Heute wagen wir uns mit dem Test des Tenniix Pro in ein für uns neues Sportsegment: den Racket-Sport. Nachdem wir bereits reichlich Smartwatches, Sportkopfhörer und zuletzt auch Fahrradcomputer getestet haben, nehmen wir nun erstmals eine smarte Ballmaschine unter die Lupe.
Der Tenniix Pro soll Spielern beim Tennis nicht nur Bälle zuspielen. Mithilfe von Kameras soll er das Spiel analysieren und sogar unterschiedliche Gegnertypen imitieren können. Laut dem Hersteller macht ihn das zum „Tennisroboter“, der Preis liegt bei 1.400€. Hinter Tenniix steht Enhanced Sports, das sich auf eine „Revolutionierung des Sports durch Robotik“ spezialisiert hat. Gelingt Tenniix mit dem Pro der große Aufschlag im Racket-Sport, in dem besonders Ballmaschinen immer vielseitiger und erschwinglicher werden? Das findet ihr hier im Test heraus.
Design und Verarbeitung
Tenniix setzt beim Pro auf ein tragbares und funktionales Design. Mit 392 x 271 x 448 Millimetern und einem Gewicht von 8,6 Kilogramm ist das Gerät im eingeklappten Zustand für eine Ballmaschine vergleichsweise kompakt und leicht. Dank Tragegriff und Schultergurt lässt sich der Tennisroboter ordentlich transportieren.
Tenniix bietet die Ballmaschine in „Tiefschwarz“ und „Mintweiß“ an. Unser Testgerät kommt in „Mintweiß“ und kombiniert verschiedene Grau- und Weißtöne. Der Hersteller verwendet leichten, robusten und flexiblen thermoplastischen Kunststoff, wobei die Front teilweise leicht transparent gestaltet ist. Die Grundform ähnelt zunächst klassischen Ballmaschinen, weist aber einige Besonderheiten auf. So besitzt der Tenniix anstelle eines sperrigen ovalen Ballkorbs einen ausklappbaren Korb mit integriertem LED-Feld. Auf der Unterseite lassen sich außerdem vier Standfüße für einen sicheren Halt ausklappen.
Basic und Pro sind grundsätzlich gleich aufgebaut. Beim Pro kommt jedoch das „KI-Vision-Modul“ mit einer Dual-Kamera aus Ultraweitwinkel- und Weitwinkelkamera hinzu. Das Modul lässt sich auch nachträglich am Basic-Modell montieren. Im unteren Bereich sitzt die Ballausgabe. Der 750 Watt starke Motor kann Bälle mit bis zu 120km/h und maximal 5.000 Umdrehungen pro Minute ausgeben. Dieser Bereich dreht sich zudem seitlich und spielt dadurch unterschiedliche Positionen auf dem Platz an.
Rechts befindet sich der austauschbare Akku. Dieser lässt sich per Knopfdruck schnell entnehmen. Der DC-Ladeanschluss liegt allerdings auf der Innenseite des Akkus, sodass ihr ihn nur außerhalb des Roboters laden könnt. In der Praxis störte uns das kaum, da ihr so nicht die komplette Ballmaschine zur Steckdose tragen müsst.
Insgesamt wirkt der Tenniix Pro robust und hochwertig verarbeitet. Auch mehrere harte Balltreffer schadeten weder der Front noch der Klappmechanik. Etwas skeptisch bin ich langfristig beim Drehmechanismus im unteren Bereich. Gerade Ziegelmehl und Sand könnten hier für zusätzlichen Verschleiß sorgen. Im Testzeitraum ließ sich das allerdings nicht abschließend beurteilen.
Lieferumfang
Basic und Pro kommen mit reichlich Zubehör. Enthalten sind ein Spracharmband, ein hochwertiger Schultergurt, eine mehrsprachige Bedienungsanleitung ohne deutsche Übersetzung, ein Netzteil mit DC-Stecker und insgesamt 2,5 Meter langem Kabel, ein austauschbarer Akku sowie ein USB-C-Kabel für das Armband.
Die Pro-Version enthält zusätzlich das „KI-Vision-Modul“, das ihr mit zwei Schrauben an der Vorderseite montiert. Wer zunächst die Basic-Version kauft und später aufrüsten möchte, zahlt für das Modul mit den Dual-Kameras und den AI Features 520 Euro.
Das Spracharmband fällt für meinen Geschmack etwas klobig aus, ist aber praktisch. Ich trug es am Oberarm, da es dort beim Spielen am wenigsten störte. Sind die Sprachbefehle einmal verinnerlicht, wählt ihr Programme und Schwierigkeitsstufen ohne Smartphone aus. Im Test funktionierte die Spracherkennung brauchbar, die Sprachausgabe klingt allerdings ziemlich blechern. Zum schnellen Unterbrechen der Ballausgabe empfand ich die Gestensteuerung als komfortabler. Hier reicht es, die Hand zu heben.
