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OnePlus Watch 4 im Test – WearOS auf Steroiden

Getestet von Jonas Andre am Preis-Leistungs-Tipp!
Vorteile
  • exzellente Akkulaufzeit (ca. 5 Tage)
  • Premium-Materialien & tolles Design
  • umfassendes Sport- und Gesundheitstracking
  • präzises GPS-Tracking
  • präzise Pulswerte
  • einfach überall bezahlen! (Google Wallet)
  • flüssige und intuitive Bedienung
Nachteile
  • Snapdragon Wear W5 kommt in die Jahre
  • kein EKG, kein Blutdruck, keine LTE-Version
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Die Beliebtheit von Wear-OS-Uhren konnte ich mir seit Jahren nicht wirklich erklären, denn wer will neben dem Smartphone auch seine Smartwatch unbedingt alle 2 bis 3 Tage ans Ladekabel hängen? Die OnePlus Watch gilt jedoch seit einiger Zeit als das Wear-OS-Akkuwunder, und genau deshalb habe ich die OnePlus Watch 4 die letzten Wochen mal ans Handgelenk geschnallt. Die neue Watch ist nahezu identisch zum Vorgänger, die brachiale Akkulaufzeit, die exzellente Verarbeitung mit Titan und das helle Display bleiben als Highlights erhalten. Eine kleine Watch ist bislang allerdings noch nicht im Angebot, es gibt aktuell nur die hier getestete 47mm-Variante in Grün oder Schwarz. Eine LTE-Version gibt es nicht, und die Uhr funktioniert nur mit Android und nicht mit iOS.

OnePlus Watch 4 Test Testbericht 1

Design und Verarbeitung

Die OnePlus Watch 4 misst 47,4 x 47,4 x 11 Millimeter und wiegt 43 Gramm (68 Gramm mit Armband). Das mitgelieferte Fluorkautschuk-Armband deckt Handgelenksbreiten von 140 bis 210mm ab und ist in Grün oder Schwarz erhältlich. Der Uhrenkörper selbst ist bei der grünen Version silber, ansonsten schwarz. Im Vergleich zur OnePlus Watch 3 (zum Test) hat OnePlus die Materialwahl nochmals verbessert: Hier besteht nicht nur die Lünette aus Titan, sondern der gesamte Uhrenkörper. Die Unterseite der Uhr mit der Sensoreinheit und den Ladepins ist hingegen aus Kunststoff mit Fiberglasverstärkung gearbeitet. Saphirglas beim Display sorgt natürlich auch für die nötige Kratzresistenz.

Erik beschrieb die OnePlus Watch 3 mit ähnlichen Abmessungen als groß und schwer mit einem entsprechenden Tragegefühl. Das kann ich so nicht direkt bestätigen, denn ich finde die Größe für eine 47mm große Smartwatch absolut angemessen und nicht übertrieben dick oder schwer. Für schmale Handgelenke ist sie allerdings nicht geeignet. Eventuell bringt OnePlus hier auch noch eine spezielle Version heraus, wie zuletzt die Watch 3 mit 43mm.

Was die Verarbeitungsqualität und Haptik anbelangt, ist die OnePlus Watch 4 ebenso wie der Vorgänger über jeden Zweifel erhaben. Neben den üblichen Standards wie 5ATM, IP68, MIL-STD-810H und so weiter ist diesmal sogar ein IP69-Rating vorhanden. Gerade im Vergleich zu vielen anderen Watches unter 200€ sticht die OnePlus Watch 4 hier mit extrem guter Verarbeitungsqualität und hochwertigen Materialien heraus. Neben dem Armband mit Standard-22mm-Aufnahme (also einfach zu wechseln oder zu ersetzen) sind noch eine kurze Anleitung, ein USB-A-auf-USB-C-Kabel und das proprietäre Ladegerät mit dabei.

OnePlus Watch 4 Lieferumfang

Display der OnePlus Watch 4

Die Watch 4 glänzt ebenso wie der Vorgänger mit einem herausragenden Displayerlebnis. Das 1,5 Zoll große LTPO-OLED (466 x 466 Pixel, 310 ppi) erreicht im manuellen Modus bereits 900 Lux und wird im Automatikmodus im direkten Sonnenlicht nochmal deutlich heller (1.500 bis 3.000 Lux Peak laut Hersteller). Die Ablesbarkeit mit automatischer Helligkeitsregulierung war auch im direkten Sonnenlicht beim Fahrradfahren exzellent. Ebenso gut funktionierte das Aufwecken beim Drehen des Handgelenks ohne Einschränkungen. Ich habe auch ein paar Tage das AOD (Always-On-Display) ausprobiert, das in eine Art Schlafmodus wechselt, dabei aber immer an bleibt. Die Akkulaufzeit litt durch dieses Einschlafen bei niedriger Helligkeit gar nicht so sehr wie erwartet, und ich kam weiterhin ohne Social-Media-Benachrichtigungen (nur Anrufe) auf solide 3 Tage Laufzeit. Aber dazu nachher noch mehr unter Akkulaufzeit.

