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Kolumne: Doch keine Werbung in allen Abo-Stufen von Disney+

Golem hat am 16. September über eine Änderung der Nutzungsbedingungen von Disney+ berichtet, die vielfach so interpretiert wurde, dass der Streamingdienst künftig in allen Abo-Stufen Werbung ausspielen möchte. Jetzt hat Disney gegenüber DWDL beschwichtigt und mitgeteilt, dass sich für Kunden mit einer werbefreien Abo-Option nichts ändern würde.

Ich sehe in dieser Debatte den Auswuchs eines ethischen Problems, das mich seit einigen Jahren wieder öfters beschäftigt, als mir lieb ist. Ich bin selbst Kreativschaffender und bin grundsätzlich dafür, dass mit dem Schaffen von Kunst auch Geld verdient wird. Deswegen stehe ich Piraterie sehr kritisch gegenüber.

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Wenn ich einen Inhalt konsumieren möchte, kaufe ich ihn oder abonniere einen Dienst, bei dem er verfügbar ist. Für mich wäre Piraterie nur eine Option, wenn es nicht mehr möglich ist, den Inhalt auf rechtem Wege zu erstehen. Bei Werken, die legal überhaupt nicht mehr zu bekommen sind, steht für mich der Wille zur Archivierung im Zweifel über der Lizenzlogik der Rechteinhaber. Vor allem in Online-Debatten wirkt es aber, als wäre ich mit dieser Position in der Minderheit.

Schaufeln sich die Streamingdienste, die einst die Piraterie beenden oder zumindest stark eindämmen wollten, ihr eigenes Grab? Und was sind die Alternativen?

Die Preisentwicklung von Streamingdiensten zeigt nur nach oben

Dass Streamingdienste immer teurer werden, ist wohl so gut wie jedem schon aufgefallen. Allerdings war mir kaum klar, wie extrem dieser Preistrend wirklich aussieht. Schauen wir beispielhaft erst einmal auf den Marktführer.

Netflix ist im September 2014 und damit vor zwölf Jahren hier in Deutschland an den Start gegangen und zwar für 11,99€ im Monat für das 4K-Abo. 2026 müsst ihr für das gleiche Abo 21,99€ bezahlen. Wäre der Anbieter der Inflation gefolgt, müsste das Abo 15,99€ kosten.

Besonders deutlich fiel die jüngste Erhöhung im September 2026 beim Standard-Abo mit Werbung aus: Es stieg von 4,99€ auf 6,99€, also um rund 40%. Ausgerechnet die Option für Preissensible zieht am stärksten an.

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Allerdings ist dies ja nur ein kleiner Teil des aktuellen Marktes. 2014 mag Netflix noch recht einsam gewesen sein, aber mittlerweile gibt es gefühlt ein Dutzend weitere Dienste, auf die sich die Inhalte aufteilen. Und auch die werden immer teurer: Disney+ kostet aktuell 15,99€ pro Monat im 4K-Tarif. Im November 2023 waren es noch 11,99€, macht ein Plus von einem Drittel in zwei Jahren. Amazon Prime Video wird nicht nur nicht günstiger, sondern zeigt seit Februar 2024 auch in der regulären Mitgliedschaft Werbung.

Wer sie wieder loswerden will, zahlt knapp drei Euro im Monat extra: dasselbe Abo, weniger Leistung. Dazu kommen noch Paramount+, HBO Max (zum Test), Apple TV+, Joyn (zum Test), RTL+ und viele weitere Möglichkeiten, sein Geld loszuwerden.

Sicherlich braucht kein Mensch all diese Dienste zur gleichen Zeit, aber der hervorragende Preis-/Leistungsgedanke von Streaming ist passé. Das wird besonders deutlich, wenn ihr auch noch Profifußball gucken möchtet.

Digitale Käufe sind keine Alternative – Sind es physische Medien?

