Wischwalzen, die während der Fahrt laufend mit Frischwasser gespült werden und das Schmutzwasser sofort wieder einsammeln, sind mein Lieblingsprinzip beim Wischen. Mit dem Saros 20 Flow Complete baut Roborock diese Technik jetzt in seine Saros-Reihe. Dazu kommt ein einfahrbarer Laserturm, mit dem der Roboter auf nur 8,98 Zentimeter Bauhöhe kommt und unter niedrige Möbel passt. Im Grunde ist alles an Bord, was ihr von einem Saugroboter der Oberklasse erwarten könnt.
Die bisherigen Saros-Modelle wie der Roborock Saros 10R (zum Test) setzten auf Wischpads. Jetzt bekommt die Topreihe von Roborock die Wischwalze, und genau das macht den Saros 20 Flow interessant.
Zwei Wochen lang haben wir den Roboter in meiner rund 90 Quadratmeter großen Wohnung eingesetzt, mit Laminat in den Wohnräumen, Fliesen im Bad und Teppich im Wohnzimmer. Der Saros 20 Flow lief oft, und die Wohnung war in dieser Zeit richtig sauber.
Der Saros 20 Flow Complete kostet 1.299€ und ist im Roborock-Shop, bei Amazon und im Handel erhältlich. Seit dem Marktstart am 21. September gab es keine Aktion. Das „Complete“ im Namen steht hierzulande übrigens für das Zubehörpaket. Eine Version ohne dieses Paket gibt es in Deutschland nicht. Was die Walze kann und wo sie an Grenzen stößt, lest ihr im Folgenden.
Lieferumfang und Folgekosten
Der Karton ist vorbildlich gepackt, und es liegt erstaunlich viel Verbrauchsmaterial bei:
- Saugroboter mit eingesetzter Walze, Filter und zwei Seitenbürsten
- Reinigungsstation mit Sockel und Netzkabel
- sieben Staubbeutel (ein weiterer steckt schon in der Station)
- Ersatzwalze
- zwei Paar Ersatz-Seitenbürsten
- zwei Ersatzfilter
- Reinigungslösung von Roborock (200ml)
- Handbuch
Beim Zubehör hat Roborock nicht gespart. So viele Staubbeutel liegen selten bei, und auch Ersatzwalze, Filter und Seitenbürsten sind großzügig bemessen. Beim Saros 10R hatten wir im Test noch den geringen Lieferumfang kritisiert, hier ist das anders.
Zur Haltbarkeit: Roborock empfiehlt den Tausch der Verschleißteile viel früher, für die Walze etwa alle ein bis drei Monate, für die Seitenbürsten alle drei bis sechs Monate. Unserer Erfahrung nach könnt ihr die Teile aber bedenkenlos länger nutzen. Ein Staubbeutel ist in einem normalen Haushalt erst nach einem halben bis einem Jahr voll. Danach könnt ihr ihn über der Restmülltonne ausklopfen und ein zweites Mal benutzen. Seitenbürsten sind nach einem Jahr noch voll intakt. Die Tauschintervalle sind eine Herstellerangabe, mit der sich Zubehör verkaufen lässt. Den Filter reinigt ihr mit einem Akkusauger oder sanfter Druckluft, dann ist er wieder frisch. Die Walze lässt sich einfach mit einem Schwamm sauber machen.
Mit dem Zubehör aus dem Karton kommt ihr wohl zwei bis drei Jahre aus, ohne etwas nachkaufen zu müssen. Wer später Nachschub braucht: Ein Original-Zubehörset von Roborock mit Walze, zwei Filtern, vier Beuteln und einer Seitenbürste kostet bei Amazon rund 50€.
Design und Verarbeitung
Saugroboter
Unser Testgerät kommt in Schwarz, alternativ gibt es Weiß. Die Oberfläche ist matt, der Deckel geteilt, oben sitzen zwei Tasten und der einfahrbare Laserturm mit Metallkappe. Unter dem Deckel liegen Staubbox und Filter. Mit Abmessungen von 352 x 353 x 89,8 Millimeter und einem Gewicht von 5200 Gramm ist der Saros 20 Flow für einen Roboter mit Wischwalze und Laserturm sehr flach. Walzenmodelle bauen sonst meist höher. Der Freo 20 ist 9,5 Zentimeter hoch, der Romo P2 9,8 Zentimeter, und beide kommen ohne Laserturm oben aus.
