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Kleine Tablets sind eine aussterbende Gattung. Wer heute ein handliches Android-Tablet sucht, hat kaum noch Auswahl, denn die meisten Hersteller bauen schlicht keine kleinen Tablets mehr. Und die wenigen, die es noch gibt, haben fast immer schwache Hardware. Genau hier wird das Headwolf Titan 1, das auch unter dem Namen Fpad 8 läuft, interessant. Es packt nämlich solide Mittelklasse-Technik in ein kompaktes 8,8-Zoll-Gehäuse, und diese Kombination gibt es sonst kaum.
Das macht den Test von Anfang an ein Stück weit relativ. Wäre das Titan 1 ein riesiges Tablet, könntet ihr es schlicht überspringen, weil es bessere und günstigere Konkurrenten gibt. Aber weil es klein ist, hat es eine echte Daseinsberechtigung. In Deutschland liegt der Preis bei rund 410€. Schauen wir uns an, was das kleine Tablet kann.
Design und Verarbeitung
Das Titan 1 steckt in einem soliden Metallgehäuse, das sauber gefräst ist und sich angenehm anfasst. Die Übergänge zum Rand sind leicht abgerundet, sodass das Tablet trotz Metall gut in der Hand liegt. Für den Mobilfunk-Empfang sind in den Metallrücken oben und unten schmale Kunststoffleisten eingelassen, wie ihr es von Metallgehäusen mit LTE kennt.
Mit etwa 325 Gramm und knapp acht Millimetern Bauhöhe ist es leicht genug, um es mit einer Hand zu halten und mit der anderen zu bedienen, zumindest wenn ihr etwas größere Hände habt. Genau das ist bei einem Tablet ohnehin der Sinn der kompakten Bauform.
Ein nettes Detail ist der rot eingefärbte Power-Button, der sich farblich cool vom Rest absetzt. Die Kamera ist sauber in die Rückseite eingelassen und steht nur wenige Millimeter heraus, ihr könnt das Tablet also flach auf den Tisch legen. Einen Verarbeitungsmangel müssen wir an unserem Exemplar aber ansprechen: Der USB-C-Anschluss sitzt etwas locker. Es lädt zwar zuverlässig und es kommt zu keinen Verbindungsabbrüchen, aber das Kabel rastet nicht so fest ein, wie ihr es erwarten würdet. In dieser Preisklasse sollte das nicht passieren. Dafür hat der USB-Anschluss eine andere Überraschung: Dank USB-C 3 Standard (5Gbit/s) lassen sich Dateien schnell übertragen und sogar das Display auf einen externen Bildschirm ausgeben.
Insgesamt ist das Titan 1 wertig verarbeitet und durch seine kompakte Größe angenehm handlich, lediglich die locker sitzende USB-Buchse trübt den guten Eindruck.
Lieferumfang:
Zum Lieferumfang des Tablets gehört ein Netzteil, ein USB-C auf USB-C Kabel, ein 3,5mm-Klinke auf USB-C Adapter und eine rudimentäre Bedienungsanleitung.
Display
Das 8,8-Zoll IPS-Display löst mit 2,5K (2560 x 1600 Pixel) auf und arbeitet mit bis zu 144Hz. Die Schärfe ist super und auch der Kontrast ist gut. In den Einstellungen lässt sich die Bildwiederholrate zwischen 144, 120, 90 und 60Hz wählen. Etwas merkwürdig ist, dass das Tablet ab Werk auf 60Hz steht, hier solltet ihr also direkt in die Einstellungen gehen und auf 120Hz wechseln. Schade ist außerdem, dass es keine adaptive Steuerung der Bildwiederholrate gibt. Stellt ihr 120Hz ein, bleibt das Gerät auch bei einem statischen Bild konstant bei 120Hz, das lösen andere Hersteller akkuschonender.