Optional bietet Tenniix einen zusätzlichen Akku für rund 220 Euro sowie ein Transport-Kit mit Rollen und ausziehbarem Griff für etwa 150 Euro an.
Aufbau und Inbetriebnahme
Für die meisten Übungen stellt ihr den Tenniix mittig an die Grundlinie. Anschließend klappt ihr die vier Standfüße sowie den Ballkorb aus. Praktisch: Die einzelnen Korbelemente sind nummeriert und lassen sich dadurch für den Transport schnell in der richtigen Reihenfolge zusammenklappen und arretieren.
Mit einem Balleimer ist die Maschine schnell befüllt. Über 80 Bälle passten in unserem Test problemlos hinein, der Hersteller gibt eine Kapazität von mehr als 100 Bällen an.
Nach dem Einschalten informiert das LED-Feld an der Vorderseite über Status und nächste Schritte. Ist die Tenniix-App installiert, wird der Roboter darin angezeigt. Nach den erforderlichen Updates für Roboter und Spracharmband folgt die Kalibrierung.
Diese ist sinnvoll, da Tennisbälle an Druck verlieren und äußere Einflüsse wie Wind ihr Flugverhalten verändern können. Zur Kalibrierung spielt der Roboter Bälle in zwei Zielzonen, deren Länge ihr anschließend anpasst. Danach kann das eigentliche Training beginnen.
App und Verbindung
Die Tenniix-App (zur Google Play-App, zum App Store) besitzt ein modernes, sportliches Design und steht in mehreren Sprachen zur Verfügung, zum Testzeitpunkt allerdings nicht auf Deutsch. Für die Nutzung mussten wir ein Benutzerkonto beim Hersteller erstellen und uns anmelden.
Die Verbindung zwischen Smartphone und Roboter reichte im Test meist über den gesamten Tennisplatz. Gelegentlich mussten wir uns auf der gegenüberliegenden Seite jedoch in Richtung Netz bewegen, um Programme umzustellen oder Statistiken abzurufen.
Funktional bietet die App zahlreiche Möglichkeiten. Neben vorgefertigten Trainingsprogrammen lassen sich Balllänge, Spin, Intervall, Ballanzahl und Spielrichtung individuell einstellen. Für die meisten Programme sind allerdings eine Registrierung und Anmeldung erforderlich. Insbesondere beim Einsatz in Tennisvereinen ist das nicht optimal. Immerhin lassen sich laut Tenniix mehrere App-Konten mit einem Gerät verbinden, sodass jeder Spieler seine Trainingsdaten im eigenen Konto speichert.
Praxiseinsatz
In der Praxis verspricht Tenniix viel: neun unterschiedliche Schlagarten mit Topspin und Backspin sowie Geschwindigkeiten von bis zu 120km/h. Durch den drehbaren Unterbau spielt die Maschine unterschiedliche Positionen des Platzes an. Die Dual-Kamera des Pro-Modells soll zusätzlich den Spieler verfolgen und dessen Schläge analysieren.
Am komfortabelsten ließ sich der Tenniix Pro über die App bedienen. Grundsätzlich stehen dort die beiden Bereiche „Training“ und „Match“ zur Verfügung. Im Trainingsbereich gibt es wiederum „Skill Drills“, „Custom Drills“, „Tracking Drills“ und „Recovery Drills“. Nach einem App-Update stehen laut Hersteller inzwischen 25 vorgefertigte Trainingsübungen zur Auswahl.
Die „Skill Drills“ eignen sich besonders, wenn gezielt einzelne Schläge verbessert werden sollen. Wer beispielsweise mit einem bestimmten gegnerischen Schlag Probleme hat, kann diesen kontinuierlich trainieren. Selbst Returns lassen sich üben, wenn ihr die Maschine entsprechend am Aufschlagfeld positioniert. Bei vielen Übungen passt ihr zusätzlich Richtung und Länge des Balls an.
Deutlich umfangreicher fallen die „Custom Drills“ aus. Hier stellt ihr Spin, Platzierung, Geschwindigkeit, Winkel, Intervall und Ballanzahl detailliert ein. Mehrere unterschiedlich konfigurierte Bälle lassen sich anschließend zu komplexeren Schlagsequenzen kombinieren. Dieser Modus bietet vor allem für erfahrene Spieler und Trainer zahlreiche Möglichkeiten.
Bei den „Tracking Drills“ verfolgt die Dual-Kamera den Spieler. Der Tenniix spielt den nächsten Ball erst, wenn sich der Spieler in der vorgesehenen Position befindet. Das LED-Feld zeigt dabei an, in welche Richtung er sich bewegen soll.