Der rund zehn Zentimeter hohe Spalt unter der Gefriertruhe in der Küche ist genau die Stelle, in die der Freo 20 im Test nicht hineingefahren ist, obwohl er rechnerisch gepasst hätte. Der Saros 20 Flow kommt mit eingefahrenem Turm darunter. Die LED an der Front leuchtet dabei den dunklen Bereich aus.
An der Unterseite sitzen die Kletterbeine, die den Roboter über Schwellen heben. Dazu kommen die geteilte Hauptbürste, zwei Seitenbürsten und die Walze in einer orangefarbenen Aufnahme hinten. Eine ausfahrbare Seitenbürste gibt es nicht. Die hatten der Saros 20 und der Saros 10R noch. Stattdessen fährt die Wischwalze seitlich aus. Die Verarbeitung ist sauber, nichts knarzt.
Insgesamt ist der Saros 20 Flow schick gebaut und mit 8,98 Zentimetern angenehm flach für das, was er an Bord hat.
Reinigungsstation
Die Station misst 381 x 454 x 451 Millimeter. Laut Roborock erhitzt ihr Heizmodul das Wasser für die Walzenwäsche auf bis zu 100 Grad. Beim Trocknen mit Warmluft erreicht es bis zu 63 Grad. Außerdem dosiert die Station Reinigungsmittel automatisch, und der Staubbeutel soll bis zu 65 Tage halten.
Oben unter dem Deckel sitzen Frisch- und Schmutzwassertank. Darunter liegen Staubbeutel und Reinigerfach. An beide kommt ihr erst heran, wenn ihr die Tanks herausnehmt.
Anders als bei klassischen Stationen spült der Roboter die Walze schon während der Fahrt und streift sie ab, das Schmutzwasser sammelt er in seinem eigenen kleinen Tank. Die Station saugt diesen Tank ab und füllt den Frischwassertank im Roboter mit warmem Wasser nach. Danach folgt in der Station noch eine umfassende Wäsche der Wischwalze.
- “Garage” für die Moppwäsche
- oben sind die beiden Tanks
- darunter der Staubbeutel und Reinigungsmitteltank
Einstellen lässt sich in der App fast alles: Intervall und Intensität der Walzenwäsche, die Dosierung der Reinigungslösung, wie oft die Staubbox abgesaugt wird, die automatische Trocknung und deren Dauer. Einen Festwasseranschluss gibt es nicht. Ihr füllt das Frischwasser also von Hand nach und leert auch das Schmutzwasser selbst aus.
App und Einrichtung
Roborock ist hier wie immer sehr nutzerfreundlich. Die App ist schön aufgebaut, und der Saros 20 Flow ist ein Produkt für den deutschen Markt.
- Roborock App:
- Startseite mit Karte
- Einstellungen
- “Hello Rocky” Sprachassistent
- funktioniert auf Englisch erstaunlich gut!
Karte: Sie ist von Beginn an schlüssig, der Umriss der Wohnung ist gut zu erkennen. Ich musste nur einen Raum teilen und zwei zusammenfügen, dann hat sie gepasst. Sieben Räume mit Raumtyp sind es bei mir: Wohnzimmer, Küche, Arbeitszimmer, Schlafzimmer, Diele, Flur, Bad. Danach habe ich die Bodentypen eingetragen. Einen Wermutstropfen gibt es: Ihr könnt keinen ganzen Raum als Teppich festlegen. Durchgehender Teppichboden ist heute selten, die meisten Räume haben Parkett, Fliesen oder Vinyl.
Die Kartenwerkzeuge sind umfangreich: Teilen, Kombinieren, Raum benennen, Sperrzonen, Schwellen, Bodentyp, Teppich bearbeiten, Möbel, Vorhang, „Unter Möbeln“ und Ablauf. Hinter markierten Vorhängen reinigt der Roboter laut Roborock gezielt. Mehrere Etagen verwaltet die App ebenfalls.
- während der Reinigung
- inkl. Änderungen an der Strategie / Reihenfolge
- Einstellungen für Haustiere
- Karte bearbeiten
- auf mit mehreren Etagen
Bei der Reinigung wählt ihr zwischen Saugen, Wischen und Saugen plus Wischen, dazu „Benutzerdefiniert“ für Raum, Zone oder Programm. Im Live-Ablauf zeigt die App, was die KI plant. Ein Beispiel ist „Zuerst Teppich saugen“, damit der Teppich nicht befeuchtet wird. Die Walze wäscht der Roboter erst danach. Die Kamera liefert ein Live-Bild aus der Wohnung, dazu kommen Fernsteuerung und „Pin-and-Go“, bei dem ihr ein Ziel auf der Karte antippt. Haustierfunktionen wie „Haustier suchen“ und Schnappschüsse stehen ebenfalls bereit.
