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Elegoo CANVAS für den Centauri Carbon im Test

Getestet von Holger Becker am
Vorteile
  • Vierfarbdruck
  • kompakte Bauweise, kein separates Gehäuse
  • saubere Integration
  • RFID Erkennung
  • Aufwertung des Centauri Carbon
Nachteile
  • umfangreicher Umbau
  • Glasdeckel passt nicht mehr
  • mehr Platzbedarf
  • mehr mechanische Komplexität
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In diesem Test nehmen wir das CANVAS-System von Elegoo unter die Lupe, mit dem sich der ursprüngliche Centauri Carbon zum Multicolor-Drucker aufrüsten lässt.

Die Vorgeschichte verlief allerdings holprig: Als Elegoo Anfang 2025 den Centauri Carbon (zum Test) auf den Markt brachte, gehörte ein späteres Multicolor-System zu den zentralen Werbeversprechen. Über Monate wartete die Community jedoch vergeblich. Stattdessen erschien überraschend der Centauri Carbon 2 Combo (zum Test) mit bereits integriertem CANVAS-System. Viele frühe Käufer reagierten verärgert, weil sie eine einfache Nachrüstung erwartet hatten und sich nun durch einen kompletten Nachfolger ersetzt sahen. Erst nach deutlicher Kritik kündigte Elegoo den offiziellen Nachrüstsatz für bestehende Centauri-Carbon-Besitzer an, den wir nun ausgiebig getestet haben.

Lieferumfang

Bereits beim Auspacken fällt auf, dass das CANVAS-Kit deutlich umfangreicher ausfällt als gedacht. Wer lediglich eine kleine externe Filamentbox erwartet, wird überrascht sein. Der Umbau greift tief in die Konstruktion des Druckers ein und ähnelt in vielen Bereichen dem Aufbau des später erschienenen Centauri Carbon 2: Nach Abschluss der Installation wirkt der ursprüngliche Centauri Carbon wie ein nachträglich umgebauter Carbon 2.

Das hat zwei Seiten. Einerseits liefert Elegoo offensichtlich keine improvisierte Bastellösung, sondern eine sauber integrierte Erweiterung. Andererseits bestätigt sich rückblickend, dass der spätere Carbon 2 technisch sehr eng mit diesem Umbau verwandt ist. Genau das sorgte seinerzeit bei vielen frühen Käufern für Unmut.

Der Umbau

Das Kit enthält neben der CANVAS-Einheit zahlreiche neue Bauteile, Kabel, PTFE-Führungen, Adapter und Montagematerialien. Die Verarbeitung hinterlässt insgesamt einen guten Eindruck. Die Kunststoffteile wirken stabil genug und fügen sich optisch sauber in den bestehenden Drucker ein. Erfreulich ist, dass Elegoo weitgehend auf vorbereitete Kabelsätze setzt, sodass keine improvisierten Eigenlösungen notwendig werden.

Laut Elegoo arbeitet das System mit vier unabhängigen Motoren, die jeweils ein eigenes Filament steuern. Dadurch soll ein vollautomatischer 4-Farb-Druck in einem einzigen Druckvorgang möglich werden. Außerdem bewirbt Elegoo besonders schnelle Farbwechsel durch verkürzte Zuführwege.

Elegoo Canvas Fördereinheit

Der eigentliche Umbau nimmt je nach Erfahrung mehrere Stunden in Anspruch. Mechanisch müsst ihr mehrere Originalteile entfernen. Dazu gehören unter anderem die ursprüngliche Filamentführung sowie Teile des oberen Druckerbereichs. Im nächsten Schritt montiert ihr die CANVAS-Einheit und verbindet sie mit neuen PTFE-Schläuchen sowie zusätzlichen Komponenten. Dafür müsst ihr den Drucker teilweise öffnen. Erfreulicherweise setzt Elegoo fast ausschließlich auf verschraubte Komponenten, wodurch der Umbau servicefreundlich bleibt.

