Inhaltsverzeichnis
- Technische Daten und Marktposition des Elegoo Jupiter 2
- Lieferumfang, Verarbeitung und erster Eindruck
- Design und Ergonomie
- Aufbau und Inbetriebnahme des Elegoo Jupiter 2
- Bauplattform und Z-Achse
- Resin-Management und Harzheizung
- Druckqualität des Elegoo Jupiter 2
- Software, Kamera und Benutzeroberfläche
- Alltag mit dem Jupiter 2
- Für wen eignet sich der Elegoo Jupiter 2?
Mit dem Jupiter 2 schickt Elegoo die zweite Generation seines größten Resin-3D-Druckers ins Rennen. Die Erwartungen könnten kaum höher sein. Schließlich tritt das Gerät in einem Markt an, der sich in den vergangenen beiden Jahren rasant entwickelt hat. Moderne Großformatdrucker bieten heute nicht mehr nur hohe Auflösungen, sondern auch automatische Harzversorgung, integrierte Heizsysteme, Netzwerkfunktionen und immer komfortablere Bedienkonzepte.
Der Jupiter 2 soll genau diese Entwicklung fortsetzen. Auf dem Datenblatt fällt die umfangreiche Ausstattung auf. Während der Entwicklung war allerdings Geduld gefragt. Zwischen der ersten Ankündigung und der tatsächlichen Markteinführung verging deutlich mehr Zeit als ursprünglich erwartet. In dieser Zeit brachte die Konkurrenz zahlreiche neue Modelle auf den Markt. Der Jupiter 2 musste sich deshalb nicht mehr mit den Geräten messen, gegen die er ursprünglich entwickelt wurde, sondern mit einer weiterentwickelten Generation großformatiger Resin-Drucker.
- Elegoo Jupiter 2
Die Druckqualität gehört ohne Zweifel zu den größten Stärken des Jupiter 2. Hinzu kommt ein riesiger Bauraum, der den gesamten Arbeitsablauf verändert. Modelle, die früher in mehrere Einzelteile zerlegt werden mussten, lassen sich nun häufig in einem einzigen Druckvorgang herstellen. Ein moderner Resin-Drucker muss heute als Gesamtsystem überzeugen. Druckqualität, Ergonomie, Software, Wartungsaufwand und Alltagstauglichkeit sind mindestens ebenso wichtig wie die reine Auflösung des Displays. Erst das Zusammenspiel all dieser Faktoren entscheidet darüber, ob ein Drucker nach einigen Wochen Nutzung noch genauso überzeugt wie am ersten Tag.
Der Jupiter 2 hat uns in dieser Hinsicht mehrfach überrascht. Dabei fielen sowohl Stärken als auch Schwächen deutlicher aus als erwartet.
Technische Daten und Marktposition des Elegoo Jupiter 2
| Technische Daten: Elegoo Jupiter 2 | |
|---|---|
| Druckverfahren | MSLA (LCD) |
| Display | 14 Zoll Monochrom-LCD |
| Auflösung | 16K (15120 x 6230 Pixel) |
| XY-Auflösung | 20 x 26µm |
| Bauvolumen | 302,4 x 161,98 x 300mm |
| Lichtquelle | COB-Lichtquelle mit Kollimationslinsen |
| Z-Achse | Doppelte Linearführung |
| Bauplattform | Laserstrukturierte Aluminiumplatte |
| Harzmanagement | Automatische Harznachfüllung und Harzrückförderung |
| Harzheizung | Integriert |
| Kamera | Integriert |
| Netzwerk | WLAN, USB |
| Luftfilter | Aktivkohlefilter |
| Unterstützte Slicer | Chitubox, Elegoo Satellite |
| Gewicht | 29kg |
Bereits das Datenblatt zeigt, dass sich der Jupiter 2 an Anwender richtet, die regelmäßig große Modelle oder Kleinserien fertigen. Mit seinem 16K-Display, dem großzügigen Bauraum und der COB-Lichtquelle kombiniert er eine hohe Detailtreue mit einer für diese Geräteklasse außergewöhnlich großen Druckfläche. Hinzu kommen moderne Ausstattungsmerkmale wie automatische Harznachfüllung, integrierte Harzheizung, WLAN und eine Kamera zur Drucküberwachung. Auf dem Papier bietet der Jupiter 2 damit nahezu alles, was Ihr von einem aktuellen Großformat-Resindrucker erwartet. Ob sich diese Ausstattung auch im Alltag bewährt, zeigt der Praxistest.
