Huawei bringt mit dem MatePad Air ein 12 Zoll großes Tablet nach Deutschland, dessen OLED-Display eine matte Oberfläche hat. Spiegelungen schluckt es fast vollständig, und beim Schreiben mit dem aktiven Stylus fühlt es sich eher nach Papier als nach Glas an. Dazu ist das Metallgehäuse nur 5,3 Millimeter dick.
In Europa löst das MatePad Air das Huawei MatePad 12X (zum Test) ab, das noch mit einem matten IPS-Panel antrat. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 799€, im Huawei Store gehört dafür die Tastatur zum Paket und der M-Pencil Pro kommt aktuell gratis dazu. So setzt ihr das Tablet auch als kleines Notebook ein. Ob ein Tablet ohne Google-Dienste für diesen Preis den Alltag mitmacht, klären wir im Test.
Was das MatePad Air anders macht
Wer hierzulande ein Tablet kauft, landet meist bei einem iPad, einem Samsung Galaxy Tab oder einem Modell von Honor. Gegen diese Geräte setzt sich das MatePad Air vor allem mit seinem matten OLED-Display ab. Samsung und Honor verbauen spiegelnde OLED-Displays, eine matte Oberfläche gibt es bei Apple nur gegen deutlichen Aufpreis im iPad Pro. Dünn ist das MatePad Air auch, bei einem Tablet ist das aber kein Kaufargument, zumal das Honor MagicPad 4 noch flacher baut.
Preislich ist das MatePad Air mit Tastatur und Stift nicht günstiger als die Konkurrenz. Interessant wird es vor allem für alle, die schon ein Smartphone, eine Smartwatch oder Kopfhörer von Huawei nutzen, denn das Ökosystem des Herstellers ist gut ausgebaut. Ohne Google-Dienste ab Werk und mit einem Chip aus der Mittelklasse bleibt das MatePad Air aber ein Nischentablet.
| Huawei MatePad Air | Honor MagicPad 4 | Samsung Galaxy Tab S11 | |
|---|---|---|---|
| Preis zum Marktstart (UVP) | 799€ mit Tastatur, Stift aktuell gratis | 650€ mit Tastatur und Stift | 899€, im Handel ab rund 600€ |
| Display | 12 Zoll OLED, matt, 144Hz | 12,3 Zoll OLED, spiegelnd, 165Hz | 11 Zoll OLED, spiegelnd, 120Hz |
| Prozessor | Kirin T93C | Snapdragon 8 Gen 5 | Dimensity 9400+ |
| Dicke und Gewicht | 5,3mm, 524g (gewogen) | 4,8mm, 450g | 5,5mm, 469g |
| PCMark Akku | 12 Stunden 32 Minuten (60Hz) | rund 12 Stunden (60Hz) | rund 10 Stunden |
| Google-Dienste | nein, per GBox nachrüstbar | ja | ja |
| Updates | 5 Jahre ab Kauf | 6 Jahre | 7 Jahre |
Design und Verarbeitung
Mit 5,3 Millimeter Dicke und 524 Gramm ist das MatePad Air sehr dünn und für ein 12-Zoll-Tablet leicht. Huawei gibt 509 Gramm an, unsere Waage zeigt 15 Gramm mehr. Für die Bedienung braucht ihr bei dieser Größe trotzdem beide Hände oder eine Ablage. Das Gehäuse ist vollständig aus Metall, die Rückseite matt beschichtet.
Huawei verkauft das Tablet in Blau und Pink. Mit deutscher Tastatur gibt es das MatePad Air allerdings nur in Blau, Pink ist dem Paket mit Stift vorbehalten. Einen Fingerabdrucksensor hat das Tablet nicht, eine IP-Zertifizierung gegen Wasser und Staub ebenfalls nicht. An den beiden Schmalseiten sitzen die Öffnungen für die sechs Lautsprecher, auf der Rückseite die Pogo-Pins für die Tastatur.
Insgesamt ist das MatePad Air ein sehr dünnes und leichtes Tablet mit hochwertigem Metallgehäuse.
