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Aqara mischt seit Jahren den Smart-Home-Markt auf, bislang vor allem mit Sensoren, Kameras und Schaltern. Mit dem Fußbodenheizungs-Thermostat W500 wagt sich der Hersteller nun an die Heizungssteuerung, und das zu einem Kampfpreis von 69,99€, im Handel oft schon für rund 60€ zu haben.
Wir haben gleich vier W500 in einer Wohnung verbaut und verraten euch, ob der Einbau gelingt, für wen sich das Gerät eignet und wo die Tücken liegen. Spoiler vorweg: Das W500 ist technisch ausgereift und flexibel vernetzbar, die größte Hürde lag nicht im Thermostat selbst, sondern in der Verkabelung dahinter. Aber dazu später mehr.
Lieferumfang und erster Eindruck
Im Karton liegt neben dem Thermostat selbst ein kabelgebundener NTC-Bodenfühler, ein Schraubensatz, das Handbuch sowie die Konformitätserklärung. Der Bodenfühler für elektrische Fußbodenheizungen ist ein netter Zusatz, denn viele Mitbewerber lassen ihn sich extra bezahlen. Das W500 misst 86 x 86 x 45 Millimeter und wiegt 244 Gramm. Die Front besteht zu rund zwei Dritteln aus einem LC-Display, flankiert von drei seitlichen Tasten für Temperatur und Modus. Die Haptik ist wertig, das Gehäuse flach und unauffällig, an der Wand wirkt das Thermostat angenehm zurückhaltend. Einziger Wermutstropfen: Das Display lässt sich bei Dunkelheit nur mit aktiver Hintergrundbeleuchtung ablesen, und die schaltet sich erst auf Tastendruck ein.
Was das Display anzeigt
Im Ruhezustand zeigt das W500 die wichtigsten Werte auf einen Blick. Groß in der Mitte prangt die aktuelle Raum- oder Bodentemperatur, daneben blendet das Thermostat die eingestellte Zieltemperatur ein. Praktisch: Auch die aktuelle Luftfeuchtigkeit zeigt das W500 an, ein Wert, den längst nicht jedes Thermostat liefert. Kleine Symbole signalisieren zudem den Betriebsmodus, den aktiven Heizvorgang und den Verbindungsstatus. So habt ihr Soll, Ist und Raumklima direkt an der Wand im Blick, ganz ohne zum Smartphone greifen zu müssen.
Kompatibilität: Passt das W500 überhaupt?
Bevor ihr zugreift, solltet ihr unbedingt prüfen, ob das W500 in eure Installation passt. Die Grundvoraussetzung lautet: Es muss sich um ein 230-Volt-System handeln. Den besten Anhaltspunkt liefert das alte, verbaute Thermostat. Schaut euch an, wie es angeschlossen ist und welche Adern in der Wand liegen. Auf der Platine war auch klar leserlich „230V” aufgedruckt.
Achtung: Sicherung vorher raus und mit einem Phasenprüfer kontrollieren! Bei uns liegt die Sicherung der Thermostate im zentralen Sicherungskasten und nicht in der Wohnung.
In unserem 30 Jahre alten Haus waren noch hässliche analoge Thermostate verbaut. Ob ihr die nun gegen schicke Digitale (ca. 25€) austauscht oder direkt auf Smart Home aufrüstet, ist dann auch keine große Investition mehr. Glücklicherweise war die Installation schon damals zukunftssicher vorbereitet: Im Leerrohr lagen vier Adern: Schwarz, Braun, Blau sowie Grün/Gelb. Damit ist klar, womit wir es zu tun haben:
- Braun: Phase (L), führt den Strom heran
- Schwarz: zweiter Außenleiter, hier die geschaltete Last zum Stellantrieb. In dem Fall öffnet oder schließt er einfach nur das Ventil, eine Zwischenstellung ist nicht möglich.
- Blau: Neutralleiter (N), schließt den Stromkreis
- Grün/Gelb: Schutzleiter (PE), die Erdung
Wichtig: Das W500 benötigt zwingend einen Neutralleiter (N). Wer in der Wand nur zwei Adern findet, schaut in die Röhre. Dann ist das Thermostat ohne aufwendige Nachrüstung nicht nutzbar. Ein Blick lohnt sich also, bevor das Paket im Warenkorb landet.