OnePlus Watch 4 Test Display

Die Steuerung mit dreh- und drückbarem Knopf und zusätzlichem Workout-Button hat mich voll abgeholt, und nach wenigen Tagen war die Bedienung intuitiv mit Buttons und Touch möglich. Die OnePlus Watch 4 punktet hier mit einem der besten Smartwatch-Displays überhaupt, das dank Saphirglas auch noch super kratzresistent ist.

System und Konnektivität

Der Hauptunterschied zwischen der OnePlus Watch 4 und einer Xiaomi Watch S5 liegt beim System. Während Xiaomi auf ein eigenes Watch-System setzt, hakt sich OnePlus (also Oppo) bei Google Wear OS ein und bekommt so Zugriff auf den Google Play Store. Dafür seid ihr allerdings auf einen schwachen und dennoch stromhungrigen Snapdragon-Wear-Prozessor (in diesem Fall ein Snapdragon W5) angewiesen. Aber müsst ihr die OnePlus Watch 4 nun ebenso wie eine Pixel Watch jeden Tag laden? So schlimm ist es Gott sei Dank nicht, denn neben Wear OS 6 läuft die Uhr mit einem Zweitprozessor (BES 2800) auch noch zusätzlich mit dem OxygenOS-Watch-8-System, und das spürt ihr bei der Akkulaufzeit deutlich. Das ist die perfekte Symbiose, denn ihr habt Zugriff auf den Play Store und etwa Google Wallet zum einfachen Bezahlen oder Google Maps zum Navigieren. Gleichzeitig aber dennoch eine Akkulaufzeit von mehreren Tagen. Der W5 Prozessor greift auf 2GB RAM zurück und auch wenn der Chip schon in die Jahre gekommen ist, läuft die Uhr fix und flüssig.

Einschränkungen gibt es insofern, dass die OHealth-App nicht auf chinesischen Smartphones und nicht bei Apple funktioniert. Also es handelt sich hierbei um eine reine Android-Smartwatch. Ansonsten sind WLAN, Dual-GPS und natürlich auch Bluetooth in Version 5.2 zum Datenaustausch und zur Positionsbestimmung an Bord. Verzichten müsst ihr auf eine eSIM und damit auf Mobilfunkempfang. Für Sportler kaum ein Problem im Alltag, da ihr alle relevanten Fitnessfunktionen und auch Musik problemlos über die Uhr handhaben könnt (32GB integrierter Speicher). Ihr könnt euer Smartphone also etwa beim Joggen einfach zuhause lassen. Ihr könnt mit der Uhr aber nur telefonieren, wenn auch das Smartphone in der Nähe ist.

Neben dem einfachen Bezahlen mit Google Wallet (NFC) steht natürlich auch die für Wear OS übliche umfangreiche Antwortfunktion auf Nachrichten bereit. Wer also seinen WhatsApp-Kontakten gerne über die Uhr antwortet, hat hier keinerlei Einschränkung. Ich muss ehrlich sagen, dass ich lediglich Anrufe als Erinnerung bei mehrmaligem Klingeln durchlasse und nach einem kurzen Testzeitraum stets alle App-Benachrichtigungen auf der Uhr deaktiviere. Aber die Google-Kalender-Erinnerungen habe ich in den letzten Wochen dennoch schätzen gelernt. Im Vergleich zu den proprietären Systemen von Xiaomi, Amazfit oder Huawei sind die Vorteile hier klar spürbar, und auch Gemini ist natürlich vorhanden. Rein subjektiv hat mich die OHealth-App nicht voll abgeholt, da finde ich die Darstellungen und auch die Auswertung von Huawei oder Amazfit einfach überzeugender. Die Daten bekommt ihr aber problemlos auch zu Strava oder Google Fit exportiert.

Fitness und Gesundheitsfunktionen

Die OnePlus Watch 4 trackt natürlich wie jede Uhr heutzutage hunderte Sportarten und liefert dabei folgende Werte und Messungen:

  • Puls
  • SpO2
  • Hauttemperatur
  • Schlaf
  • Stress
  • Höhe
  • Navigation und Route (Dual-Band-GPS)
  • 60-Sekunden-Health-Check

Das Einzige, was fehlt, ist eine EKG-Funktion (ohnehin nicht vergleichbar mit echtem EKG) und die Blutdruckmessung (Sonderfunktion von nur wenigen Modellen). Wer damit leben kann, bekommt hier einen sehr ordentlichen Funktionsumfang für Sport, in Kombination mit guter Akkulaufzeit und nachvollziehbaren Werten. Ich habe den Puls beim Radfahren mit einem Polar-Brustgurt verglichen, und das Ergebnis sieht wie folgt aus:

OnePlus Watch 4 App und Test 3

Wie so oft ist der Pulsschnitt im Vergleich zum Brustgurt absolut top. Der Durchschnitt war bei mehreren Vergleichen immer unter 2 Pulsschlägen. Das ist letztendlich ein richtig guter Wert, und hier ist auch das korrekte und vor allem enge Anlegen der Uhr relevant, ansonsten kann der Handgelenkssensor nicht richtig messen. Dennoch seht ihr im direkten Vergleich auch einen „Drop-out”-Aussetzer, die Uhr hat einen schnellen Abfall der Herzfrequenz nicht direkt wahrgenommen. Und genau das ist auch die Schwäche, denn schnelle Wechsel sind für die Uhr einfach schwerer wahrzunehmen. Wer hingegen seinen Schnitt im Blick haben will und auch beim Radfahren als Kontrolle gelegentlich auf den Puls schaut, ist mit der OnePlus Watch 4 hier bestens beraten.

