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Wie im letzten Jahr haben wir auch dieses Jahr wieder zwei E-Scooter von Navee im Test: Nach dem Navee UT5 Max (zum Test) folgt nun der Navee XT5 Max. Wie der UT5 Max ist auch der XT5 Max mit etwa 1.100€ kein Schnäppchen. Dafür erhaltet ihr einen E-Scooter mit einem sehr starken Motor mit einer Spitzenleistung von 2.200W, einem großen Akku mit 899Wh, sehr guten Stoßdämpfern und großen, luftbefüllten 12″-Reifen statt der üblichen 10″-Reifen. Außerdem gibt es den Navee XT5 auch als Ultra-Version mit doppelter Motorleistung. Die beiden Modelle unterscheiden sich im Design, in den Stoßdämpfern und in der Spitzenleistung: Der Navee XT5 Max hat eine um 200W schwächere Spitzenleistung, kann aber mit einem um 200Wh stärkeren Akku punkten. Im Test werden wir den Navee XT5 Max dann genauer unter die Lupe nehmen.
Dem Navee XT5 Max liegt eine ABE (Allgemeine Betriebserlaubnis) in Form eines Datenblatts bei. Damit darf er in Deutschland auf öffentlichen Straßen benutzt werden. Vorher benötigt ihr allerdings noch eine Versicherung und ein Versicherungskennzeichen. Die Versicherung könnt ihr online, z. B. über das Vergleichsportal Check24, abschließen. Das Kennzeichen wird dann innerhalb weniger Tage zugeschickt. Das Fahren eines E-Scooters ohne oder mit abgelaufenem Versicherungskennzeichen kann übrigens teuer werden, da ihr im Falle eines Unfalls privat haftbar gemacht werdet.
Lieferung und Aufbau
Der Navee XT5 Max wird noch in einem normalen Paket und nicht per Spedition geliefert. Aufgrund der Paketabmessungen und des Gewichts benötigt ihr zum Tragen aber eine zweite Person. Zur Not könnt ihr euch mit einer Sackkarre oder einem Rollbrett behelfen, wenn ihr allein seid. Zu montieren gibt es nicht wirklich viel, es muss lediglich der Lenker in die Lenkstange eingeführt und festgeschraubt werden, Schrauben und Schlüssel liegen bei.
Lieferumfang des Navee XT5 Max
- der vormontierte E-Scooter (lediglich der Lenkkopf muss noch montiert werden)
- eine CE-Erklärung (wird nicht benötigt)
- Ladegerät mit deutschem Stecker
- Inbusschrauben und Inbusschlüssel für den Lenkkopf
- Bedienungsanleitung (auch in deutscher Sprache)
- Datenblatt mit einer Datenbestätigung, der FIN und Seriennummer des E-Scooters
Achtung! Für die Zulassung in Deutschland (also für das Versicherungskennzeichen) ist das Datenblatt zwingend notwendig. Da das Datenblatt die FIN (Fahrzeugidentifikationsnummer) und Seriennummer beinhaltet, könnt ihr es nicht irgendwo herunterladen. Es wird immer extra für den einzelnen Scooter ausgestellt. Auch muss die FIN irgendwo am Scooter angebracht sein. Beim Navee XT5 Max ist die FIN ein wenig versteckt hinter einer Abdeckung im vorderen Bereich unter dem Trittbrett zur Lenkstange hin angebracht.
- mechanische Scheibenbremse (130mm) vorn und hinten
- elektronische Motorbremse
- 500W Heckmotor (2.200W Spitzenleistung)
- 46,8V / 19,2Ah / 899Wh Akku (Ladezeit 6h, mit optionalem Schnelllader ca. 2,5h)
- 150kg Tragfähigkeit
- 35,6kg Eigengewicht
- Reifen 12 x 3,1″ (30,4 x 8cm)
- Bodenfreiheit 14cm
- Geschwindigkeit 22km/h
- Reichweite 60km (gemessen mit 22km/h, einigen Steigungen und bei 35°C)
- Schutzklasse IPX6 (Schutz gegen starkes Strahlwasser aus beliebigem Winkel)
- Vorbereitung für die Montage eines optionalen Sitzes (in Deutschland nicht zulässig)
Das Video wurde mit einem Oppo Find X7 Smartphone und die Fahrszenen mit einer Insta360 X3 Kamera aufgenommen.
Praxistest und Fahrverhalten
Mit einer Körperlänge von 175cm und einer Schuhgröße von 45 habe ich auf dem großen Trittbrett des Navee XT5 Max einen sehr guten Stand gehabt.