Die „Recovery Drills“ legen den Schwerpunkt stärker auf die Bewegung zwischen den Schlägen. Dafür legt ihr einen eigenen „Recovery Spot“ fest. Nach einem Schlag muss der Spieler zunächst dorthin zurückkehren, bevor der nächste Ball folgt. Ballanzahl und Intervalle passt ihr auch hierbei an.
Mit diesen Trainingsprogrammen ist der Tenniix Pro enorm variabel einsetzbar. Besonders positiv fiel die Präzision auf. Mit Tennisbällen vergleichbarer Spieleigenschaften lagen wiederholt angespielte Bälle meist höchstens rund 25 Zentimeter auseinander. Mit einem menschlichen Zuspieler ist eine solche Konstanz kaum erreichbar. Auch die vorgesehenen Zielbereiche traf die Maschine überwiegend zuverlässig.
Probleme zeigten sich vor allem bei sehr langen Bällen. Sollten sie knapp vor der Grundlinie landen, blieben sie häufig etwa einen Meter davor. Bei sehr schnellen Schlägen ist außerdem der Lüfter deutlich hörbar, wodurch sich teilweise schon akustisch erahnen lässt, dass gleich ein schneller Ball folgt. Weniger überzeugend waren für mich die Slice-Bälle. Diese werden vergleichsweise hoch angespielt und entsprechen dadurch nicht unbedingt dem Ball, den ihr von einem menschlichen Gegner erwarten würdet.
Sehr gelungen finde ich dagegen das LED-Feld. Es zeigt während des Trainings an, welcher Schlag als Nächstes folgt oder welche Aktion der Spieler ausführen soll. Noch interessanter wird es im Matchmodus.
Dieser ist für mich der Kern des Tenniix Pro. Einen Matchmodus hat zwar auch das Basic-Modell, nur der Pro kann aber im Challenge-Modus eure Schläge werten und den nächsten Ball an euren Return anpassen. Das ist eines der größten Kaufargumente gegenüber dem Basic-Modell. Hier versucht der Tennisroboter, verschiedene Gegnertypen zu imitieren. Zur Auswahl stehen unter anderem Slice- und aggressive Spieler, Konterspieler, Spieler mit häufigen Richtungswechseln, Rhythmusspieler sowie Varianten mit starkem Spin. Die Schwierigkeit lässt sich in drei Stufen einstellen.
So spielt ihr eine Rally gegen den gewählten Spielertyp, während das LED-Feld zusätzliche Hinweise liefert.
Im Challenge-Modus nutzt der Roboter schließlich das KI-Vision-Modul stärker. Ihr tretet hier in einer Challenge über 20 Bälle gegen einen wählbaren KI-Gegner an: Das Kamerasystem erkennt Spieler und Rückschlag, wertet jeden Schlag und wählt anhand eures Returns den nächsten Ball. Den Punktestand zeigt das LED-Feld. Nach der Challenge liefert die App laut Tenniix einen Bericht mit Höchstgeschwindigkeit, Schlagzahl, Landepunkten und Gesamtpunktzahl. Anders als im normalen Matchmodus müsst ihr dafür das Spracharmband tragen, denn es erfasst zusammen mit dem KI-Vision-Modul eure Position auf dem Platz. Die Dual-Kamera analysiert die eigenen Schläge und erkennt, ob ein Ball im Feld landet. Außerdem ermittelt sie die Geschwindigkeit. Bei den meisten Bällen funktionierte das in unserem Test gut. Bei knapp an der Grundlinie platzierten Schlägen kam es allerdings vereinzelt zu Fehleinschätzungen. Einige Bälle wurden als Aus gewertet, obwohl sie noch innerhalb des Feldes gelandet waren.
Das Spracharmband
Alternativ zur App steuert ihr den Tenniix über das Spracharmband. Dadurch kann das Smartphone während des Trainings im Rucksack bleiben. Zusätzlich unterstützt der Roboter Gesten. Durch das Heben der Hand lässt sich die Ballausgabe schnell unterbrechen, was im praktischen Training überraschend hilfreich ist.
Insgesamt sehe ich den Tenniix Pro als sehr gute Ergänzung zum klassischen Tennistraining, jedoch nicht als Ersatz für einen Trainer oder Spielpartner. Seine größte Stärke liegt in der Reproduzierbarkeit. Bestimmte Bälle und Bewegungsabläufe wiederholt er dutzende Male nahezu identisch.
