Speediance Gym Nano ausprobiert: 8 Kilo Kabelzug mit 100kg Widerstand
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Speediance baut seit Jahren digitale Kabelmaschinen fürs Wohnzimmer. Das Gym Nano bricht mit diesem Muster: Statt eines eigenständigen Trainingsgeräts bekommt ihr einen 8,2 Kilogramm schweren Kasten, den ihr an ein Rack schraubt. Es nutzt denselben Trick wie die großen Geräte: Ein Motor zieht am Kabel und erzeugt damit ein Gewicht, das es körperlich gar nicht gibt. Bis zu 100kg schafft das Nano, einstellbar in 0,5-Kilogramm-Schritten. Auf der IFA 2026 in Halle 12 stand es am Speediance-Stand an einem Power-Rack, und genau da gehört es unserer Einschätzung nach auch hin.
Speediance verkauft es als tragbares System für unterwegs. Das stimmt auch, es passt in eine Tasche. Nur braucht es eben etwas, woran es hängt, und das ist im Zweifel ein Rack im Fitnessstudio und nicht die Wohnzimmerwand. Speediance liefert ab dem 10. Oktober 2026 aus, vorbestellen könnt ihr das Gerät schon jetzt mit 50€ Anzahlung. Was das Nano kann, wo es hingehört und was es kostet, haben wir uns auf der Messe angesehen.
Aufbau und Technik
Das Gehäuse misst 120 x 159 x 375 Millimeter und wiegt 8,2 Kilogramm. An der Vorderseite sitzen drei Elemente nebeneinander: ein Lautsprecher mit NFC-Feld, in der Mitte der Kabelauslass und rechts ein kleines Touch-Display. Der Kabelauslass ist das durchdachte Detail. Er dreht sich in alle Richtungen mit, sodass ihr aus jedem Winkel ziehen könnt, ohne dass das Kabel über eine Kante scheuert. Der Kabelweg beträgt 5,1 Meter, das reicht für Sled-Simulationen quer durch den Raum.
Die Zugkraft liefert ein Motor mit bis zu 100kg Widerstand, der niedrigste einstellbare Wert liegt bei 3,5 Kilogramm. Nach oben ist bei 6,4 Metern pro Sekunde Kabelgeschwindigkeit Schluss, das ist genug für explosive Zugbewegungen und Sprints gegen Widerstand. Strom kommt aus einem Akku mit 95,68 Wattstunden. Speediance rechnet damit rund 19 Trainingseinheiten vor, zugrunde gelegt sind 12 Sätze zu je 8 Wiederholungen bei 27 Kilogramm Zugwiderstand. Geladen wird per USB-C, trainieren während des Ladens ist möglich.
Insgesamt ist das ein vollwertiger Kabelzug in der Größe einer Werkzeugkiste. Das Display ist mit rund vier Zoll klein, aber es muss auch nur Gewicht, Wiederholungen und den Modus anzeigen, den Rest übernimmt die App.
Montage am Rack
Hier wird deutlich, für wen Speediance das Gerät wirklich gebaut hat. Die Halterung hat einen Bolzen mit zwei Durchmessern, beschriftet mit „5/8inch” und „1inch”. Das sind die beiden Standard-Lochgrößen von Power-Racks, wie sie in praktisch jedem Fitnessstudio stehen. Dazu gibt es Halterungen für Rack-Profile mit 2 x 2 Zoll und 3 x 3 Zoll Querschnitt. Festgezogen wird alles über einen großen Drehknopf mit der Beschriftung „CLOSE”, der sich von Hand bedienen lässt.
An der Messe hing das Nano an einem schwarzen Rack, und das ist kein Zufall der Standdekoration. Ohne ein Rack, eine passende Wandschiene oder ein vergleichbares Profil habt ihr nichts, woran ihr das Gerät befestigen könnt. Eine Bohrschablone für die Wand oder eine Bodenplatte liegt zum Start nicht bei, Speediance kündigt weitere Befestigungsarten für später an. Wer also ein Home-Gym mit Rack hat, kann das Nano sofort nutzen. Wer keinen Fitnessraum hat, kauft erst ein Rack und dann das Speediance Nano.
Insgesamt ist das Gym Nano damit eher ein Studio- und Coaching-Gerät als ein Wohnzimmer-Produkt. Für Trainer, Vereine, Physiotherapie und ausgestattete Home-Gyms ergibt es sofort Sinn. Für jemanden, der nur ein Gerät zum Trainieren in der Mietwohnung sucht, sind die großen Gym-Monster-Modelle (zum Test) die passendere Wahl, weil die freistehend funktionieren.
