Starthilfe-Powerbanks und Akku-Luftpumpen haben viele von euch inzwischen im Kofferraum liegen, meist als zwei getrennte Geräte. Die Popdeer PD-JA3 packt beides in ein Gehäuse. Sie kombiniert eine Starthilfefunktion mit 5.000A Spitzenstrom und einen Kompressor bis 150PSI, dazu eine Lampe und einen USB-Ausgang für das Smartphone. Bei AliExpress kostet sie normalerweise ca. 30€, mit Gutscheincode war sie in den letzten Monaten mehrfach für unter 25€ zu haben.
Damit kostet das Kombigerät deutlich weniger als die reinen Starthilfen, wie die Nexpow Q10S und die Noco Boost Plus GB40, die wir bereits ausführlich für euch getestet haben. Als Kompressor muss sie sich an der Xiaomi Luftpumpe 2 Pro (zum Test) messen lassen. Ein wirklich überraschendes Ergebnis und alle Stärken und Schwächen zeigen wir euch in unserem ausführlichen Test.
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Lieferumfang der Popdeer PD-JA3
Die PD-JA3 kommt in einer schlichten Box und bietet eine Hartschalentasche, die sämtliches Zubehör beinhaltet:
- Popdeer PD-JA3 (Starthilfe, Kompressor, Lampe und Powerbank in einem Gerät)
- Starthilfekabel mit Klemmen und Smart-Box
- Luftschlauch mit Ventilaufsatz für Autoventile
- vier Adapter für Fahrradventile, Bälle und aufblasbares Spielzeug
- USB-A-zu-USB-C-Ladekabel
- Anleitung, auch auf Deutsch
Für die Ladung liegt ein entsprechendes Kabel bei, das ihr an jedes beliebige USB-Ladegerät anstecken könnt.
Design und Verarbeitung
Das Gehäuse besteht aus schwarzem Kunststoff mit grau abgesetzten Ecken, das ein gewisses Outdoor-Feeling aufkommen lässt. Dennoch verfügt die Popdeer weder über einen IP‑Schutz gegen Schmutz oder Feuchtigkeit noch über Silikonbumper, die bei einem Aufprall schützen. Die Oberfläche ist an mehreren Stellen geriffelt, wodurch sie auch mit Handschuhen sicher in der Hand liegt. Die Abmessungen betragen kompakte 197 x 108 x 49 Millimeter bei einem Gewicht von 846 Gramm. Inklusive Tasche und Zubehör steigt das Gewicht auf rund 1,2 Kilogramm. Für eine Starthilfepowerbank mit integriertem Kompressor ist das schon sehr kompakt und leicht.
Oben auf der Vorderseite sitzt das Display. Es zeigt den Akkustand (4 Balken), den gewählten Modus als Symbol und den Reifendruck wahlweise in bar, kPa oder PSI. Darunter liegen fünf Tasten: Plus und Minus für den Zieldruck, M für Modus und Einheit, eine Taste für die Lampe und der Powerbutton. Das Display ist für die dunkle Jahreszeit ausreichend hell. Bei direktem Sonnenlicht müsst ihr es etwas mit der Handfläche abdunkeln, um die Zahlen klar ablesen zu können.
An der Stirnseite sitzen die LED-Lampe, der USB-C-Eingang zum Laden und ein USB-A-Ausgang. Laut Typenschild liefert der USB-A-Ausgang 5V/2,1A, also rund 10W, ohne Schnellladen. Für ein leeres Smartphone im Notfall reicht das dennoch locker aus.
Auf der einen Längsseite wird das Starthilfekabel in die Buchse mit der Aufschrift „Engine Start“ eingesteckt. Auf der gegenüberliegenden Seite liegt zwischen den Lüftungsschlitzen eine goldfarbene Gewindebuchse, in die der Luftschlauch eingeschraubt wird. Der Kompressor sitzt also direkt im Gehäuse. Powerbank, Starthilfe und Pumpe teilen sich dementsprechend denselben Akku.