Lieferumfang, Verarbeitung und erster Eindruck
Der Jupiter 2 wird in einem großen und stabilen Karton geliefert, der den rund 29 Kilogramm schweren Drucker zuverlässig vor Transportschäden schützt. Sämtliche Komponenten sitzen passgenau in Schaumstoffeinlagen und hinterließen bei unserem Testgerät einen sehr guten Eindruck. Beschädigungen oder lose Bauteile waren nicht festzustellen.
Zum Lieferumfang gehören:
- Elegoo Jupiter 2
- vormontierte Bauplattform
- Harzwanne
- automatische Harzpumpe mit Schlauchsystem und Zubehör
- USB-Stick
- Metall- und Kunststoffspachtel
- Papierfilter
- Schutzhandschuhe
- Einweg-Gesichtsmaske
- Werkzeugset
- Ersatzschrauben
- Netzkabel
- Bedienungsanleitung
Damit bringt der Hersteller alles mit, was Ihr für die Inbetriebnahme benötigt. Wie bei jedem Resin-Drucker müssen lediglich Harz, Reinigungsmittel und eine Wasch- und UV-Nachhärtungsstation (Wash & Cure) separat vorhanden sein.
Bereits beim Auspacken vermittelt der Jupiter 2 den Eindruck einer professionellen Maschine. Das überwiegend aus Metall gefertigte Gehäuse wirkt hochwertig verarbeitet. Die Pulverbeschichtung ist sauber ausgeführt, Spaltmaße sind gleichmäßig und auch die großen Fronttüren sitzen präzise in ihren Scharnieren. Angesichts der großen Bauplattform und des hohen Gesamtgewichts hinterlässt der Jupiter 2 einen ausgesprochen stabilen Eindruck. Die Bauplattform und das massive Gehäuse erinnern eher an eine kompakte Produktionsmaschine als an einen klassischen Desktop-Resindrucker.
Eine Besonderheit betraf allerdings unser Testgerät. Schon beim Auspacken fielen Kratzer auf der Bauplattform sowie deutliche Gebrauchsspuren an der Harzwanne auf. Auf Nachfrage teilte uns Elegoo mit, dass unser Testgerät teilweise aus bereits verwendeten Komponenten zusammengestellt worden sei. Warum dies der Fall war, wurde nicht näher erläutert. Da die Druckqualität und die Funktion des Geräts dadurch nicht beeinträchtigt wurden, hatte dies keinen Einfluss auf die Bewertung des Druckers.
Mit dieser Größe steigen allerdings auch die Anforderungen an den Arbeitsplatz. Der Jupiter 2 benötigt nicht nur eine stabile Stellfläche, sondern auch ausreichend Freiraum für die seitlich öffnenden Türen und den Zugang zur rückseitigen Harzversorgung.
Design und Ergonomie
Hier verschenkt Elegoo unnötig Potenzial. Optisch orientiert sich der Jupiter 2 an der aktuellen Designsprache von Elegoo. Das kantige Metallgehäuse wirkt modern und hochwertig. Die großen, dunkel getönten Fronttüren verleihen dem Drucker einen professionellen Eindruck und ermöglichen einen komfortablen Zugang zum gesamten Druckraum.
Im vollständig geöffneten Zustand benötigt der Drucker rund 1,12 Meter Arbeitsbreite. Damit beansprucht er deutlich mehr Platz, als die eigentlichen Geräteabmessungen vermuten lassen.
Genau hier liegt für uns einer der größten Schwachpunkte des gesamten Druckers. In der Praxis stehen neben einem Resin-Drucker meist Harzflaschen, Handschuhe, Spachtel, Papierrollen oder eine Wash-&-Cure-Station. Beim Jupiter 2 muss dieser Bereich jedoch vollständig frei bleiben. Selbst halbhohe Harzflaschen reichen aus, damit sich die Türen nicht vollständig öffnen lassen. Während unseres Tests mussten wir unseren Arbeitsplatz mehrfach umorganisieren. Elegoo hätte dieses Problem vermutlich mit einer nach oben öffnenden Haube vermeiden können. Die großzügigen Türen erleichtern zwar den Zugang zur Harzwanne und zur Bauplattform erheblich. Gleichzeitig wächst dadurch aber auch der notwendige Arbeitsbereich deutlich an.