Für Matter gibt es einen eigenen Menüpunkt („Mit Matter-Netzwerk verbinden“), die Einbindung ist also möglich. Dazu kommen Alexa, Google Home und Siri. Das WLAN funkt nur auf 2,4GHz. Einige Funktionen wie die vom Bodentyp abhängige Wassermenge, die KI-Fleckenreinigung, Teppich-Strategien, Vorhänge und die ausfahrende Walze müsst ihr in der App erst einschalten.
Sprachassistent Hello Rocky
Die Sprachsteuerung funktioniert sehr, sehr gut. Sie ist auf Wunsch immer aktiv. Ihr geht zum Roboter, sagt „Hello Rocky“ und dann, was er machen soll. Die App müsst ihr dafür nicht öffnen. Das ist cool.
Die Befehle umfassen unter anderem „Saubermachen beginnen“, „Saugen und wischen“, „Nur saugen“, „Nur wischen“, „Hier reinigen“ und „Hier nicht reinigen“, außerdem die Steuerung der Station sowie Anhalten und Fortsetzen. Raumbefehle wie „Küche reinigen“ setzt er als gezielte Raumreinigung um.
Ich habe Rocky erst auf Englisch genutzt und später auf Deutsch umgestellt. Beides geht. Englisch versteht Rocky aber deutlich besser als Deutsch. In der App gibt es einen Chatverlauf mit allen Befehlen und Antworten. So könnt ihr nachvollziehen, was er verstanden hat.
Praxiseinsatz mit dem Roborock Saros 20 Flow Complete
Navigation und Hinderniserkennung
Der Saros 20 Flow navigiert mit dem Laserturm ruhig und systematisch. Der Turm fährt in offenen Bereichen aus und unter Möbeln ein, etwa unter meiner Küchenzeile. Neben dem Turm arbeiten eine RGB-Kamera, strukturiertes Licht an der Front und seitliches strukturiertes Licht für Wände und Teppichkanten. Laut Roborock erkennt das System über 300 Objektarten, die Bilder verarbeitet es auf dem Gerät.
Kabel umfährt er sehr gut. Einen Feinliner auf dem Boden hat er aber nicht erkannt und versucht, ihn einzusaugen.
Dann blieb er mit einer Fehlermeldung stehen. Erst nachdem ich den Stift herausgezogen hatte, lief er weiter. Die Erkennung greift laut Roborock erst ab Objekten von 3 x 3 Zentimetern. Kleinkram solltet ihr also vorher aufräumen.
Bei den Schwellen helfen die Kletterbeine, die Roborock „AdaptiLift Traverse 3.0“ nennt. Laut Roborock schafft der Roboter eine einzelne Stufe bis 4,5 Zentimeter. Die beworbenen 8,8 Zentimeter gelten laut Kleingedrucktem nur für eine Doppelstufe, bei der die erste Stufe höchstens 4,5 Zentimeter hoch und mindestens 20 Zentimeter tief ist und die zweite unter 4,3 Zentimetern bleibt. In der Praxis nimmt er einzelne Kanten von rund 4 bis 5 Zentimetern, also eher etwas mehr, als Roborock verspricht. Für Türschwellen und Übergänge im normalen Haushalt reicht das locker. Zeichnet eure Schwellen in der Kartenbearbeitung mit dem Werkzeug „Schwelle“ ein. Dann weiß der Roboter vorher Bescheid und geht sie beherzter an, statt davor zurückhaltend abzubremsen.
Insgesamt navigiert der Saros 20 Flow souverän durch die Wohnung, nur bei Kleinteilen auf dem Boden müsst ihr selbst mitdenken.
Saugleistung
Roborock nennt 36.000 Pascal. Wie immer sagt diese Zahl allein wenig aus. Aber in der Praxis ist die Saugleistung sehr gut. Auf Laminat und Fliesen nimmt der Saros 20 Flow Krümel und Staub in einem Durchgang auf. Den Teppich im Wohnzimmer saugt er auf Wunsch mit maximaler Leistung. Teppiche saugt die KI ohnehin vor dem Wischen, die Walze hebt der Roboter dort an.
Bei Haaren soll die geteilte Hauptbürste Verwicklungen verhindern. Aufgewickelte Haare mussten wir in zwei Wochen jedenfalls nicht entfernen.
