Ein 5G-Router holt das Internet aus dem Mobilfunknetz. Ihr steckt eine SIM-Karte aus eurem Handyvertrag hinein, und der Router verteilt das Netz per WLAN und Kabel in Wohnung, Ferienhaus oder Büro. Wo DSL langsam ist und Glasfaser nicht anliegt, ist das oft die einfachste Lösung für schnelles Internet. Der TP-Link Archer NX200 ist der Einstieg des Herstellers in die Klasse der 5G-Router mit WiFi 6 und kostet bei Amazon rund 215€.
Wir nutzen zu Hause selbst einen 5G-Router mit einem O2-Vertrag. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt z.B. Benjamins Heimnetzwerk mit 5G. Bei mir musste sich der NX200 direkt neben dem Xiaomi 5G CPE Pro beweisen, den wir schon im Test hatten, mit einer zweiten SIM aus demselben O2-Vertrag am selben Standort. Wie schnell der NX200 bei uns war und welche Schrauben ihr nach der Einrichtung unbedingt drehen solltet, lest ihr in unserem Test.
Lieferumfang des TP-Link Archer NX200
- Netzteil (12V/2A, 1,5m Kabel)
- flaches LAN-Kabel
- Schnellstartanleitung
Externe Antennen für die beiden Buchsen liegen nicht bei.
Design und Verarbeitung
Der NX200 ist ein Turm aus weißem Kunststoff, laut Hersteller misst er 99 x 99 x 190 Millimeter. Auf einem Sideboard oder Regal wirkt er eher wie eine schmale Box als wie ein Router. Alle Antennen sind eingebaut, laut Hersteller acht für 5G und LTE sowie zwei für das WLAN. Vorne zeigt eine senkrechte LED-Leiste den Status, Lüftungsschlitze sitzen oben und rund um die Unterseite. Dort klebt auch das Etikett mit dem WLAN-Namen und dem Passwort ab Werk.
Insgesamt ist der NX200 ein unauffälliger Turm, der in keiner Wohnung stört.
Anschlüsse und Ausstattung
An der Rückseite sitzen ein Gigabit-Port für LAN/WAN, zwei weitere Gigabit-LAN-Ports, der Stromanschluss, der Powerbutton, eine WLAN/WPS-Taste, eine versenkte Reset-Taste und zwei Buchsen für externe Mobilfunk-Antennen. Der SIM-Slot sitzt auf der Unterseite. USB und einen Telefonanschluss gibt es nicht. Über den LAN/WAN-Port arbeitet der NX200 laut Hersteller auch als normaler Router hinter einem DSL- oder Glasfasermodem, 5G springt dann bei einem Ausfall der Festnetzleitung ein.
Das WLAN funkt nach WiFi 6 (AX1800) mit laut Hersteller bis zu 1.201Mbit/s auf 5GHz und 574Mbit/s auf 2,4GHz. Für die Preisklasse bietet die Oberfläche viel: Wahl des Netzmodus, Bandsuche, SMS und USSD, einen Datenzähler für Tarife mit Limit, Gastnetz, Kindersicherung, QoS, einen VPN-Server für OpenVPN, PPTP und IPsec (einen VPN-Client gibt es nicht), EasyMesh für ein Verbundnetz mit anderen EasyMesh-Geräten und die App TP-Link Tether.
Was fehlt, ist ein Bridge-Modus oder IP-Passthrough, bei dem der NX200 nur als Modem vor einem anderen Router arbeitet. TP-Link hat die Funktion angekündigt, aber ohne Termin. Weil auch O2 keine öffentliche Internetadresse weiterreicht, entsteht ein sogenanntes doppeltes NAT: Portfreigaben und der Zugriff von außen auf Kamera oder NAS klappen nur über Umwege. Bei O2-Datentarifen ist das allerdings auch mit anderen Routern meist so.
Insgesamt bietet der NX200 viele Anschlüsse und Funktionen, nur der fehlende Bridge-Modus ist für Profis mit eigenem Router ein echtes Manko. Für Otto-Normal-Nutzer ist das egal.
Einrichtung
SIM-Karte rein, Strom an, mit dem WLAN von der Unterseite verbinden und im Browser http://192.168.1.1 oder tplinkmodem.net aufrufen. Nachdem ihr ein eigenes Admin-Passwort vergeben habt, führt euch ein Assistent in sieben Schritten durch Region, Internet, WLAN, automatische Updates, Verbindungstest, Zusammenfassung und Cloud-Konto. Der Router erkannte unsere O2-SIM automatisch, wir mussten nichts eintippen. Fachbegriffe wie „PDP-Typ“ oder „APN-Typ“ erklärt der Assistent nicht, bei O2 könnt ihr dort einfach auf „Weiter“ klicken. Nach rund 6 Minuten waren wir online, die Oberfläche ist komplett auf Deutsch.