Einbau: eine Geschichte mit Hindernissen
Hier wird es spannend und lehrreich. Vorweg der obligatorische Sicherheitshinweis: Arbeiten an 230 Volt gehören in die Hände einer Fachkraft. Wer sich unsicher ist, lässt das Thermostat anschließen. Die Verkabelung des W500 ist simpel: Phase und Neutralleiter kommen in die Mitte, die Last (also der Weg zum Stellantrieb) auf die Seite. Soweit die Theorie.
- das alte Analoge brauchte nur zwei Kabel
- also die Digitalen mit drei Kabeln angeschlossen – ohne Lebenszeichen
- hier lag der Fehler im Verteilerkasten – mal zwei blaue mit einer Wage verbunden
- geschafft! den Fehler doch noch gefunden
In der Praxis erwies sich die beiliegende Anleitung von Aqara als wenig hilfreich. Die Beschriftung ist knapp und lässt Anfänger im Regen stehen. Beim ersten Versuch hatten wir falsch verkabelt: nichts passierte, das Display blieb dunkel. Also recherchiert, neu verkabelt, und wieder: nichts. Kein Lebenszeichen. An diesem Punkt war klar: Wenn am Thermostat selbst alles korrekt angeschlossen ist und es trotzdem tot bleibt, muss der Fehler weiter hinten in der Installation liegen.
Der Weg führte also zurück zum Verteilerkasten in der Wohnung. Und dort wartete die Überraschung: Sämtliche blauen Adern, die Neutralleiter, waren überhaupt nicht angeschlossen. Sie hingen lose im Verteiler. Das erklärt das Symptom perfekt: Ohne aufgelegten Neutralleiter ist der Stromkreis nicht geschlossen, der Strom kann nach dem Verbraucher nicht zurückfließen. Das Thermostat bekommt zwar womöglich Phase, kann aber weder sich selbst versorgen noch etwas schalten. Logisch, dass nichts passiert.
Die Lösung war schnell gefunden: Alle blauen Neutralleiter wandern gemeinsam in eine 10er-Wago-Klemme, und siehe da, das W500 erwachte zum Leben. Display an, Pairing-Modus aktiv, alles wie es sein soll.
Die Moral der Geschichte: Wenn ein neu eingebautes Thermostat partout nicht starten will, liegt der Fehler nicht immer im Gerät. Ein Blick in den Verteilerkasten kann Wunder wirken, gerade in älteren Installationen, in denen nie ein Neutralleiter benötigt wurde.
Konnektivität: Thread, Matter oder Zigbee, die Qual der Wahl

- Thread/Matter (Auslieferungszustand): Das W500 lässt sich direkt in jede Matter-Plattform einbinden, ganz ohne Aqara-Hub. Voraussetzung ist lediglich ein Thread-Border-Router, den viele moderne Smart-Home-Zentralen ohnehin schon mitbringen (etwa ein HomePod, ein Echo der neueren Generation oder eine entsprechende Google-Nest-Zentrale). Der Haken: In diesem Modus verzichtet ihr auf die smarten Zeitpläne, die Temperaturkalibrierung und die Fenster-offen-Erkennung.
- Zigbee (voller Funktionsumfang): Wer alle Komfortfunktionen will, betreibt das W500 im Zigbee-Modus über einen Aqara-Hub. Hier stehen dann sämtliche Schmankerl bereit: Zeitpläne mit bis zu sieben Schaltpunkten pro Tag, fünf Voreinstellungs-Modi, Sensorwahl, Kalibrierung und die Fenster-offen-Erkennung.
Als günstigste Hub-Option bietet sich der Aqara Hub M100 für rund 35€ an, ein kompakter Stick, der gleichzeitig als Zigbee-Hub, Thread-Border-Router und Matter-Controller dient und bis zu 20 Zigbee- sowie 20 Thread-Geräte verwaltet. Den Stick haben wir auch für den Betrieb: einfach an den Router anschließen (nur zur Stromversorgung), und schon lassen sich die Thermostate zum Smart Home hinzufügen.
Wer mehr vorhat, greift zum größeren M3 mit Infrarot-Sender, Lautsprecher und Platz für bis zu 127 Geräte. Für eine Wohnung ist der M100 aber völlig ausreichend.
