Punkt. MC03 – Smartphone aus Deutschland/Schweiz vorgestellt
Inhaltsverzeichnis
Mit dem Punkt. MC03 stellt der Schweizer Hersteller ein Smartphone mit Fokus auf Privatsphäre und Datenschutz vor. Die Software wird dabei in der Schweiz entwickelt und das Smartphone in Deutschland gefertigt. So tritt das Punkt. MC03 in einer Nische aus Minimalismus und digitaler Unabhängigkeit mit hoher Datensicherheit an, ohne dass ihr auf Apps verzichten müsst. Mit dem Jolla Phone (zur Ankündigung) gibt es bereits ein ähnliches Smartphone, das allerdings auf Linux setzt.
Mit 745€ ist das Punkt. MC03 kein Schnäppchen, aber ein realistischer Preis für eine Kleinserie. Punkt ist kein Massenhersteller, weshalb sich die Investitionskosten auf weniger Geräte verteilen. Gleichzeitig entwickelt das Unternehmen seine Software weiter und versorgt seine Geräte mit Updates. Ein Jolla Phone oder Fairphone 6 (zum Test), das zu fairen Bedingungen gefertigt wird, kostet nur unwesentlich weniger. Insofern lohnt es sich, einen genaueren Blick auf das Punkt. MC03 zu werfen.
Design des Punkt. MC03
Das Punkt. MC03 ist ein klassisches Smartphone im Candy-Bar-Design. Mit 163 x 76 x 11 Millimeter ist es durchschnittlich groß, bringt allerdings 240 Gramm auf die Waage. Über die verwendeten Materialien schweigt der Hersteller, das Smartphone ist jedoch nach IP68 geschützt. Auf der Suche nach dem Auftragsfertiger landet ihr unweigerlich bei Gigaset. Der Auftragsfertiger hat mit dem Gigaset GS6 Pro (zur Webseite) einen technischen Zwilling im Angebot. Damit erklärt sich der Hinweis auf die Fertigung in Deutschland. Nehmt ihr dieses Modell als Grundlage, besitzt das Punkt. MC03 einen Rahmen aus Kunststoff und eine Rückseite aus Glas. Der Fingerabdruckscanner sitzt im Display, Face Unlock wird dagegen nicht unterstützt. Auf der Rückseite befindet sich ein Kameramodul mit drei Sensoren und einem LED-Blitz. Der SIM-Kartenslot nimmt eine SIM-Karte sowie eine microSD-Speicherkarte auf und befindet sich unter der Akkuabdeckung. Der Power-Button und die Lautstärketasten liegen auf der rechten Seite, während links eine Sondertaste im Rahmen integriert ist. Stereo-Lautsprecher und zwei Mikrofone runden die Ausstattung des Punkt. MC03 ab.
Display des Punkt. MC03
Genauso unaufgeregt zeigt sich der Bildschirm des Punkt. MC03. Der Hersteller verbaut ein 6,67 Zoll großes AMOLED-Display mit einer maximalen Bildwiederholfrequenz von 120 Hertz. Die Auflösung beträgt angemessene 2436 x 1080 Pixel. Vergleichsweise mager ist dagegen die maximale Helligkeit von 550 Lux für ein solches Panel. LTPO wird nicht unterstützt und auch sonst gibt sich der Hersteller sparsam mit Informationen. Zumindest HDR-Support wird zugesichert, aber ob Widevine Level 1 unterstützt wird, bleibt unklar.
Leistung und System
Im Punkt. MC03 arbeitet ein MediaTek Dimensity 7300, der absolut nicht zum aufgerufenen Preis passt. Dieser bezieht seine Kraft aus insgesamt 8 Kernen und wird in 4nm gefertigt. Wir haben diesen Prozessor schon im CMF Phone 1 (zum Test) kennengelernt, das rund 200€ kostet.
Dem Prozessor steht eine Mali-G615-GPU zur Seite. Auch 8GB RAM und 256GB Festspeicher gehören eher in die Mittelklasse. Zumindest lässt sich der Speicher erweitern.