Auch die automatische Harzversorgung überzeugte uns ergonomisch nicht vollständig. Grundsätzlich ist das System hervorragend geeignet, lange Druckaufträge ohne manuelles Nachfüllen durchzuführen. Die eigentliche Position der Harzbehälter halten wir dagegen für wenig gelungen. Elegoo hat beide Flaschen auf der Rückseite des Druckers untergebracht. Das bedeutet in der Praxis: Jeder Flaschenwechsel erfordert Zugang zur Rückseite. Steht der Drucker frei im Raum, stellt das kein Problem dar. Die Realität sieht allerdings häufig anders aus. Ein Drucker dieser Größe wird meist möglichst platzsparend an einer Wand aufgestellt. Genau dann wird der Flaschenwechsel schnell umständlich. Während unseres Tests mussten wir den Drucker mehrfach leicht nach vorne ziehen, um an die Harzbehälter zu gelangen. Eine seitliche Montage hätte den Bedienkomfort aus unserer Sicht deutlich verbessert.
Die stark getönten Frontscheiben schützen zuverlässig vor UV-Strahlung. Sie erschweren gleichzeitig jedoch den Blick auf den laufenden Druck. Selbst bei guter Raumbeleuchtung lassen sich Details im Inneren nur eingeschränkt erkennen. Da auch die integrierte LED-Beleuchtung dezent ausfällt, öffneten wir die Türen häufiger, um den Druckfortschritt zu kontrollieren.
Dafür ermöglichen die beiden großen Türen einen ausgesprochen komfortablen Zugang zum gesamten Innenraum. Bauplattform und Harzwanne lassen sich deutlich einfacher entnehmen als bei vielen Druckern mit Klapphaube.
Aufbau und Inbetriebnahme des Elegoo Jupiter 2
Trotz seiner Größe gestaltet sich die Inbetriebnahme des Jupiter 2 erfreulich unkompliziert. Elegoo liefert den Drucker weitgehend vormontiert aus. Die Erstkonfiguration erfolgt über das integrierte Touchdisplay. Sprache, WLAN-Verbindung und grundlegende Einstellungen sind schnell eingerichtet. Während unseres Testzeitraums arbeitete die Netzwerkverbindung stabil. Druckdateien ließen sich problemlos an den Drucker übertragen und auch Firmware-Updates funktionierten zuverlässig. Bei vielen Resin-Druckern gehört das Nivellieren zu den ersten Arbeitsschritten. Elegoo liefert den Jupiter 2 dagegen bereits einsatzbereit aus. Während des gesamten Testzeitraums bestand keinerlei Anlass, die Bauplattform neu auszurichten. Gerade Einsteiger profitieren davon, da eine fehlerhafte Kalibrierung zu den häufigsten Ursachen misslungener Drucke gehört. Auch die Befestigung der Bauplattform überzeugt. Ein großer Spannhebel ersetzt die früher üblichen Schrauben und ermöglicht ein schnelles Einsetzen oder Entnehmen der gesamten Bauplatte.
Unterm Strich gelingt die Inbetriebnahme des Jupiter 2 überraschend einfach. Bereits nach wenigen Minuten war unser erster Testdruck vorbereitet. Genau so sollte die Ersteinrichtung eines modernen Resin-Druckers funktionieren. Während viele spätere Kritikpunkte den Arbeitsalltag betreffen, gibt sich der Jupiter 2 beim eigentlichen Start erfreulich unkompliziert.
Bauplattform und Z-Achse
Die Bauplattform gehört zu den gelungensten Komponenten des Jupiter 2. Elegoo hat sie gegenüber dem Vorgänger komplett überarbeitet und setzt auf eine massive Konstruktion mit zwei Tragegriffen und einem Schnellverschluss. Die beiden Tragegriffe erleichtern den Transport der großen Bauplattform erheblich. Gerade bei schweren Druckobjekten lässt sie sich sicher entnehmen und zur Waschstation transportieren.