Das Starthilfekabel ist mit 10 AWG beschriftet, das entspricht einem Querschnitt von rund 5,3mm². Die Nexpow Q10S und die Noco GB40 hatten jeweils 8mm². Zwischen Kabel und Stecker sitzt eine kleine Box mit Status-LED, die laut Hersteller Verpolung, Kurzschluss und Überstrom erkennt. Der Luftschlauch ist textilummantelt und endet in einem Hebelaufsatz aus Metall für Autoventile. Die Verarbeitung der Klemmen und des Schlauches ist solide, aber nicht überragend. Der Hebelaufsatz des Druckschlauches ist beispielsweise etwas wackelig und der Kunststoff vergleichsweise dünnwandig. Die Krokodilklemmen haben einen guten Druckpunkt, sind nicht zu schwergängig und halten sicher auf den Batteriepolen. Legen wir den Kaufpreis von nur 32€ zugrunde, ist es kaum zu glauben, dass der Hersteller bei dieser Powerbank und dem umfangreichen Zubehör überhaupt noch Gewinn erzielen kann.
Kapazität und Ladeleistung
Der Hersteller gibt die Kapazität laut Typenschild mit 59,2Wh an. Das würde einer Powerbank mit rechnerisch rund 16.000mAh entsprechen. Wir haben die tatsächliche Kapazität mithilfe unserer elektronischen Last ermittelt. Dazu wurde die Powerbank mit konstant 10W über USB-A entladen und im Anschluss vollständig aufgeladen. Dabei konnten wir 24,5Wh aus der Powerbank entnehmen. Danach haben wir sie komplett geladen. Für die Ladung wurden insgesamt 40Wh aus dem Netz bezogen. Somit liegt die tatsächlich nutzbare Kapazität bei gerade einmal 41% der Herstellerangabe. Ihr solltet aber beachten, dass diese 24,5Wh immer noch sehr viel Kapazität für eine Starthilfepowerbank sind. Legt man etwa die 17Wh der deutlich teureren Noco Boost GB40 zugrunde, erscheint der Wert der Popdeer PD-JA3 gar nicht mehr so schlecht.
Ladeleistung der Popdeer PD-JA3
Die Ladeleistung der Popdeer PD-JA3 haben wir mit vier verschiedenen Ladeadaptern überprüft. Dabei konnten wir eine Ladeleistung von 9,5-10W über den gesamten Ladezeitraum messen. Aufgrund der deutlich niedrigeren Kapazität gegenüber der Herstellerangabe fällt auch die Ladedauer kürzer aus. Während der Hersteller von 6-7 Stunden spricht, war die Powerbank bereits nach etwas weniger als 4 Stunden wieder komplett geladen.
Kompressor
Der Kompressor schafft laut Hersteller bis zu 150PSI (10,3 bar) und 35 Liter pro Minute. Dass diese Werte eher theoretischer Natur sind, sollte euch vorher bewusst sein. So ein Minikompressor schafft bei einem handelsüblichen Reifen nicht annähernd so hohe Drücke, ohne vorher zu überhitzen oder aufgrund Akkumangels aufzugeben.
Insgesamt bietet der Kompressor fünf Betriebsmodi: „Auto“ (1,8 bis 3,5 bar), „Motorrad“ (1,8 bis 3,0 bar), „Fahrrad“ (1,8 bis 3,0 bar), „Ball“ (0,2 bis 1,1 bar) und einen freien Modus bis 10,5 bar. Ihr könnt durch langes Drücken der Mode-Taste in jedem Modus die Druckanzeige zwischen bar, PSI und Kilopascal wechseln. Nach zehn Minuten Dauerbetrieb verlangt die Anleitung eine Pause von zehn Minuten.
Für unseren Test haben wir einen Autoreifen 225/50/R17 von 2,0 auf 2,5 bar aufgepumpt. Diesen Vorgang haben wir so oft wiederholt, bis der Akku erschöpft war. Insgesamt konnten wir den Autoreifen 17 Mal auffüllen, bevor die Popdeer PD-JA3 mit leerem Akku abschaltete. Mit 90-100 Sekunden dauert das Befüllen rund doppelt so lange wie mit der Xiaomi Luftpumpe 2 Pro. Mit abnehmendem Akkustand verlängert sich die Fülldauer merklich. Bei 50% Akkukapazität dauert der Vorgang bereits 120 Sekunden. Die Lautstärke ist mit gemessenen 83dB(A) in einem akzeptablen Bereich.
