display, dann ist die Maschine bereit. Angezeigt werden die Temperatur und die gewählte Wassermenge als Balken.
Sieben Wassermengen stehen zur Wahl: 30, 60, 90, 120, 150, 180 und 210ml. Ich nutze 60ml für den Espresso und 150ml für den langen Kaffee. Die Einstellung speichert sich nach fünf Sekunden von selbst, ein Bestätigen entfällt. Die Brühtemperatur lässt sich in acht Stufen zwischen 80 und 95 Grad einstellen, ab Werk sind es 92 Grad. Dabei habe ich es belassen. Für Milchkapseln empfiehlt HiBREW 80 oder 85 Grad.
Die Pre-Infusion, also das kurze Vorbrühen vor dem eigentlichen Bezug, beherrscht die H1C von 0 bis 10 Sekunden. Ab Werk steht sie auf 0 und ist damit ausgeschaltet, was kein Händler-Listing erwähnt. Ich habe zwei Wochen lang ohne Pre-Infusion gebrüht, ohne es zu merken, und auch nach dem Einschalten keinen Unterschied geschmeckt. Wer es selbst probieren will, hält Powerbutton und Brühtaste drei Sekunden zusammen gedrückt.
Dazu kommt ein Cold-Brew-Modus, der bei 25 Grad arbeitet. Ist die Maschine schon heiß, kühlt sie sich auf Knopfdruck selbst herunter und meldet sich mit einem Ton, sobald sie so weit ist.
Ohne eingesetzten Adapter darf nicht gebrüht werden, sonst geht der Hebel schwer. Anheben während des Bezugs ist ebenfalls tabu. Das Zischen nach jedem Bezug und beim Ausschalten ist dagegen normal, das ist die automatische Druckentlastung. Danach pumpt die Maschine das Restwasser zurück in den Tank. Trotzdem tropft sie leicht nach, und im Adapter sammelt sich etwas Wasser.
Insgesamt ist die Bedienung der Punkt, der mich am meisten überzeugt hat. Drei Tasten, 25 Sekunden, Tasse drunter. Genau das, was mein Vollautomat nicht konnte. Laut ist sie dabei auch nicht, jedenfalls deutlich leiser als ein Vollautomat.
Gemahlener Kaffee in der HiBREW H1C
Ca. 12 Gramm passen in den Siebeinsatz. Ich mahle Espressobohnen mit einer Handmühle für 20€ auf acht Klicks, also sehr fein, und damit kommt die H1C problemlos zurecht. Getampt habe ich nur leicht, den Rest erledigt die Maschine: Beim Zuklappen wird der Adapter eingespannt und das Kaffeemehl zusätzlich verdichtet.
Was dabei herauskommt, hat deutlich mehr Crema als alles, was mein alter Vollautomat produziert hat. Mit Espressobohnen liegt auch das Aroma weit über dem billigen Filterkaffee aus dem Supermarkt, den ich zum Vergleich durchgelassen habe. Der funktioniert ebenfalls, schmeckt aber flacher.
Der Vergleich, auf den es bei mir hinausläuft, fällt eindeutig aus: Gegen meine drei Tassen Filterkaffee am Morgen gewinnt die H1C klar, und zwar auch dann noch, wenn Milch und Zucker dazukommen.
Der Adapter geht sauber rein und wieder raus. Bei der H2C kippt der Einsatz für gemahlenen Kaffee beim Befüllen nach hinten, dieses Problem hat die H1C nicht. Insgesamt ist der Adapter für gemahlenen Kaffee das beste Argument für diese Maschine. Er macht aus einer Kapselmaschine ein Gerät, in das ihr eure eigenen Bohnen kippen könnt, und das zum Preis einer besseren Kapselmaschine.
Nespresso-Kapseln und die anderen Systeme
Mit Nespresso-Kapseln war ich ebenfalls zufrieden. Dass die Ergebnisse besser ausfallen als aus den Originalmaschinen, liegt vor allem am Druck: Nespresso arbeitet mit 19 bar, Dolce Gusto mit 15 bar, Senseo mit 1,5 bar, die H1C mit 20 bar. Die Kapsel wird dadurch vollständiger geleert. Dolce Gusto, K-Cups, ESE-Pads und losen Tee habe ich nicht ausprobiert, dafür fehlt mir der Bedarf. K-Cups sind in Deutschland ohnehin selten zu bekommen.
Vielleicht noch ein paar Worte zum losen Tee, falls ihr euch wundert, wie das funktionieren soll. Der klassische Tee in Beuteln, wie wir Europäer ihn kennen, kann damit selbstverständlich nicht gebrüht werden. Allerdings könnt ihr endlich euren Traum erfüllen und einen Tee im Gong-Fu-Style brühen. Stellt dafür einfach die Pre-Infusion auf das Maximum von 10 Sekunden ein, dann kann das am Ende sogar was werden. Kennt ihr nicht? Nicht schlimm, ich auch nicht.
Reinigung und Wartung
Wassertank und Abtropfschale nehmt ihr heraus und spült sie ab. Das Gerät selbst darf kein Wasser abbekommen, und in die Spülmaschine gehört kein einziges Teil.
Entkalken steht laut HiBREW alle anderthalb bis zwei Monate an. Essig ist dabei verboten, und Schäden durch unterlassenes Entkalken fallen aus der Garantie. Der Vorgang läuft ohne Kapsel über die größte Wassermenge, zweimal durch, danach einmal mit klarem Wasser hinterher. Mehr will die Maschine nicht von mir. Genau deshalb steht sie nach dem Test noch in meiner Küche und mein Vollautomat nicht mehr.
Testergebnis
Die HiBREW H1C hat mich mit dem Teil überzeugt, den eine Kapselmaschine eigentlich gar nicht können muss: Ca. 12 Gramm selbst gemahlener Espressobohnen in den Siebeinsatz, Hebel zu, Taste drücken, und heraus kommt ein Kaffee mit mehr Crema und mehr Aroma, als mein alter Vollautomat je geliefert hat. Gegen drei Tassen Filterkaffee am Morgen gewinnt sie klar, und sie verlangt dafür nichts außer Entkalken alle anderthalb bis zwei Monate.
Die Kapsel-Adapter sind der Bonus obendrauf. Dass aus den beworbenen sechs Systemen weniger Adapter werden, ist kein Etikettenschwindel, zwei Paare nehmen einfach ein zweites Sieb auf.
Abstriche gibt es beim Tank, der nach drei Tassen leer ist und beim leichten Nachtropfen. Und wer die Maschine auspackt, sollte wissen, dass die Pre-Infusion ab Werk ausgeschaltet ist. Geschmeckt habe ich den Unterschied zwar nicht, die Einstellung sucht man trotzdem besser einmal bewusst auf.
Für rund 110€ ist die H1C damit die richtige Maschine für alle, die guten Kaffee wollen, aber keine Lust auf das Ritual drumherum haben. Wer einen echten Siebträger mit Dampflanze sucht, greift zur HiBREW H10A (zum Test).
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