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Ein neues Wearable von Xiaomi? Der Preis in einem vertretbaren Rahmen? Das klingt doch nach einer Uhr, die wir uns genauer anschauen müssen. Die Xiaomi Watch S5 ist der kleine Bruder der Xiaomi Watch 5, dennoch größer geworden und mit besserer Hardware ausgestattet. Aber Xiaomi hat auch Abstriche gemacht. Wir hatten die Armbanduhr nun zwei Wochen im Test und verraten euch, ob sie euer Geld wert ist.
Design & Verarbeitung
Zur Auswahl stehen Ceramic Blue, Jungle Green, Black und Silver. Ceramic Blue trägt das Material der Lünette im Namen. Sie besteht aus Keramik, ist dadurch extrem kratzresistent, aber tendenziell etwas spröder. Jungle Green setzt auf eine schwarze Lünette aus geschmiedeter Kohlefaser. Black und Silver hingegen auf normale, polierte Edelstahllünetten. Der Rest des Gehäuses besteht in allen Varianten aus Edelstahl.
- Keramiklünette
- Kohlefaserlünette
- Edelstahllünette
- Edelstahllünette
Fangen wir gleich mal mit dem Wermutstropfen an. Die neue Watch S5 kostet 40€ mehr als die Xiaomi Watch S4 (zum Test). Das Design der Lünette hat sich verändert. Sie fällt jetzt schmaler aus, Xiaomi spricht von rund 40%, und bekommt in der blauen Variante dafür ein Facettenschliffmuster an der Außenseite. Als eigentliche Änderung entpuppt sich jedoch die Erkenntnis, dass die Lünette nicht mehr austauschbar ist. Statt Design und Farbe selbst zu bestimmen, legt ihr die Lünette automatisch über die Farbvariante der Uhr fest.
Auch das mitgelieferte Armband richtet sich nach der Farbe. Bei Blau besteht dieses aus Echtleder. Grün setzt auf Fluorkautschuk gepaart mit Nylongewebe. Schwarz und Silber erhalten lediglich Armbänder aus Fluorkautschuk. Wir hatten die blaue Variante im Test.
Trotz großen Durchmessers wirkt die Uhr nicht so wuchtig wie die vierte Generation. Die Orientierung liegt eher bei der OnePlus Watch 4 (zum Test): ein schmales Gehäuse, dafür ein großes Ziffernblatt.
Mich persönlich spricht das Design sehr an. Die schmalere Lünette lässt das Display auf 1,48 Zoll anwachsen. Die Krone besteht in jedem Fall aus Edelstahl, ebenfalls mit Facettenschliff. Wie schon bei der Watch S5 liegt unterhalb der Krone ein weiterer physischer Button, der hauptsächlich zum Aufrufen der Kurzwahlfelder genutzt wird.
Xiaomi beschreibt die Watch S5 mit dem Beinamen „46mm“ und so kommt die Uhr auf Abmessungen von 46 x 46 x 11 Millimeter. Das Gewicht beträgt witzigerweise auch exakt 46 Gramm, in beiden Fällen ohne Armband gemessen.
Lieferumfang
Die Xiaomi Watch S5 wird in einer sehr langen Schachtel geliefert. Außer der Uhr befindet sich nur die Ladestation und die Bedienungsanleitung im Karton. Das Kabel der Ladestation ist fest und kann nicht getauscht werden. Das haben wir bei der OnePlus Watch 4 besser gesehen.
Display der Xiaomi Watch S5
Fast noch mehr als bei Smartphones spielt das Display eine gehobene Rolle bei Uhren. Xiaomi wartet mit einem, gegenüber dem Vorgänger, leicht vergrößerten Display von 1,48 Zoll Durchmesser auf. Es handelt sich um ein OLED-Panel mit 480 x 480 Pixel. Das Bild wirkt scharf und die Anzeigen plastisch. Die maximale Helligkeit wird mit 2.500 Lux angegeben.
Gemessen haben wir rund 1.000 Lux in der manuellen Einstellung. Im Automatikmodus geht deutlich mehr. Bei rund 2.500 Lux soll Schluss sein. Das Ablesen bei starker Sonneneinstrahlung war kein Problem. Ein schwungvolles Drehen des Handgelenks weckt die Uhr zuverlässig auf. Das AOD (Always-On-Display) funktioniert einwandfrei, ist aber abhängig vom verwendeten Ziffernblatt. Nicht alle bieten eine AOD-Anzeige, bei der überwiegenden Mehrheit ist dieses aber vorhanden. In der Regel wird das Design des Blattes aufgegriffen und auf die nötigsten Anzeigen in Graustufen heruntergebrochen.