Wischen mit der Walze
Der Saros 20 Flow wischt mit einer 27 Zentimeter breiten Walze, die mit bis zu 240 Umdrehungen pro Minute rotiert. Der Anpressdruck liegt bei bis zu 15 Newton. 16 Düsen spritzen während der Fahrt Frischwasser aus dem Tank im Roboter auf die Walze, ein Abstreifer zieht das Schmutzwasser ab und leitet es in einen eigenen Schmutzwassertank. Die Walze wischt also nie mit dem Dreck von eben weiter. Ich liebe dieses Prinzip. Das Wischergebnis ist gut.

Ketchup-Test: Die Kamera erkennt den Ketchup nicht als Fleck. Deshalb hebt der Roboter auch die Seitenbürste nicht an, und die zieht beim Vorbeifahren Schlieren durch den Ketchup. Die Walze erwischt ihn aber, und am Ende ist er komplett weg. Danach hätte ich mir eine zusätzliche Wäsche der Walze gewünscht, die hat der Roboter aber nicht automatisch erledigt. Wegen der laufenden Frischwasserspülung ist das allerdings weniger schlimm als bei Pads. Der Narwal Freo 20 hat es im gleichen Test umgekehrt gemacht: Er hat den Ketchup erkannt, ist ihm aber ausgewichen, statt ihn wegzuwischen. Der Saros 20 Flow erkennt ihn nicht, wischt ihn aber weg.
Zur Einordnung: Eine Walze hebt das Grundniveau der Böden spürbar an. Sie ersetzt aber keinen Nasssauger (oder händischen Wischmopp) für die gründliche Reinigung von Hartböden.
Insgesamt wischt der Saros 20 Flow in der Fläche gut, nur die letzten drei Millimeter an der Wand und das Erkennen von Flecken bleiben Baustellen.
Akkulaufzeit und Lautstärke
Der Akku hat 6.400mAh (14,4V). Eine Laufzeit in Minuten nennt Roborock nicht, dafür eine Fläche von bis zu 200 Quadratmetern pro Ladung, geschätzt als bebaute Fläche im Standardmodus „Saugen und Wischen“. Unsere Messungen:
- Ein Raum mit rund 10m², Saugen und Wischen auf normaler Leistung, kostet 10% Akku.
- Das Wohnzimmer mit 16m² Teppich bei maximaler Saugleistung zieht 34%.
- Das sind etwa 1% pro m² im Normalbetrieb und auf Teppich mit voller Leistung gut doppelt so viel.
Meine Wohnung schafft er in einem Durchgang, auch wenn der Puffer nicht riesig ist. Bei den Zwischenstopps an der Station lädt er nach. Die Ladezeit in der Station beträgt 2,5 Stunden.
Die Lautstärke haben wir jeweils aus einem Meter Abstand gemessen: 63dB(A) beim Saugen und Wischen auf normaler Leistung, 74dB(A) beim Absaugen der Staubbox in die Station und 55dB(A) beim Waschen der Walze in der Station. Im Normalbetrieb ist der Saros 20 Flow angenehm leise. Im Homeoffice könnt ihr ihn nebenher laufen lassen, ohne dass er stört.
Testergebnis
Topmodelle kosten inzwischen einfach über 1.000€, und der Roborock Saros 20 Flow Complete liegt mit 1.299€ genau in dieser Liga. Ihr bekommt, wofür ihr bezahlt, und ich bin mit dem Gerät wirklich sehr zufrieden. Die Mittelklasse bietet meist schon mehr als genug, und dort arbeitet eine Wischwalze ebenfalls sehr gut 😉.
Der Roborock Saros 20 Flow überzeugt durch die Wischwalze mit laufender Frischwasserspülung, die in der Fläche gründlicher wischt als rotierende Pads. Dazu kommen die sehr flache Bauweise von 8,98 Zentimetern mit einfahrbarem Laserturm und eine starke Saugleistung auf Laminat, Fliesen und Teppich.
Flecken und Kleinteile erkennt der Roboter nicht zuverlässig. An den Fußleisten bleiben rund drei Millimeter ungewischt. Das ist bei einer Walze konstruktionsbedingt.
Der Saros 20 Flow Complete lohnt sich für alle mit niedrigen Möbeln und Küchenzeilen, mit Schwellen in der Wohnung und für alle, die eine Walze mit Frischwasserspülung, eine einfache App und eine gut funktionierende Sprachsteuerung wollen. Wer keine hohen Schwellen hat und sparen möchte, sollte sich den Qrevo Edge 2 Flow mit fast derselben Walzentechnik für rund 700€ anschauen.
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