R36S, RGB20S, Boyhom: Einen festen Hersteller hat der Retro-Handheld für rund 30€ nicht, dahinter steckt ein Chaos aus Nachbauten. Wir haben ihn bestellt und geprüft, wie viel Spielspaß die kleine Videospielkonsole tatsächlich bietet.
Der R36S gehört zu den günstigsten Retro-Handhelds überhaupt: Bei AliExpress kostet er rund 25 bis 30€, bei Händlern in der EU rund 37 bis 50€. Es gibt zahlreiche Nachbauten mit abweichender Technik. Der Handheld kommt in einem schwarzen Karton mit der schlichten Aufschrift „Game Console“.
Mit dem Anbernic RG35XX 2024 und dem Anbernic RG40XX V hatten wir schon Retro-Handhelds im Test, die rund doppelt so viel kosten. Der R36S macht für rund 30€ mehr Spaß, als der Preis vermuten lässt, und die Abstriche liegen bei Werkskarte, Software und Komfort.
| Bestellt | 6. Oktober 2026 bei AliExpress (Classic Game Store) |
|---|---|
| Angekommen | 18. Oktober 2026 |
| Lieferzeit | 12 Tage |
| Versand ab | China, Cainiao-Luftfracht |
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Lieferumfang des R36S
Zum Lieferumfang gehört Folgendes:
- R36S Handheld
- microSD-Karte mit 64GB
- USB-A-auf-USB-C-Kabel
- Displayschutzfolie mit zwei Reinigungstüchern
- Anleitung
Ein Netzteil liegt nicht bei, das Gerät lädt mit 5V/2A über USB-C. Die Anleitung trägt auf dem Deckblatt zwar die Aufschrift „R36S Manual“, darunter steht aber „RGB 20S Instruction“, also der Untertitel eines anderen Geräts.
Technische Daten
- Prozessor: Rockchip RK3326, vier Kerne, 1,5GHz
- Arbeitsspeicher: 1GB
- Display: 3,5 Zoll, IPS, 640 x 480 Pixel (4:3)
- Speicher: zwei microSD-Steckplätze (System und Spiele)
- Akku: 3.000mAh, 3,7V, 11,1Wh
- Anschlüsse: zwei USB-C (DC und OTG), 3,5mm-Kopfhöreranschluss
- Funk: kein WLAN, kein Bluetooth
- Betriebssystem: Linux mit EmulationStation (bei unserem Gerät ArkOS)
Diese Angaben stammen von den Händlern, ein offizielles Datenblatt gibt es nicht, und die zahlreichen Nachbauten können technisch abweichen.
Design und Verarbeitung
Der R36S orientiert sich am Design des Game Boy: ein transparentes pinkfarbenes Kunststoffgehäuse mit weißen Tasten. Oben sitzt das 3,5-Zoll-Display, darunter das D-Pad und die ABXY-Tasten, dazwischen der Lautsprecher, ganz unten zwei Analogsticks sowie Select, Start und eine Funktionstaste. An der Unterseite finden sich zwei USB-C-Buchsen, beschriftet mit „DC“ zum Laden und „OTG“ für Zubehör, dazu ein 3,5mm-Kopfhöreranschluss. Auf der Rückseite liegen vier Schultertasten (L1, L2, R1, R2). Aufgedruckt ist zudem „IP45“. Ob das Gerät tatsächlich gegen Staub und Spritzwasser geschützt ist, können wir nicht bestätigen.
Nachgemessen bringt der R36S 181 Gramm auf die Waage und misst 130 x 84 x 26 Millimeter. In der Hand liegt er wie ein Game Boy. Mir gefällt das Design, nur hätte ich eine andere Farbe gewählt. Die Verarbeitung ist für den Preis in Ordnung. Ihr bekommt eben, wofür ihr bezahlt.