Leider hat die Vergangenheit gezeigt, dass digitale Käufe als Alternative nicht so richtig in Frage kommen. Mit erschreckender Regelmäßigkeit lese ich mittlerweile Meldungen, dass Lizenzen abgelaufen sind und deswegen gekaufte Inhalte aus den Bibliotheken der Nutzer entfernt wurden. Erst am 1. September 2026 hat Sony 551 StudioCanal-Titel aus den PlayStation-Bibliotheken entfernt, weil eine Lizenzvereinbarung ausgelaufen war. Betroffen waren auch bereits gekaufte Filme, eine Entschädigung gab es nicht. Deutsche Kunden hat es aus demselben Grund bereits 2022 getroffen.

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Wer einen Film oder eine Serie besitzen möchte, kommt um einen Kauf der Disc eigentlich nicht herum. Da ist aber natürlich das Angebot sehr eingeschränkt, vor allem, wenn man exklusive Inhalte der Streamingdienste gucken möchte. Außerdem ist es auf Dauer relativ teuer und ein Abspielgerät braucht man auch noch. Zumindest bei der deutschen Tonspur sparen sich die Verleiher auch gerne mal Dolby Atmos für den Disc-Release.

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Allerdings bin ich froh, dass es dieses Angebot noch gibt. Vielleicht gelingt der Branche ja irgendwann das, was in der Musikindustrie die Schallplatte geschafft hat. Dort entfallen rund 86% des Umsatzes auf das Digitalgeschäft, und der physische Markt schrumpft insgesamt weiter, 2025 um 5,9 Prozent. Die Schallplatte ist aber die große Ausnahme: Sie legte laut Bundesverband Musikindustrie 2025 um 2,8 Prozent auf 152 Millionen Euro zu und kommt damit auf 44,2% des physischen Umsatzes, im ersten Halbjahr 2026 sogar auf 47,8 Prozent. Ein Nischenformat wächst also gegen den Trend, und zwar genau das, bei dem man etwas in der Hand hält.

Streamingdienste verlieren an Attraktivität – die Piraterie steigt an

Und genau an diesem Punkt sehe ich ein Problem. Streamingdienste haben von Anfang an klar gemacht, dass wir die Inhalte mieten und angucken dürfen, sie allerdings jederzeit auch wieder verschwinden können. Aufgrund der einstigen Preise war das ein sehr guter Deal. Bei den aktuellen Preisstrukturen bin ich mir allerdings nicht sicher, wie gut dieser Deal noch ist.

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Laut einem Gutachten, das Goldmedia im Auftrag des Verbands Privater Medien (VAUNET) erstellt und im Mai 2026 veröffentlicht hat, nutzten 2025 rund 7,7 Millionen Menschen in Deutschland illegale lineare TV-Streams. 2022 waren es noch 5,9 Millionen. Der direkte Schaden für die Medienunternehmen liegt demnach bei rund 1,5 Milliarden Euro, gesamtwirtschaftlich bei 2,4 Milliarden Euro, dem Staat entgehen rund 542 Millionen Euro an Steuern und Sozialabgaben.

Wichtig für unsere Frage: Die Studie betrachtet ausschließlich illegales Live-TV, also RTL, Sky oder Bundesliga über nicht lizenzierte IPTV-Angebote. Serien aus der Tauschbörse sind nicht enthalten. Aufschlussreich ist trotzdem die Motivation der Nutzer. 68% geben an, legale Angebote seien ihnen zu teuer. Und 53% würden zahlen, wenn die illegale Quelle wegfiele, im Schnitt rund 29€ im Monat. Die Zahlungsbereitschaft ist also da, sie wird nur gerade überreizt.

Bemerkenswert ist auch, wer da mitmacht: Die größte Gruppe stellen weiterhin die 16- bis 33-Jährigen, das stärkste Wachstum gibt es aber bei den über 54-Jährigen. Die Altersgruppe ab 64 macht inzwischen mehr als 20 Prozent aller Nutzer aus.

Einem Bericht aus 2024 zufolge habe die Internetpiraterie von Videoinhalten während der Blütezeit von Netflix und co. abgenommen, befinde sich seit 2021 aber wieder in stetigem Wachstum.

