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Wie im letzten Jahr haben wir auch dieses Jahr wieder zwei E-Scooter parallel im Test: den Navee UT5 Max und den Navee XT5 Max. Mit ca. 1.000€ ist der Navee UT5 Max kein Schnäppchen mehr. Dafür erhaltet ihr einen E-Scooter mit einer Spitzenleistung von 2.400W, einem 716Wh starken Akku bei 46,8V, hydraulischen Stoßdämpfern sowie großen, schlauchlosen, luftgefüllten 12-Zoll-Reifen mit Pannenschutzfunktion. Das klingt spannend. Im folgenden Test prüfen wir den Navee UT5 Max auf Herz und Nieren.
Dem Navee UT5 Max liegt eine ABE (Allgemeine Betriebserlaubnis) in Form eines Datenblatts bei. Damit dürft ihr ihn im deutschen Straßenverkehr betreiben. Zuvor müsst ihr ihn versichern und ein Kennzeichen anbringen. Die Versicherung könnt ihr beispielsweise bei Check24 suchen und direkt online abschließen.
Lieferung und Aufbau
Der Navee UT5 Max kommt als normales Paket und ist sehr gut verpackt. Da es sich um einen großen E-Scooter handelt, könnt ihr den Karton nicht alleine bewegen. Bei der Paketannahme benötigt ihr aufgrund der Abmessungen und des Gewichts von knapp 40kg eine zweite Person. Es gibt nicht viel zu montieren: Lediglich den oberen Teil der Lenkstange müsst ihr in das Rohr einstecken und festschrauben. Die meiste Zeit benötigt ihr für das Auspacken.
Zum Lieferumfang gehören:
- der vormontierte E-Scooter mit allen Teilen (lediglich der Lenkkopf muss noch festgeschraubt werden)
- Ladegerät mit deutschem Stecker
- Inbusschrauben und Inbusschlüssel für die Lenkkopfbefestigung
- Bedienungsanleitung (auch in deutscher Sprache)
- CE-Erklärung (die braucht ihr nicht)
- Datenblatt (eine Datenbestätigung mit Seriennummer und FIN des E-Scooters)
Achtung, wichtig für den Betrieb in Deutschland! Der E-Scooter muss zwingend über eine FIN (Fahrzeugidentifikationsnummer) verfügen. Beim Navee UT5 Max befindet sich diese an der Unterseite des Trittbretts. Zudem benötigt ihr eine Datenbestätigung mit der identischen FIN und der Seriennummer des E-Scooters. Es gibt keine Möglichkeit, diese im Nachgang zu erhalten (außer vom Hersteller). Ohne diese Dokumente könnt ihr den E-Scooter nicht zulassen oder betreiben und das Gerät ist somit wertlos.
Technische Daten
- mechanische Scheibenbremse (130mm) vorn und hinten
- elektronische Motorbremse
- 500W Heckmotor Nenndauerleistung (2.400W Spitzenleistung)
- 46,8V / 15,3Ah / 716Wh Akku (Ladezeit 7h, mit optionalem Ladegerät 2h)
- 150kg Tragfähigkeit
- 34kg Eigengewicht
- Reifen: 12 x 3,1 Zoll (30,4cm x 8cm)
- Bodenfreiheit 14cm
- Geschwindigkeit 22km/h
- Reichweite 40km (gemessen auf Fahrstufe S mit 22km/h bei 35°C und ein paar Steigungen)
- Schutzklasse IPX6 (Schutz gegen starkes Strahlwasser aus einem beliebigen Winkel)
Wir haben das Video mit einem Oppo Find X7 und die Fahrszenen mit einer Insta360 X3 Kamera aufgenommen.
Praxistest und Fahrverhalten
Mit einer Körperlänge von 175cm und Schuhgröße 45 stehe ich auf dem großen Trittbrett des Navee UT5 Max sehr gut und komfortabel. Dank der großzügigen Bodenfreiheit von 14cm könnt ihr auch problemlos über Bordsteinkanten und Ähnliches fahren, ohne aufzusetzen.