Ein Detail hat uns Zeit gekostet: Die Router-Uhr ging eine Stunde nach, weil die Sommerzeit ab Werk ausgeschaltet ist. Zeitpläne, Kindersicherung und das nächtliche Update-Fenster (ab Werk 3 bis 4 Uhr) laufen dann im Sommer versetzt. Schaltet die Sommerzeit unter „Systemtools > Uhrzeiteinstellungen“ ein.
Insgesamt ist die Einrichtung dank automatischer SIM-Erkennung und deutscher Oberfläche auch für Laien in wenigen Minuten erledigt.
Firmware und Sicherheit
Hier gibt es einen wichtigen Befund. Ab Werk lief auf unserem Gerät die Firmware 1.1.0 vom Januar 2026. Laut TP-Link ist sie von vier Sicherheitslücken betroffen. Die schwerste erlaubt es einem Angreifer im eigenen Netz, ohne Passwort zum Beispiel Firmware einzuspielen. TP-Link hat die Lücken ab Version 1.3.0 vom März 2026 behoben, aktuell ist 1.5.0 vom September 2026.
Automatische Updates sind ab Werk eingeschaltet, laufen aber nur nachts. Die Übersicht zeigte zunächst keine neue Version an, erst der Klick auf „Nach Aktualisierungen suchen“ brachte 1.5.0. Das Update dauerte rund 4 Minuten, erneuerte auch die Software des Mobilfunkmodems und behielt alle Einstellungen. Zurück auf eine ältere Version geht laut TP-Link nicht.
Unser Tipp: Direkt nach der Einrichtung unter „Systemtools > Firmware-Upgrade“ nach Aktualisierungen suchen und die neue Version sofort installieren. Ohne Update bleiben die Lücken offen.
Insgesamt schließt das sofortige Update die Lücken zuverlässig, TP-Link sollte die aktuelle Firmware aber ab Werk ausliefern.
Geschwindigkeit im O2-Netz
Für die Langzeitmessung über Nacht hingen beide Router per Kabel an je einem Rechner, am selben Platz und mit SIMs aus demselben O2-Vertrag. Alle Speedtests liefen mit Ookla auf denselben O2-Server in Köln. Der NX200 verband sich im Standardmodus mit reinem 5G (SA) auf Band n78, das Signal lag bei guten -87 bis -91dBm (je näher an null, desto besser).
In 11 stündlichen Läufen von 22:41 bis 8:42 Uhr kam der NX200 auf 212 bis 367Mbit/s im Download, im Mittel 304Mbit/s. Nachts lagen 297 bis 367Mbit/s an, abends und morgens nur 212 bis 244Mbit/s. Der Xiaomi blieb die ganze Zeit konstant bei 338 bis 362Mbit/s, im Mittel 358Mbit/s. Nachts sind beide also fast gleichauf, zu den Stoßzeiten fehlen dem NX200 rund 100 bis 140Mbit/s. Ein Unterschied: Der Xiaomi bündelt am selben Platz 5G mit drei LTE-Frequenzen, der NX200 nutzt im Standardmodus nur das eine 5G-Band.
Beim Upload liegen beide nah beieinander: 25 bis 34Mbit/s beim NX200 (Mittelwert 30Mbit/s), 21 bis 39Mbit/s beim Xiaomi (Mittelwert 34Mbit/s). Beim Ping, der Zeit, die ein Datenpaket hin und zurück braucht, liegt der NX200 mit rund 10ms sogar vor dem Xiaomi mit rund 20ms.
Per 5GHz-WLAN im Nachbarraum kamen 187 bis 305Mbit/s im Download an, der Ping lag bei 16 bis 20ms. Das WLAN kostet also vor allem Ping, beim Download fällt der Unterschied kleiner aus. Auch die 210 bis 245Mbit/s zu den Stoßzeiten reichen locker für mehrere 4K-Streams, Homeoffice und Cloud-Backups.
Insgesamt ist der NX200 nachts fast gleichauf mit dem Xiaomi, liegt zu den Stoßzeiten aber spürbar dahinter. Für einen Haushalt reicht das Tempo trotzdem immer.