Dank der guten Bodenfreiheit von 14cm könnt ihr problemlos über Bordsteinkanten und ähnliche Hindernisse fahren, ohne aufzusetzen. Die Federung ist noch komfortabler als beim Navee UT5 Max und schluckt Unebenheiten sehr gut. Dabei kommen ebenfalls 12″-große Luftreifen zum Einsatz. Zum Starten muss er manuell angeschoben werden, bis die Startgeschwindigkeit von 3km/h erreicht ist. Diese ist zwischen 3, 4 und 5km/h einstellbar. Erst dann reagiert er auf den Gashebel. Navee wirbt mit einem elektronischen Traktionssystem (TCS), das dem Scooter ein besseres Fahrverhalten verleihen soll. Im Praxistest kam dies der elektronischen Motorbremse deutlich zugute.
Bei ausgeschaltetem TCS blockierte das Hinterrad beim Bremsen sehr intensiv und früh und der Navee XT5 Max war während des Bremsens sehr schlecht zu kontrollieren. Bei aktiviertem TCS neigt das Hinterrad deutlich weniger zum Blockieren. Die elektronische Bremse greift jedoch etwas schlecht abgestimmt ein und es kommt gelegentlich zu deutlichen Lastwechseln. Sie reagiert nicht richtig synchron zum Einsatz des Bremshebels. Auch in Kombination mit der Rekuperation, die sich über die App in der Stärke einstellen lässt, ist die elektronische Bremse gewöhnungsbedürftig. Wenn ihr das Gas wegnehmt, bremst der Motor. Betätigt ihr dann die Bremse, wird die Motorbremse kurz gelöst und setzt dann mit der Scheibenbremse wieder ein. Das führt zu einem deutlich spürbaren Lastwechsel, an den ihr euch erst einmal gewöhnen müsst.
Bremsen und Antrieb
Navee verbaut beim XT5 Max ebenso wie beim UT5 Max mechanische Scheibenbremsen und keine hydraulischen. Die Bremswirkung ist aber in Verbindung mit der elektronischen Motorbremse sehr gut. Das Blockieren des hinteren Rades lässt sich auch mit eingeschaltetem TCS nicht ganz verhindern und erhöht damit leider auch den Profilverschleiß des hinteren Reifens.
- Scheibenbremse vorn
- Scheibenbremse hinten
Der Navee XT5 Max verfügt über drei Fahrstufen: den „Fußgängermodus“ mit 6km/h, den „Eco-Modus“ mit 15km/h und den „Sport-Modus“ mit 22km/h. Zusätzlich könnt ihr für starke Steigungen auch noch einen „Boost-Modus“ aktivieren, der euch eine etwas kräftigere Beschleunigung zur Verfügung stellt. Ich habe bei mir lediglich einen Hügel gefunden, der den Navee XT5 Max an seine Grenzen gebracht hat, und bei dem die Geschwindigkeit dann auf gute 10km/h runterging. Normale Steigungen fährt er problemlos mit 22km/h hoch.
Handling
Die gummierten Griffhülsen liegen gut in der Hand und alle Bedienelemente sind leicht zu erreichen. Die Klingel ist in den linken Bremshebel integriert und erzeugt einen kräftigen, hellen Klingelton. Trotz seines hohen Gewichts und seiner Größe merkt ihr dies dem Navee XT5 Max beim Fahren nicht an. Er fährt sich genauso leichtfüßig wie ein kleinerer E-Scooter. Der Lenkeinschlag zum Fahren ist gut, beim manuellen Rangieren reicht er jedoch meist nicht aus, sodass ihr ihn hinten herumheben müsst (z. B. beim Rangieren im Keller). Aufgrund seines hohen Gewichts von 35,6kg lässt er sich nicht gut tragen und schon gar nicht ins Auto heben. In einen normalen Kofferraum passt er nicht, in den meisten Fahrzeugen müsst ihr die Rückbank umklappen.
Der Navee XT5 Max lässt sich mit einem Handgriff zusammenklappen und kann dann gut transportiert werden. Allerdings mit der Einschränkung, dass die 35,6kg gar nicht so einfach zu tragen sind. Ihr könnt ihn zwar auch mit einer Hand halten, werdet aber meist beide Arme zur Hilfe nehmen. Die eckige Kunststoffabdeckung macht das Tragen noch unangenehmer, kann aber schnell entfernt werden. Der Klappmechanismus selbst ist wie bei den meisten E-Scootern üblich unten an der Stange zu lösen und wird dann am Trittbrett arretiert.
