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Wer regelmäßig mit dem 3D-Drucker arbeitet, kennt das Problem: Der Druck startet perfekt, doch nach einigen Stunden zeigen sich unschöne Fäden (Stringing), kleine Blasen in den Außenwänden oder die Schichten haften schlicht nicht richtig aneinander. Die Ursache ist in den seltensten Fällen eine falsche Slicer-Einstellung, sondern meist feuchtes Filament. Besonders hygroskopische Materialien wie PETG, TPU, ASA und vor allem technische Kunststoffe wie Polycarbonat (PC) oder Nylon (PA) ziehen Wasser aus der Umgebungsluft wie ein Schwamm.
Mit dem Elegoo H1HT (High Temperature) bringt der bekannte 3D-Druck-Hersteller nun seinen ersten eigenen Filamenttrockner auf den Markt. Das Versprechen: Trocknungstemperaturen von bis zu 85°C, eine aktiv rotierende Spulenaufnahme und eine intelligente Feuchtigkeitsabfuhr. Ob das Gadget die Filament-Pflege revolutioniert oder nur heiße Luft produziert, klärt unser ausführlicher Test.
Lieferumfang und erster Eindruck
Der Elegoo H1HT kommt sicher verpackt bei Euch an. Der Lieferumfang konzentriert sich auf das Wesentliche, bringt aber alles für den sofortigen Start mit:
- Elegoo H1HT Filamenttrockner
- Standard-Kaltgerätekabel
- Ein Stück PTFE-Schlauch
- Passende Filamentdurchführungen (pneumatische Anschlüsse)
- Bedienungsanleitung
Beim Auspacken sticht ein entscheidendes Detail sofort positiv ins Auge: Elegoo verzichtet komplett auf ein externes Netzteil. Während die Konkurrenz oft klobige, schwere und im Betrieb glühend heiße Steckernetzteile beilegt, sitzt die Stromversorgung beim H1HT sauber im Gehäuse integriert.
Den Strom bezieht das Gerät direkt über ein handelsübliches Kaltgerätekabel. Das sorgt für Ordnung auf dem Werkstatttisch und macht den Ersatz bei Kabelbruch zum Kinderspiel.
Design und Verarbeitung
Optisch orientiert sich der H1HT am aktuellen Design der Elegoo-Produkte und passt gut zu den Druckern der Centauri-Serie. Das mattschwarze Kunststoffgehäuse wirkt sauber verarbeitet und macht insgesamt einen soliden Eindruck. Während des Tests fielen weder auffällige Spaltmaße noch scharfe Kanten auf.
Der transparente Deckel schließt über eine umlaufende Dichtlippe sauber mit dem Gehäuse ab. Durch seine vergleichsweise kompakte Stellfläche benötigt der H1HT nur wenig Platz auf dem Schreibtisch und lässt sich problemlos neben dem 3D-Drucker aufstellen.
Bedienung über das Touchdisplay
Die gesamte Steuerung des H1HT wandert auf die Front: Hier verbaut Elegoo ein 3,5 Zoll großes Farb-Touchdisplay. Die Benutzeroberfläche ist Smartzone-typisch logisch strukturiert und reagiert ohne spürbare Verzögerungen auf Eingaben.
Besonders Einsteiger werden die elf vordefinierten Materialprofile (u. a. für PLA, PETG, TPU, ABS, Nylon) lieben. Ein Klick genügt, und das Gerät stellt die passende Zieltemperatur sowie die empfohlene Trocknungsdauer ein.
Erfahrene Nutzer passen im manuellen Modus die Parameter grad- und minutengenau an. Alle relevanten Daten wie die aktuelle Innentemperatur, die Restlaufzeit und der Betriebsstatus sind jederzeit perfekt ablesbar.
Die Kernfunktionen im Praxistest
1. Direktdruck aus der Drybox
Der Elegoo H1HT ist als sogenannte „aktive Drybox” konzipiert. Über integrierte PTFE-Auslässe lässt sich das Filament direkt aus der beheizten Box in den Extruder des 3D-Druckers leiten.
Das Material bleibt somit während des gesamten, potenziell tagelangen Druckvorgangs in einer kontrollierten, staub- und feuchtigkeitsgeschützten Umgebung. Für extrem hygroskopische Materialien wie Nylon ist das kein nettes Gimmick, sondern eine absolute Notwendigkeit, um konstante Ergebnisse von der ersten bis zur letzten Schicht zu garantieren.
2. Rotierende Filamentspule
Ein echter USP (Unique Selling Point) des H1HT ist der kugelgelagerte Rollenmechanismus im Inneren. Während des Heizvorgangs dreht der integrierte Motor die Filamentspule kontinuierlich. Bei herkömmlichen Trocknern steht die Spule starr an einer Stelle, was unweigerlich zu Hotspots führt: Die dem Heizelement zugewandte Seite wird extrem heiß, während die Rückseite kühl bleibt.
Durch die permanente Rotation wärmt sich das Filament absolut gleichmäßig durch. Ob dies die Trocknungszeit mathematisch halbiert, lässt sich im Labor schwer isolieren. Physikalisch ist dieser Ansatz der starren Konkurrenz jedoch meilenweit überlegen.
3. Aktive Feuchtigkeitsabfuhr mit Auto-Verschluss
Feuchtigkeit aus dem Filament zu treiben, ist nur die halbe Miete, denn die feuchte Luft muss auch raus aus der Box. Viele Billig-Trockner gleichen einer Sauna: Das Wasser verdampft, kondensiert am Deckel und tropft zurück auf die Spule. Elegoo löst das Problem elegant über zwei aktive Lüftungsöffnungen, die die feuchte Luft während des Heizvorgangs gezielt nach draußen befördern.
