imoo im Check – heimlicher Weltmarktführer bei Kinder-Smartwatches
Inhaltsverzeichnis
Wer in Deutschland „Smartwatch für Kinder” hört, denkt an ein Nischenprodukt: eine Telefonuhr mit GPS, die Eltern ihren Grundschülern ans Handgelenk schnallen, damit sie erreichbar sind. Dass hinter dieser Kategorie ein Milliardenmarkt steckt, und mit imoo ein Hersteller, der in seinem Heimatmarkt größer ist als Apple, wissen die wenigsten.
imoo ist bei uns fast unbekannt, in China dagegen ein Phänomen, das Schulhöfe, Freundeskreise und sogar die Nachrichten prägt.
Wer hinter imoo steckt
imoo gehörte zum Kosmos von BBK Electronics, einem der einflussreichsten und gleichzeitig öffentlichkeitsscheusten Elektronikkonzerne Chinas. Aus dem Haus BBK (aufgelöst 2023) stammen Marken, die auch in Deutschland jeder kennt: Oppo, Vivo, OnePlus, realme und iQOO. In Summe hat dieser Verbund zeitweise mehr Smartphones verkauft als jeder andere Konzern außer Samsung und sich damit an Huawei und Apple vorbeigeschoben. imoo ist innerhalb dieser Familie die Marke für Kinderprodukte und teilt sich mit den Smartphone-Schwestern das, was BBK groß gemacht hat: eigene Fertigung, ein dichtes Vertriebsnetz und die Fähigkeit, Hardware in gewaltigen Stückzahlen zu bauen.
Diese Herkunft erklärt viel. Eine imoo-Uhr ist kein umgelabeltes No-Name-Produkt, sondern kommt aus demselben industriellen Umfeld wie ein Oppo oder ein OnePlus. Das zeigt sich an der Verarbeitung, an der Software und daran, dass imoo eigene Chips, Kameras und Funkmodule verbaut, statt fertige Bausätze zusammenzustecken.
Firmengeschichte
2015 brachte imoo die erste Watch Phone auf den Markt und begründete damit eine ganze Gerätegattung. Nicht Fitness-Tracker für Erwachsene im Kleinformat, sondern eine Telefonuhr, die konsequent aus der Perspektive von Kindern und ihren Eltern gedacht ist.
Das Leitmotiv formuliert imoo mit „Enlightening childhood with technology”, also Technik, die Kindheit bereichern soll, ohne sie zu überfordern. Der Anspruch zieht sich durch die Produkte: robuste Gehäuse, die einen Sturz vom Klettergerüst überstehen, ein Fokus auf Sicherheit und Ortung und eine Bedienung, die schon Vier- oder Fünfjährige verstehen. imoo betont gern, dass die eigenen Mitarbeiter ihre Geräte an den eigenen Kindern testen, bevor sie in den Handel kommen. Ob Marketing oder gelebte Praxis, das Versprechen ist klar: ein Kinderprodukt, das Eltern beruhigt und Kindern Spaß macht.
In China ein Phänomen: „Little Genius”
In China läuft imoo unter dem Namen Xiaotiancai, übersetzt etwa „Little Genius”. Und dort ist die Marke keine Randerscheinung, sondern Marktführer. Bei Kinder-Smartwatches hält imoo je nach Quartal deutlich über ein Drittel des chinesischen Marktes, im weltweiten Kindersegment lag der Anteil zwischenzeitlich bei rund der Hälfte aller ausgelieferten Geräte. Zur Einordnung: Im gesamten chinesischen Smartwatch-Markt, also inklusive der Erwachsenenuhren, hat imoo Apple zeitweise überholt und rangierte nur hinter Huawei. Für eine Marke, die ausschließlich Produkte für Kinder baut, ist das eine bemerkenswerte Zahl.
Der Grund für diese Dominanz ist nicht allein die Hardware, sondern ein cleverer Netzwerkeffekt. imoo-Uhren haben ein eigenes, geschlossenes soziales Netzwerk, in das nur andere imoo-Nutzer hineinkommen. Zwei Kinder halten ihre Uhren aneinander, und über NFC sind sie befreundet. Nachrichten, Sprachmemos und kleine Likes bleiben komplett innerhalb der imoo-Welt. Für ein Kind bedeutet das: Wer dazugehören will, braucht dieselbe Uhr wie die Freunde. Genau dieser Mechanismus hat imoo in China zum Pausenhof-Standard gemacht, ähnlich wie das iPhone mit iMessage unter Teenagern in den USA.