Bei der Helligkeit gibt es dafür nichts zu meckern. Wir messen einen maximalen Wert von 850 Lux, und das ist für ein IPS-Display wirklich ausgezeichnet. Damit ist das Tablet auch in hellen Räumen und unter Kunstlicht problemlos ablesbar.
Positiv ist außerdem, dass Widevine L1 unterstützt wird. Netflix, Prime Video und Disney+ laufen also in voller Auflösung, dazu kommen HDR10, HDR10+ und HLG.
Insgesamt ist das Display dank hoher Helligkeit, scharfer 2,5K-Auflösung und Widevine L1 ein Pluspunkt, einzig die fehlende adaptive Bildwiederholrate hätten wir gerne gesehen. Aber das ist eher ein Punkt für die Akkulaufzeit.
Leistung
Im Titan 1 arbeitet ein MediaTek Dimensity 8300. Das ist ein moderner Octa-Core-Chip aus dem Jahr 2023, der im 4-nm-Verfahren gefertigt wird und auf einen Cortex-A715-Kern mit 3,35GHz, drei weitere A715-Kerne und vier sparsame A510-Kerne setzt.
In den Benchmarks landet das Titan 1 im unteren Bereich unseres Vergleichsfelds. Das wundert nicht, weil das kleine Tablet preislich gegen die großen Player wie Xiaomi antreten muss, deren Geräte hier schlicht mehr Rohleistung auffahren. Dennoch zeigt sich deutlich, dass der Preis noch weiter runter muss. Unter Dauerlast hält der Chip rund 78 Prozent seiner Maximalleistung, und auch im 3DMark-Stresstest bleibt die Leistung mit über 80 Prozent Stabilität konstant.
System
Im Alltag spielen die Benchmarks aber eine kleinere Rolle, denn das System fühlt sich richtig schnell an. Das liegt vor allem an der Software: Auf dem Titan 1 läuft ein nahezu cleanes Android 16, ab Werk ist praktisch nur DuraSpeed installiert, und das lässt sich abschalten. Ein so aufgeräumtes System ist in dieser Preisklasse eine Seltenheit, denn üblicherweise klatschen die Hersteller hier reichlich eigene Software drauf. Das Ergebnis ist eine flüssige, wartezeitfreie Bedienung, mit der ihr im Alltag einfach glücklich werdet. Dazu passen die großzügigen 12GB LPDDR5X-RAM und 256GB UFS-4.0-Speicher.
Ein Wort zur Update-Situation: Headwolf war mit dem Vorgänger Headwolf FPad 7 (zum Test) der erste kleine chinesische Hersteller, der seinem Tablet ein echtes Android-Basis-Update spendiert hat. Und anscheinend möchte er seinem guten Ruf alle Ehre machen. Das Titan 1 kam mit Android 15 auf den Markt und hat inzwischen ein Update auf Android 16 erhalten. Es gibt allerdings kein konkretes Update-Versprechen, wie lange das Gerät noch versorgt wird.
Insgesamt ist die Leistung des Headwolf Titan 1 für eine schnelle Nutzung des Systems ausreichend. Die Konkurrenz bietet aber mehr. Zudem gibt es kein Update-Versprechen.
Konnektivität
Eine echte Stärke des Titan 1 ist der SIM-Slot. Das Tablet funkt im 4G-Netz, sodass ihr es auch unterwegs ohne WLAN nutzen könnt, und der Empfang war im Test durchweg gut. Zusätzlich nimmt der Slot eine microSD-Karte auf, der 256GB-Speicher lässt sich also problemlos erweitern. Eine 4G-fähige SIM in einem kompakten Tablet zu haben, ist in dieser Preisklasse eher selten, das bietet zum Beispiel das RedMagic Astra (zum Test) gar nicht.
