Nothing in der Krise? – Marktrückzug, Entlassungen und CMF auf Eis
Inhaltsverzeichnis
Nothing war in den vergangenen Jahren eine der kleinen und eher unscheinbaren, aber aufstrebenden Smartphonemarken. Das klappte zunächst ähnlich gut wie einst bei OnePlus und das war gewiss kein Zufall, denn Carl Pei hat OnePlus damals mit Oppo im Rücken mitgegründet und ist seit Beginn der Strippenzieher bei Nothing. Die Vermarktung als europäische Smartphonemarke mit englischem Sitz war dem Unternehmen ebenso wichtig wie sein spezielles Designkonzept, das offen gestanden mehr auf Marketing als auf Realität beruhte. Jedenfalls hören die Parallelen zu OnePlus nicht auf, denn jetzt kommen über die indische Nachrichtenplattform Digit.in Gerüchte zu einer massiven Krise auf. Und ebenso wie OnePlus noch vor einigen Monaten dementiert auch Nothing die Berichte drastisch als Fake News.
Die Fakten im Überblick
Digit.in spricht von 40% Abbau der Belegschaft, vom Rückzug aus zwölf oder mehr Märkten, etwa Japan, dem Nahen Osten und Teilen Europas, sowie von Kürzungen in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen in China um 50% und im Hauptsitz in London um 30 bis 40%. Auch spricht die indische Primärquelle davon, dass nur 20.000 Einheiten des Nothing Phone 4b ausgeliefert wurden und seit Ende März insgesamt 150.000 Einheiten des Phone 4a und 4a Pro. 2025 hat Nothing hingegen laut eigenen Angaben zwei Millionen Geräte ausgeliefert. Das wäre in diesem Jahr bei Weitem nicht mehr zu schaffen und für ein Unternehmen, das solche Zahlen schon einmal erreicht hat, wäre ein derartiger Rückgang das Ende. Aber Nothing reagiert und spricht von Fake News.
⚠️FAKE NEWS… We are not shutting down any markets. Inaccurate reports are being circulated; Phone (4b) sold 29,537 units on Day 1 only, breaking records in its price segment.
What we are doing is reorganising our teams to prepare for our next phase of growth. We are… pic.twitter.com/gjA8A8GGfM
— Akis Evangelidis (@AkisEvangelidis) July 24, 2026
Gerade Indien laufe im Audiobereich und insgesamt als Markt stark. Für uns hier ist das schwer einzuschätzen, aber dass Nothing gerade in der Mittelklasse zu den größeren Playern gehört, da winken wir für Europa definitiv ab. Spannend wird es beim Statement von Mitgründer Akis Evangelidis zur aktuellen Situation auf X. Die Entlassungen und die Reorganisation werden bestätigt, zudem baut Nothing eine neue KI-fokussierte Geschäftseinheit auf. Das klingt nicht gut und allein der angebliche KI-Fokus eines „Mini“-Handyherstellers spricht für massive Probleme im Hintergrund. Es wirkt, als wäre Nothing hier ertappt worden und wollte sich still und heimlich davonschleichen. Die Verkaufszahlen von 20.000 Einheiten des Nothing Phone 4b werden ebenfalls dementiert. Nothing selbst spricht im Post von 29.537 Einheiten am ersten Tag. Die konkreten Entlassungszahlen von Digit.in werden nicht bestätigt, aber das indische Newsportal gibt an, dass Nothing zuvor eine Woche Zeit zur Stellungnahme hatte und in dieser Zeit nichts inhaltlich dementiert hat.
Hintergrund und Speicherkrise
Genaueres zum RAMageddon könnt Ihr in unserem Artikel zur Speicherkrise nachlesen. Die extrem gestiegenen Hardwarepreise dürften der Hauptgrund für die Probleme bei Nothing sein. Wenn auf dem Smartphonemarkt neue Geräte ausbleiben und das Werbebudget gekürzt wird, dann ist es schnell vorbei mit einer der am schnellsten wachsenden Marken der Welt. Nothing konnte auf vielen Märkten schnell Erfolge erzielen und hat solide Hardware zu fairen Preisen angeboten. Das ist in der aktuellen Situation kaum möglich, denn schlechtere Nachfolger würden inzwischen mehr Geld kosten. Ein krasses Problem in der Mittelklasse, das auch allen anderen Herstellern zu schaffen macht. Bei Nothing führt es aber augenscheinlich und auch nachvollziehbar zu Geldproblemen und Massenentlassungen.