Die vier Schultertasten sind sehr klickig und laut. Die beiden Analogsticks haben wenig Weg, reichen zum Spielen aber aus. Echte Tasten sind ohnehin besser als jede Touch-Steuerung auf dem Smartphone. Die Sticks sind Bauteile in Switch-Bauart und lassen sich bei Drift günstig tauschen. An der Seite sitzen der Powerbutton, eine Reset-Taste und die Lautstärketasten.
Typenschild und Akku
Auf dem Typenschild an der Rückseite stehen „Model No. R36S“, als Brand Name „Boyhom“, dazu „Made in China“ und ein CE-Zeichen. Durch die transparente Rückseite ist der Akku sichtbar, aufgedruckt sind 3.000mAh, 3,7V und 11,1Wh.
Display und Software
Das 3,5-Zoll-Display löst laut Händlerangaben mit 640 x 480 Pixel im 4:3-Format auf und soll ein IPS-Panel sein. Nach dem Start erscheint die Oberfläche EmulationStation mit einer Systemauswahl, oben zeigt sie Akkustand und Uhrzeit an. Für jedes emulierte System gibt es eine eigene Seite mit Beschreibung und der Anzahl der Spiele. Auf der mitgelieferten Karte liegen rund 17.900 vorinstallierte Spiele mit gut 36GB, darunter kommerzielle Titel ohne Lizenz.
Verantwortlich dafür sind Händler und Hersteller, die solche Sammlungen verbreiten. Die Nutzung solcher Sammlungen ist auch für Käufer nicht legal. Wer sauber bleiben will, löscht die Werkskarte bzw. setzt eine neue Karte mit einem frischen System auf.
Das Display ist ordentlich für den Preis. Es ist scharf genug, die Blickwinkel sind in Ordnung, und Auffälligkeiten gab es keine. Für PSP-Spiele ist es allerdings recht klein. Das 4:3-Format passt zu den meisten alten Konsolen. Der R36S verdoppelt PS1-Bilder exakt und verdreifacht Game-Boy-Bilder, die Pixel bleiben dabei scharf.
System und Werkskarte
Als System läuft auf unserem Gerät ArkOS 2.0, Stand 9. Februar 2025. Basis ist ein ArkOS-Abbild für den Anbernic RG351MP, das der Hersteller auf den R36S angepasst hat. Darunter stecken Ubuntu 19.10, dessen Support Mitte 2020 ausgelaufen ist, und ein Linux-Kernel 4.4 von 2021. Updates gibt es dafür keine mehr. Das ArkOS-Projekt selbst wurde Ende 2025 eingestellt. Vom Online-Update im Menü raten wir ab: Es kann das Werks-System unbrauchbar machen.
An Bord ist RetroArch mit rund 150 Kernen, dazu eigene Emulatoren für PSP, Nintendo 64, Nintendo DS, PlayStation 1 und Saturn. Im Menü stehen 125 Systeme. Unter dem Namen R36S kursieren viele Nachbauten mit schwächerer Technik. Unser Gerät ist nach Partitionsnamen und Systemdateien ein Original mit der neueren Display-Generation V5.
Die Werkskarte gilt als größte Schwachstelle des R36S, und unser Exemplar bestätigt das. Auf der Karte steht 64G, das System meldet aber nur rund 52GB, exakt 50.000MiB. Auf der Spielepartition fand sich außerdem ein Ordner, wie ihn nur eine Dateisystem-Reparatur anlegt, und die Partition ist bis auf knapp 1GB voll. Unsere Empfehlung: Karte gegen eine Markenkarte tauschen.
WLAN und Bluetooth fehlen. Die Community pflegt inzwischen aktiv die Systeme dArkOSen, ArkOS4Clone und ROCKNIX (Stand Oktober 2026). Wir haben im Test das Werks-System genutzt.