Diese Geschlossenheit hat aber auch eine Kehrseite, die in China inzwischen offen diskutiert wird. Aus dem Freundschafts- und Like-System ist ein regelrechter Statuswettbewerb geworden. Kinder sammeln Likes wie Sammelkarten, ein hoher Zähler gilt als soziales Kapital, und rund um gekaufte Likes und gemietete Accounts hat sich ein grauer Markt gebildet. imoo steht deshalb in der Kritik, aus einem Sicherheitsgadget einen Treiber für Gruppenzwang gemacht zu haben. Für den deutschen Markt ist das weniger relevant, weil die imoo-Community hier winzig ist, gehört zur ehrlichen Einordnung der Marke aber dazu.
Die Modelle im Überblick
Das Herzstück bleibt die Watch Phone, die imoo in mehreren Serien anbietet. Die Z-Reihe mit Modellen wie Z1, Z3 und Z7 deckt die Einstiegs- bis Mittelklasse ab, die X-Reihe mit der X10 an der Spitze ist die Oberklasse mit größerem Display und aufwendigerer Ausstattung. Über die Jahre hat imoo das Portfolio erweitert, unter anderem um kabellose Kopfhörer der Openbuds-Serie sowie um Armbänder und Ladelösungen.
Funktional sind sich die Uhren ähnlich und decken genau das ab, was Eltern suchen. Dazu gehören 4G-Mobilfunk für Anrufe und Videotelefonie ohne gekoppeltes Smartphone, eine präzise Ortung über mehrere Satellitensysteme, Dual-Kameras für Videocalls und Schnappschüsse sowie ein wasserdichtes Gehäuse, mit dem auch Schwimmen kein Problem ist. Für den Schulalltag gibt es einen Klassenmodus, der die Uhr während des Unterrichts sperrt, damit sie nicht ablenkt. Eltern steuern alles über eine Begleit-App, legen erlaubte Kontakte fest und sehen den Standort in Echtzeit. Unbekannte Nummern kommen gar nicht erst durch. Was bewusst fehlt, ist ein offener App-Store: Fremd-Apps lassen sich nicht installieren, das Ökosystem bleibt geschlossen und damit für Eltern kontrollierbar.
Zur Sicherheitsausstattung gehört bei den meisten Modellen ein SOS-Notruf, woraufhin die Uhr nacheinander die hinterlegten Notfallkontakte anruft. Über sogenannte Geozonen können Eltern zudem festlegen, dass sie eine Benachrichtigung bekommen, sobald ihr Kind einen bestimmten Bereich wie die Schule oder das Zuhause verlässt oder betritt. Genau diese Kombination aus Erreichbarkeit und Ortung ist der eigentliche Grund, warum Eltern zu einer Kinder-Smartwatch statt zu einem ersten Smartphone greifen.
So viel zu den Gemeinsamkeiten. In Deutschland sind aktuell vier Watch Phones offiziell über Amazon erhältlich, von der günstigen Einstiegsuhr bis zum Spitzenmodell. Worin sie sich unterscheiden, zeigt der Blick auf die einzelnen Modelle:
imoo Watch Phone X10
Die X10 ist das Spitzenmodell und die einzige Uhr, die wir selbst getestet haben. Sie kombiniert ein 1,6 Zoll großes Display mit einer abnehmbaren Dual-Kamera: Die 8-Megapixel-Kamera mit 98-Grad-Weitwinkel und Bildstabilisierung lässt sich hochklappen, sodass Kinder flexibler fotografieren können, dazu kommt eine 5-Megapixel-Frontkamera für Videoanrufe. Das Gehäuse ist nach IP68 bis 20 Meter wasserdicht, Aufnahmen unter Wasser sind also möglich. Mit 4G, GPS, Schulmodus, Schrittzähler und 32GB Speicher ist sie das rundeste Paket der Reihe, kostet mit rund 299€ aber auch am meisten.