Netzmodus
Ab Werk verbindet sich der NX200 per 5G SA (Standalone) nur mit dem reinen 5G-Netz. Im Modus 5G NSA (Non-Standalone) bündelt er 5G mit mehreren LTE-Frequenzen, bei uns mit drei. Das klingt nach einem Detail, macht beim Hochladen aber einen deutlichen Unterschied.
Im direkten Wechseltest per WLAN haben wir den Modus dreimal hin und her gestellt, mit jeweils zwei Messläufen innerhalb derselben halben Stunde. Im Modus 5G NSA/4G kam der Upload jedes Mal auf 55 bis 62Mbit/s, im Standardmodus nur auf 35 bis 37Mbit/s, also rund 60 Prozent mehr. Beim Download schwanken beide Modi stark, mit NSA gab es sogar einen Ausreißer auf 64Mbit/s. Einen klaren Sieger gibt es dort nicht.
Jede Umstellung kostet 20 bis 35 Sekunden ohne Internet, und ob NSA am Standort funktioniert, hängt vom Netzbetreiber ab. Unsere Empfehlung: Wer viel hochlädt, etwa Cloud-Backups oder Videos, oder regelmäßig Videocalls macht, stellt auf „5G NSA/4G“, sofern verfügbar. Für alle anderen passt der Standardmodus.
Insgesamt ist der wählbare Netzmodus eine echte Stärke des NX200, weil er den Upload um rund 60 Prozent steigert.
Verzögerung unter Last
Sobald ein Gerät etwas hochlädt, etwa ein Foto-Backup, steigt die Verzögerung im Standardmodus per Kabel auf 393 bis 654ms (Mittelwert 416ms), per WLAN im Nachbarraum sogar auf 900 bis 1.380ms. Die Leitung ist dann verstopft, Videocalls und Onlinespiele ruckeln. Das ist keine Schwäche des NX200 allein: Der Xiaomi 5G CPE Pro zeigt per Kabel mit 130 bis 840ms (Mittelwert 372ms) dasselbe Verhalten. Beim Herunterladen steigt die Verzögerung moderater, im Mittel auf 65ms beim NX200 und 52ms beim Xiaomi.
Die folgende Tabelle zeigt unsere WLAN-Messungen im direkten Wechsel, die Unterschiede zwischen den Modi sind damit vergleichbar:
| Standard (reines 5G) | 5G NSA/4G | Standard mit QoS | |
|---|---|---|---|
| Download | 206 bis 241Mbit/s | 195 bis 308Mbit/s | 115 bis 142Mbit/s |
| Upload | 35 bis 37Mbit/s | 55 bis 62Mbit/s | 28 bis 29Mbit/s |
| Verzögerung beim Hochladen | 958 bis 1.187ms | 360 bis 620ms | 31 bis 34ms |
Schon NSA halbiert also die Verzögerung. Ganz in den Griff bekommt ihr sie mit QoS, einer Funktion, die den Datenverkehr dosiert. Wir haben sie unter „Erweiterte Einstellungen > QoS“ mit 30Mbit/s Upload und 250Mbit/s Download eingeschaltet, bewusst knapp unter den gemessenen Werten. Die Verzögerung beim Hochladen fiel auf 31 bis 34ms. Der Preis: Der Download sank auf 115 bis 142Mbit/s, der Upload auf 28 bis 29Mbit/s. Einen höheren Download-Wert haben wir nicht ausprobiert.
Unser Rat: Wer viel hochlädt oder Videocalls macht, stellt zuerst auf „5G NSA/4G“. Wer zusätzlich ruckelfreie Calls oder Onlinespiele braucht, schaltet QoS mit Werten knapp unter der eigenen Leitung ein. 115 bis 142Mbit/s reichen immer noch für mehrere 4K-Streams.
Insgesamt ist die hohe Verzögerung beim Hochladen die größte Schwäche, mit NSA und QoS bekommt ihr sie aber gut in den Griff.
Stabilität im Dauerbetrieb
Ein 5G-Router versorgt das ganze Haus. Hängt er sich auf, ist alles offline, und ein schneller Router, den ihr alle paar Tage neu starten müsst, nützt wenig. Deshalb baute ein Rechner alle 5 Sekunden über das Kabel eine Verbindung ins Internet auf. Der NX200 hielt 16 Stunden und 47 Minuten durch, rund 12.000 Versuche ohne einen einzigen Aussetzer. Die Antwortzeit lag typischerweise bei 26ms (gemessen als kompletter Verbindungsaufbau, daher höher als der Ping im Speedtest), 99 Prozent der Versuche blieben unter 67ms. Der Xiaomi lief 10 Stunden und 25 Minuten mit rund 7.300 Versuchen, hatte dabei einen Aussetzer von 5 Sekunden und antwortete typischerweise in 23ms. Knapp 17 Stunden zeigen allerdings noch keinen Verlauf über Wochen.
