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QIDI Plus 5 3D-Drucker im ausführlichen Test

Getestet von Holger Becker am
Vorteile
  • sehr hohe Druckqualität
  • ausgesprochen zuverlässig
  • aktive Bauraumheizung
  • großer Bauraum
  • sauberer First Layer
  • Hotend bis 370°C
Nachteile
  • 4-Zoll-Display recht klein
  • keine Spitzenreiter bei der Druckgeschwindigkeit
  • hohe Leistungsaufnahme (Stromverbrauch)
  • PTFE Schlauch schlägt gegen Glasdeckel
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Nach dem QIDI Plus4, QIDI Max4, QIDI Q2 und weiteren Modellen des Herstellers landet mit dem Plus5 der nächste geschlossene CoreXY-Drucker bei uns im ausführlichen Test. Anfang August hatten wir euch den QIDI Plus5 zum Verkaufsstart vorgestellt und uns zunächst mit den technischen Daten und den Neuerungen gegenüber dem Plus4 beschäftigt.

Ursprünglich sollte damals schon unser vollständiger Test erscheinen. Der deutsche Zoll machte uns allerdings einen Strich durch die Rechnung und hielt das Testgerät rund drei Wochen fest.

Qidi plus 5 Zoll

Deshalb konnten wir euch zum Verkaufsstart zunächst nur die Herstellerangaben präsentieren. Den damaligen Artikel findet ihr hier: QIDI Plus5 startet in den Verkauf.

Damals hatten wir angekündigt, die entscheidenden Angaben des Herstellers im späteren Test selbst zu überprüfen. Genau das haben wir inzwischen getan. Wir haben unter anderem die Temperaturverteilung des Heizbetts gemessen, die aktive Bauraumheizung überprüft sowie Lautstärke und Stromverbrauch ermittelt. Dazu haben wir den Plus5 mit unterschiedlichen Filamenten gefüttert und dabei auch Materialien verwendet, bei denen ein geschlossener und beheizter Bauraum seine Vorteile zeigen sollte.

Verpackung, Lieferumfang und Aufbau

Qidi plus 5 Verpackung

Der QIDI Plus5 wird nahezu vollständig montiert geliefert. Laut Hersteller misst das Paket 620 x 630 x 700 Millimeter und bringt einschließlich Verpackung rund 37,8 Kilogramm auf die Waage. Der Drucker selbst soll etwa 29 Kilogramm wiegen. Nachgewogen haben wir das nicht. Beim Auspacken und Aufstellen zeigt sich aber schnell, dass ihr aufgrund von Gewicht und Abmessungen besser zu zweit arbeitet. Besonders beim Herausheben aus dem Karton ist eine zweite Person hilfreich.

In der Verpackung schützt QIDI die beweglichen Komponenten während des Transports. Vor der ersten Inbetriebnahme müsst ihr sämtliche Sicherungen und Verpackungselemente entfernen.

Lieferumfang

Zum Lieferumfang gehören neben dem Drucker:

  • Filamenthalterung
  • Netzkabel
  • PTFE-Schlauch
  • Ethernet-Kabel
  • USB-2.0-Flash-Laufwerk
  • Schaber
  • 7mm-Maulschlüssel
  • Inbusschlüssel
  • Sechskant-Schraubendreher
  • Schlitzschraubendreher
  • Schmierfett und Wärmeleitpaste

 

Werkzeug für grundlegende Wartungsarbeiten liegt somit bei. Zusätzliche Anschaffungen sind für die ersten Drucke nicht notwendig.

Der Aufbau beschränkt sich weitgehend auf das Entfernen der Transportsicherungen, das Einsetzen der Druckplatte und wenige vorbereitende Arbeiten.

Konstruktion und Verarbeitung

Mit Abmessungen von 500 x 488 x 558 Millimetern bleibt der Plus5 für einen Drucker mit 320 x 320 x 300 Millimetern Bauraum vergleichsweise kompakt. QIDI nutzt den verfügbaren Innenraum gut aus.

Das geschlossene Gehäuse ist gerade beim Druck von ABS, ASA, PC und anderen Materialien wichtig, die empfindlich auf schnelle Temperaturänderungen reagieren.

Alle transparenten Scheiben des QIDI Plus5 bestehen aus Echtglas. Der obere Glasdeckel lässt sich nach hinten verschieben, sodass der Bauraum bei Bedarf zusätzlich belüftet wird. Das ist insbesondere beim Druck von PLA sinnvoll, denn im geschlossenen Bauraum kann sich sonst zu viel Wärme stauen.