Während des Umbaus fällt eine wichtige Einschränkung auf. Der originale Glasdeckel des Centauri Carbon passt nach dem Standardumbau zunächst nicht mehr. Aufgrund der geänderten Filamentführung und der zusätzlichen Mechanik im oberen Bereich lässt sich die ursprüngliche Glasabdeckung nicht weiter verwenden. Genau hier zeigt sich die starke Nähe zum späteren Centauri Carbon 2, dessen obere Konstruktion ebenfalls deutlich verändert wurde.

Der Centauri Carbon wird höher + Community-Lösung zum nachrüsten

Im Alltag bedeutet das allerdings auch, dass der Drucker einen Teil seiner ursprünglichen geschlossenen Bauweise verliert. Das kann insbesondere bei empfindlichen technischen Filamenten relevant werden. Materialien wie ASA, ABS oder bestimmte Nylonmischungen profitieren normalerweise von einer möglichst geschlossenen und temperaturstabilen Druckkammer.

Für den praktischen Aufbau haben wir deshalb zusätzlich ein Druckmodell aus der Community verwendet. Ein Nutzer hat ein passendes Aufbau- oder Adaptermodell zur Verfügung gestellt, das speziell dafür gedacht ist, den oberen Bereich des Druckers nach der CANVAS-Installation wieder sinnvoll abzuschließen.

Wir druckten den Aufbau bewusst aus vorhandenen PETG-Resten. Dadurch entstand ein recht buntes Gesamtkonstrukt, das optisch fast an ein kleines „Kasperhaus“ erinnert. Für einen Werkstattdrucker spielt das letztlich jedoch kaum eine Rolle. Hier stand klar die Funktion im Vordergrund und nicht die Optik.

Technisch bringt dieser zusätzliche Aufbau einen wichtigen Vorteil mit sich: Nach der Montage könnt ihr den originalen Glasdeckel des Centauri Carbon wiederverwenden. Genau dieser Punkt dürfte für viele Besitzer interessant sein, denn ohne diese Anpassung bleibt der Drucker nach dem CANVAS-Umbau im oberen Bereich deutlich offener.

Zwar wächst der Drucker durch den gedruckten Aufbau sichtbar in die Höhe, und das Gesamtsystem wirkt anschließend nicht unbedingt schöner oder eleganter als zuvor. Funktional entsteht jedoch ein echter Vorteil: Die Druckkammer lässt sich wieder weitgehend schließen, wodurch sich auch temperatur- und zugluftempfindliche Filamente weiterhin sinnvoll verarbeiten lassen. Gerade technische Materialien profitieren davon spürbar.

Eingriff in die Steuerelektronik

Die elektrische Integration gelingt insgesamt erfreulich unkompliziert. Die meisten Anschlüsse sind bereits vorbereitet und die Verkabelung bleibt übersichtlich. Lötarbeiten oder größere Modifikationen an der Elektronik sind nicht erforderlich.

Weniger gelungen ist dagegen die Kabelführung zwischen Mainboard und Fördereinheit. Das Kabel ist nicht sauber fixiert und hängt im Betrieb lose am Gehäuse. Gerade bei einem Nachrüstkit dieser Preisklasse hätten wir zumindest einfache Klebehalterungen oder kleine Kabelführungen erwartet. Funktional verursacht das im Test zwar keine direkten Probleme, optisch wirkt die Lösung jedoch unnötig improvisiert und passt nicht ganz zum ansonsten recht ordentlich vorbereiteten Umbau.

Software

Nach dem mechanischen Umbau folgt die Softwareeinrichtung. Auch hier zeigt sich ein ausgereifter Eindruck. Der Drucker erkennt das CANVAS-System nach einem Firmware-Update automatisch oder lässt sich direkt aktivieren. Anschließend lassen sich die Filamentpositionen komfortabel konfigurieren.

Laut Elegoo unterstützt das System offiziell die Materialien PLA, PETG, ABS und ASA. Zusätzlich nennt der Hersteller PC, PA, PET und faserverstärkte Filamente als kompatibel. Elegoo wirbt außerdem mit RFID-Filamenterkennung, automatischer Filamentnachfüllung, Verwicklungserkennung und OTA-Updates.