Die hydraulische Federung in Verbindung mit den luftgefüllten Reifen funktioniert ausgezeichnet und auch auf Kopfsteinpflaster bleibt der Navee UT5 Max ruhig. Zum Starten müsst ihr ihn manuell auf 3km/h anschieben (einstellbar auf 3, 4 oder 5km/h). Erst dann reagiert er auf den Gasgriff. Navee wirbt mit einem besseren Fahrverhalten bei aktiviertem elektronischem Traktionssystem (TCS). Eigentlich regelt so ein TCS ja das Durchdrehen beim Beschleunigen – Navee lässt es hier aber auch ins Bremsverhalten eingreifen. Mit aktiviertem TCS reagiert die Motorbremse deutlich kontrollierter und das Hinterrad blockiert seltener. Navees Motorbremse ist softwareseitig noch nicht komplett ausgereift und reagiert ein wenig unkontrolliert. Sie bremst nicht synchron zur Betätigung der Bremshebel. In Kombination mit der Rekuperation ist das Fahrverhalten gewöhnungsbedürftig. Lasst ihr den Gasgriff los, beginnt die Motorbremse zu bremsen. Betätigt ihr dann den Bremshebel, gibt die Motorbremse kurz frei und greift dann zusammen mit der Scheibenbremse wieder ein. Das führt zu einem deutlichen Lastwechsel, an den ihr euch zunächst gewöhnen müsst.
Bremsen und Antrieb
Obwohl Navee hier nur mechanische statt hydraulischer Scheibenbremsen verbaut, bringt das System den Scooter zügig zum Stehen. Auch mit TCS neigt das Hinterrad beim kräftigen Bremsen noch zum Blockieren – seltener als ohne, aber es passiert. Das fühlt sich zwar nicht unsicher an, allerdings nutzt sich das Profil des Hinterreifens dadurch schneller ab. Ohne TCS blockiert das Hinterrad noch früher.
- Scheibenbremse vorn
- Scheibenbremse hinten
Der Navee UT5 Max verfügt über drei Fahrstufen. Im Fußgängermodus sind es 6km/h, eine Geschwindigkeit, bei der ihr schon fast Angst bekommt, umzukippen. Im Eco-Modus habt ihr die größtmögliche Reichweite bei einer Begrenzung auf 15km/h. Im Sport-Modus schöpft der Navee UT5 Max die zulässigen 20km/h voll aus und beschleunigt auf 22km/h (per GPS gemessen). Zusätzlich könnt ihr über die Boost-Taste ein kräftigeres Beschleunigen aktivieren, um am Berg besser anfahren zu können. Da der Navee UT5 Max eine beachtliche Spitzenleistung von 2.400W bietet, müsst ihr euch im Boost-Modus ordentlich am Lenker festhalten. Ich fand lediglich einen sehr steilen Hügel, bei dem der Scooter an seine Grenzen stieß. Ich kam zwar noch hinauf, oben betrug die Geschwindigkeit aber nur noch 10km/h. Alle anderen Steigungen meisterte der Navee UT5 Max mit voller Geschwindigkeit.
Nur zur Einordnung: Die 500W sind die Nenndauerleistung, auf die die ABE-Version gedrosselt ist. Kurzzeitig – etwa am Berg oder beim Anfahren – drückt der Motor die vollen 2.400W raus. International listet Navee teils 700W, das ist aber nicht die deutsche Straßenversion.
Handling
Die gummierten Griffhülsen liegen angenehm in der Hand und alle Bedienelemente sind gut zu erreichen. Die Klingel ist in den linken Bremshebel integriert und erzeugt einen gut hörbaren Ton. Trotz seiner Größe und seines hohen Gewichts fährt sich der Navee UT5 Max genauso gut wie deutlich kleinere und leichtere Scooter. Der Lenkeinschlag ist grundsätzlich in Ordnung, das manuelle Rangieren (z. B. im engen Keller) gestaltet sich aufgrund des großen Wendekreises dennoch umständlich. So müsst ihr gelegentlich auch das hintere Ende des Navee UT5 Max beim Wenden manuell herumziehen. Da der Scooter kein Leichtgewicht ist, solltet ihr ihn nicht an den Kunststoffteilen anheben, sondern an der Hinterradschwinge, an der auch der Reflektor klebt.
Er lässt sich mit einem Handgriff zusammenklappen und ist dann gut zu transportieren. Ganz so einfach wie auf dem Foto sind die 34kg jedoch nicht mit einer Hand zu halten. Ihr müsst schon fit sein, wenn ihr dieses Schwergewicht in den Keller oder in den zweiten Stock tragen wollt. Für den Kofferraum der meisten Autos ist er zu groß, sodass ihr einen Sitz umklappen müsst. Selbst mit umgeklapptem Sitz bleibt es eine Herausforderung, den Scooter über die Ladekante zu wuchten. Der Klappmechanismus selbst funktioniert wie bei den meisten E-Scootern üblich. Über einen kleinen Hebel löst ihr die Stange und hakt diese dann am Trittbrett ein.
