Telekom spricht sich gegen die Abschaltung der Kupfernetze bis 2035 aus
Der führende Branchenverband europäischer Telekommunikationsnetzbetreiber Connect Europe hat sich in einem Papier gegen die Abschaltung der Kupfernetze bis 31. Dezember 2035 ausgesprochen. Den Ausstieg aus der Technologie plant die Europäische Union im Rahmen des Digital Networks Act.
Die EU möchte über diesen Hebel vor allem den Ausbau der weitaus zukunftsfähigeren Technologie Glasfaser forcieren. Besonders ökologisch und ökonomisch sinnvoll sei der Doppelbetrieb beider Netze ebenfalls nicht. Netzbetreiber wie die Telekom sehen in dem Vorstoß eine Grenzüberschreitung und möchten den Ausstieg lieber selbst organisieren.
Connect Europe sieht rechtliche Hürden bei der Kupferabschaltung
Der Digital Networks Act ist ein Vorschlag der EU-Kommission, der „den Rechtsrahmen für die Konnektivität modernisieren [wird]“. Ein Teil des Gesetzentwurfs behandelt auch die Abschaltung des Kupfernetzes aus verschiedenen Gründen bis Ende 2035.
Der Branchenverband Connect Europe bezeichnet dieses Vorgehen als „Stilllegung privater Kupferinfrastruktur“, und dies würde „im Wesentlichen einer Form der indirekten Enteignung ohne Entschädigung gleichkommen“. Das Gutachten von Prof. Mastroianni wirft der EU vor, fundamental gegen die EU-Grundrechtecharta zu verstoßen.
Darüber hinaus habe sich die EU möglicherweise mit der Rechtsgrundlage verspekuliert, da der zugrundeliegende Artikel 114 AEUV für die Harmonisierung des Binnenmarktes gedacht sei, nicht aber für von oben herab geführte Industriepolitik. Das Gutachten bemängelt zudem die fehlende Verhältnismäßigkeit, vor allem auch weil die Wahlfreiheit von Nutzern in solchen Gebieten, in denen beide Anschlussarten verfügbar sind, eingeschränkt werde.
Auch das Argument der Ökologie will Connect Europe nicht gelten lassen. Zwar ist Glasfaser in der Tat die umweltfreundlichere Technologie, aber diese Vorteile würden schnell verpuffen, wenn funktionierende Kupferleitungen und Hardware wie Modems abgerissen und entsorgt werden müssen. Ein weiterer Pluspunkt: Kupferkabel führen Strom, sodass einige Telefone und manche Alarmsysteme auch bei einem lokalen Stromausfall funktionieren. Diese Redundanz würde bei einer Abschaltung verloren gehen. Zuletzt sieht das Gutachten des italienischen Juristen auch noch das Subsidiaritätsprinzip verletzt.
Unsere Einschätzung
Die Europäische Union möchte die digitale Infrastruktur des Kontinents verbessern und vor allem chronischen Nachzüglern wie Deutschland Feuer unter dem Hintern machen. Betreiber von Kupfernetzen sehen das selbstverständlich ganz anders.
Unserer Meinung nach ist die Beschleunigung des Glasfaserausbaus der richtige Schritt. Das komplett funktionsfähige Kupfernetz dafür abzuschalten, finden wir aber auch nicht richtig. Ich sehe mich durchaus als Power-User und komme mit den Geschwindigkeiten von DSL gut zurecht. Auch die Stabilität der Technologie ist gegenüber Kabel, das bei solchen Debatten nie von der Abschaltung bedroht zu sein scheint, um ein Vielfaches besser.
Allerdings ist das natürlich ein hitziges Thema. Daher sind wir besonders gespannt auf eure Meinung in den Kommentaren!
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In Spanien kriege ich bei Digi 10 GBs Glasfaser für 25€ im Monat. Wenn wir Glück haben ist Deutschland in 20 Jahren so weit.