QIDI Plus5 Echtglas

Qidi Plus5 Glasdeckel

Die Filamenthalterung macht einen deutlich stabileren Eindruck als bei einigen früheren QIDI-Druckern. Das bestätigt sich auch in der Praxis. Im Test haben wir daran selbst 3-Kilogramm-Filamentrollen verwendet, ohne dass die Halterung dabei Probleme zeigte.

Qidi plus 5 mit 3kg Spulen

Die CoreXY-Kinematik ermöglicht hohe Bewegungsgeschwindigkeiten, ohne dass das Druckbett ständig in Y-Richtung bewegt werden muss. QIDI gibt eine maximale Geschwindigkeit von 600mm/s und eine Beschleunigung von bis zu 20.000mm/s² an.

Auf der X-Achse arbeitet eine gehärtete Linearschiene. QIDI verwendet außerdem einen 9 Millimeter breiten 1.5GT-Riemen. Zwei unabhängig angetriebene Z-Spindeln übernehmen die vertikale Bewegung des Druckbetts.

Diese Konstruktion ist gerade bei einer Druckfläche von 320 x 320 Millimetern sinnvoll. Das Bett bewegt sich ausschließlich in Z-Richtung, während der vergleichsweise leichte Druckkopf die schnellen XY-Bewegungen übernimmt.

Das Display fällt allerdings kleiner aus als beim QIDI Max4. Den Größenunterschied erkennt ihr im direkten Vergleich auf dem Bild gut. An der Bedienung ändert das nichts, allerdings steht für Menüs und Statusinformationen entsprechend weniger Fläche zur Verfügung.

Qidi plus 5 Display

 

Merkmal QIDI Plus5
Druckverfahren FDM / FFF
Kinematik CoreXY
Bauraum 320 x 320 x 300mm
Abmessungen 500 x 488 x 558mm
Gewicht ca. 29kg
Maximale Düsentemperatur 370°C
Maximale Betttemperatur 120°C
Aktive Bauraumheizung bis 65°C
Bauraumheizung 550W
Maximale Geschwindigkeit 600mm/s
Maximale Beschleunigung 20.000mm/s²
Maximaler Volumenstrom 40mm³/s
Standarddüse 0,4mm, Bimetall
Optionale Düsen 0,2 / 0,6 / 0,8mm
Extruder Direct Drive mit gehärteten Stahlzahnrädern
Druckplatte Doppelseitige magnetische PEI-Druckplatte
Leveling Vollautomatisch, Wägezellensensor im Hotend
Filamentdurchmesser 1,75mm
Kamera bis 1080p, Zeitraffer unterstützt
Speicher 32GB eMMC
WLAN 2,4GHz und 5GHz
LAN Ja, Ethernet
USB Ja, USB 2.0
Display 4 Zoll Touchscreen, 800 x 480 Pixel
Luftfilter 3-in-1: G3-Vorfilter + H12-HEPA-Filter + Kokosnuss-Aktivkohle
Slicer QIDI Studio, OrcaSlicer, PrusaSlicer und weitere
Mehrfarbdruck Kompatibel mit QIDI Box

Beim Plus5 setzt QIDI auf einen Direct-Drive-Extruder mit gehärteten Stahlzahnrädern. Dadurch lassen sich neben normalen Materialien auch abrasive Filamente verarbeiten.

Die maximale Hotend-Temperatur beträgt 370°C. Damit liegt der Plus5 deutlich über den für PLA, PETG oder ABS notwendigen Temperaturen und bietet genügend Reserven für technische Materialien.

QIDI Plus5

QIDI gibt einen maximalen Volumenstrom von 40mm³/s an. Dieser Wert zeigt, dass der Drucker nicht allein mit hohen Bewegungsgeschwindigkeiten werben soll. Entscheidend ist schließlich, welche Kunststoffmenge das Hotend tatsächlich zuverlässig aufschmelzen kann.

Die Standarddüse besitzt einen Durchmesser von 0,4 Millimetern. Optional sind 0,2-, 0,6- und 0,8-Millimeter-Düsen erhältlich.