Gegenüber meiner vorherigen Redmi Watch 5 (zum Test) hat sich die Steuerung minimal verändert. Der zusätzliche Knopf unter der Krone ruft das Shortcut-Menü auf, das vorher durch ein Wischen von links erreichbar war. Außerdem fungiert er als Power-Button. Über die Krone lässt sich durch die Menüs scrollen oder die Lautstärke bei Telefonaten einstellen. Ein minimaler, sanfter Widerstand und leichte Reaktionen des Vibrationsmotors sorgen für sehr präzise Eingaben.
Xiaomi gibt nicht an, was für ein Glas verwendet wird. Gehärtet, klar, aber offensichtlich weder aus eigener Produktion noch von Corning und aus Saphir besteht es erst recht nicht. Bleibt nur zu sagen, dass es im Testzeitraum keine Kratzer davongetragen hat.
System und Konnektivität
Xiaomi setzt bei der Watch S5 auf HyperOS 3. Dabei handelt es sich um ein geschlossenes, aber dafür sehr leichtgewichtiges und äußerst performantes System. Wie performant zeigt sich besonders in der Akkulaufzeit. Dafür verzichtet HyperOS auf eine Play-Store-Integration sowie auf die Möglichkeit, Nachrichten zu beantworten. Es ist auch nicht möglich, weitere Apps auf das Gerät zu laden. Die Uhr lässt sich zwar ins WLAN bringen, ist das Smartphone aber in der Nähe, läuft die Verbindung über Bluetooth. Wer ein Xiaomi Smartphone besitzt, kann zudem noch ein paar extra Widgets und Kurzwahlfunktionen aufrufen.
Zur weiteren Ausstattung zählen Bluetooth 5.4, ein NFC-Chip sowie GPS (GPS, Galileo, Glonass, BeiDou, QZSS). Für genügend Leistung sorgt ein nicht näher beschriebener Prozessor, vermutlich auf ARM-Basis. Die Watch 5 setzte noch auf einen Snapdragon W5 Gen 1 kombiniert mit einem BES2800BP, genauso wie die OnePlus Watch 4 (zum Test),für die Nutzung von Google WearOS.
Angaben zum RAM macht Xiaomi nicht, über Umwege lässt sich jedoch herausfinden, dass lediglich 2GB an nicht flüchtigem Speicher vorhanden sind. Das reicht zwar für ein paar Laufrouten beziehungsweise Offlinekarten und einige lokal gespeicherte Ziffernblätter, aber kaum für eine Musikbibliothek.
Eine SIM-Karte kann die Watch S5 nicht aufnehmen, auch eine eSIM ist in der europäischen Version nicht vorgesehen (in China schon). Zum Einrichten von Xiaomi Pay empfehlen wir die kostenlose Curve Karte: Curve ist eine gebührenfreie, virtuelle Kreditkarte (Mastercard Debit). Die Einrichtung via App dauert nur wenige Minuten und sie bringt die folgenden Stärken und Schwächen mit:
es lassen sich beliebig viele Kreditkarten (sowie PayPal) verknüpfen
Push-Benachrichtigungen in Echtzeit bei jeder Transaktion
aufgeräumte App mit einer klaren Übersicht aller Buchungen
weder Schufa-Eintrag noch anderweitige Bonitätsprüfungen
die Nutzung von Curve Pay bleibt dauerhaft gratis
3x im Monat “Go Back in Time” (bis zu 30 Tage im Nachhinein das hinterlegte Zahlungsmedium ändern)
Die negativen Aspekte der Curve Card halten sich für unseren angedachten Verwendungszweck absolut in Grenzen und fallen kaum ins Gewicht.
für die physische Karte fällt eine einmalige Versandgebühr von 5,99€ an
Kosten bei Barabhebungen im Ausland (2% bzw. mindestens 2€)
Fremdwährungsgebühren (2,99% ab einem Betrag von 250€) plus 1,5% Wochenendaufschlag
ausschließlich Visa- und Mastercard-Support (Girokarten, Maestro oder V-Pay funktionieren nicht)
Curve Karte einrichten (App herunterladen)
Fitness und Gesundheitsfunktion
Neben über 150 Sportarten, die ihr an der Uhr auswählen könnt, gibt es eine ganze Reihe an Sensorik, die alle möglichen Werte prüft und misst.
- Puls
- SPO2
- Barometer
- Schlaf
- Stress
- Höhe
- E-Kompass
- Navigation und Route (Dual-Band-GPS)
- 60-Sekunden-Health-Check
Eine Blutdruckmessung und eine EKG-Funktion habe ich nicht gefunden. Dennoch verfügt ihr über ein umfangreiches Arsenal an Möglichkeiten, um eure Körperfunktionen überwachen zu lassen. Die Herzfrequenz habe ich etwa mit einem Gerät im Fitnessstudio verglichen, beide kamen auf fast identische Werte, meistens ein bis zwei BPM Unterschied. Für Durchschnittswerte sind die Messungen in jedem Fall geeignet.
