Inhaltsverzeichnis
- Hardware: unspektakulär, aber grundsolide
- Profile, Datenseiten und ein Kettenblatt-Wechsel
- Navigation: der eigentliche Grund für den Aufpreis
- Was in anderthalb Jahren dazugekommen ist
- Konnektivität: eine klare Kaufempfehlung vorab
- Akku: die bekannte Schwäche
- Was mich nach 18 Monaten wirklich stört
- Was 300€ besser können als 160€
- Die vier Navis im direkten Vergleich
Seit anderthalb Jahren hängt bei mir ein Hammerhead Karoo 3 am Lenker, an allen meinen Rädern, vom Rennrad über das Gravel-Bike bis zum Commuter. Gekauft habe ich den Fahrrad-Computer / -Navi im Winter im Angebot für 300€. Die UVP liegt zwar bei 500€, aber die zahlt in der Praxis kaum jemand: Zum Saisonstart im April lag er bei 380 bis 400€, aktuell bekommt ihr ihn wieder ab rund 335€.
Bei uns auf Smartzone geht es fast immer um Preis-Leistung: Welches Gerät holt für wenig Geld am meisten heraus, was lohnt sich aus China, wo spart ihr, ohne wirklich etwas zu verlieren. Diesmal drehe ich das um. Ich will euch zeigen, was ihr in dem Fall für doppelt so viel Geld bekommt, und warum das völlig in Ordnung ist bei dem Preis und der gebotenen Leistung.
Im letzten Monat habe ich zwei deutlich günstigere Navis getestet: den iGPSport BSC500 (zum Test) für rund 160€ und den Magene C606 v2 (zum Test) für 130€ bis 169€. Meine Meinung dazu hat sich nicht geändert: Der iGPSport BSC500 reicht den allermeisten Fahrern völlig. Trotzdem macht der Karoo 3 vieles einfach besser. Warum und was, lest ihr hier im Langzeittest.
Hardware: unspektakulär, aber grundsolide
Fangen wir mit dem an, was mir nicht gefällt. Der Karoo 3 ist ein klobiges Gerät. Mit 118g ist er nicht dramatisch schwerer als die Konkurrenz, aber er baut spürbar wuchtiger auf: 102,8 x 61,7 x 19,9 Millimeter. Es gibt Fahrradcomputer, die am Lenker schlanker und schicker aussehen. Zertifiziert ist es nach IP67: da müsst ihr euch auch bei einer Fluss-Durchquerung nicht sorgen.
Der Lieferumfang beinhaltet eine ordentliche Lenkerhalterung, einen Adapter von Hammerheads eigenem Mount auf den Garmin-Standard und ein USB-C-Kabel. Ich habe mir nachträglich Displayfolien gekauft, 10€ für drei Stück. Ehrlicherweise muss ich dazusagen: Nötig war das nicht. Ich bin die erste Zeit ohne Folie gefahren und hatte keinen einzigen Kratzer im Gorilla Glass. Wer möchte, kann bei Hammerhead farbige Seitenteile kaufen und das Gehäuse umfärben, z.B. zur lilanen SRAM-Force-Edition.
Den Garmin-Adapter nutze ich durchgehend, obwohl Hammerheads eigener Mount technisch besser ist. Der Garmin-Standard hat sich bei integrierten Lenkerhalterungen durchgesetzt.
- Lieferumfang
- mitgelieferte Lenkerhalterung
Zur Haltbarkeit nach 18 Monaten kann ich es kurz machen: keine Probleme. Kein Absturz, kein defekter USB-Port, kein spürbarer Akkuverlust. Das ist erwähnenswert, weil die Vorgänger einen nicht so guten Ruf hatten. Der einzige echte Ärger kam von der Software-Seite: Als Hammerhead das eigene Nutzerkonto abschaffte und alles auf das SRAM-Konto migrierte, hat es mir einmal die komplette Datenbank zerschossen. Inzwischen ist die Migration durch, seitdem läuft alles sauber.
Display des Hammerhead Karoo 3
Der Karoo 3 hat zwar ein transflektives TFT, aber nicht die Sorte, die man von Wahoo oder Garmin kennt. Der reflektive Anteil trägt hier wenig. Die Sonnenlesbarkeit kommt fast komplett aus der Hintergrundbeleuchtung, und die wird brutal hell, heller als so manches OLED. Nach anderthalb Jahren mit allen drei Geräten sage ich: Der Karoo überstrahlt das Sonnenlicht schlicht. Ich konnte ihn zu jeder Tageszeit perfekt ablesen, auch in praller Mittagssonne im Sommer und mit Fahrradbrille. Der Helligkeitssensor arbeitet super.
Der Preis dafür steht weiter unten beim Akku: Diese Helligkeit kostet Strom. Und wer sie zum Sparen manuell runterdreht, verliert genau den Vorteil wieder. Dann ist der Karoo in der Sonne plötzlich mühsam, vor allem mit getönter Brille. Bei der Auflösung gibt es nichts einzuwenden: 800 × 480 Pixel auf 3,2 Zoll sind 292 ppi und damit der schärfste Screen im Feld. Der Touchscreen registriert Eingaben präzise, unterstützt Multitouch, und zur Bedienung gibt es zusätzlich vier Tasten und einen Powerbutton.
Profile, Datenseiten und ein Kettenblatt-Wechsel
- Startseite mit den Profilen direkt
- Verwaltung der Fahrräder mit Kilometerzähler
- Einstellungen: viel wird am Gerät eingestellt
- Erweiterungen / App-Side-Loading
- Routen auf dem Gerät
- Funktionen Schnellauswahl
Die Datenseiten lassen sich frei zusammenstellen, und die Auswahl ist reichlich, da fehlt mir nichts. Praktisch finde ich vor allem, dass ihr Profile anlegen und einzelnen Fahrrädern zuordnen könnt. Mein Rennrad-Profil hat andere Datenseiten als das Gravel-Profil, weil am Rennrad Magene-Powermeter-Pedale sitzen. Die Watt-Seiten brauche ich am Gravel-Bike nicht, also sind sie dort auch nicht drin. Gleichzeitig lassen sich Sensoren / Schaltungen auch nur für einzelne Profile aktivieren.