Die Befestigung ist ebenfalls gut gelöst. Statt Klemmschrauben kommt ein großer Spannhebel zum Einsatz, mit dem sich die Bauplattform innerhalb weniger Sekunden einsetzen oder entnehmen lässt. Die laserstrukturierte Oberfläche bietet eine ausgezeichnete Haftung. Während des Tests lösten sich jedoch einige Drucke nur mit erheblichem Kraftaufwand von der Bauplatte. Selbst mit dem Metallspachtel war das Ablösen teilweise schwierig und wir hatten mehrfach Sorge, die Oberfläche der Bauplatte zu verkratzen.
Die Größe der Bauplattform bringt jedoch auch Nachteile mit sich. Nach jedem Druck muss eine entsprechend große Fläche gereinigt werden. Das kostet mehr Zeit und erhöht den Verbrauch an Isopropanol oder anderen Reinigungsmitteln. Hinzu kommt das Gewicht. Zusammen mit einem großen Druckobjekt ist die Bauplattform deutlich schwerer als bei kleineren Resin-Druckern. Dank der beiden Griffe bleibt das Handling dennoch gut kontrollierbar. Dieser Mehraufwand ist keine Schwäche der Konstruktion, sondern die unvermeidbare Folge des großen Bauraums.
Für die Bewegung in Z-Richtung setzt Elegoo auf zwei Linearführungen und eine zentrale Gewindespindel. Während des gesamten Testzeitraums arbeitete die Mechanik unauffällig. Layer-Verschiebungen oder andere mechanische Probleme traten nicht auf. Auch hohe Druckobjekte wurden sauber und reproduzierbar aufgebaut.
- Elegoo Jupiter 2 Bauplattform mit Druckergebnis
Resin-Management und Harzheizung
Mit dem Jupiter 2 führt Elegoo erstmals ein automatisches Resin-Management in der Jupiter-Serie ein. Zusammen mit der integrierten Harzheizung soll es den Druckprozess zuverlässiger machen und den manuellen Aufwand reduzieren. Der Jupiter 2 überwacht während des Drucks kontinuierlich den Harzstand in der Wanne. Sinkt dieser unter einen bestimmten Wert, fördert das System automatisch neues Material aus einer angeschlossenen Vorratsflasche nach.
- Elegoo Jupiter 2 automatische Harzförderung
Im praktischen Einsatz arbeitete das automatische Resin-Management zuverlässig. Fehlförderungen oder Unterbrechungen traten während des Tests nicht auf. Die ergonomischen Nachteile der rückseitigen Harzbehälter betreffen die Bedienung, nicht jedoch die Funktion des Systems.
Eine der sinnvollsten Neuerungen des Jupiter 2 ist die integrierte Harzheizung. Jeder Resin-Drucker reagiert empfindlich auf Temperaturschwankungen. Besonders in unbeheizten Kellern oder Werkstätten kann kaltes Harz die Druckqualität beeinträchtigen. Nach Herstellerangaben temperiert der Jupiter 2 das Harz automatisch auf eine für Standardharze geeignete Verarbeitungstemperatur. Die Zieltemperatur lässt sich allerdings nicht individuell einstellen. Für Standardharze genügt die automatische Regelung vollkommen.
Die Harzwanne selbst hinterlässt einen hochwertigen Eindruck. Sie besteht vollständig aus Metall, sitzt stabil im Drucker und ließ sich während des gesamten Tests problemlos einsetzen und entnehmen. Weniger gelungen ist der Ausgießer. Beim Entleeren muss die Wanne präzise gekippt werden, damit das Harz sauber in die Flasche zurückläuft. Erfolgt dies in einem ungünstigen Winkel, läuft Harz leicht an der Außenseite entlang und verursacht zusätzlichen Reinigungsaufwand.