Im Test mussten wir die Düse mehrfach ausbauen und das Hotend zerlegen. Die Ursache lag allerdings nicht beim QIDI Plus5. Das von uns verwendete No-Name-Filament zeigte deutliche Schwankungen beim Durchmesser und führte dadurch wiederholt zu Verstopfungen. In der Folge drückte sich das Material teilweise durch kleine Übergangsspalten im Bereich des Hotends. Da wir die eigentliche Ursache zunächst nicht erkannt hatten, entstanden mehrere Folgefehler, die wir anfangs dem Drucker zuordneten.

Nach genauerer Prüfung ließ sich das Problem jedoch eindeutig auf das verwendete Filament zurückführen. Dem QIDI Plus5 und damit QIDI können wir diesen Punkt daher nicht als Schwäche anrechnen.

Automatisches Bed-Leveling

Die Kalibrierung erfolgt weitgehend automatisch. Für die Vermessung des Druckbetts nutzt der Plus5 einen in den Druckkopf integrierten Wägezellensensor. Die Düse selbst tastet dabei die Oberfläche ab.

Das Verfahren hat einen praktischen Vorteil. Zwischen Sensor und Düsenspitze gibt es keinen geometrischen Versatz, den der Drucker zusätzlich berücksichtigen müsste.

Der Testdruck zeigte schon beim ersten Versuch einen nahezu perfekten First Layer. Der Plus5 trug die einzelnen Bahnen gleichmäßig und sauber über die gesamte Druckfläche auf. Das klingt bei einem aktuellen FDM-Drucker zunächst selbstverständlich, ist in der Praxis aber längst nicht bei jedem Modell der Fall.

Heizbett und Temperaturverteilung

Das Heizbett gehört zu den Punkten, die wir beim Plus5 genauer untersucht haben. QIDI verwendet eine 320 x 320 Millimeter große Aluminiumplattform mit vollflächiger Silikonheizung. Die maximale Solltemperatur beträgt 120°C.

Herstellerangaben zur Temperaturgleichmäßigkeit solltet ihr bei großen Druckbetten mit Vorsicht betrachten. Entscheidend ist nicht allein die Temperatur in der Mitte. Besonders interessant sind die Randbereiche und Ecken.

Deshalb haben wir das Druckbett an mehreren Positionen gemessen.

Temperaturunterschiede im Heizbett des QIDI Plus5

Bei einer eingestellten Betttemperatur von 50°C haben wir nahe der Mitte rund 52°C gemessen. An den Rändern lagen die Werte bei etwa 46°C. Die maximale Differenz zwischen den von uns gemessenen Bereichen betrug damit rund 6°C und liegt aus unserer Sicht noch in einem vertretbaren Rahmen.
Um Messfehler auszuschließen, haben wir die Messung mehrfach wiederholt. Dabei zeigte sich jedes Mal ein vergleichbares Ergebnis. Gerade bei großen ABS- oder ASA-Bauteilen ist diese Verteilung wichtiger als die reine Maximaltemperatur. Kalte Randbereiche erhöhen das Risiko, dass sich Ecken vom Druckbett lösen.

Aktive Bauraumheizung

Ein wesentliches Merkmal des Plus5 ist die aktive Bauraumheizung der dritten Generation. QIDI gibt eine maximale Kammertemperatur von 65°C an.

Anders als bei einem lediglich geschlossenen Drucker ist der Innenraum damit nicht allein auf die Abwärme von Heizbett und Hotend angewiesen. Eine eigene Heizung bringt den Bauraum auf die gewünschte Temperatur.

QIDI Plus5 Bauraumheizung

Das spielt vor allem bei ABS, ASA, PA und PC eine Rolle. Eine kontrollierte Umgebung reduziert Temperaturunterschiede innerhalb des Bauteils und damit das Risiko von Warping oder Rissen zwischen den Schichten.

Stromverbrauch

Bei einem Drucker mit beheiztem Bett und aktiver Bauraumheizung spielt der Energiebedarf eine größere Rolle als bei einem offenen PLA-Drucker.

Wir haben deshalb direkt an der Steckdose gemessen.

Stromverbrauch QIDI Plus5

Beim Stromverbrauch zeigt sich erwartungsgemäß ein deutlicher Unterschied zwischen der Aufheizphase und dem eigentlichen Druckbetrieb. Während des Aufheizens der Düse haben wir eine Leistungsaufnahme von 474W gemessen. Heizten Düse und Heizbett gleichzeitig auf, stieg der Wert auf 657W. Mit zusätzlich aktivierter Bauraumheizung erreichte der Plus5 kurzzeitig 875W.