Das clevere Detail: Sobald der Timer abgelaufen ist und das Gerät abschaltet, verschließen sich die Klappen automatisch. Die Box versiegelt luftdicht, sodass keine neue Raumfeuchtigkeit eindringen kann. Die Spule könnt Ihr also problemlos tagelang im Trockner lagern.
Messwerte: Temperatur, Stromverbrauch & Lautstärke
Temperatur-Check: Wo bleiben die 85°C?
Elegoo bewirbt den H1HT mit einer maximalen Trocknungstemperatur von bis zu 85°C, um auch anspruchsvolle Filamente wie Nylon oder Polycarbonat zuverlässig trocknen zu können.
In unseren Messungen konnten wir diesen Wert jedoch nicht bestätigen. Mit mehreren externen Thermometern erreichten wir im Innenraum des Geräts maximal 78°C. Das Testgerät blieb damit unter unseren Messbedingungen rund 7°C unterhalb der Herstellerangabe.
Auch bei der Luftfeuchtigkeit ergaben sich Unterschiede. Während das Display des H1HT beim Trocknungsvorgang eine relative Luftfeuchtigkeit von 17% anzeigte, ermittelte unser externes Messgerät 32%.
Eine eindeutige Erklärung für diese Abweichungen konnten wir nicht finden. Sowohl die Temperatur als auch die relative Luftfeuchtigkeit können je nach Messposition innerhalb des Gehäuses unterschiedlich ausfallen. Ebenso spielen die Genauigkeit und Kalibrierung der verwendeten Sensoren sowie deren Position im Luftstrom eine Rolle. Daher lässt sich nicht abschließend beurteilen, ob die Differenz auf unterschiedliche Messbedingungen oder auf die Sensorik zurückgeht.
Für den praktischen Einsatz relativiert sich dieser Punkt allerdings. Die gemessenen 78°C reichen problemlos aus, um PLA (ca. 50°C), PETG und TPU (ca. 60 bis 70°C) sowie ABS und ASA (ca. 70 bis 80°C) zuverlässig zu trocknen. Lediglich bei besonders feuchtigkeitsempfindlichen Hochtemperaturfilamenten wie Nylon oder Polycarbonat wären die vom Hersteller angegebenen 85°C wünschenswert. In der Praxis dürfte sich dies hauptsächlich durch eine entsprechend längere Trocknungszeit ausgleichen lassen.
Stromverbrauch
Die Elektronik arbeitet effizient und schießt nicht permanent die volle Leistung in die Heizelemente. Sobald die Zieltemperatur erreicht ist, regelt das System spürbar ab und hält das Niveau mit kurzen, akustisch nicht wahrnehmbaren Heizimpulsen.
| Betriebszustand | Leistungsaufnahme |
|---|---|
| Standby | 4W |
| Aufheizphase | bis zu 264W |
| Temperaturhaltung bei ca. 65°C | ca. 131W |
Lautstärke
Der verbaute Lüfter für die Luftzirkulation sowie der Rotationsmotor sind im Betrieb zwar hörbar, bleiben aber auf einem absolut erträglichen Niveau. Im direkten Vergleich zu einem laufenden 3D-Drucker geht das gleichmäßige Summen des H1HT komplett unter. Einem Einsatz im Heimbüro steht nichts im Wege.
Druckergebnisse: Der Vorher-Nachher-Vergleich
Um den tatsächlichen Nutzen des H1HT zu überprüfen, haben wir eine Spule Standard-PETG für 48 Stunden in einer feuchten Kellerumgebung gelagert. Der anschließende Testdruck ohne vorherige Trocknung verlief erwartbar katastrophal: massives Stringing, ständiges Knistern in der Düse durch explodierende Wasserdampfblasen und eine extrem raue Oberflächenstruktur.
Nach einem 6-stündigen Trocknungszyklus im Elegoo H1HT (PETG bei 65°C) folgte der zweite Versuch direkt aus der Drybox heraus:
Das Ergebnis war verblüffend. Das Stringing war beim PETG vollständig verschwunden, die Außenwände des Drucks zeigten ein makelloses, glattes Druckbild und die Layerhaftung stieg spürbar an. Der Trockner liefert in der Praxis also genau das ab, was er verspricht.
Testergebnis
Mit dem H1HT gelingt Elegoo ein beeindruckendes Debüt auf dem Markt der Filamenttrockner. Das Gerät hebt sich durch seine integrierte Spulenrotation, das interne Netzteil und die automatisch schließenden Belüftungsklappen wohltuend von der breiten Masse der Standard-Trockenboxen ab. Die Bedienung über das reaktionsschnelle 3,5-Zoll-Touchdisplay ist modern und intuitiv.
Ein kleiner Wermutstropfen bleibt die im Test gemessene Maximaltemperatur von 78°C statt der beworbenen 85°C. Wer primär Standard- und Advanced-Filamente (PLA, PETG, TPU, ASA, ABS) nutzt, kann diesen Punkt getrost ignorieren. Für den aufgerufenen Preis bietet Elegoo hier eine extrem durchdachte, komfortable und vor allem praxistaugliche Komplettlösung an, die in keinem ambitionierten 3D-Druck-Setup fehlen sollte.
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