Und noch können die Streamingdienste neue Nutzerrekorde aufstellen, während sie Zugriffe aus anderen Haushalten einschränken, die Preise erhöhen oder auch einfach mal HDR und 4K entfernen, wie es bei Disney+ zeitweise der Fall war. Das geht jetzt zwar wieder, jedoch wurde dafür der Apple AirPlay-Support aufgrund eines Rechtsstreits gestrichen. Auch nicht schön. Und als ich im Vorfeld dieses Artikels in meinen Gedanken diesen Punkt erreichte, habe ich eine Entscheidung getroffen.

Sogar der Überfluss an kostenlosen Videoinhalten ist doch massiv!

Worüber diskutieren wir hier eigentlich? Meiner Meinung nach über zwei Dinge gleichzeitig: Der Preis der Streamingdienste nimmt zu und die Leistung nimmt vielerorts ab. Außerdem gibt es mittlerweile einfach zu viele Dienste, auf die sich die Inhalte aufteilen können. Wer sich alle Optionen offen halten möchte, muss tief in die Tasche greifen oder kann es sich schlicht und einfach nicht leisten.

Ich habe mein Streaming-Bundle gekündigt. Für einige Zeit hatte ich MagentaTV MegaStream (zum Test), dort waren Netflix, Disney+, Apple TV+ und RTL+ mit dabei. Ich hatte nicht genug Zeit, all diese Dienste ernsthaft zu nutzen. Zusätzlich habe ich sowieso noch YouTube Premium. Ohne Premium ist YouTube völlig kostenlos und hält, wenn man ein bisschen sucht, sehr gute Videoinhalte aller Art bereit.

Für mich persönlich hat sich der Kostenaspekt damit erledigt. Ich habe jetzt YouTube Premium, Netflix und Prime Video, mir reicht das und ich kann es mir leisten. Das ist aber die Lösung von jemandem, der ohnehin zu wenig Zeit zum Schauen hat und den Aufpreis stemmen kann. Für eine Familie, die Kinderprogramm, Serien und Bundesliga unter einen Hut bringen will, sieht die Rechnung anders aus. Und genau dort entscheidet sich, ob die illegale Alternative attraktiv wird. Damit bleibt noch der Aspekt, dass auch die Leistung schlechter wird. Daran ist nicht zu rütteln und ich hoffe, dass die Streamingdienste noch die Kurve kriegen, bevor Piraterie wieder zum gängigen Mittel wird.

Wer den Ausstieg nicht ganz so radikal angehen will, hat mehr Optionen, als die Debatte suggeriert. Alle großen Dienste sind monatlich kündbar, man kann also rotieren und pro Monat gezielt einen Dienst buchen, statt vier parallel laufen zu lassen. Jahresabos senken den Monatspreis deutlich, bei Disney+ etwa um rund 17 Prozent. Und der kostenlose Teil des Marktes ist größer, als viele denken: Die Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen sind über den Rundfunkbeitrag ohnehin bezahlt, dazu kommen werbefinanzierte FAST-Kanäle wie Pluto TV, Samsung TV Plus oder Joyn in der kostenlosen Variante.

Unsere Einschätzung

Wer fortlaufend die Preise erhöht – in einem Markt, der sich sowieso bereits in die Breite entwickelt hat – und Funktionen wie AirPlay streicht, das Streaming außerhalb des eigenen Heimnetzwerks beschränkt und weitere kundenfeindliche Restriktionen einführt, muss sich nicht wundern, dass die illegalen, aber mittlerweile sehr komfortablen und kostengünstigen Alternativen Nutzer gewinnen.

Vielleicht liegt die eigentliche Gefahr für Netflix und andere Streamingdienste auch in der Erkenntnis, dass es den überteuerten Überfluss gar nicht unbedingt braucht. Vielleicht ist das aber auch eine gesellschaftliche Utopie.

Wir freuen uns auf eine lebhafte Diskussion in den Kommentaren!

Quellen

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