Hier liegt die große Besonderheit des Punkt. MC03. Als Betriebssystem dient AphyOS, das auf AOSP 15 basiert. Dabei steht AOSP für Android Open Source Project und damit für den quelloffenen Code von Android. Punkt hat daraus AphyOS mit eigenen Apps für Kalender, Kontakte, E-Mails und weitere Funktionen entwickelt. In der sicheren Umgebung ist Threema als Messenger vorinstalliert. Ein VPN ist dort ebenfalls bereits integriert. Punkt arbeitet hier mit Proton zusammen, einem bekannten Schweizer Anbieter für VPN-Dienste. Somit verbleiben die Daten auf dem Smartphone und ihr könnt klar erkennen, wohin sie fließen. Aber auch externe Apps können genutzt werden. Diese laufen in einem geschützten Container, ohne auf die Daten im Smartphone zugreifen zu können. Das schiebt dem Tracking einen Riegel vor. Mit Gbox (zur Webseite) gibt es schon eine kostenfreie Variante für Android-Nutzer. Leider sind noch nicht alle versprochenen Funktionen verfügbar, der Hersteller verspricht jedoch, diese per Update nachzuliefern. Stand 16. Juli 2026 müsst ihr auf den Fingerabdruckscanner verzichten, eSIM funktioniert ebenfalls nicht, die Google Play Services sind veraltet und das Vibrationsfeedback arbeitet noch nicht. Für Nutzer ist das ärgerlich. 3 System-Updates und 5 Jahre Sicherheitsupdates sichert der Hersteller zu.
Kamera des Punkt. MC03
- Hauptkamera: 64 Megapixel, f/1,79, Autofokus
- Ultraweitwinkelkamera: 8 Megapixel, f/2,2
- Makrokamera: 2 Megapixel, f/2,4
- Frontkamera: 32 Megapixel, f/2,45
Ebenso überschaubar sieht es bei den Kameras aus. Punkt verbaut zwar vier Sensoren im MC03, die 2-Megapixel-Makrokamera ist jedoch überflüssig. Ebenso fehlt eine optische Stabilisierung für die Hauptkamera. So dürfte das Niveau der Aufnahmen eher im Einsteigerbereich liegen, auch wenn die Blende der Hauptkamera mit f/1,79 vergleichsweise groß ist.
Konnektivität und Akku
Wenig vorwerfen lässt sich dem Punkt. MC03 dagegen im Bereich Kommunikation, denn das Gerät unterstützt eine Vielzahl von Bändern, inklusive des Bandes 20 für Deutschland. Dazu ist theoretisch eSIM mit dem Smartphone möglich.
- 4G: B1/2/3/4/5/7/8/18/19/20/28/38/40/41/42/43
- 5G: n1/3/5/7/8/20/26/28/38/40/41/48/77/78
Wi-Fi 6 und Bluetooth 5.4 sind ebenfalls verbaut, genauso wie die üblichen Sensoren. NFC zum mobilen Bezahlen ist integriert, könnte aber am Safety-Check von Android scheitern. Zur Navigation dient das gewohnte Quartett aus GPS/GLONASS/Galileo/Beidou. Der 5.200mAh große Akku lässt sich mit bis zu 30 Watt per Kabel laden und mit maximal 15 Watt kabellos. Zudem könnt ihr den Akku schnell entnehmen und tauschen. Der Ersatzakku ist mit 35€ günstig.
Unsere Einschätzung zum Punkt. MC03
Am Ende trifft solide untere Mittelklasse-Hardware auf eine besondere Software. Rein von den nackten Zahlen ist das Punkt. MC03 gänzlich überteuert und selbst die Hardwarebasis mit dem Gigaset GS6 Pro ist mit 430€ deutlich günstiger. Mit AphyOS bekommen Nutzer jedoch ein Betriebssystem mit klarem Fokus auf Datenschutz und Datenintegrität. Und gleichzeitig eine Wette auf die Zukunft, denn noch sind einige Funktionen nicht verfügbar. Der Hersteller verspricht, diese nachzuliefern. Schon der Verzicht auf eSIM könnte einige Nutzer abschrecken, genauso wie der fehlende Fingerabdruckscanner. Dazu kommt eine Reihe von Kinderkrankheiten, die nicht recht zum Anspruch des Smartphones passen. Zumindest agieren die Entwickler transparent. Für reguläre Nutzer ist das Punkt. MC03 nichts. Es richtet sich eher an technikaffine Anwender mit Kenntnissen in VPN und Konnektivität und einem ausgeprägten Sinn für Kontrolle über ihre persönlichen Daten. Dann werden aber auch Systeme wie GrapheneOS (zur Webseite) interessant, die einen genauso starken Fokus auf Datenschutz legen und mit Pixel-Smartphones von Google funktionieren.
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