Startlautstärke: Ultra nervig. Beim Einschalten und nach jedem Reset steht der Lautsprecher auf 100% und plärrt los. Vor Schreck drückt ihr sofort die Leiser-Taste. Eine Einstellung dafür bietet das Werks-System nicht. Die Community-Systeme dArkOSen und dArkOSRE haben eine einstellbare Startlautstärke.
Standby: Einen echten Ruhemodus gibt es nicht. Ein kurzer Druck auf den Powerbutton versetzt das Gerät in einen Schlafmodus, der den Akku weiter leert. Sinnvoller ist der „Quick Mode“, der den Spielstand speichert und das Gerät ausschaltet.
Leistung im Alltag
Game Boy und Game Boy Advance laufen problemlos, auch über Stunden im Akkutest. Bei der PSP reicht die Leistung für viele Spiele. Ein Open-World-Spiel hatte kleine Lags, blieb aber halbwegs spielbar. Das Display wirkt bei PSP-Spielen allerdings recht klein.
Nintendo DS läuft von der Leistung her, der R36S zeigt aber nur einen Bildschirm. Per Fn-Taste wechselt ihr zum unteren Bild. Der rechte Stick ersetzt den Stylus. So sind DS-Spiele spielbar, aber umständlich. Beide Bildschirme zusammen wären auf 3,5 Zoll winzig, jeder nur halb so breit. Deshalb ist ein Bild in voller Größe Standard.
Allgemein gilt: 8- und 16-Bit-Konsolen, Game Boy Advance, PlayStation 1 und 2D-Arcade laufen in aller Regel flüssig. Nintendo 64, Dreamcast und PSP hängen vom Spiel ab. Etwa die Hälfte der PSP-Spiele spielt sich gut, schwere 3D-Titel nicht. Der Saturn läuft kaum, und PlayStation 2 oder GameCube schafft der Rockchip RK3326 nicht.
Akkulaufzeit des R36S
Die Händler geben eine Laufzeit von bis zu 6 Stunden an. Gemessen haben wir rund 5 Stunden Spielzeit mit Nintendo-DS- und Game-Boy-Spielen, bei 50% Helligkeit und ohne Ton. Der Akku ist laut Aufdruck 3.000mAh stark. Er sitzt hinter einer Klappe und lässt sich wechseln. Die Akkuanzeige gilt als ungenau. Geladen wird der R36S über die mit „DC“ beschriftete USB-C-Buchse und das beiliegende USB-A-auf-USB-C-Kabel.
Testergebnis
Für rund 30€ bekommt ihr mit dem R36S ein klobiges Gerät, das trotzdem gut in der Hand liegt und bis zur PlayStation 1 fast alles flüssig emuliert. Bei PSP und Nintendo DS spielt er mit Abstrichen mit: kleine Lags hier, ein fehlender zweiter Bildschirm dort. Wer Retro-Spiele unterwegs zocken und wenig ausgeben möchte, bekommt hier viel Gerät fürs Geld.
Die Schwächen sitzen an den bekannten Stellen. Die Werkskarte ist billig, meldet weniger Speicher als aufgedruckt und enthält rund 17.900 Spiele ohne Lizenz. Das System baut auf Software auf, deren Support längst ausgelaufen ist, und bekommt keine Updates mehr. Dazu kommen laute Schultertasten und ein Lautsprecher, der bei jedem Start mit voller Lautstärke losplärrt. WLAN und Bluetooth fehlen komplett.
Wer die Karte tauscht und gern ein bisschen bastelt, wird mit dem R36S glücklich. Ihr bekommt eben, wofür ihr bezahlt, und für 30€ ist das beachtlich viel. Wer es bequem will und Wert auf Updates, WLAN und einen festen Hersteller legt, greift besser zu einem teureren Gerät. Die Anbernic-Modelle wie der Anbernic RG353V (zum Test) kosten etwa das Doppelte, bringen dafür aber teils WLAN mit, und hinter ihnen steht ein Hersteller, der Updates liefert.
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