Lieferumfang des Huawei MatePad Air
Im Karton liegen das Tablet, ein USB-C-Kabel, ein Reinigungstuch und die Schnellstartanleitung, dazu je nach Paket die Tastatur oder der Stift. Ein Netzteil fehlt, die vollen 66 Watt Ladeleistung gibt es nur mit dem SuperCharge-Netzteil von Huawei. Das beiliegende Kabel überträgt Daten außerdem nur mit USB-2.0-Geschwindigkeit. Im Huawei Store stehen drei Pakete zur Wahl:
- Deutsche Tastatur: MatePad Air mit 8GB RAM und 256GB Speicher inklusive Tastatur für 799€, der M-Pencil Pro ist aktuell als Gratiszugabe dabei. Unsere Empfehlung!
- Englische Tastatur: MatePad Air mit 12GB RAM und 256GB Speicher inklusive englischer Tastatur für 899€, ebenfalls mit Gratis-Stift.
- Stift: MatePad Air mit 8GB RAM und 256GB Speicher inklusive M-Pencil Pro, ohne Tastatur, für 799€.
Unser Testgerät ist die Version mit 12GB RAM und englischer Tastatur. Wer viel auf Deutsch schreibt, sollte trotzdem zur deutschen Tastatur greifen, denn Umlaute und Sonderzeichen liegen auf dem englischen Layout an anderer Stelle.
Tastatur und M-Pencil Pro
Die Tastatur ist fest mit der Schutzhülle aus Kunstleder verbunden und hält magnetisch an der Rückseite. Strom und Verbindung laufen über die Pogo-Pins. Das Tablet lässt sich in zwei Winkeln aufstellen. Klappt ihr die Tastatur nach hinten, schaltet sie sich ab. Die Tastaturhülle wiegt 318 Gramm und ist 6,9 Millimeter dick, zusammen mit dem Tablet sind es 842 Gramm.
Die Tastatur tippt sich sehr gut. Der Druckpunkt ist klar, der Hub ausreichend, auch längere Texte haben wir darauf ohne Probleme geschrieben. Eine Hintergrundbeleuchtung hat sie nicht (nur die Feststelltaste leuchtet), ein Touchpad fehlt ebenfalls. Auf dem Schoß funktioniert das Schreiben, am Tisch steht das Tablet aber stabiler. Dafür reicht schon wenig Platz: Auf die kleinen Klapptische im ICE passt das MatePad Air mit Tastatur problemlos.

Display
Das 12 Zoll große OLED-Display löst mit 2800 x 1840 Pixel auf, daraus ergeben sich scharfe 275ppi. Das 3:2-Format bietet beim Arbeiten mit Dokumenten und Webseiten viel Platz in der Höhe. Die Bildrate passt sich laut Huawei bis 144Hz an, im Standardmodus läuft das Display mit 120Hz.
Bei komplett weißem Bild messen wir im Automatikmodus maximal 1.140 Lux, bei manueller Regelung 860 Lux. Zusammen mit dem matten Displayglas habt ihr in der Sonne keine Probleme beim Ablesen.
Die Besonderheit ist die „PaperMatte”-Oberfläche. Huawei klebt dafür keine Folie auf, sondern ätzt das Glas selbst fein an. Das Display ist dadurch sehr unempfindlich gegenüber Umgebungslicht. Am Fenster, im Zug oder draußen im Schatten stören kaum Reflexionen. Den Preis dafür seht ihr bei der Brillanz. An ein spiegelndes OLED-Display reicht das MatePad Air nicht heran, und das Schwarz wirkt nicht ganz so tief und knackig. Gut ist es aber trotzdem. Erfreulicherweise seht ihr auf dem matten Glas auch praktisch keine Fingerabdrücke.
Widevine L1 ist an Bord, Serien und Filme laufen also in Full-HD. HDR-Inhalte bekommt ihr bei den Streaming-Diensten allerdings nicht, obwohl das Panel HDR beherrscht. Auch YouTube spielt kein HDR ab, denn dem Chip fehlt der passende Hardware-Decoder, und der Prozessor muss die Videos in Software dekodieren.
