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Isinwheel M60 Test: günstiges Fat-Bike für 900 Euro

Getestet von Joscha am Preis-Leistungs-Tipp!
Vorteile
  • kräftiger Motor, souverän am Berg
  • sehr hoher Fahrkomfort
  • großer, entnehmbarer Akku
  • sicherer Grip auf Schotter und Sand
  • bequemer Tiefeinstieg
  • hohe Zuladung von 150 Kilogramm
  • komplette Ausstattung ab Werk
  • hochwertige Optik, sauber verarbeitet
  • USB-Ladeport am Display
  • starkes Preis-Leistungs-Verhältnis
Nachteile
  • Bremsen brauchen viel Handkraft
  • keine Heckfederung
  • 34,45 Kilogramm schwer
  • keine Schnellspanner an den Laufrädern
  • Kadenzsensor statt Drehmomentsensor
  • mechanische Klingel muss nachgerüstet werden
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Isinwheel kennen die meisten von E-Scootern, den Isinwheel GT2 hatten wir schon im Test. Das M60 ist das Fat-Bike der Marke: 26 mal 4,0 Zoll dicke Ballonreifen, ein Tiefeinsteiger-Rahmen aus Stahl, ein herausnehmbarer Akku mit 624 Wattstunden im Unterrohr und ein kräftiger Heckmotor, der in Deutschland als 25-km/h-Pedelec ausgeliefert wird. Für 898€ direkt beim Hersteller sind Gepäckträger, Schutzbleche, Licht, Pumpe und Ständer schon dabei.

Isinwheel M60 Test: Fat-Tire-E-Bike in der Seitenansicht

Damit zielt das M60 auf alle, die ein bequemes Alltagsrad mit tiefem Einstieg und viel Reserve suchen, für gemischte Strecken aus Asphalt, Schotter und schlechten Wegen. In diesem Feld sind wir schon einige Räder gefahren: Das Touroll S2 (zum Test) kostet ähnlich wenig und lässt sich zusammenklappen, das Engwe Engine Pro 2.0 (zum Test) zeigt, was ein paar Hundert Euro mehr an Vollfederung bringen, und der Eskute Star (zum Test) hat die hydraulischen Bremsen. Wir haben das M60 eine Woche gefahren, vom Auspacken im Wohnzimmer bis zur 30-Kilometer-Etappe von Köln nach Solingen.

Lieferumfang und Aufbau

Die Bestellung lief reibungslos, das Rad kam schneller als erwartet und gut gepolstert an. Im Karton liegen Werkzeug, eine Luftpumpe, zwei Akku-Schlüssel, ein Kabelschloss, das Ladegerät, das Rücklicht und eine bebilderte Montageanleitung. Zubehör müsst ihr am ersten Tag also nicht nachkaufen. Ihr solltet allerdings die elektrische Klingel gegen eine herkömmliche Klingel ersetzen oder zumindest eine solche nachrüsten. Eine elektrische Klingel ist in Deutschland nicht erlaubt.

Lenker, Vorderrad, Pedale und Rücklicht montiert ihr selbst, alles andere ist fertig. Wer schon einmal ein Fahrrad zusammengeschraubt hat, ist in einer guten halben Stunde durch, Werkstatt oder Spezialwerkzeug braucht es nicht. Bei uns schliff das Vorderrad anfangs leicht an der Bremse, ein kurzes Nachjustieren des Bremszugs hat das erledigt. Das vordere Schutzblech hat auf den ersten Kilometern etwas geschlackert, nach dem Nachziehen der Schrauben war Ruhe. Danach fährt das Rad ohne weitere Nacharbeit.

Design und Verarbeitung

Optisch macht das M60 deutlich mehr her, als der Preis vermuten lässt. Der Akku sitzt bündig im dicken Unterrohr, die Züge sind ordentlich verlegt, die Lackierung ist gleichmäßig, und der tiefe Einstieg lässt sich auch mit Rucksack oder Einkauf bequem übersteigen. Das Rad ist ein Hingucker: Freunde, die es gesehen haben, hielten es für deutlich teurer. Der Stahlrahmen ist auf 150 Kilogramm Zuladung ausgelegt und fühlt sich entsprechend unerschütterlich an, nichts wackelt, nichts knarzt.

Der Gepäckträger ist ein ordentliches Stück Metall und keine Alibi-Konstruktion, die Schutzbleche decken die breiten Reifen komplett ab, und der Sattel ist so breit und weich gepolstert, wie ihr es euch bei einem Komfortrad wünscht. Zwei Kleinigkeiten sind uns aufgefallen: Beim Absenken des Sattels hat die Sattelstütze Kratzer bekommen, und der Knopf für die Hupe klemmte anfangs, bis er sich freigefahren hatte.

Insgesamt ist das M60 für ein 900-Euro-Rad sehr sauber verarbeitet und wirkt eine Klasse hochwertiger, als es kostet.