Also ich kann das ganze mit der Kupferkabel Abschaltung irgendwie so ganz und gar nicht verstehn, geschweige denn überhaupt nachvollziehen, denn nach der Wende wurde beispielsweise in Greppin (und sicherlich auch in zahlreichen anderen Gegenden) der angrenzende Industrie Park auf Teufel komm raus mit Internet ausgebaut, als man dann endlich damit fertig war stellte man ganz überrascht fest das gut 90% des eigentlich dafür vorgesehene Budget aufgebraucht wurde und so wurde Greppin nur noch notdürftig auf gerade mal 2000 MB/s ausgebaut wovon jedoch tatsächlich gerade mal nur 470kb/s ankamen was quasi nur noch zum Telefonieren ausreichend war, von Internet Radio… Weiterlesen »
Das Problem ist, dass ewig Gestrige auch hier in den Kommentaren schreiben “mir reicht das aktuell, ich brauche erstmal nicht mehr”. Es geht doch garnicht um euch persönlich, oder um die kommenden 10 Jahre. Es geht darum das Land und die EU zukunftsfähig zu machen – für die nächsten 50-100 Jahre. Dafür muss der Grundstein jetzt gelegt werden und nicht erst, wenn der Schuh drückt. Denn diese “reicht doch” Einstellung ist genau der Grund, warum wir technologisch so hinterherhinken und einen gigantischen Investitionsbedarf vor uns haben. Jeh später wir das angehen, desto teurer wird das alles (vor Allem pro Fiskaljahr).… Weiterlesen »
Servus, danke für deinen Beitrag – ich stimme dir voll und ganz zu.
Das Schöne ist ja: Genau diejenigen, die jetzt „mir reicht das doch” schreiben, sind in ein paar Jahren wieder die Ersten, die sich über zu langsames Internet aufregen 😅.
Und ja, manche Dinge muss man eben erzwingen, auch wenn das Vorgehen unpopulär ist. Die Kommentare hier zeigen ziemlich eindeutig, warum die EU an der einen oder anderen Stelle ordentlich Feuer unterm Hintern machen muss.
Beste Grüße
Jonas
Nein nein es geht eben um die Zukunft. In vielen Ländern die uns weit vorraus sind wird alles über Mobilfunk gemacht. Die haben das Kabel überspungen
Wozu den die Kabel verlegen?
Grüße
Servus, das ist etwas zu kurz gedacht – keiner hat das Kabel übersprungen, im Gegenteil. China ist z.B. der mit Abstand größte Glasfasermarkt der Welt: über 500 Mio. FTTH-Anschlüsse, praktisch flächendeckend, und sie bauen weiter überall aus, oft lange bevor dort überhaupt Gebäude stehen. „Alles über Mobilfunk” stimmt eher für ärmere Länder, die den Festnetz-Schritt aus Kostengründen übersprungen haben – nicht für die, die uns technologisch voraus sind. Und der Grund ist simpel: Mobilfunk teilt sich die Funkzelle. Versuch mal in China zur Stoßzeit mobil ins Netz zu kommen, dann merkst du, wo das Problem liegt. Gleiches gilt fürs geteilte… Weiterlesen »
Und was ist mit Norwegen, Finnland, etc…
Da leben zwar nicht so viele Menschen wie in China oder Indien aber arm sind die bestimmt nicht.
Aber für Massen die auch “ferngesteuert” werden müssen ist bestimmt das Kabel eine Lösung 🙂
Servus, ich weiß nicht, woher du deine Infos hast, aber gerade die nordischen Länder sind beim Glasfaserausbau führend 😉. Die Zahlen sprechen für sich – damit ist das Thema hier für mich durch.
Beste Grüße
Jonas
Und was auch noch dazu kommt: Mobilfunkmasten, sowie auch Verteiler für Kabel und DSL, sind mittlerweile sowieso so gut wie immer über die Glasfaser angebunden. Es macht wirklich nur Sinn, die Faser dann auch noch die letzten paar Meter ins Haus zu führen.
Viele Grüße
Benjamin
Ich sehe Parallelen zu verschiedenen Industrien (Energie, Mobilität): Schön zurücklehnen und mit dem zufrieden sein, was man hat. Es funktioniert ja (vor allem kann man’s melken!). Und dann plötzlich der Schreck, wenn quasi die Welt an einem vorbei zieht.
Der Umweltschutzgedanke ist Unsinn, da der Investitionsbedarf/Umbaubedarf sowohl von der Straßenanbindung als auch von der Hausanbindung dieses Ziel vollkommen konterkarriert (und ins Gegenteil verkehrt).
Abgesehen davon besteht in meinem Usecase bei aktuell DSL (40/250) keinen Zusatznutzen von Glasfaser. In einer Wohnung hatte ich tatsächlich mal eine Glasfaserverbindung vor 2 – 3 Jahren und diese hatte die Vertragsgrenzen der Geschwindigkeit nicht erreicht und war zudem die instabilste Verbindung, die ich jemals hatte.
Und wer weiß schon, was die Zukunft bringt – ich sehe hier eher drahtlose Verbindungen mittels Mobilfunk im Kommen.
Mein DSL 250 läuft Superstabil mit Kupfer. Ich hätte durch Glasfaser keinerlei Vorteile, aber würde circa 10 Euro pro Monat mehr bezahlen. Macht so keinen Sinn.