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Wasserfilter gibt es viele, aber die wenigsten verfolgen eine so klare Grundidee wie der Jimmy Matrix M9 Pro. Statt eine teure Komplettmaschine zu bauen, die alles kann und genau deshalb groß, breit und teuer wird, zerlegt Jimmy die Aufgabe in Module. Dem Käufer bleibt so die Wahl. Das Kernstück ist eine schmale Basis, die das Wichtigste erledigt: Sie filtert Leitungswasser per Umkehrosmose und gibt es auf Wunsch sofort heiß aus. Alles Weitere, also Sprudelwasser oder Eis, klippt ihr bei Bedarf einfach seitlich an.
Wir hatten das Kombipaket aus der Jimmy M9-Pro-Basis und dem Sprudelmodul S9 rund drei Wochen im Test. Der Preis liegt bei rund 400€ für den Wasserfilter und 190€ für das Sprudel-Modul. Das ist eine Ansage, Jimmy positioniert sich hier klar im Premium-Segment. Ob das Geld gut angelegt ist, hängt vor allem an einer Frage, und die beantworten wir weiter unten so ehrlich wie möglich: Wie gut schmeckt das Wasser am Ende wirklich?
Design, Lieferumfang und Aufbau
Optisch macht das System einiges her. Beide Geräte tragen ein dunkles Anthrazit-Grau, die Linien sind schlicht und modern, und vor allem das gut integrierte LED-Touch-Display auf der Front wirkt edel. Das sieht auch neben einem 1000€-Kaffevollautomaten schickt aus. Mit Abmessungen von rund 278 x 310 x 366 Millimeter und einem Gewicht von etwa 7,5 Kilogramm wirkt die Basis solide, ohne klobig zu sein. Praktisch gelöst ist der Rohwassertank, der seitlich sitzt und nicht hinten, dadurch lässt er sich im Alltag deutlich bequemer auffüllen.
Bei der Haptik müssen wir den ersten Eindruck aber relativieren. Das Gerät sieht zwar schick aus, das Plastik fühlt sich beim Anfassen jedoch günstig an. Von der wertigen Anmutung, die das Display verspricht, bleibt beim restlichen Gehäuse nicht ganz so viel übrig. Ein zweiter kleiner Punkt betrifft den Rohwassertank: Er ist getönt-durchsichtig gehalten, und genau diese Optik führt dazu, dass sich leichte Verkalkungen mit der Zeit sichtbar abzeichnen. Eine etwas blickdichtere Färbung hätte das eleganter kaschiert. Ein echter Kritikpunkt ist das nicht, weil der Tank ohnehin regelmäßig gereinigt werden soll, aber es fällt auf.
Im Lieferumfang stecken bei der Basis das Gerät selbst, der seitliche Rohwassertank mit Abdeckung, die obere Abdeckung, eine Tropfschale, die drei Filter (M2S, RO-2.0S und Q2S), ein Beutel Zitronensäure-Entkalker für die spätere Reinigung sowie das Handbuch. Beim S9 kommen das Sprudelmodul, der Verbindungsaufsatz und zwei wiederverwendbare BPA-freie Tritan-Flaschen dazu. Auf Tritan und BPA-Freiheit legt Jimmy bei seinen Trinkbehältern erfreulicherweise Wert, gerade wenn das Wasser auch für Kinder und Babynahrung gedacht ist. Nicht enthalten ist der CO₂-Zylinder fürs Sprudeln, das ist aber unkritisch, weil hier die handelsüblichen Schraub-Zylinder von SodaStream oder dem Discounter passen.
Einen ersten Pluspunkt sammelt der M9 Pro schon beim Aufbau, denn es gibt keinen. Das Gerät ist als Plug-and-Play-Lösung gedacht, es braucht keinen Wasseranschluss und keine Bohrung. Ihr stellt es hin, füllt den 5-Liter-Rohwassertank, steckt den Stecker ein, und das war es im Wesentlichen. Genau das macht so ein Osmosesystem überhaupt erst für Mietwohnungen, Büros oder einen schnellen Standortwechsel interessant, denn klassische RO-Anlagen werden sonst fest unter der Spüle verschraubt. Einen Geduldsmoment gibt es bei der Erstinbetriebnahme trotzdem: Nach dem Auspacken soll das Gerät laut Handbuch erst 8 bis 12 Stunden stehen, danach spült ihr das System mehrfach durch. Das ist einmaliger Aufwand, ihr solltet ihn nur einplanen.