Transport und Abstellen

isinwheel mp60 staender

Die 34,45 Kilogramm sind der Preis für den robusten Stahlrahmen und die dicken Reifen. Beim Fahren merkt ihr davon nichts, im Gegenteil: Das Gewicht liegt tief und macht das Rad ruhig und spurtreu. Beim Verladen ist es dagegen sofort da. Wir wollten das M60 in einen großen Kombi heben, in den sonst eine Matratze am Stück passt. Allein war das nicht zu machen, ohne das Auto zu beschädigen. Dafür hätten wir das Vorderrad abschrauben müssen, und genau da fehlt der Komfort: Die Laufräder sind verschraubt, es gibt keine Schnellspanner, und der Lenker lässt sich nicht umlegen.

Für den Autotransport müsst ihr also zu zweit anpacken oder einen belastbaren Heckträger nutzen. Wer ebenerdig abstellen kann, merkt vom Gewicht dagegen fast nichts, weil der Akku für die Wohnung ohnehin herausnehmbar ist.

Motor und Fahrgefühl

Hier spielt das M60 seine größte Stärke aus. In Deutschland fährt es als Pedelec mit 250W Nenndauerleistung und Unterstützung bis 25 km/h, der Heckmotor liefert kurzfristig bis zu 750W. Nach einer knappen Kurbelumdrehung drückt es euch spürbar nach vorne. Wer vorher nie ein E-Bike gefahren ist, findet das im ersten Moment schlicht beeindruckend.

Bergauf zahlt sich das richtig aus. Auf den Steigungen in Solingen reichte der erste Gang und leichtes Treten, um konstant mit 24 bis 25 km/h oben anzukommen, ohne dass die Unterstützung eingebrochen wäre. Gegenwind bügelt der Motor genauso weg. Bei 29 Grad, Gegenwind und Höhenmetern kommt ihr hier entspannt an, statt nach einer halben Stunde die Lust zu verlieren, und genau das macht den Reiz des Rades aus.

Die 26-Zoll-Fat-Reifen sorgen dafür, dass sich das auch abseits vom Asphalt sicher anfühlt. Auf Schotter, Sand und losem Untergrund greifen sie sauber, und in Kurven bleibt das Rad da noch stabil, wo ein schmaler Reifen längst wegrutscht. Zusammen mit dem breiten Sattel und den leicht ergonomisch geformten Griffen sitzt ihr über Stunden bequem.

Eine Sache solltet ihr wissen: Die Unterstützung regelt ein Kadenzsensor, kein Drehmomentsensor. Der Motor misst also nicht, wie fest ihr tretet, sondern nur, ob ihr tretet, und schiebt dann mit der Kraft der gewählten Stufe an. Deshalb der kräftige Schub aus dem Stand, der beim Anfahren aus der Kurve heraus anfangs ungewohnt ist. Nach ein paar Kilometern habt ihr das raus.

Insgesamt ist das M60 ein souveräner Gleiter mit viel Schub, der auch aus Wiedereinsteigern schnell wieder Radfahrer macht.

Schaltung und Bedienung

Geschaltet wird über eine echte Shimano-Kettenschaltung mit sieben Gängen und Drehgriffschalter. Das ist die Einsteigerklasse, funktioniert im Alltag aber zuverlässig, und Ersatzteile bekommt ihr überall günstig. Auf den ersten Kilometern hat die Schaltung ein paarmal gehakt, was auch daran lag, dass wir den Drehgriff zu schnell durchgezogen haben. Nach einer halben Stunde Gewöhnung lief sie sauber.

Ein Hinweis zum Datenblatt: Der Hersteller listet „5 Gänge” mit den Angaben 6, 10, 15, 20 und 25 km/h. Das sind keine Gänge, sondern die fünf Unterstützungsstufen mit ihren jeweiligen Tempo-Deckeln. Die Gänge selbst sind die sieben von Shimano.

Das Display sitzt links am Lenker, lässt sich auch bei Sonne gut ablesen und zeigt Tempo, Unterstützungsstufe, Akkustand und Kilometerstand. Daneben sitzen die Knöpfe für Licht, Hupe und Schiebehilfe, außerdem ein USB-Anschluss, über den unterwegs das Handy mitlädt. Statt einer mechanischen Klingel gibt es eine elektrische Hupe, und die ist laut genug, dass sie im Stadtverkehr auch gehört wird. In Deutschland ist das leider dennoch nicht ausreichend und ihr müsst eine herkömmliche Klingel nachrüsten.

Akku und Reichweite

Der Akku mit 48 Volt und 13 Amperestunden kommt auf 624 Wattstunden, lässt sich per Schlüssel entnehmen und hat eine eigene Ladestandsanzeige am Gehäuse. Zum Laden nehmt ihr ihn einfach mit in die Wohnung, was ohne Kellerstrom oder Außensteckdose der praktischere Weg ist. Positiv aufgefallen: Nach drei Wochen Standzeit war der Akku immer noch voll. Das Rad verliert im Stillstand also praktisch nichts, was längst nicht jedes günstige E-Bike schafft.