imoo Watch Phone Z7
Die Z7 ist der Allrounder der Mittelklasse. Sie setzt auf hochklappbare Doppelkameras für schärfere Videoanrufe und eine besonders präzise Ortung über gleich fünf Satellitensysteme (GPS, GLONASS, BeiDou, QZSS und Galileo) mit 14-tägigem Standortverlauf. Dazu kommen vier Sportmodi inklusive Schwimmen und Seilspringen sowie eine IPX8-Wasserdichtigkeit für den Einsatz im Wasser. Für rund 193€ ist sie die Wahl für aktive Kinder, die viel draußen unterwegs sind.
imoo Watch Phone Z3
Die Z3 ist die solide Basis für den Alltag. Sie bringt ein 1,5 Zoll großes Display, eine 2-Megapixel-Frontkamera für Videoanrufe und den Schulmodus mit, der die Uhr während des Unterrichts sperrt. Der 740mAh-Akku hält vergleichsweise lange durch, und der SOS-Notruf ist über einen langen Druck auf die Seitentaste erreichbar. Die Uhr ist auch fürs Schwimmen geeignet und gegen Regen und Spritzwasser geschützt.
imoo Watch Phone Z1
Die Z1 ist das Einstiegsmodell und zugleich der Bestseller hierzulande. Für rund 99€ gibt es alle Kernfunktionen: HD-Videoanrufe über eine 2-Megapixel-Kamera, GPS-Ortung, Familien-Chat, einen Schulmodus mit Fremdenabweisung und ein nach IPX8 wasserdichtes Gehäuse. Auf Extras wie Sportmodi verzichtet sie, deckt das Wichtigste aber zuverlässig ab. Nicht ohne Grund ist sie das meistverkaufte imoo-Modell auf Amazon.de.
imoo in Deutschland
In Deutschland ist imoo längst da, nur eben leise. Über Amazon verkauft die Marke ihre Watch Phones direkt, und die Resonanz ist ordentlich. Die Z1 etwa kommt auf 4,1 von 5 Sternen bei über 1.300 Bewertungen und liegt preislich bei rund 99€. Das ist für eine Kinder-Smartwatch mit 4G, GPS und Videotelefonie ein fairer Kurs, zumal die Uhren die EU-Sicherheitsstandards erfüllen und SIM-Karten von Telekom, Vodafone und O2 unterstützen. Auch bei MediaMarkt ist imoo als Marke vertreten und einige Produkte könnt ihr euch sogar vor Ort in den Geschäften des Elektronikriesens anschauen.
Was deutsche Eltern in den Rezensionen loben, deckt sich mit imoos Stärken: zuverlässiger GPS-Empfang, gute Bildqualität bei Videoanrufen und die einfache Steuerung erlaubter Kontakte über die App. Kritik gibt es dort, wo das geschlossene System an europäische Gewohnheiten stößt. Der Funktionsumfang jenseits von Telefonie und Ortung ist überschaubar, und das soziale Netzwerk, das imoo in China so stark macht, läuft hier praktisch ins Leere, weil kaum ein anderes Kind in der Nachbarschaft dieselbe Uhr trägt. Was in China der größte Trumpf ist, ist in Deutschland schlicht kein Thema.
Ein Punkt, der in Deutschland stärker wiegt als in China, ist der Datenschutz. Eine Uhr, die permanent den Standort eines Kindes erfasst und die Daten in einer Hersteller-Cloud verarbeitet, wirft berechtigte Fragen auf. imoo wirbt zwar mit der Einhaltung europäischer Vorgaben, für sicherheitsbewusste Eltern bleibt das aber ein Aspekt, den sie vor dem Kauf für sich klären sollten.
Unsere Einschätzung
Unterm Strich ist imoo eine der spannendsten Marken, die hierzulande kaum jemand kennt: ein Weltmarktführer im Verborgenen, technisch aus dem Oppo- und OnePlus-Umfeld, mit einem klaren Fokus auf Kinder und deren Eltern. Wie gut sich eine imoo-Uhr im Alltag tatsächlich schlägt, wo sie überzeugt und wo sie an ihre Grenzen kommt, klären wir in unserem ausführlichen Test.
- gute Verarbeitung
- witziges Flip-Design
- wasserdicht bis 20m
- gute Laufzeit
- umfangreiche App
- brauchbare Kamera
- dunkles Display
- kein Helligkeitssensor
- kein Lagesensor
- Datentransfer nur über Umwege möglich
- umständliche Bedienung
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Also quasi geradezu perfekt für Helikopter – Eltern! 😅