Insgesamt ist der M9 Pro ein Gerät, das optisch klar über seiner Preisklasse spielt, haptisch aber nicht ganz mithält. Wer das Set offen in die Küche stellt, bekommt einen modernen, aufgeräumten Look, sollte sich von der Materialanmutung im Detail nur nicht zu viel versprechen.
Bedienung, Temperaturen und Filtration
Alles bedient ihr über das LED-Touch-Display, und das reagiert flott und direkt auf Eingaben. Spannend ist die Flexibilität: Neben Umgebungstemperatur stehen sechs Heizstufen mit 45, 55, 65, 75, 85 und 98°C bereit. Damit deckt das Gerät nahezu alles ab, von handwarmem Wasser für die Babynahrung über die ideale Temperatur für Tee bis zum kochend heißen Wasser. Dazu wählt ihr vier Mengen vor, nämlich 60, 150, 240 und 450ml. Heißes Wasser ist nach Jimmys Angabe in drei Sekunden da, und tatsächlich muss man wirklich nicht spürbar warten. Eine kleine Komfort-Spielerei bringt im Alltag mehr als gedacht: Der Auslassbereich ist beleuchtet und wechselt die Farbe, je nachdem, ob gerade Umgebungswasser, heißes Wasser oder ein Spülvorgang läuft. Eine Kindersicherung sperrt auf Wunsch Wasserausgabe und Entleerung.
Jetzt zum Kern, denn ein Wasserfilter wird am Ende danach beurteilt, was hinten rauskommt. Der M9 Pro arbeitet mit einem 7-stufigen Umkehrosmose-System, das deutlich über das hinausgeht, was einfache Tischkannen mit Aktivkohle leisten. Technisch stecken hinter den sieben Stufen drei physische Filter, die das Wasser nacheinander durchläuft. Den Anfang macht der M2S, ein Verbundfilter aus Mikrofaser und Aktivkohle. Er übernimmt die Grobarbeit und entfernt Rost, Sedimente und Schwebstoffe sowie Restchlor, Gerüche und Verfärbungen. Das Herzstück ist die RO-2.0S, die Umkehrosmosemembran mit einer Filterfeinheit von rund 0,0001 Mikrometer. In diesem Bereich hält die Membran auch gelöste und damit unsichtbare Stoffe zurück, die sich durch bloßes Abkochen nicht entfernen lassen, laut Jimmy etwa Schwermetalle wie Blei, PFAS wie PFOA und PFOS, Bakterien und Viren, Kalk und gelöste Salze sowie organische Schadstoffe. Den Abschluss bildet der Q2S, ein Aktivkohle-Mineralisierungsfilter, der dem Wasser wieder Mineralien zuführt und so den Geschmack verbessert. Das Ergebnis soll sauberes, aber kein totes Wasser sein.
Zwei Punkte heben das System über einen reinen Filter hinaus. Erstens eine kontinuierliche UV-C-Sterilisation, die unabhängig von den Filtern arbeitet und das gereinigte Wasser im Tank desinfiziert. Das adressiert genau das Risiko, das viele Filtersysteme haben, nämlich dass stehendes Wasser im Behälter wieder verkeimt. Zweitens eine TDS-Anzeige, die in Echtzeit die Menge gelöster Stoffe vor und nach der Filtration anzeigt, so seht ihr unmittelbar, dass die Membran arbeitet.