Deutlich niedriger fällt der Verbrauch nach der Aufheizphase aus. Während eines PLA-Drucks haben wir im laufenden Betrieb nur noch rund 180W gemessen. Die hohen Leistungswerte treten somit vor allem beim Aufheizen auf.

QIDI selbst nennt für den Dauerbetrieb bei 25°C Umgebungstemperatur rund 190 Watt bei PLA und 500 Watt bei ABS.

Druckplatte und Haftung

QIDI liefert den Plus5 mit einer doppelseitig verwendbaren magnetischen PEI-Federstahlplatte aus. Die Platte lässt sich nach dem Druck vollständig vom Heizbett abnehmen und leicht biegen.

Die Haftung auf der PEI-Druckplatte war im Test außergewöhnlich gut. Teilweise saßen die frisch gedruckten Bauteile sogar so fest, dass sie sich zunächst nur schwer von der Platte lösen ließen. Nach dem vollständigen Abkühlen änderte sich das jedoch deutlich. Die Bauteile lösten sich dann ohne größeren Kraftaufwand von der Oberfläche.

PLA im Praxistest

PLA stellt für einen modernen CoreXY-Drucker keine besondere Herausforderung dar. Trotzdem eignet sich das Material gut, um Oberflächenqualität, Maßhaltigkeit und das Verhalten bei hohen Geschwindigkeiten zu beurteilen.

Das Druckergebnis hat uns überzeugt. Selbst Überhänge von mehr als 80° meisterte der QIDI Plus5 problemlos und ohne zusätzliche Stützstrukturen. Auch bei unserem knallbunten Modell des „Jokers“ zeigt sich eine saubere Oberfläche. Trotz der komplexen Geometrie sind kaum Ansätze, Unregelmäßigkeiten oder störende Strukturen zu erkennen.

PETG im Praxistest

PETG verlangt eine etwas andere Abstimmung. Das Material neigt stärker zu Fäden und kann bei falscher Einstellung sehr fest an PEI-Oberflächen haften.

Auch hier überzeugte der QIDI Plus5 auf ganzer Linie. Stringing war praktisch nicht vorhanden, selbst zwischen freistehenden Bereichen blieben keine störenden Fäden zurück. Ebenso sauber gelangen die gedruckten Gewinde. Die Konturen waren klar ausgeprägt und ließen sich anschließend problemlos nutzen.

ABS im Praxistest

Bei ABS kann der Plus5 seine geschlossene Bauweise und die aktive Bauraumheizung ausspielen.

Auch mit ABS überzeugte der QIDI Plus5. Selbst Überhänge von 80° bereiteten dem Drucker keine größeren Probleme. Beim ersten Testwürfel zeigte sich allerdings leichtes Warping an den Ecken.

Für einen zweiten Druck haben wir deshalb den Bauraum zunächst auf die vorgesehene Temperatur aufgeheizt und erst anschließend den Druck gestartet. Das Ergebnis war eindeutig. Warping trat nun nicht mehr auf. Der Vergleich zeigt gut, welchen Einfluss die aktive Bauraumheizung gerade bei ABS hat. Für entsprechende Materialien solltet ihr dem Drucker daher ausreichend Zeit geben, den Bauraum vor dem eigentlichen Druck auf Temperatur zu bringen. Bei funktionalen Bauteilen ist dieser Punkt wichtiger als möglichst spektakuläre Geschwindigkeitswerte.

Geschwindigkeit

QIDI gibt für den Plus5 eine maximale Bewegungsgeschwindigkeit von 600mm/s an. Diesen Wert solltet ihr allerdings nicht mit einer konstanten Druckgeschwindigkeit gleichsetzen. In der Praxis bestimmen unter anderem Beschleunigung, Bauteilgeometrie, Material, Volumenstrom und das gewählte Druckprofil die tatsächliche Druckzeit.

Im Test zeigte sich schnell, dass beim Plus5 die Druckqualität vor der maximalen Geschwindigkeit steht. In Sachen Tempo setzt QIDI mit diesem Modell keine neuen Maßstäbe. Dafür überzeugte der Plus5 bei unseren zahlreichen Testdrucken mit einer hohen Zuverlässigkeit und konstant guten Druckqualität. Gerade bei anspruchsvolleren Materialien ist uns das wichtiger als einige Minuten Zeitgewinn.