- Arretierung gelöst
- Haken
- Festgehakt
Bedienung und Beleuchtung
- Bedienung
- Display
- Gasgriff
Die gut angeordnete Bedienung am linken Griff beinhaltet Schalter für die Funktionen An/Aus, Licht, Blinker und Boost-Modus. Das Display ist gut ablesbar und dimmt bei eingeschaltetem Licht automatisch ab. Bei direkter Sonneneinstrahlung ist es jedoch schwerer abzulesen. Am linken Bremshebel ist, wie bei Navee mittlerweile üblich, die Klingel integriert. Den Ladezustand visualisieren fünf Balken, in der App lest ihr ihn präzise in Prozenten und mit einer Restreichweite ab. Im unteren Bereich (15% und weniger) könnt ihr in der Ebene noch fahren, bei leichten Steigungen quält sich der Motor jedoch spürbar.
Die Neigung des Frontscheinwerfers lässt sich ein wenig verstellen und er beleuchtet die Fahrbahn sehr gut. Das Rücklicht und die Blinker sind hell und auch tagsüber gut erkennbar. Zusätzlich ist das Rücklicht mit einer Bremslichtfunktion ausgestattet. Da ihr die vorderen Blinker am Lenker leicht für den nachfolgenden Verkehr verdeckt, verfügt der Navee UT5 Max auch hinten über Blinker.
- Normales Licht
- Mit Bremslicht an
- Mit Blinker an
Reichweite und Laden
Der Akku ist mit seinen 716Wh für den kräftigen Motor passend ausgelegt und ich kam damit 40km weit. Die Angabe von Navee mit 100km gilt bei 15km/h in der Ebene. Ich hatte einige kräftige Steigungen und fuhr 22km/h, insofern sind die 40km ein solider Wert.
Die Ladezeit ist mit 7h viel zu lang, um mal eben schnell 50% nachzuladen. Am Ladegerät gibt es nur eine grün-rote LED, die den vollen Akku signalisiert. Wenn der Navee UT5 Max eingeschaltet ist, seht ihr den genauen Ladezustand in Prozent auf dem Display. Optional bietet Navee ein Schnellladegerät an, das den Akku in 2h komplett füllt.
Die Navee App bietet einen großen Funktionsumfang und erhält regelmäßig Updates. Ebenso bezieht der Scooter neue Firmware über die App. Im Testzeitraum passierte dies zweimal. Nachfolgend seht ihr einige Screenshots der App.
- Hauptmenü
- Funktionen
- Automatisch Sperren
Besonders nützlich sind die elektronische Wegfahrsperre, die ihr auch automatisieren könnt, das Ein- und Ausschalten des Piepens der Blinker sowie die Einstellung der Startgeschwindigkeit (3, 4 oder 5km/h). Auch die hinterlegte Bedienungsanleitung ist hilfreich und so immer griffbereit. Leider lässt sich der Navee UT5 Max nur über Apple Find My tracken und finden, nicht aber mit Android-Geräten.
Testergebnis
Der neue Navee UT5 Max leistet sich im Test keine großen Schwächen und überzeugt mit sehr guten Fahrleistungen, Blinkern vorn und hinten, einer elektronischen Wegfahrsperre, einer guten Federung in Verbindung mit viel Bodenfreiheit sowie luftgefüllten 12-Zoll-Reifen. Auch die Bremsleistung mit mechanischen Scheibenbremsen vorn und hinten sowie der elektronischen Motorbremse fällt sehr gut aus.
Zu den Kritikpunkten gehören die etwas unrund abgestimmte elektronische Motorbremse, das hohe Gewicht und die großen Abmessungen. Die lange Ladezeit von 7h könnt ihr euch aber mit dem optionalen Schnellladegerät ersparen. Dass der Scooter nur über Apple Find My zu orten ist, nicht aber über Android, ist schade. Zudem ist der Preis von ca. 1.000€ für einen E-Scooter schon recht stolz.
Wer einen soliden E-Scooter sucht, ihn nicht unbedingt Treppen hinauf- oder hinuntertragen muss und auch nicht im Auto verstauen möchte, für den ist der neue Navee UT5 Max eine gute Wahl. Als Alternative gibt es für ca. 100€ mehr den Navee XT5 Max. Hier erhaltet ihr eine noch bessere Federung, eine größere Reichweite und ein anderes Design. Auf die hinteren Blinker und den praktischen Bügel zum Abschließen müsst ihr beim XT5 Max allerdings verzichten.
Falls ihr eher einen leichteren und günstigeren E-Scooter sucht, solltet ihr euch den Vergleichstest der beiden Navees mal näher ansehen. Das waren der Navee GT3 Max und der Navee ST3 Max.
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