Auch die GPS-Genauigkeit habe ich mit meinem iGPSport BiNavi-Fahrradcomputer abgeglichen, und das Dual-Band-GPS funktionierte ausgezeichnet. Nach kurzer Zeit war es einsatzbereit und lieferte absolut nachvollziehbare Werte ohne Störungen oder Zickzack-Kurse.

Beim Schlaftracking überzeugte die OnePlus Watch 4, und der ein oder andere Mittagsschlaf wurde problemlos erkannt. Was allerdings nicht zuverlässig erkannt wurde, waren kurze Wachphasen, die am nächsten Tag teilweise einfach verschwunden waren.

Die automatische Workout-Erkennung ist nervig (nur bei 6 Sportarten!), da sie sich immer beim Spazieren aktiviert. Beim Radfahren hingegen aber nicht. Beim Spazieren liegt das Problem woanders: Wenn ihr wirklich „wandert”, ist das ja in Ordnung, aber wenn ihr etwa einen Stadtspaziergang im Urlaub macht und häufiger stehen bleibt, pausiert die Uhr automatisch immer auch das Workout, was natürlich nervig ist. Das Speichern von Musik hatte ich schon erwähnt, und mit der Spotify-Integration über den Play Store ist natürlich auch die native Offline-Wiedergabe möglich. Das sind die kleinen Unterschiede, bei denen Wear OS dann punkten kann.

Akkulaufzeit der OnePlus Watch 4

Im Test kam ich auf fast 25 Stunden GPS-Tracking beim Radfahren (hochgerechnet), was definitiv ein sehr solider Wert ist. In den letzten 3 Wochen musste die Uhr alle 5 Tage ans Ladekabel, dabei war Schlaftracking aktiviert, Benachrichtigungen auf Minimum und im Schnitt 2 Stunden Sporttracking pro Tag. Der Akku der Uhr ist mit 646mAh etwas größer geworden (OnePlus Watch 3: 631mAh), und damit bleibt die sehr gute Akkulaufzeit erhalten. OnePlus selbst gibt bei starker Nutzung 3 Tage an und bei normaler Nutzung (offenbar mein Profil) 5 Tage. Die Ladezeit gibt der Hersteller mit ca. 75 Minuten an, wobei ich in der Praxis nach nur 30 Minuten auch wieder auf 90% war. In der Praxis ist es also eigentlich schneller.

Testergebnis

Getestet von
Jonas Andre

Meine Erwartungen an die OnePlus Watch 4 waren trotz oder vielleicht auch wegen Wear OS wirklich hoch. Im Vergleich zum Vorgänger heißt es allerdings Evolution statt Revolution, und wirklich viel verändert hat OnePlus hier nicht. Wem Updates wichtig sind, der sollte natürlich zur neuen Version greifen, ansonsten ist die OnePlus Watch 3 im Angebot weiterhin eine hervorragende Wahl. Neu sind nur die höhere Displayhelligkeit, das Titangehäuse und das neuere System.

Ob sich ein Umstieg von einem proprietären Smartwatch-System wie Xiaomi oder Amazfit lohnt, müsst ihr anhand der Funktionen selbst entscheiden. Wer kein Bock auf Curve Payment hat, bekommt hier mit Google Wallet schon die einfachere Möglichkeit zum Zahlen mit der Uhr. Maps, Musik und Antwortmöglichkeiten auf Nachrichten würde ich hingegen kaum als starken Vorteil gewichten, aber das ist natürlich euch überlassen. Die Akkulaufzeit ist in der Welt der Wear-OS-Uhren stark, aber die Konkurrenten ohne das System haben locker nochmal das Doppelte an Laufzeit. Die Preisproblematik von Wear-OS-Uhren hat zuletzt die OnePlus Watch 3 aufgelöst, und auch die OnePlus Watch 4 ist bereits jetzt unter 200€ erhältlich und damit fair bepreist.

Offiziell ist die OnePlus Watch 4 in Deutschland gar nicht erhältlich, aber kann natürlich dennoch gekauft werden unf funktioniert ohne Einschränkungen. Sie ist baugleich mit der gut doppelt so teuren Oppo Watch X3 (zur Ankündigung). Alternativen, bei denen ihr nicht auf viel verzichten müsst, findet ihr natürlich beim Vorgängermodell, der OnePlus Watch 3 (zum Test). Schaut auch in die Smartwatch-Bestenliste, dort sind auch Xiaomi, Huawei und Amazfit vertreten.

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