Auf unserer Etappe von Köln nach Solingen, rund 30 Kilometer in anderthalb Stunden mit Steigungen am Ende, fiel die Anzeige von fünf auf drei Balken. Insgesamt kommt ihr auf maximal 70 Kilometer. Realistisch sind je nach Strecke, Unterstützungsstufe und Gewicht etwa 50 bis 80 Kilometer. Die 105 Kilometer aus dem Datenblatt sind ein Bestwert für flaches Gelände und niedrige Unterstützung. Für Pendeln und Einkaufen reicht das mit großem Abstand, und selbst eine Tagestour geht sich locker aus. Voll geladen ist der Akku am mitgelieferten Netzteil nach sechs bis acht Stunden.

Insgesamt ist der Akku eine der klaren Stärken des M60: groß, entnehmbar, standfest und mit eigener Anzeige am Gehäuse. Nur das Aufladen dauert ziemlich lange.

Bremsen und Federung

Beim Komfort liefert das M60 mehr, als der Preis erwarten lässt. Die Federgabel arbeitet mit rund 100 Millimetern Weg und lässt sich per Hebel sperren, dazu kommen eine gefederte Sattelstütze und die dicken Reifen mit ihrem niedrigen Luftdruck. Kopfsteinpflaster, Waldwege und Schotter bügelt diese Kombination spürbar glatt, und das Rad bleibt dabei ruhig. Eine Heckfederung gibt es nicht. Auf normalen Wegen fangen Reifen und Sattel das gut ab, auf grobem Gelände mit Wurzeln und tiefen Spurrillen kommt das Heck an seine Grenze.

Der eine echte Kritikpunkt sind die Bremsen. Isinwheel verbaut vorne wie hinten mechanische Scheibenbremsen mit Seilzug, die Bremshebel schalten immerhin den Motor ab. Zum Stehen kommt das Rad damit zuverlässig, der Bremsweg ist bei den erlaubten 25 km/h in Ordnung. Der Weg dorthin ist es nicht: Ihr müsst die Hebel weit durchziehen, sie greifen spät, und dann brauchen sie ordentlich Handkraft. Ein sauberes Nachstellen der Züge verbessert den Druckpunkt spürbar, macht aus der Anlage aber keine hydraulische. Bei einem Rad mit diesem Gewicht wäre eine Hydraulik die souveränere Lösung.

Insgesamt stimmt der Komfort für die Preisklasse, an den Bremsen merkt ihr dagegen, wo gespart wurde. Das ist echt schade!

Pedelec und der Tuning-Modus

Für deutsche Käufer ist das der wichtigste Absatz. Mit 250W Nenndauerleistung und Unterstützung bis 25 km/h ist das M60 rechtlich ein Fahrrad: kein Führerschein, keine Versicherung, keine Helmpflicht, Radweg erlaubt. Genau so wird es hier ausgeliefert, ihr könnt also direkt losfahren.

Über das Display lässt sich die Abriegelung aufheben, der Hersteller nennt dann Stufen bis 45 km/h. Auf öffentlichen Wegen ist das keine Option. In diesem Modus gilt das M60 rechtlich nicht mehr als Fahrrad. Es wird zum versicherungs- und führerscheinpflichtigen Kleinkraftrad, das ohne Betriebserlaubnis und Kennzeichen unterwegs wäre. Das solltet ihr definitiv nicht riskieren.

Testergebnis

Getestet von
Joscha

Das Isinwheel M60 ist erstaunlich viel Rad für wenig Geld. Für 898€ bekommt ihr ein kräftiges, sehr komfortables Fat-Tire-Pedelec mit großem herausnehmbarem Akku, 150 Kilogramm Zuladung und kompletter Alltagsausstattung ab Werk. Der Motor schiebt auch an langen Steigungen souverän an und hält die 25 km/h, ohne einzubrechen, der Akku übersteht selbst drei Wochen Standzeit ohne Verlust, und der tiefe Einstieg macht das Rad für so ziemlich jeden zugänglich. Dazu sieht es besser aus, als es kostet.

Der größte Gewinn steckt aber im Fahrgefühl. Die dicken Reifen, die Federgabel und der breite Sattel machen aus schlechten Wegen eine ruhige Strecke, und der Grip auf Schotter und Sand gibt euch ein Sicherheitsgefühl, das ein schmales Trekkingrad nicht bietet. Bei 29 Grad, Gegenwind und Höhenmetern kommt ihr hier entspannt an. Wer lange nicht mehr Rad gefahren ist, hat mit dem M60 sehr schnell wieder Lust darauf.

Kompromisse gibt es zwei, und die solltet ihr kennen. Die mechanischen Bremsen verlangen zu viel Handkraft und greifen spät, da wäre eine Hydraulik die bessere Wahl. Und mit 34,45 Kilogramm ohne Schnellspanner an den Laufrädern wird jeder Autotransport zur Zweimannaufgabe.

Für preisbewusste Pendler und Genussfahrer, die ihr Rad ebenerdig abstellen können, ist das M60 damit eine klare Empfehlung, ebenso für Wiedereinsteiger und für ältere Fahrer, die den tiefen Einstieg und die ruhige Straßenlage zu schätzen wissen. Wer sein Rad regelmäßig tragen oder verladen muss, echte Trails fahren will oder auf fein dosierbare Bremsen angewiesen ist, greift besser eine Klasse höher.

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