- Elegoos bewerter “Kleckerschutz”
- Elegoo Jupiter 2 Harzwanne
Druckqualität des Elegoo Jupiter 2
Die Druckqualität gehört für uns zu den größten Stärken dieses Druckers und bewegt sich auf einem hohen Niveau. Bereits der erste Testdruck zeigte, welches Potenzial im neuen 16K-Belichtungssystem steckt. Feinste Gravuren, Hautstrukturen, Stofffalten oder kleine Schriftzüge werden ausgesprochen sauber dargestellt. Die Oberflächen wirken sehr glatt und zeigen kaum sichtbare Treppenstufen. Gerade Miniaturen profitieren sichtbar von der hohen Auflösung. Selbst filigrane Details bleiben klar voneinander getrennt und wirken außergewöhnlich scharf. Dabei fällt auf, dass Elegoo nicht allein auf eine hohe Pixelzahl setzt. Entscheidend ist vielmehr das Zusammenspiel aus Display, COB-Lichtquelle und Kollimationslinsen. Diese sorgen für eine sehr gleichmäßige Lichtverteilung über nahezu die gesamte Bauplattform. Unabhängig davon, ob sich ein Modell mittig oder am Rand befand, blieb die Druckqualität konstant hoch. Gerade bei mehreren gleichzeitig gedruckten Bauteilen ist dies ein großer Vorteil.
- Elegoo Jupiter 2 Testdrucke beim Aushärten
- Elegoo Jupiter 2 Testdruck noch mit Support
Während des Tests verursachten wir durch einen Bedienfehler selbst einen Fehldruck. Die ausgehärteten Harzreste ließen sich anschließend problemlos aus der Harzwanne entfernen. Das spricht für eine gut abgestimmte Kombination aus Release-Folie und Wanne und erleichtert die Reinigung nach einem fehlgeschlagenen Druck erheblich.
Mindestens genauso beeindruckend wie die Detailqualität ist der enorme Bauraum. Viele Modelle, die bisher aus mehreren Einzelteilen zusammengesetzt werden mussten, lassen sich nun in einem Stück drucken. Das spart nicht nur Zeit. Auch Klebenähte, Passprobleme und nachträgliche Schleifarbeiten entfallen häufig vollständig. Gerade für Cosplayer, Figurenbauer oder Modellbauer verändert dies den gesamten Arbeitsablauf.
- Optional, aber eigentlich ein Muss.
- Die Wash & Cure Station
Mit korrekt abgestimmten Harzen arbeitete der Jupiter 2 während unseres gesamten Tests ausgesprochen zuverlässig. Fehldrucke waren die Ausnahme und ließen sich meist auf ungeeignete Materialparameter zurückführen.
Auch lange Druckaufträge mit einer nahezu vollständig belegten Bauplattform absolvierte der Jupiter 2 während des Tests ohne Layer-Verschiebungen oder andere Auffälligkeiten.
Software, Kamera und Benutzeroberfläche
Das Touchdisplay reagiert zuverlässig auf Eingaben, fällt jedoch vergleichsweise klein aus und ist im Hochformat ausgeführt. Dadurch wirken Menüs und Bildschirmtastatur etwas beengt. Mit Brille empfanden wir insbesondere Druckparameter und Statusmeldungen als zu klein dargestellt. Während eines Drucks dominiert zudem eine große Fortschrittsgrafik den Bildschirm, sodass wichtige Informationen wie Restdruckzeit oder Druckparameter übersichtlicher dargestellt werden könnten.
Mit Satellite bietet Elegoo inzwischen einen eigenen Resin-Slicer an. Grundsätzlich beherrscht die Software alle wichtigen Funktionen. Modelle lassen sich aushöhlen, automatisch stützen, reparieren und direkt über das Netzwerk an den Drucker übertragen. Im direkten Vergleich mit Chitubox wirkt Satellite jedoch noch nicht vollständig ausgereift. Die Bedienung erscheint stellenweise weniger intuitiv und einige Funktionen benötigen mehr Arbeitsschritte als beim Wettbewerb.
Auch die integrierte Kamera gehört nicht zu den Highlights des Jupiter 2. Sie liefert eine Auflösung von 1280 x 720 Pixeln und ermöglicht die Fernüberwachung über die Matrix-App. Im praktischen Einsatz bleibt ihr Nutzen allerdings begrenzt. Zum einen sitzt die Kamera weit oben im Gehäuse. Während eines Großteils des Druckvorgangs verdeckt die Bauplattform das eigentliche Modell. Zum anderen wirkt das Bild trotz HD-Auflösung weich und stark komprimiert.