Auch bei der Ortung gibt es nichts zu bemängeln. Das Titan 1 unterstützt sogar Dual-GPS für GPS, Galileo und BeiDou, die Standortbestimmung ist entsprechend präzise. Drahtlos ist mit WiFi 6 und Bluetooth 5.4 alles Wichtige an Bord. An Sensoren sind Beschleunigungssensor, Gyroskop, E-Kompass, Licht- und Annäherungssensor vorhanden. Verzichten müsst ihr auf Barometer, NFC und einen IR-Sender. Auf NFC und Barometer könnt ihr bei einem Tablet gut verzichten, einen IR-Sender hätten wir aber als praktisches Extra gerne gesehen.
Die Lautsprecher des Titan 1 sind in Ordnung. Sie sind lauter und etwas voller als die meisten Handy-Lautsprecher und haben einen Hauch von Tiefe. An den vollen, raumfüllenden Klang eines größeren Tablets wie des Xiaomi Pad 8 (zum Test) kommen sie aber nicht heran. Für YouTube und das gelegentliche Video auf der Couch reicht es, für den Filmabend würdet ihr euch mehr Volumen wünschen.
Kamera
Die Kamera ist bei einem Tablet selten das Kaufargument, und das Titan 1 macht da keine Ausnahme. Die Fotos der 16-Megapixel-Rückkamera sind bei gutem Licht in Ordnung, der Autofokus arbeitet aber sehr sprunghaft und unzuverlässig. Die Videos der 8MP-Frontkamera sind zudem recht verrauscht und haben einen sichtbaren Rotstich. Auch die Stimmqualität ist blechern.
Unterm Strich ist das eine unterdurchschnittliche Kamera, die für den gelegentlichen Schnappschuss und eine Videokonferenz reicht, mehr aber auch nicht.
Akku
- Ladezeit
- 60Hz
- 120Hz
Der 7.200mAh-Akku ist für die kompakte Größe ordentlich dimensioniert. Im Alltag hält das Titan 1 problemlos durch, und wer es nur ab und zu in die Hand nimmt, kommt auch über mehrere Tage. Ein Ausdauerwunder ist es nicht, aber die Laufzeit geht für die Geräteklasse völlig in Ordnung.
Die klare Schwäche ist das Laden. Mit nur 20 Watt dauert eine volle Ladung über zweieinhalb Stunden, und das ist deutlich länger, als ihr es heute gewohnt seid. Wer das Tablet abends ans Kabel hängt, merkt davon zwar wenig, aber schnelles Nachladen zwischendurch ist hier nicht drin.
Testergebnis
Das Headwolf Titan 1 ist ein Tablet mit klaren Stärken und ebenso klaren Schwächen. Die großen Pluspunkte sind das saubere, schnelle Android, der SIM-Slot mit LTE und vor allem die kompakte Größe, die es auf dem heutigen Tablet-Markt so kaum noch gibt. Dem gegenüber stehen die lange Ladezeit, eine Rechenleistung, die nicht ganz an die besten Geräte der Preisklasse heranreicht, nur durchschnittliche Lautsprecher und eine schwache Kamera.
Damit ist die Einordnung ganz einfach: Die Daseinsberechtigung des Titan 1 liegt in seiner kleinen Größe. Wer ein großes Tablet sucht, kauft besser ein Xiaomi Pad 8 (zum Test), gibt weniger Geld aus und bekommt, außer dem fehlenden SIM-Slot, in praktisch allen Belangen das bessere Gerät. Wer aber bewusst ein kleines, handliches Tablet mit ordentlicher Leistung will, hat kaum Alternativen. Das RedMagic Astra (zum Test) ist hier zu nennen, kostet dann aber eher 500€ und bietet keinen SIM-Slot.
Eine Kaufempfehlung für das Headwolf Titan 1 können wir dennoch erst aussprechen, wenn der Preis unter 300€ fällt. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Denn die genannten Kritikpunkte sind in der Preisklasse über 300€ nicht zu verzeihen. Für unter 300€ könnt ihr aber gerne zuschlagen, sofern das Headwolf Titan 1 diesen Preis in Zukunft erreicht.
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