Praktisch: Sämtliche Automationen laufen lokal auf dem Gerät, das Thermostat funktioniert also auch ohne Internetverbindung weiter. Selbst nach einem Stromausfall bleiben alle Einstellungen erhalten. Über die Aqara-App seht ihr zudem den Energieverbrauch in Echtzeit sowie als Tages- und Monatsverlauf, ein nettes Extra, um den Heizkosten auf die Spur zu kommen.
Technische Daten und Sicherheit
Das W500 schaltet bei 220 bis 250 Volt eine Last von bis zu 16 Ampere oder 3.600 Watt. Damit treibt es nicht nur elektrische Fußbodenheizungen an, sondern steuert über 2-adrige 230-Volt-Stellantriebe auch wassergeführte Systeme. Die Zieltemperatur lässt sich zwischen 5 und 45 Grad in 0,5-Grad-Schritten einstellen. Mehrere Schutzfunktionen sind dauerhaft aktiv und arbeiten unabhängig von der App: ein Bodenschutz gegen Überhitzung empfindlicher Beläge, eine Frostschutz-Automatik, die ab rund 5 Grad anspringt, sowie ein Überhitzungs- und ein Überlastschutz, die das Gerät bei Grenzüberschreitung abschalten. Die Temperatur erfasst das Thermostat wahlweise über den internen Sensor, den beiliegenden NTC-Bodenfühler oder gekoppelte Aqara-Klimasensoren.
Wassergeführte Heizung: Was bringt smarte Steuerung wirklich?
Ein ehrliches Wort zur Praxis, denn hier trennt sich Anspruch von Wirklichkeit. Bei einer wassergeführten Fußbodenheizung, wie in unserem Haus mit zentralem Heizungsraum und einer Viessmann-Anlage, ist der Nutzen aggressiver Automationen begrenzt. Solche Systeme reagieren extrem träge, von der Sollwert-Änderung bis zur spürbaren Wirkung vergehen schnell drei bis zwölf Stunden. Kurzfristige Schaltbefehle verpuffen also weitgehend. In einem gut gedämmten Haus, in dem der zentrale Vorlauf ohnehin konstant auf einer angenehmen Wohlfühltemperatur läuft, erledigt sich vieles von selbst. Das reicht in den allermeisten Fällen völlig aus. Sein volles Potenzial entfaltet das W500 daher dort, wo es schnell schaltbare Wärme gibt: bei elektrischen Fußbodenheizungen, etwa im Bad. Dort sorgt eine Zeitplan-Automation morgens für warme Füße, ohne den ganzen Tag durchzuheizen.
Testergebnis
Das Aqara W500 ist ein durchdachtes, flexibles und vor allem günstiges Fußbodenheizungs-Thermostat. Für rund 60 bis 70€ bekommt ihr ein Gerät, das sich in nahezu jedes Smart-Home-Ökosystem einfügt, wahlweise mit oder ohne Hub auskommt und mit einem wertigen Gehäuse überzeugt. Der mitgelieferte Bodenfühler und die durchdachten Schutzfunktionen runden das Paket ab.
Die Schwächen sind verschmerzbar, aber real: Im hubfreien Thread-Modus fehlen wichtige Komfortfunktionen, das Display ist im Dunkeln nur mit Beleuchtung lesbar, und die Einbauanleitung könnte deutlich ausführlicher sein. Den größten Stolperstein, einen nicht aufgelegten Neutralleiter im Verteiler, sucht ihr allerdings vergeblich in der Bedienungsanleitung. Wer sich bei der Verkabelung unsicher ist, sollte ohnehin eine Fachkraft hinzuziehen.
Unterm Strich ist das W500 eine klare Empfehlung, besonders für Besitzer elektrischer Fußbodenheizungen und für alle, die ihr bestehendes Smart-Home-System um eine smarte Heizungssteuerung erweitern wollen, ohne sich an einen Hersteller zu ketten. Bei wassergeführten Systemen lohnt sich der Blick auf das Zusammenspiel mit einem smarten Wärmeerzeuger (z. B. einer Wärmepumpe), das Thermostat allein vollbringt keine Wunder, dafür ist die Physik einer trägen Wasserheizung zu stur.
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