- Arretierung geschlossen
- Arretierung gelöst
- Im Trittbrett eingehakt
Bedienung und Beleuchtung
- Schaltzentrale links
- Display
- Gashebel rechts
Die gut angeordnete Bedienung am linken Griff umfasst den Ein-/Ausschalter, den roten Boost-Taster, die Blinkerschalter und den Lichtschalter. Das Display ist in der Regel gut ablesbar und wird bei eingeschaltetem Licht abgedimmt. Bei direkter Sonneneinstrahlung ist es jedoch leider fast nicht mehr ablesbar. Angezeigt werden die Fahrgeschwindigkeit, die eingestellte Fahrstufe, die Akkuanzeige mit fünf Balken sowie eine Statusanzeige für TCS und Licht. In der App wird der Akkustand auch in Prozent angezeigt. Im unteren Bereich (15% und weniger) wirkt der Navee XT5 Max sehr müde und kraftlos. Er tut sich dann auch an leichten Steigungen schwer. Im hügeligen Gelände solltet ihr dies berücksichtigen und den Akku dementsprechend frühzeitig wieder aufladen.
Das Licht des Navee XT5 Max ist sehr gut und leuchtet die Fahrbahn im Dunkeln auch gut aus. Auf die zusätzlichen hinteren Blinker, wie beim Navee UT5 Max, müsst ihr aber leider verzichten.
- Ohne Bremslicht
- Mit aktivem Bremslicht
Reichweite und Laden
Mit 899Wh ist der Akku gut bemessen und hat im Praxistest für 60km ausgereicht. Das ist zwar weit entfernt von der Werksangabe von 110km, allerdings wird diese auch ohne jegliche Steigungen und mit einer Geschwindigkeit von 15km/h angegeben. Unsere Testfahrten fanden bei 35°C im Schatten, mit 22km/h und einigen zum Teil auch starken Steigungen statt. Dafür ist die Reichweite sehr gut. Die beworbene Rekuperation ist eher Marketing, als dass ihr einen echten Mehrwert davon habt. Auf einer langen Talfahrt von 1,7km hat der Navee XT5 Max gerade einmal 1% Akkuleistung dazugewonnen, während er bei der Bergfahrt derselben Strecke knapp 10% verloren hat.
Die Ladezeit ist mit 6h viel zu lang, als dass ihr mal eben kurz etwas Strom nachladen könntet. Ihr werdet den Navee XT5 Max daher besser über Nacht aufladen. Optional gibt es von Navee noch ein Akkupack, das ihr an der Ladebuchse aufstecken könnt. Ebenso gibt es optional auch einen Schnelllader, mit dem die Ladezeit dann ca. 2,5h dauert.
Die Navee App kennen wir schon aus den letzten Tests mit dem Navee GT3 Pro und dem ST3 Pro. Sie bietet einen sehr großen Funktionsumfang und lässt kaum Wünsche über. So finden sich z. B. die Bedienungsanleitung, ein Fahrtenbuch mit einer Aufzeichnung der Fahrten, viele einstellbare Parameter, das Einrichten einer automatischen Wegfahrsperre und vieles mehr.
- Hauptmenü
- Firmware, Anleitung
- Einstellungen
- Anfahrgeschwindigkeit
Sehr interessant ist sicher auch das einstellbare Ladelimit, das ihr von neuen Smartphones ja auch schon länger kennt. Damit der Akku länger hält, könnt ihr die Ladung auf einen beliebigen Prozentsatz limitieren. Sehr gut ist auch die Versorgung mit Updates, und so haben wir während des Testzeitraumes auch zwei Firmware-Updates bekommen.
Testergebnis
Im Test leistet sich der neue Navee XT5 Max kaum Schwächen und hat beim Fahren viel Spaß gemacht. Besonders gut gefallen haben die Federung, die Reichweite und die guten Bremsen. Auch die App verfügt über viele sinnvolle Funktionen, insbesondere die Möglichkeit, die Firmware zu aktualisieren, und die elektronische Wegfahrsperre, die sich auch per Annäherung automatisieren lässt. Die „Find me“-Integration in das Apple-Netzwerk ist gut, aber es ist schade, dass Navee es versäumt hat, auch für Android eine Tracking-Funktion einzubinden. Im Vergleich zum Navee UT5 Max (zum Test) hat der XT5 Max eine bessere Reichweite, eine noch bessere Federung und ein anderes Design bei fast gleichem Preis. Hier müsst ihr aber leider auf die hinteren Blinker, etwas Motorleistung und den praktischen Frontbügel verzichten, an dem sich der E-Scooter mit einem etwas dickeren Schloss irgendwo befestigen lässt.
Was beim Navee XT5 Max nicht so gefällt, ist erstens der hohe Preis von ca. 1.100€ und zweitens das mit 35,6kg doch sehr hohe Gewicht. Für etwa die Hälfte des Preises und bei deutlich geringerem Gewicht und kleinerem Packmaß lohnt sich ein Blick auf die letztes Jahr von uns getesteten Navee GT3 Pro (zum Test) und ST3 Pro (zum Test).
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