CMF bringt kein neues Gerät 2026
Dass eine Mittelklasse-Marke wie Nothing nochmals eine Tochtermarke wie CMF etablierte, war ebenfalls ein schöner Move und kam gerade bei Euch gut an. Auf unserer Seite waren die CMF-Phones die beliebteren Geräte, da Nothing für die eigentliche Mittelklasse-Hardware immer etwas zu teuer war. Aber bei CMF kriselt es noch deutlicher und das CMF Phone 3 Pro wurde komplett gestrichen. Laut Evangelidis soll es 2026 gar kein neues Smartphone geben. Dabei war die Marke gerade in Indien erfolgreich und genau da liegt das Problem. Das neue Phone würde bei schlechterer Hardware schlicht viel mehr kosten als der Vorgänger. Ein Problem, das nahezu alle Smartphonehersteller erwartet, das Branchenriesen aber deutlich besser abfedern können. Der CMF-Indien-Chef Himanshu Tandon ist jedenfalls zurückgetreten und laut Digit.in soll der bisherige CMF-Verantwortliche nicht mehr dort arbeiten. Allerdings kommunizierte Nothing hier schon vor einigen Wochen proaktiv: CMF werde nicht eingestellt, sondern pausiert, weitere Smartphones seien in Aussicht.
Unsere Einschätzung und Branchenkontext
Das von Carl Pei mitgegründete OnePlus hat am 16. Juli 2026 seinen offiziellen Rückzug aus Europa bekanntgegeben. Die Marke wird fast komplett durch den Mutterkonzern Oppo ersetzt und die Parallele sehen wir in der Kommunikation, denn auch hier kamen die Gerüchte schon vor Monaten aus Indien und wurden von OnePlus massiv dementiert. Gleiches sehen wir bei Carl Peis aktueller Smartphonemarke Nothing: Gerüchte aus Indien und ein Dementi auf X, aber zuvor keine Reaktion auf Rückfragen. Zumindest zeichnet die Primärquelle Digit.in dieses Bild. Die Speicherkrise ist knallhart und Budgethersteller, die ohnehin geringe Gewinnmargen haben, werden sie wohl kaum durchstehen. Selbst wenn Nothing und CMF in Indien stark wachsen, ist die Basis klein, und wenn gleichzeitig alle anderen Märkte einbrechen, dürfte it für die Marke schwer werden. Marktanteile in Europa reichen jedenfalls sicher nicht aus, um ein gesundes Unternehmen zu betreiben.
Wachsende Kritik gab es bei Nothing zuletzt ohnehin, denn Werbung und Bloatware waren plötzlich ein Thema. Klar, auch kleinere Hersteller müssen irgendwo Geld verdienen, wenn sie in der Mittelklasse mit Xiaomi konkurrieren wollen. Zudem gab es zunehmende Kritik an der Updatepolitik und natürlich kostet jedes verkaufte Gerät der letzten Jahre noch lange weiter Geld, wenn ein Hersteller Wert auf Updates legt. Und genau das hatte Nothing von Beginn an betont.
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Der Hype um diese glymph ist mittlerweile vorbei, die Benutzeroberfläche nichts besonderes mehr, ich denke, das war’s mit nothing
Vielleicht gab es deswegen in den letzten Wochen so viele günstige Angebote von Nothing?
Vielleicht steht Nothing kurz von dem Aus? Dann gibt es auch keine Supportverpflichtungen mehr.
Es ist halt alles nur noch Einheitsbrei. Und das Umziehen auf ein neues Gerät ist immer noch ultra nervig und mit viel Aufwand oder Datenverlust verbunden. Zudem werden die Geräte auch noch immer teurer und erfüllen oft weniger die Bedürfnisse als Altgeräte. Ich werde auch bei meinem Redmi Note 11 Pro 5G bleiben bis irgendwas kaputt geht. Ich habe Null Motivation auf ein neues Gerät zu wechseln. Schon gar nicht wegen blinkenden LEDs auf der Rückseite, die eh vom Case verdeckt ist.
Mittlerweile geht’s mit dem Umzug eigentlich. Bei Xiaomi bekommst du zum Beispiel einen QR-CODE auf dein altes Gerät, den du mit dem Neuen scannst, und dann hast du sofort alle Einstellungen und Daten (Wlan-Passwort, Telefonnummern, Apps … ect) auf dem Smartphone. Mein Wechsel vom Redmi Note 9 Pro aufs F7 war deswegen erstaunlich unkompliziert.
Potentielle Interessenten werden durch solche Meldungen jetzt natürlich erst recht abgeschreckt, da überhaupt nicht klar ist, ob Nothing noch die nächsten Jahre überstehen wird und seine Supportverpflichtungen einhalten kann. Das könnte eine unkontrollierbare Abwärtsspirale für den kleinen Hersteller auslösen.