Starthilfe
Popdeer gibt 5.000A Spitzenstrom an und verspricht Starthilfe für alle Benziner und Dieselmotoren bis 8 Liter Hubraum. Mit einer vollen Ladung stellt der Hersteller bis zu 60 Starts in Aussicht. Wie auch bei der Konkurrenz sind diese Werte eher theoretischer Natur. Würden tatsächlich 5.000A durch ein 5,3mm²-Kabel fließen, würde dieses innerhalb weniger Sekunden durchbrennen.
Solche Ströme sind für moderne Motoren auch gar nicht notwendig. Für den Anlasser werden in Sekundenbruchteilen Spitzenströme von lediglich 400-800A benötigt. Motoren mit sehr großem Hubraum (3-4 Liter) können auch in die Region von mehr als 1.000A vordringen.
Ist die Fahrzeugbatterie unter 9V gefallen, erkennt die Smart-Box diese theoretisch nicht mehr. Für diesen Fall gibt es einen Zwangsstart, bei dem die Schutzfunktionen der Klemmen abgeschaltet sind. Diese Funktion war in unserem Test aber gar nicht nötig. Selbst mit abgeklemmter Batterie (2-3V Restspannung) wurde die Smart-Box aktiviert und die Starthilfe freigegeben.
Für unseren Starthilfeversuch nutzen wir wie bei den bisherigen Tests einen Opel Astra Diesel mit 1,6 Liter Hubraum. Der Anlasser des Fahrzeugs hat eine Nennleistung von 1.700W und kann bei tiefen Temperaturen im Startmoment kurzzeitig bis zu 3.500W aufnehmen. Die Außentemperaturen lagen in den frühen Morgenstunden bei rund 10°C.
Zur Starthilfe werden die Klemmen der Popdeer einfach mit der Fahrzeugbatterie verbunden. Die Smart-Box aktiviert nach 2-3 Sekunden die Spannungsversorgung. Dank der integrierten Taschenlampe kann die Starterbatterie auch bei völliger Dunkelheit problemlos gefunden werden. Die Popdeer liefert eine Ausgangsspannung von 16,5V, die nur für 30 Sekunden anliegt. Somit müsst ihr euch mit dem Starthilfevorgang etwas beeilen. Trotz einer tiefentladenen Batterie (7V) klappte der Startversuch ohne große Mühe. Im Anschluss konnten weitere 12 Startversuche unternommen werden, bevor der Akku vollständig entladen war. Für einen erneuten Versuch muss die Smart-Box jedes Mal von der Powerbank getrennt und wieder angesteckt werden.
Selbst ohne Fahrzeugbatterie mit direkter Verbindung zum Bordnetz waren 5 Startvorgänge möglich. Ihr solltet hier aber beachten, dass ohne die Starterbatterie (Puffer) die vollen 16,5V an eurem Bordnetz anliegen.
Wie auch bei vergangenen Tests haben wir die Starthilfe-Powerbank für 24h ins Tiefkühlfach gelegt und anschließend einen Startversuch unternommen. Aufgrund der tiefen Temperaturen sinkt die Stromlieferfähigkeit des internen Akkus enorm. Dementsprechend war wie bei der Konkurrenz von Nexpow und Noco kein direkter Startversuch ohne Fahrzeugbatterie mehr möglich. Mit tiefentladener Batterie war gerade so ein Startvorgang erfolgreich. Ihr solltet eure Starthilfe-Powerbank also im Optimalfall warmhalten, um die Starthilfechancen erheblich zu verbessern.
Testergebnis
Mit einem Verkaufspreis von ca. 30€ bietet die Popdeer PD-JA3 ein außergewöhnlich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Während ihr bei der Konkurrenz problemlos den dreifachen Preis bezahlen könnt, bringt die Popdeer sogar noch einen eingebauten Kompressor mit, der im Notfall euren Reifen aufpumpt. Abstriche müsst ihr lediglich bei der vom Hersteller beworbenen Kapazität machen. Diese ist rund halb so hoch wie versprochen. Dennoch liefert die Popdeer auch mit weniger Energiegehalt sowohl im Kompressortest als auch beim Starthilfe-Verhalten ein überzeugendes Ergebnis ab.
Somit gibt es von unserer Seite eine klare Kaufempfehlung. Wir werden die Powerbank für diesen Winter im Langzeittest belassen, um ein abschließendes Fazit zur Langlebigkeit abgeben zu können.
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