Insgesamt ist das matte OLED-Display der wichtigste Grund, sich für das MatePad Air zu entscheiden: kaum Spiegelungen, gute Farben und ein Schreibgefühl wie auf Papier.
Leistung
Verbaut ist der Kirin T93C von Huawei, gefertigt im 7-Nanometer-Verfahren. Einen Namen nennt Huawei im Datenblatt nicht, das System verrät ihn aber.
In den Benchmarks landet das MatePad Air im Mittelfeld und deutlich hinter Tablets mit aktuellem Snapdragon-Chip wie dem Honor MagicPad 4 oder dem Xiaomi Pad 8 (zum Test). Der Arbeitsspeicher ist 8GB groß, in der Version mit englischer Tastatur sind es 12GB. Der interne Speicher liest mit rund 4.100MB/s und schreibt mit rund 2.800MB/s, das ist UFS-4.0-Niveau.
- AnTuTu v11
- Speicher
- 3D Mark
- Geekbench 6
- Geekbench 7
- CPU Throtteling
- GPU Stress Test
Unter Dauerlast bleibt die Leistung sehr stabil. Deutliches Thermal Throttling gibt es nicht.
Im Alltag harmonieren Kirin-Prozessor und HarmonyOS sehr gut. Apps starten flüssig, beim Wechseln zwischen Anwendungen und beim Scrollen ruckelt nichts. Spielen könnt ihr auf dem MatePad Air ebenfalls, wer aber vor allem ein Gaming-Tablet sucht, hat mit einem schnellen Snapdragon-Tablet deutlich mehr Freude.
HarmonyOS und Apps
Das MatePad Air läuft mit HarmonyOS 4.3. Die Oberfläche bedient sich sehr ähnlich wie Android, wir sind ohne Umgewöhnung zurechtgekommen. Android-Apps laufen, Google-Dienste fehlen wegen der US-Sanktionen aber ab Werk, also auch der Play Store. Huawei verspricht fünf Jahre lang Sicherheitsupdates, Fehlerbehebungen und Funktionsupdates ab dem Kaufdatum. Vorinstalliert sind unter anderem WPS Office, die Notizen-App und GoPaint.
Drei Wege zu den Apps
Für die App-Frage gibt es drei Möglichkeiten:
- Nur die AppGallery: Huaweis eigener Store bietet einige bekannte Apps, YouTube, WhatsApp oder Netflix fehlen dort aber. Das Tablet nur damit zu nutzen, macht in der Praxis kaum jemand.
- Aurora Store und microG: microG ersetzt die Google-Dienste, der Aurora Store lädt die Apps aus dem Play Store. Beides lässt sich ohne Umwege installieren. Wie das geht, zeigen wir in unserer Anleitung zu Google auf Huawei-Geräten (Ratgeber).
- GBox: Die App aus der AppGallery bringt den echten Play Store mit Anmeldung über das eigene Google-Konto aufs Tablet. Die meisten Apps installiert GBox direkt aufs System.
Wir haben uns für GBox entschieden und sind damit gut zurechtgekommen. Uns war wichtig, dass alles rund um Google funktioniert: Google Drive, YouTube und die Synchronisation unserer Dateien, damit sich das Tablet in den gewohnten Arbeitsablauf einfügt. Das hat geklappt. Selbst Netflix, das es in der AppGallery nicht gibt, läuft in GBox mit Widevine L1 in Full-HD.
Ganz ohne Haken ist der Weg nicht. Hinter GBox steht ein Anbieter aus Singapur, die App zeigt Werbung und erfasst Gerätedaten, und ihr meldet euch dort mit eurem Google-Konto an. Einzelne Banking-Apps sowie Microsoft-Apps mit Firmen- oder Uni-Konto verweigern auf Huawei-Geräten den Dienst.