An dieser Stelle gehört eine ehrliche Einordnung dazu. Jimmy bewirbt eine Entfernung von bis zu 99,99% der Verunreinigungen und spricht von „laborgeprüftem Schutz”. Anders als bei vielen Geräten dieser Art ist das keine leere Marketing-Floskel, denn uns liegen die zugehörigen Prüfberichte unabhängiger Labore vor. Das renommierte Prüflabor SGS hat den M9 Pro nach dem internationalen Umkehrosmose-Standard NSF/ANSI 58 untersucht, und die Werte stützen die Werbung. Bakterien und Viren hält das System zu über 99,99% zurück. Bei den Schwermetallen sind es über 99%, für Blei, Arsen, Kupfer und Barium sogar über 99,7%. Auch die viel diskutierten „Ewigkeitschemikalien” PFAS landen bei über 99,7%, dazu kommen Chlor, Nitrat und Fluorid mit jeweils über 99%.
Genauso wichtig ist, was im Gerät selbst mit dem Wasser passiert. Die wasserführenden Teile und die drei Filter sind nach EU- und FDA-Lebensmittelstandard geprüft, dazu liegen die üblichen Sicherheits- und Umwelt-Zertifikate (CE, RoHS) vor. Und das Ergebnis ist trotz der starken Filterung kein „totes” Wasser, denn ein separater Mineralien-Bericht weist weiterhin Calcium, Magnesium und Kalium nach, bei einem nahezu neutralen pH-Wert von rund 6,9. Eine Einschränkung bleibt trotzdem: Die TDS-Anzeige am Gerät zeigt nur die Gesamtmenge gelöster Stoffe, sie ist kein PFAS-, Blei- oder Bakterientest und ersetzt keine echte Wasseranalyse.
Wie schmeckt das Wasser?
So technisch das alles klingt, am Ende zählt das Glas in der Hand. Und hier wird es richtig interessant. Wir wohnen in Köln und haben eigentlich gutes Leitungswasser, zusätzlich kennen wir aus der Familie das Wasser im Saarland gut. Im Vergleich zu beiden ist das gefilterte Wasser aus dem M9 Pro ein enormer Fortschritt, und das ist keine vage Wahrnehmung. Wir haben einen Blindversuch gemacht, gefiltertes gegen normales Leitungswasser, ohne zu wissen, welches Glas welches ist. Das Ergebnis war eindeutig: In fünf von fünf Versuchen lag ich richtig, und bei meiner Frau war es genauso. Das gefilterte Wasser schmeckt spürbar weicher und neutraler, der leicht mineralisch-harte Beigeschmack des Leitungswassers fehlt komplett.
Der ehrlichste Indikator kam dann ganz von selbst. Seit das Gerät bei uns steht, trinke ich deutlich mehr, ich würde locker 30 bis 40% mehr schätzen. Nicht weil ich es mir vorgenommen habe, sondern einfach weil das Wasser bekömmlicher ist und ich öfter zum Glas greife. Genau das ist im Alltag der Punkt, der einen Wasserfilter dieser Klasse rechtfertigt, mehr noch als jede Prozentangabe auf der Verpackung.
Das modulare System und das S9-Sprudelmodul
Der eigentliche Clou ist das modulare Konzept, Jimmy nennt es AquaLink. Anders als die größeren Geschwister R9 und R9 Pro, die als Komplettgeräte nach dem All-in-One-Prinzip arbeiten, ist der M9 Pro als Hub gedacht. Die Basis bleibt bewusst schmal und kompakt und kann dafür nicht alles. Wer mehr will, klippt seitlich Module an. Das ist clever, weil ihr nur für die Funktionen zahlt, die ihr tatsächlich braucht, und die schmale Basis passt auch in eine enge Ecke oder, wie bei uns getestet, neben den Schreibtisch ins Homeoffice.
Das erste Modul ist der S9, ein Wassersprudler. Er nutzt das bereits gefilterte Wasser des M9 Pro und bringt zwei Funktionen mit, die die Basis selbst nicht hat: Er kühlt das Wasser auf etwa 10 bis 15°C herunter und versetzt es mit Kohlensäure. Dafür hat das Modul einen eigenen kleinen Kühltank von 0,75 Litern. Die Bedienung ist denkbar simpel, Flasche mit gekühltem Wasser füllen, unter den Sprudelkopf setzen und den Hebel mehrfach drücken, je öfter, desto spritziger. Die Kohlensäure-Intensität lässt sich also frei dosieren. Ein Standard-CO₂-Zylinder reicht für rund 60 Liter Sprudelwasser, das sind etwa 120 Flaschen. Wichtig zu verstehen ist die Verbindung der beiden Geräte: Das reine Sprudeln funktioniert mechanisch und braucht keinen Strom, genau wie bei einem SodaStream. Das gekühlte Wasser kommt aber nur dann aus dem Modul, wenn es mit der Basis verbunden und eingeschaltet ist, denn das Wasser fließt über den Aufsatz aus dem Hauptgerät ins Modul.