Lautstärke

Auch die Geräuschentwicklung haben wir gemessen, und zwar aus rund 40cm Entfernung.

  • Bei geöffneter Tür: 76dB(A)
  • Bei geschlossener Tür: 61dB(A)

Die Geräuschentwicklung des QIDI Plus5 würden wir insgesamt als normal für einen geschlossenen CoreXY-Drucker dieser Größe einstufen. Besonders stark störende Motor- oder Lüftergeräusche sowie auffällige Resonanzen konnten wir im Test nicht feststellen.

Eine kleine Ausnahme bildet der PTFE-Schlauch. Bei schnellen Bewegungen schlägt dieser gelegentlich gegen den Glasdeckel, was akustisch ein wenig an ein Anklopfen erinnert. Das Problem lässt sich jedoch einfach entschärfen, indem ihr am höchsten Punkt des Schlauchs ein kleines Stück Isolierband oder eine andere weiche Auflage anbringt.

Für den dauerhaften Betrieb in Wohnräumen würden wir den Plus5 dennoch nur eingeschränkt empfehlen. Dabei spielt die Lautstärke nicht die einzige Rolle. Je nach verwendetem Filament können beim Drucken Partikel und flüchtige Stoffe freigesetzt werden. Trotz des integrierten Filtersystems halten wir deshalb einen gut belüfteten, separaten Raum für den sinnvolleren Aufstellort.

Subjektiv empfanden wir die Lüfter als auffälligsten Geräuschanteil.

Luftfilter

Für den geschlossenen Bauraum integriert QIDI ein dreistufiges Filtersystem. Es besteht aus einem G3-Vorfilter, einem H12-HEPA-Filter und Aktivkohle auf Kokosnussbasis.

Gerade beim Einsatz von ABS und ASA ist eine Filterung sinnvoll. Sie ersetzt allerdings keine geeignete Belüftung des Aufstellraums.

Kamera

Im Bauraum ist eine Kamera mit einer Auflösung von bis zu 1080p verbaut. Damit könnt ihr den Druck aus der Ferne kontrollieren. Auch Zeitrafferaufnahmen werden unterstützt.

QIDI Plus5 KameraQidi Plus5 Kamera

Die Bildqualität der integrierten Kamera reicht für die Überwachung der Druckvorgänge völlig aus. Positiv fällt zudem die Platzierung auf. QIDI hat die Position gegenüber früheren Modellen verbessert, sodass der Druckbereich besser erfasst wird und das laufende Modell gut im Blick bleibt.

Display und Bedienung

Auf der Vorderseite befindet sich ein 4 Zoll großes Touchdisplay mit 800 x 480 Pixeln.

QIDI Plus5 Display  2 QIDI Plus5 Display

Die wichtigsten Funktionen wie Filamentwechsel, Temperatursteuerung, Kalibrierung und den Start lokaler Druckdateien ruft ihr direkt am Gerät auf. Die Bedienung funktioniert zuverlässig, allerdings sollte das Display aus unserer Sicht wirklich nicht noch kleiner ausfallen. Gerade mit größeren Händen sind einige Schaltflächen und Bedienelemente klein geraten.

QIDI Studio und OrcaSlicer

QIDI stellt mit QIDI Studio einen eigenen Slicer bereit. Die Software orientiert sich stark an der bekannten OrcaSlicer-Struktur. Für den Plus5 stehen vorkonfigurierte Profile für unterschiedliche Materialien und Qualitätsstufen zur Verfügung.

Positiv fällt die in QIDI Studio integrierte Filamentdatenbank auf. Hier lassen sich zahlreiche Materialien direkt miteinander vergleichen. Neben klassischen Filamenten wie PLA, PETG, ABS und ASA finden sich auch technische und faserverstärkte Materialien. Die Übersicht liefert unter anderem Angaben zu Zug- und Biegefestigkeit, Zugmodul, Wärmeformbeständigkeit und Kerbschlagfestigkeit. Hinzu kommen praktische Hinweise zur Vorbereitung und zu geeigneten Druckbedingungen. Gerade bei selteneren Materialien bietet die Datenbank damit eine hilfreiche Orientierung.

QIDI Plus5 Filament-Datenbank

Ebenfalls positiv ist, dass QIDI den Plus5 nicht ausschließlich an die eigene Software bindet. Auch OrcaSlicer, PrusaSlicer und weitere Slicer lassen sich einsetzen.