Was fehlt, ist das individuelle Feedback eines Trainers. Der Roboter kann zwar Daten erfassen und Schläge teilweise analysieren, technische Fehler aber nicht so erkennen, erklären und korrigieren wie ein erfahrener Trainer. Auch ein echter Ballwechsel entsteht naturgemäß nicht, da die Maschine den zurückgespielten Ball nicht tatsächlich verarbeitet.
Damit ist der Tenniix Pro kein vollwertiger Trainerersatz. Als vielseitiges Trainingsgerät bietet er allerdings Möglichkeiten, die klassische Ballmaschinen in dieser Form nicht liefern.
Akku
Der austauschbare Lithium-Ionen-Akku besitzt eine Kapazität von 7.000mAh. Tenniix verspricht eine Laufzeit von bis zu vier Stunden, die wir im Test erreichen konnten. Durch längere Pausen hielt der Akku bei uns sogar noch länger. Damit reicht die Kapazität problemlos für ein längeres Einzeltraining. Auch beim Training mehrerer Gruppen sollte eine Akkuladung in vielen Fällen ausreichen.
Geladen wird der Akku mit dem mitgelieferten DC-Netzteil. Dass er sich entnehmen lässt, erweist sich dabei als praktisch, da ihr nicht die komplette Ballmaschine zur Steckdose tragen müsst. Weniger gelungen ist der innenliegende Ladeanschluss, durch den ihr den Akku zum Laden zwingend aus dem Tenniix Pro nehmen müsst. Tenniix begründet die Lage damit, dass die Buchse so beim Training vor Staub und Schmutz geschützt ist.
Sollte eine Akkuladung nicht ausreichen, bietet Tenniix einen zusätzlichen Akku an. Angesichts der bereits guten Laufzeit dürfte dieser für die meisten Nutzer jedoch kaum notwendig sein.
Testergebnis
Der Tenniix Pro ist eine hervorragende, vielfältige, smarte Ballmaschine, die mich nachhaltig beeindruckt hat. Der Hersteller wirbt damit, dass sich mit ihm sogar Trainerstunden einsparen lassen. Ganz so weit würde ich jedoch nicht gehen. Zwar bietet er deutlich mehr als eine klassische Ballmaschine: Dank Kamera und KI analysiert er Schläge, verfolgt den Spieler auf dem Platz und passt die Ballzuspiele situativ an. Dennoch halte ich die Bezeichnung „Tennisroboter“ für etwas überzeichnetes Marketing. Letztlich ist der Tenniix Pro eine sehr moderne und intelligente Ballmaschine, die mit einigen innovativen Funktionen überzeugt und sich deutlich von herkömmlichen Modellen abhebt. Diese Zusatzfunktionen arbeiten größtenteils zuverlässig und erweitern die Trainingsmöglichkeiten spürbar. Einen Trainer oder echten Spielpartner ersetzt das System aber nicht. Gerade individuelles Techniktraining, taktische Hinweise oder die gezielte Korrektur von Fehlern kann die KI derzeit noch nicht in der Qualität eines erfahrenen Trainers leisten.
Unabhängig davon gehört der Tenniix Pro zu den vielseitigsten und innovativsten Ballmaschinen, die wir bislang gesehen haben. Die hohe Präzision, die umfangreichen Trainingsmöglichkeiten, der gelungene Matchmodus und die insgesamt gute App sorgen für einen echten Mehrwert im Trainingsalltag. Besonders ambitionierte Freizeitspieler, Vereinsspieler und Trainer profitieren von den nahezu unbegrenzten Wiederholungsmöglichkeiten und den variablen Übungsszenarien. Kleinere Schwächen bei der Schlagsimulation, der Analysegenauigkeit und der teilweise verpflichtenden Kontoanbindung trüben den ansonsten sehr positiven Gesamteindruck nur leicht. Wer bereit ist, den hohen Anschaffungspreis von knapp 1.400€ zu investieren, erhält mit dem Tenniix Pro eine außergewöhnlich leistungsfähige Trainingshilfe, die klassische Ballmaschinen in vielen Bereichen deutlich hinter sich lässt.
Für Vereine könnte hingegen der verpflichtende Account mit Anmeldung in der App ein Kritikpunkt sein. Wer auf die kameragestützten KI-Funktionen verzichten kann und in erster Linie eine moderne, flexibel einsetzbare Ballmaschine sucht, sollte auch einen Blick auf die Basic-Version werfen. Diese ist mit knapp 900 Euro deutlich günstiger, bringt bereits das Spracharmband sowie die umfangreichen Trainingsmöglichkeiten mit und bietet damit ebenfalls einen spürbaren Mehrwert für das Einzeltraining. Lediglich die Funktionen, die auf die Dual-Kamera angewiesen sind, wie die Spielerverfolgung, Schlaganalyse oder die erweiterten Match- und Challenge-Modi, bleiben der Pro-Version vorbehalten.
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