Insgesamt ist das MatePad Air mit GBox im Alltag nah an einem normalen Android-Tablet. Wer auf bestimmte Banking- oder Firmen-Apps angewiesen ist, sollte das vor dem Kauf prüfen. Das Tablet lässt sich so einrichten, dass es wie gewohnt funktioniert, dafür müsst ihr euch aber etwas damit auseinandersetzen.
Kamera

Die 12MP-Frontkamera sitzt im langen Displayrand. Bei Videocalls im Querformat mit Tastatur schaut ihr damit mittig in die Kamera, so wie am Laptop.
- Frontkamera
- Dokumenten Scanner
Für Dokumente, QR-Codes und Videocalls reicht die Ausstattung, für Fotos greift ihr besser zum Smartphone.
Konnektivität und Lautsprecher

Das Tablet funkt mit WiFi 7, allerdings nur im 2,4- und 5-GHz-Band, das 6-GHz-Band fehlt. Kopfhörer verbindet ihr über Bluetooth 6.0, als Audiocodecs stehen AAC, LDAC und L2HC bereit. Stift und Tastatur nutzen Huaweis eigene Funktechnik NearLink. Der USB-C-Anschluss überträgt mit 5Gbit/s.
Die Lautsprecher sind für ein Tablet sehr gut. Sechs davon, darunter eine Basseinheit mit vier Treibern, sorgen für einen vollen, lauten Klang mit spürbarem Bass. Einen Film schaut ihr damit gerne ohne Kopfhörer. Das Honor MagicPad 4 klang in unserem Test deutlich dünner.
Akkulaufzeit
- 120 Hertz
- 60 Hertz
Verbaut ist ein Akku mit 10.100mAh. Im PCMark Battery Test erreichen wir mit 120Hz und mit 60Hz fast die gleichen Laufzeiten, denn der Benchmark läuft die meiste Zeit mit 60 Hertz. Damit hält das Tablet etwas länger durch als die Konkurrenz. Im Alltag ist die Akkulaufzeit in Ordnung, einen Arbeitstag mit Schreiben, Surfen und Videos übersteht das Tablet ohne Steckdose.

An einem PowerDelivery-Netzteil mit 100 Watt, das die 66 Watt des Tablets nicht auslöst, war unser Testgerät in einer Stunde und 49 Minuten von 2 auf 100 Prozent geladen.
Testergebnis
Das Huawei MatePad Air ist ein Tablet für eine klar umrissene Zielgruppe. Wer viel mit dem Stift schreibt, oft am Fenster, im Zug oder draußen arbeitet und ein leichtes Gerät mit Tastatur für unterwegs sucht, bekommt mit dem matten OLED-Display etwas, das kaum ein anderes Tablet bietet. Spiegelungen spielen praktisch keine Rolle mehr, und der M-Pencil Pro fühlt sich auf der Oberfläche fast wie ein Stift auf Papier an. Dazu kommen eine Tastatur, auf der sich gut schreiben lässt, sehr gute Lautsprecher und eine Leistung, die im Alltag flüssig bleibt und auch unter Dauerlast kaum nachlässt.
Die Kehrseite kennt ihr von Huawei: Google-Dienste fehlen ab Werk. Mit GBox oder dem Aurora Store bekommt ihr die Apps aus dem Play Store, also auch Google Drive, YouTube und sogar Netflix in Full-HD aufs Tablet, es bleibt aber ein Umweg über einen Drittanbieter. HDR beim Streaming gibt es nicht, ein GPS-Modul, einen Fingerabdrucksensor und ein Netzteil im Karton ebenfalls nicht, und Videos nimmt die Kamera nur in Full-HD auf.
Preislich ist das Paket mit deutscher Tastatur und dem aktuell kostenlosen Stift fair. Wer dagegen ein schnelles Tablet mit Google-Diensten sucht und mit einem spiegelnden Display leben kann, bekommt das Honor MagicPad 4 (zum Test) mit Tastatur und Stift günstiger. Wer ein Tablet zum Schreiben und Zeichnen sucht und mit GBox als Weg zu Google leben kann, bekommt mit dem MatePad Air ein cooles Nischentablet mit dem besten matten Display, das wir bisher getestet haben.
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