Netzwerk und lokale Nutzung

Der Plus5 unterstützt 2,4-GHz- und 5-GHz-WLAN sowie Ethernet. Dateien könnt ihr außerdem über USB übertragen. Gerade für Werkstätten, Unternehmen und Bildungseinrichtungen ist die Möglichkeit einer lokalen Nutzung interessant.

QIDI Box und Mehrfarbdruck

Der Plus5 ist mit der QIDI Box kompatibel. Damit erweitert ihr das System um automatischen Filamentwechsel sowie Mehrfarb- und Multimaterialdruck.

Laut QIDI lassen sich durch die Kombination mehrerer QIDI-Box-Einheiten bis zu 16 Farben verarbeiten. Wir haben die Box nicht angeschlossen. Wer überwiegend technische Einzelteile aus einem Material druckt, benötigt sie nicht zwingend. Für Mehrfarbdruck oder häufige Materialwechsel erweitert sie die Möglichkeiten jedoch deutlich.

Wartung und Zugänglichkeit

Ein 3D-Drucker dieser Klasse benötigt früher oder später Wartung. Dazu gehören das Reinigen und Schmieren der Führungen, ein Düsenwechsel oder Arbeiten am Extruder und Hotend. Wie beschrieben, haben wir durch das problematische No-Name-Filament einige Reparaturfälle selbst verursacht und konnten dabei gleich ausprobieren, wie wartungsfreundlich der Plus5 tatsächlich ist.

Hier machte QIDI einen guten Eindruck. Mit Unterstützung des kompetenten Supports sowie der online verfügbaren Videos und Schritt-für-Schritt-Anleitungen ließen sich die aufgetretenen Probleme problemlos beheben. Auch weniger alltägliche Arbeiten am Hotend waren dadurch gut nachvollziehbar.

Praxiserfahrung nach längerer Nutzung

Einzelne Testdrucke sagen nur begrenzt etwas über die Zuverlässigkeit eines 3D-Druckers aus. Deshalb haben wir den QIDI Plus5 über einen Zeitraum von 14 Tagen nahezu durchgehend drucken lassen. Dabei kamen rund 220 Druckstunden zusammen und wir verarbeiteten etwa 6 Kilogramm Filament.

Das Ergebnis hat selbst uns überrascht. Abgesehen von den beschriebenen Problemen, die wir durch ungeeignetes No-Name-Filament selbst verursacht hatten, liefen sämtliche Drucke fehlerfrei durch. Druckabbrüche oder technisch bedingte Fehldrucke gab es während des gesamten Testzeitraums nicht. Gerade angesichts der hohen Druckdauer und der unterschiedlichen verwendeten Materialien ist das ein bemerkenswertes Ergebnis.

Testergebnis

Getestet von
Holger Becker

Der QIDI Plus5 hat uns vor allem mit seiner Zuverlässigkeit und konstant hohen Druckqualität überzeugt. In rund 180 Druckstunden mit etwa 6 Kilogramm Filament gab es, abgesehen von unseren selbst verursachten Problemen mit fehlerhaftem No-Name-Filament, keine technisch bedingten Fehldrucke oder Druckabbrüche.

PLA und PETG gelingen sauber, Stringing war praktisch kein Thema und selbst Überhänge von mehr als 80° meisterte der Plus5 ohne Stützstrukturen. Bei ABS zeigte sich der Nutzen der aktiven Bauraumheizung deutlich. Nach dem Vorheizen verschwand das zunächst festgestellte leichte Warping vollständig. Auch das automatische Bed-Leveling, die sehr gute Haftung der PEI-Platte und die umfangreiche Filament-Datenbank in QIDI Studio gefallen uns.

Bei der Geschwindigkeit setzt der Plus5 keine neuen Maßstäbe. Dafür liefert er reproduzierbare Ergebnisse und arbeitet ausgesprochen zuverlässig. Kritik gibt es am kleinen 4 Zoll großen Display und der hohen Leistungsaufnahme während der Aufheizphase. Für Wohnräume würden wir ihn aufgrund der Geräuschentwicklung und möglicher Filamentausdünstungen ebenfalls nur eingeschränkt empfehlen.

Unterm Strich ist der QIDI Plus5 ein sehr zuverlässiger Allrounder für große und anspruchsvolle Drucke. Besonders wer neben PLA und PETG auch ABS oder technische Filamente verarbeitet, profitiert vom geschlossenen und aktiv beheizten Bauraum.

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