So überzeugend das Gesamtbild ist, ein paar Dinge sind uns aufgefallen, die ihr kennen solltet. Der deutlichste Punkt ist die Lautstärke der Kühleinheit im S9. Sie ist im Betrieb laut. In einem ruhigen Raum merkt ihr es durchaus. Einen zweiten Punkt hatten wir zunächst als Schwäche notiert, er hat sich aber aufgeklärt: Die Wasserabgabe stoppt sehr wohl von allein. Ihr müsst nur vorher eine feste Menge wie 450ml wählen und dann auf Ausgabe tippen, dann hört das Gerät exakt bei dieser Menge auf. Wer ohne Mengenvorwahl direkt auf Ausgabe drückt, löst dagegen bewusst den Dauerbetrieb aus. Eine echte Schwäche ist das also nicht, man muss die Vorwahl nur kennen.
Bleibt ein letzter Punkt: Wer sprudeln, aber nicht ständig kühlen will, hat es etwas umständlich. Damit Wasser aus dem Modul kommt, muss die Station eingeschaltet sein und der Motor laufen. Wer die Kühlung aus Strom- oder Lautstärkegründen nicht dauerhaft laufen lassen möchte, muss das Modul abnehmen und die Flasche unter die Basis stellen. So war es von Jimmy sicher nicht gedacht, im Alltag fällt es aber auf.
Strom & Folgekosten
Bei den Folgekosten bleibt ein Pluspunkt von Osmoseanlagen erhalten, denn die laufenden Kosten sind überschaubar. Der M2S und der Q2S halten jeweils rund 12 Monate, die RO-2.0S-Membran etwa 24 Monate, abhängig von Wasserqualität und Verbrauch. Der Wechsel braucht kein Werkzeug, ihr dreht die alte Patrone heraus, setzt die neue ein, verriegelt sie und setzt die Laufzeit am Display zurück. Zum Testzeitpunkt liegen die Ersatzfilter bei etwa 40€ für M2S und Q2S sowie rund 50€ für die RO-Membran. Also 105€ jährlich für Filter. Der Stromverbrauch der Wassereinheit ist angenehm niedrig. Etwa 20 Watt werden beim Reinigen von Wasser gezogen und im Standby sinkt der Verbrauch auf kaum messbare 2 Watt.
Testergebnis
Der Jimmy Matrix M9 Pro hinterlässt im Test einen überzeugenden Eindruck, weil er eine alte Geräteklasse neu denkt. Statt einer teuren Alleskönner-Maschine bekommt ihr eine schlanke Basis und baut euch den Rest nach Bedarf dazu. Das modulare AquaLink-Konzept ist die eigentliche Stärke, und das S9-Sprudelmodul funktioniert im Test gut.
Am Ende zählt aber das Wasser, und genau hier liefert das Gerät. Prüfberichte unabhängiger Labore bestätigen die Wirksamkeit der Filterung. Im Blindtest haben wir das gefilterte Wasser fünf von fünf Mal sicher erkannt, und der ehrlichste Beweis ist, dass wir seitdem spürbar mehr trinken. Die Verarbeitung könnte etwas hochwertiger sein, das Plastik fühlt sich günstiger an als das Gerät aussieht, und die laute Kühleinheit sowie ein paar Alltags-Eigenheiten beim Sprudelmodul zeigen, dass Jimmy hier und da noch nachschärfen kann. Das sind aber keine Deal-Breaker. Wer den Premium-Preis akzeptiert und das modulare Konzept wirklich nutzt, bekommt eine durchdachte, hervorragend schmeckende Trinkstation.
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