- Elegoo Jupiter 2 Kamera
Für eine kurze Kontrolle, ob der Druck ordnungsgemäß läuft, genügt die Kamera vollkommen. Wer jedoch erwartet, den Druckfortschritt im Detail beurteilen zu können oder hochwertige Zeitraffer aufzunehmen, dürfte enttäuscht werden.
Alltag mit dem Jupiter 2
Nach mehreren Wochen intensiver Nutzung hat sich unser Blick auf den Jupiter 2 deutlich verändert. Die ersten Drucke beeindrucken sofort durch ihre außergewöhnliche Qualität.
Im Alltag sind es jedoch nicht die Druckergebnisse, die den Gesamteindruck prägen, sondern die vielen kleinen Arbeitsschritte davor und danach. Genau hier zeigt sich, dass der Jupiter 2 nicht einfach ein größerer Saturn ist, sondern eine Maschine mit ganz eigenen Anforderungen. Der riesige Bauraum eröffnet Möglichkeiten, die kleinere Resin-Drucker schlicht nicht bieten. Gleichzeitig wächst aber auch der Aufwand nach jedem Druck. Schon das Entnehmen der Bauplattform verlangt etwas Konzentration. Große Druckobjekte bringen zusammen mit der massiven Bauplatte ein beachtliches Gewicht auf die Waage. Dank der beiden Tragegriffe gelingt das zwar sicher, dennoch solltet Ihr Euch für diesen Arbeitsschritt ausreichend Platz schaffen.
Anschließend folgt die Reinigung der großen Bauplattform. Hier benötigt Ihr naturgemäß mehr Zeit und Reinigungsmittel. Allein das Abwischen der Harzreste beansprucht eine wesentlich größere Fläche. Dieser zusätzliche Aufwand ist kein Nachteil der Konstruktion, sondern die logische Konsequenz eines Großformatdruckers. Dennoch gehört er zum Alltag und sollte vor dem Kauf berücksichtigt werden. Selbst beim Einsatz von Water-Washable-Resin, das sich mit Wasser reinigen lässt, machte sich die Größe des Jupiter 2 bemerkbar. Die bisher von uns verwendete Waschschüssel war für die große Bauplattform schlicht zu klein.
Während unseres Tests fiel uns immer wieder auf, dass nicht der Drucker selbst den meisten Platz beansprucht, sondern sein Arbeitsbereich. Links und rechts müssen sich die Türen vollständig öffnen lassen. Dahinter muss genügend Platz vorhanden sein, um die Harzflaschen wechseln zu können. Dadurch verändert der Jupiter 2 den gesamten Arbeitsplatz. Bei kleineren Resin-Druckern reicht häufig eine kompakte Werkbank. Der Jupiter 2 verlangt mehr Bewegungsfreiheit. Wer mehrere Drucker nebeneinander betreibt, sollte diesen Punkt unbedingt berücksichtigen.
Lange Druckaufträge verlieren ihren Schrecken. Die automatische Harznachfüllung sorgt dafür, dass auch sehr lange Druckaufträge nicht ständig überwacht werden müssen. Gleichzeitig reduziert die integrierte Harzheizung das Risiko temperaturbedingter Fehldrucke. Gerade bei Druckzeiten von zwölf, zwanzig oder mehr Stunden entsteht dadurch ein deutlich entspannterer Arbeitsablauf.
Viele Modelle mussten früher zunächst in mehrere Einzelteile zerlegt werden. Anschließend folgten Drucken, Nachbearbeitung, Verkleben und häufig auch aufwendiges Spachteln. Große Figuren, Büsten oder technische Bauteile entstehen jetzt in einem einzigen Druckvorgang. Das spart nicht nur Zeit, sondern verbessert häufig auch das Endergebnis, weil Klebenähte vollständig entfallen.
Für wen eignet sich der Elegoo Jupiter 2?
Der Jupiter 2 ist kein Drucker für jeden Anwender. Wer überwiegend einzelne Miniaturen oder kleinere Ersatzteile druckt, fährt mit einem Saturn 4 Ultra oder einem vergleichbaren Desktop-Resindrucker meist wirtschaftlicher und komfortabler.
Seine Stärken spielt der Jupiter 2 erst dann aus, wenn regelmäßig große Modelle oder viele Bauteile gleichzeitig produziert werden.