Die Schlafüberwachung ergänzt Xiaomi mit der Auswahl eines Schlaftiers. Es wird euch nach 7 Tagen zugeordnet und soll helfen, eure eigenen Schlafgewohnheiten besser zu verstehen. Die Messungen selbst sind sehr genau. Sehr kurze Wachphasen gehen aber im Eifer des Gefechts verloren und werden in der Regel nicht erfasst.
Fortschritte zeigt die Xiaomi Watch S5 regelmäßig mit erreichten Kalorienzielen und Etappenzielen an, was durchaus motivierend wirken kann. Erinnerungen für Workouts und allgemeine Bewegung lassen sich einrichten. Xiaomi gibt an, dass die Wasserbeständigkeit bis 5bar (entspricht einer Tiefe von 50 Metern) reicht. Gleichzeitig gibt Xiaomi aber an, dass die Uhr nicht zum Tauchen geeignet ist. Ohne es getestet zu haben, vermute ich aber, dass leichte Tauchgänge zwischen 10 und 15 Metern locker drin sein dürften. Große Hitze, etwa bei einem Saunagang oder einer sehr heißen Dusche, solltet ihr jedoch vermeiden. Eine normale Dusche nach dem Sport hat der Uhr nicht geschadet.
Akkulaufzeit der Xiaomi Watch S5
Mit 815mAh fällt der Akku ein gutes Stück größer aus als bei der OnePlus Watch 4. Ich hatte die Uhr nicht jede Nacht dran, aber sieben Tage in Folge für die Schlaftiermessung. Ansonsten den ganzen Tag, jeden Tag. Alle Messungen waren aktiviert und Benachrichtigungen zumindest für Messenger freigeschaltet. Dazu kommt, dass ich nach ungefähr 5 Tagen ein Ziffernblatt gewählt habe, das von Xiaomi in Kategorie 3 klassifiziert wird. Kategorie 1 bedeutet geringe Akkulast, etwa durch sehr dunkle Farbgebung und wenig Animationen. Stufe 3 hingegen entzieht der Uhr bis zu 20% mehr Akku als Stufe 1. Wie sehr sich diese Ziffernblätter real auswirken, hängt logischerweise davon ab, wie aufwendig die Animationen ausfallen und wie häufig das Display aktiviert wird.
Das AOD habe ich hingegen nur ein paar Tage ausprobiert und dann wieder deaktiviert, nicht weil der gefühlte Verbrauch so hoch war, sondern weil sich die Uhr sowieso immer aktiviert hat, wenn ich aktiv die Zeit ablesen wollte. Laut Xiaomi kommt die Uhr bei aktivem AOD nur 9 Tage über die Runden.
Schaltet ihr ein paar Funktionen ab oder wählt konsequent ein stromsparendes Design, könnt ihr noch locker ein paar Tage mehr herausschlagen. Deaktiviert ihr alles, sind die 21 Tage, die Xiaomi selbst angibt, nicht völlig aus der Luft gegriffen. Eine vollständige Ladung dauert rund 1,5 Stunden, wobei die Uhr in ca. 35 Minuten bei 90% liegt.
Testergebnis
HyperOS vs. WearOS: Die Tests der Xiaomi Watch S5 und der OnePlus Watch 4 zeigen bei ähnlicher Ausstattung ziemlich genau, welche Vor- und Nachteile welches System mitbringt.
Auf der Seite der OnePlus-Uhr stehen die einfache NFC-Kartenzahlung, zusätzliche Apps und eine Antwortfunktion für Nachrichten. Dafür nehmt Ihr eine deutlich reduzierte Akkulaufzeit in Kauf und ein etwas weniger strukturiertes Menü-Design. Das war’s aber auch schon: In allen übrigen Punkten unterscheiden sich die beiden Uhren kaum, weder in der Ausstattung noch in der Genauigkeit.
Was für Euch schwerer wiegt, müsst Ihr selbst entscheiden. Ansonsten bekommt Ihr mit der Xiaomi Watch S5 eine Top-Smartwatch: je nach Farbe mit interessanten Materialentscheidungen und insgesamt eine wertig wirkende Uhr fürs Handgelenk. Einzig, dass Xiaomi keine nähere Angabe zum Schutzglas macht, ist schade. Das Saphirglas bei OnePlus ist da die sicherere Bank.
Für die „besonderen” Varianten ruft Xiaomi derzeit 200€ auf, für die „einfachen” 180€. Der kleine Materialunterschied rechtfertigt meiner Meinung nach die 20€ Aufpreis nicht so recht, aber gut. Ansonsten ist die Uhr damit ordentlich bepreist.
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