- kein Abo-Zwang
- überraschend natürliches Trainingsgefühl
- riesige Auswahl an kostenlosen Kursen
- intuitiver "Free Lift"-Modus
- "Assist Mode" als digitaler Spotter
- Training bis zum Muskelversagen allein möglich
- extrem platzsparend im eingeklappten Zustand
- "Eccentric Mode" (Game-Changer)
- leicht zu verschieben dank integrierter Rollen
- sehr leiser Betrieb
- Bluetooth-Ring zur Gewichtssteuerung
- helles 21,5-Zoll-Touchscreen-Display
- Adapter für eigenes Zubehör (Griffe) vorhanden
- hoher Anschaffungspreis (ab 3.199€)
- extrem hohes Liefergewicht (bis zu 160kg)
- Handgriffe wirken billig
- 100kg-Limit für Maximalkraft
- Einstellrad am Bluetooth-Ring überempfindlich
- keine Bluetooth-Kopplung für eigene Musik
- Kabelriss im Test (nach 2 Wochen)
- schwankende Qualität der Kurse/Workouts
- kein echtes Form-Feedback (keine Kameras)
Widerstandsmodi
Vier Widerstandsmodi stehen bereit. Im Standardmodus bleibt das Gewicht konstant. Der Chain-Modus erhöht den Widerstand zum Ende der Bewegung hin, so wie eine echte Kette, die sich vom Boden hebt. Der exzentrische Modus zieht beim Ablassen stärker als beim Drücken, das ist der Modus, der im Test des Gym Monster 2 den größten Unterschied gemacht hat. Und Fixed Speed hält die Geschwindigkeit konstant, egal wie sehr ihr zieht.
Dazu kommen drei Bewegungsprofile, die den Kabelzug in ein anderes Gerät verwandeln: Sled für Schlittenziehen, Rowing fürs Rudern und Skiing für den Ski-Ergometer. Im Trainingsprotokoll taucht die zurückgelegte Sled-Distanz dann als eigener Wert neben Dauer, Volumen, Leistung und Kalorien auf. Im Startmenü steht neben „Free Lift” außerdem ein eigener HYROX-Eintrag, also die Vorbereitung auf das Wettkampfformat aus Laufen und Kraftstationen.
Messwerte und Twin-Modus
Der Punkt, an dem sich das Nano am deutlichsten von einem Heimgerät entfernt, ist der isometrische Test. Ihr zieht mit voller Kraft gegen das blockierte Kabel, und das Gerät gibt euch Spitzenkraft, Kraftentwicklungsrate, Impuls sowie die Abweichung zwischen links und rechts aus. Das ist Leistungsdiagnostik, wie sie sonst an Kraftmessplatten stattfindet, und nichts, was ein Gelegenheitssportler zu Hause braucht.
Der Twin-Modus koppelt zwei Nano-Einheiten drahtlos miteinander. Damit lassen sich beidseitige Übungen wie Kniebeugen oder Bankdrücken an der Stange fahren, und ihr seht die Seitenverteilung in Echtzeit. Auch das ist ein Coaching-Feature. In den Schnelleinstellungen des Displays sitzt der Twin-Schalter direkt neben WLAN, Controller, Helligkeit, Lautstärke, Vibration, Zugrichtung und dem Kabel-Reset.
Preis und Verfügbarkeit
Speediance nimmt seit dem 8. September Vorbestellungen entgegen. Ihr zahlt 50€ Anzahlung und bekommt dafür einen Rabattgutschein, der beim Verkaufsstart automatisch greift. Die Staffel im europäischen Shop nennt 230€ Nachlass ab einem Bestellwert von 2.299€, 260€ ab 2.599€, 460€ ab 4.598€ und 490€ ab 4.898€. Damit sind auch die Bundle-Preise bekannt: Das kleinere Paket liegt bei 2.299€, das größere bei 2.599€, die Doppelpacks mit zwei Geräten bei 4.598€ und 4.898€. Das Nano als Einzelgerät ist von der Rabattaktion ausdrücklich ausgenommen, einen endgültigen Preis dafür nennt Speediance im EU-Shop noch nicht.
Ausgeliefert wird ab dem 10. Oktober 2026, der Versand läuft für den europäischen Markt aus Deutschland. Ein Abo braucht ihr nicht: Freies Training, alle Widerstandsmodi und die Trainingsaufzeichnung sind dauerhaft kostenlos. Das optionale Wellness+ mit KI-Trainingsplänen kostet 22,99€ im Monat oder rund 170€ im Jahr. Das braucht ihr aber nicht fürs Training.
Gym Nano vorbestellen, 50€ Anzahlung
Insgesamt ist das Gym Nano das neuartigste Gerät, das Speediance auf der IFA gezeigt hat, aber auch das mit der engsten Zielgruppe. Wer schon ein Rack besitzt und mit Zahlen trainiert, bekommt hier ein sehr kompaktes Werkzeug. Wer noch überlegt, ob er überhaupt zu Hause trainieren will, ist mit einem freistehenden Gym Monster besser bedient.
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