Besonders geeignet ist der Drucker für:
- Cosplay-Requisiten und Helme
- große Figuren und Büsten
- Tabletop-Armeen
- Architekturmodelle
- technische Prototypen
- Kleinserienfertigung
- Modellbau mit großen Bauteilen
Wer diese Einsatzbereiche regelmäßig nutzt und genügend Platz für den Drucker zur Verfügung hat, erhält eine Maschine, die in puncto Druckqualität und Produktivität derzeit nur wenige Konkurrenten fürchten muss.
Läge unser Schwerpunkt auf möglichst großen und gleichzeitig extrem detailreichen Resin-Drucken, gehörte der Jupiter 2 aktuell zu unseren Favoriten. Die Kombination aus riesigem Bauraum, homogener Belichtung und hervorragender Druckqualität ist beeindruckend und verändert den gesamten Workflow positiv.
Wir würden den Drucker jedoch nur kaufen, wenn genügend Platz vorhanden ist und der Arbeitsplatz bewusst auf einen Großformatdrucker ausgelegt werden kann. Wer den Jupiter 2 möglichst platzsparend in eine bestehende Werkstatt integrieren möchte, wird sich regelmäßig über die seitlich öffnenden Türen und die rückseitig angeordneten Harzbehälter ärgern.
Testergebnis
Der Jupiter 2 hat uns während des gesamten Testzeitraums immer wieder überrascht. Nicht deshalb, weil er gravierende Schwächen besitzt, sondern weil seine größten Stärken und seine größten Schwächen so nah beieinanderliegen.
Die Druckqualität ist schlicht hervorragend. Das neue 16K-Belichtungssystem liefert zusammen mit der COB-Lichtquelle und den Kollimationslinsen Ergebnisse, die aktuell zur Spitzenklasse gehören. Feinste Strukturen werden außergewöhnlich sauber dargestellt und auch über die gesamte Bauplattform hinweg bleibt die Qualität konstant hoch. Hinzu kommt der enorme Bauraum. Viele Modelle lassen sich erstmals vollständig in einem Stück drucken. Das spart Zeit, reduziert die Nachbearbeitung und verbessert häufig sogar das Endergebnis. Auch die neue Bauplattform gehört für uns zu den Highlights des Druckers. Doppelgriffe, Schnellverschluss und die ausgezeichnete Haftung machen sie zu einer der besten Konstruktionen, die Elegoo bislang entwickelt hat. Im täglichen Einsatz traten allerdings auch einige Punkte zutage, die den Gesamteindruck trüben.
Der enorme Platzbedarf der seitlich öffnenden Türen überraschte uns deutlich mehr als erwartet. Rund 1,12 Meter Arbeitsbreite müssen dauerhaft frei bleiben. Dazu kommt die wenig praxisgerechte Position der Harzbehälter auf der Rückseite des Geräts. Jeder Flaschenwechsel erfordert Zugang hinter den Drucker, was in vielen Werkstätten unnötig umständlich ist. Auch Software und Benutzeroberfläche bleiben hinter dem hohen Niveau der Hardware zurück. Die Kamera erfüllt ihren Zweck zwar grundsätzlich, bietet jedoch nur einen begrenzten Mehrwert. Trotz dieser Kritik fällt unser Gesamturteil eindeutig positiv aus.
Der Jupiter 2 ist kein Drucker für Einsteiger und auch kein Gerät, das sich unauffällig in jede Hobbywerkstatt integrieren lässt. Er richtet sich an Anwender, die seinen großen Bauraum regelmäßig ausnutzen und bereit sind, dafür einen höheren Platzbedarf sowie etwas mehr Wartungsaufwand in Kauf zu nehmen. Wer genau zu dieser Zielgruppe gehört, erhält einen Großformat-Resindrucker, der mit seiner Druckqualität Maßstäbe setzt.
Der Elegoo Jupiter 2 ist kein perfekter Resin-Drucker. Er ist aber ein Drucker mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Wer seine Stärken gezielt nutzt und mit den ergonomischen Eigenheiten leben kann, erhält einen der leistungsfähigsten Großformat-Resindrucker, die derzeit am Markt erhältlich sind.
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