Wer auf Nummer sicher gehen will, richtet unter „Systemtools > Neustartzeitplan“ einen festen Neustart ein, etwa einmal pro Woche nachts.
Insgesamt lief der NX200 in unserem Dauertest durchgehend stabil.
Weitere Funktionen
SMS und USSD-Codes könnt ihr direkt in der Oberfläche lesen und verschicken, etwa wenn der Netzbetreiber euch etwas zur SIM schickt. Mit EasyMesh wechseln eure Geräte im Verbundnetz automatisch zum besten Zugangspunkt. Die Buchsen für externe Antennen haben wir nicht getestet, für Standorte mit schwachem Empfang sind sie eine Option. Der Stromverbrauch liegt bei 4W im Standby und 9W im Betrieb.
Insgesamt ist der Funktionsumfang für einen 5G-Router dieser Klasse großzügig.
Vergleich mit dem Xiaomi 5G CPE Pro
- niedriger Energieverbrauch (ca. 8 Watt)
- gute Verarbeitung
- hoher Datendurchsatz im LAN und WLAN
- DFS WLAN-Kanäle nutzbar
- sauberes und vielseitiges System
- einfaches MESH mit Xiaomi Routern möglich
- keine App Nutzung möglich
- keine Datenverbrauchsanzeige im System
- 4G & 5G Bänder nicht manuell wählbar
Der Xiaomi 5G CPE Pro Router kann in unserem Test überzeugen. Das Gerät ist gut verarbeitet und bietet ein modernes 5G Modem von Qualcomm. In unserem Test erreicht der Router einen guten Datendurchsatz im LAN und WLAN, mit etwas Glück kann man auch auf die schnelleren DFS-WLAN-Kanäle zugreifen. … Weiterlesen ›
Im direkten Vergleich am selben Platz liegt der Xiaomi 5G CPE Pro (zum Test) beim Download vorne: Nachts sind beide fast gleichauf, abends und morgens zieht der Xiaomi mit rund 100 bis 140Mbit/s Vorsprung davon. Beim Upload liegen beide im Standardmodus nah beieinander, im Modus 5G NSA/4G läge der NX200 vorne. Beim Ping führt der NX200 mit rund 10ms, und im Dauertest lief er ohne einen einzigen Aussetzer.
Dazu punktet der NX200 mit einer komplett deutschen Oberfläche, vielen Einstellungen wie Netzmodus, QoS und SMS sowie zwei Buchsen für externe Antennen. Wer zu den Stoßzeiten das meiste Tempo will, fährt an unserem Standort mit dem Xiaomi besser. Wer feinjustieren will und Wert auf eine ausgefeilte Bedienung legt, ist beim NX200 richtig.
Testergebnis
Der TP-Link Archer NX200 ist ein 5G-Router für alle, die gern selbst ein paar Schrauben drehen. SIM rein, Strom an, und nach sechs Minuten waren wir online, ohne einen einzigen Buchstaben eintippen zu müssen. Die Oberfläche ist komplett auf Deutsch und lässt euch ungewöhnlich viel einstellen, vom Netzmodus über QoS bis zum Datenzähler. Im Dauertest lief er knapp 17 Stunden ohne einen einzigen Aussetzer, und das Tempo reicht auch zu den Stoßzeiten für jeden normalen Haushalt.
Ab Werk ist er allerdings kein Selbstläufer. Die Firmware hatte vier bekannte Sicherheitslücken, das Update bot der Router erst nach einem gezielten Klick an, und sobald ein Gerät etwas hochlädt, steigt die Verzögerung auf rund eine halbe Sekunde. Die gute Nachricht: Mit 5G NSA/4G legt der Upload um rund 60 Prozent zu, mit QoS sinkt die Verzögerung auf gut 30ms. Einen Bridge-Modus sucht ihr vergeblich, das stört aber nur Profis.
Der Xiaomi 5G CPE Pro (zum Test) war bei uns abends und morgens spürbar schneller. Wer gern feinjustiert, bekommt mit dem NX200 für rund 215€ aber den vielseitigeren Router. Wer DSL ganz durch 5G ersetzen will, startet am besten mit unserer Anleitung zum O2-Vertrag als DSL-Ersatz.
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