Praxistest

Im praktischen Betrieb arbeitet das System grundsätzlich zuverlässig. PLA und PETG liefen im Test problemlos. TPU bleibt, wie bei fast allen vergleichbaren Mehrfarbsystemen, schwierig. Die Filamentwechsel erfolgen kontrolliert und schnell. Das Prinzip ist mechanisch an bekannte Lösungen anderer Hersteller angelehnt: Vier Filamente werden über PTFE-Schläuche in einen gemeinsamen Zuführungsbereich oberhalb des Extruders transportiert. Auch die Filamenterkennung arbeitet mit Material aus dem Hause Elegoo problemlos.

Die Druckqualität bleibt erfreulicherweise hoch. Der Centauri Carbon behält seine grundlegenden Stärken bei. Layerbild, Oberflächenqualität und Maßhaltigkeit bewegen sich auf dem bekannten Niveau des Grundgeräts. Farbwechsel gelingen sauber, sofern die Purge-Einstellungen korrekt gewählt wurden.

Wie bei nahezu allen Multicolor-Systemen entsteht allerdings erheblicher Materialverlust durch die Purge-Vorgänge. Modelle mit vielen kleinen Farbwechseln produzieren besonders viel Ausschussmaterial. Dies betrifft CANVAS jedoch nicht exklusiv, sondern ist konstruktionsbedingt bei praktisch allen Ein-Düsen-Mehrfarbsystemen der Fall.

Im Alltag steigt außerdem der Wartungsaufwand leicht an. Die zusätzlichen PTFE-Wege reagieren empfindlicher auf ungünstig gewickelte Filamentspulen oder leicht aufgequollenes Material. Im Test kam es gelegentlich zu hakenden Filamentbewegungen. Ursache war meist die Filamentqualität von Drittfirmen.

Positiv fällt dagegen auf, dass das System insgesamt vergleichsweise kompakt bleibt. Im Unterschied zu externen Lösungen anderer Hersteller sitzt CANVAS direkt auf oder am Drucker. Dadurch entsteht zwar ein deutlich höheres Gesamtsystem, jedoch kein zusätzliches, separates Filamentgehäuse neben dem Drucker.

Laut Elegoo liegt der Stromverbrauch des Systems bei lediglich 7 Watt. Das System unterstützt bis zu vier Farben gleichzeitig. Die offizielle maximale Druckgeschwindigkeit gibt Elegoo mit bis zu 500mm/s an, empfohlen werden jedoch etwa 250mm/s. Unsere Tests absolvierten wir überwiegend mit 200-250mm/s.

Nach mehreren Drucktagen bleibt insgesamt ein positives, aber differenziertes Bild zurück. CANVAS erweitert den ursprünglichen Centauri Carbon erheblich und macht aus dem Drucker ein modernes Multicolor-System mit überraschend guter Integration. Gleichzeitig bestätigt der Umbau jedoch auch die Kritik vieler früherer Käufer indirekt. Der technische Abstand zwischen dem ursprünglichen Centauri Carbon und dem späteren Carbon 2 ist nach dem Umbau deutlich kleiner als erwartet.

Testergebnis

Getestet von
Holger Becker

Im Alltag überzeugen vor allem die saubere Hardwareintegration und die stabile Druckqualität. Gleichzeitig steigen jedoch die Druckzeiten, der Materialverbrauch und die mechanische Komplexität spürbar an. Der Drucker wird durch den Umbau höher und optisch sicher nicht eleganter. Mit einem zusätzlichen gedruckten Aufbau lässt sich allerdings der ursprüngliche Glasdeckel wieder nutzen, sodass auch temperaturkritische technische Filamente weiterhin sinnvoll verarbeitet werden können.

Für Besitzer eines Centauri Carbon ist CANVAS damit eine interessante Option, das eigene Gerät technisch deutlich aufzuwerten, ohne ein neues anschaffen zu müssen. Gerade für kreative Projekte, mehrfarbige Modelle, Präsentationsobjekte oder pädagogische Anwendungen erweitert das System den Funktionsumfang erheblich.

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