Ein Detail, das mir wichtiger geworden ist, als ich anfangs dachte: Der Karoo zeichnet die genutzten Gänge auf (zumindest bei SRAM AXS). Nach der Fahrt sehe ich, wie viel Zeit ich in welchem Gang verbracht habe. Bei mir hatte das eine handfeste Konsequenz: Am Gravel-Bike sah ich, dass ich die kleinsten Gänge (12, 11 und 10T hinten) praktisch nie genutzt habe. Also bin ich vom 42T- auf ein 38T-Kettenblatt gewechselt. Ergebnis: geradere Kettenlinie und trotzdem mehr Reserve nach oben für steile Anstiege. Das ist genau die Art von Auswertung, die ich beim BSC500 und beim Magene vermisst habe. Beide zeigen den aktuellen Gang zwar live an, speichern die Nutzung aber nicht.
- so sollte eine Karte aussehen: Straßen, Wasser, Fahrradwege, Schienen, Trails, Wege, Asphalt, Wiese,…
Wenn ich den Karoo auf einen Satz eindampfen müsste: Ich starte die Route und muss während der Fahrt nichts mehr am Gerät machen. Genau das ist der Punkt: Der Fahrradcomputer nimmt mir Arbeit ab.
Das fängt beim Kartenmaterial an. Der Karoo zeigt schlicht mehr als die Konkurrenz: Straßen sind nach Typ unterschieden, Radwege eigens hervorgehoben, Parks, Grünflächen und Gewässer eingezeichnet. Super praktisch sind die Points-of-Interest (POI): So seht ihr auch Toiletten oder Geldautomaten eingezeichnet. Auf Wunsch wird sogar die Belagsart (Asphalt, Gravel, etc.) angezeigt.
- Karoo 3
- iGPSport BSC500
- Magene C606 v2
Beim Magene sind so gut wie alle Wege nur dünne Linien. Biegt ihr dort in eine vermeintliche Straße ab, landet ihr schlimmstenfalls auf einem Wurzelpfad. Der BSC500 liegt dazwischen und liefert die wichtigsten Informationen zu den Straßen / Wegen, aber keine POIs.
Dazu kommt die Darstellung während der Fahrt: Der Karoo blendet die Navigationshinweise rechtzeitig ein und zoomt automatisch in die Karte, sobald eine Abzweigung kommt. Ich sehe hier am klarsten von allen drei Geräten, wo die Abzweigung liegt und welchen Weg ich nehmen muss. Beim iGPSport BSC500 und beim Magene habe ich dafür deutlich mehr Einarbeitung gebraucht.
Der zweite große Punkt ist das Rerouting. Wenn ihr die Route verlasst, rechnet der Karoo automatisch neu und zeigt dabei den Original-Track und die neue Route parallel an. Ladet dafür die Offline-Karten für euer Gebiet herunter: in Deutschland nach Bundesland, aber es gibt auch weltweite Karten, perfekt für den nächsten Bike-Urlaub.
Ein Tipp aus der Praxis: Stellt das Rerouting auf „Straße”, sonst schickt euch das Gerät gern quer durch den Wald. Zum Vergleich: das Magene meldet erst nach 30 Sekunden bis einer Minute, dass ihr abgekommen seid, und braucht dann nochmal eine Minute; heraus kommt meist „dreh um” oder eine Luftlinie.
Beim Routen-Workflow selbst nehmen sich alle drei wenig: Ich plane in Komoot, und die Routen landen automatisch auf dem Gerät. Beim Karoo passiert das ohne Zutun, bei den anderen sind es ein bis zwei Klicks mehr.
Der Karoo 3 zieht sich auf Wunsch Suunto Heat Maps oder Strava-Segmente automatisch, und während der Fahrt sagt er mir an, dass gleich eines beginnt, inklusive der Zeit, die ich fahren müsste, um mir den KOM zu holen.
Der Karoo navigiert wie ein richtiges Navi
Das ist der Unterschied, der sich am schwersten in eine Tabelle schreiben lässt und der mir im Alltag am meisten bringt: Der Karoo berechnet Routen selbst. Er hat die Rechenleistung dafür an Bord, und deshalb verhält er sich unterwegs wie ein Auto-Navi und nicht wie ein Gerät, das eine vorbereitete Linie abspult.
- Was da schon alles eingezeichnet ist!
Konkret sieht das so aus: Ich bin auf einer Route und entscheide spontan, dass ich woanders hin will:
- Ich kann eine andere gespeicherte Route wählen.
- Ich kann über die Points of Interest ein Ziel in der Umgebung suchen, oder auf der Karte auswählen und mich dorthin navigieren lassen.
- Ich kann die Heimfahrt starten.
- Oder ich nehme das Handy, suche in Google Maps ein Ziel und schicke es per „Share to Hammerhead” ans Gerät, während ich auf dem Rad sitze. Ein klassisches Beispiel: Unterwegs kommt der Hunger, ich suche einen Supermarkt und der Karoo weicht mitten in der laufenden Navigation dorthin ab.
In allen Fällen rechnet er mir eine saubere Route dorthin. Genau das können der BSC500 und der Magene so nicht: Sie sind darauf ausgelegt, eine vorher geplante Strecke abzufahren.
Ganz ohne Route losfahren
Ich muss gar keine Route mehr planen. Ich setze mich aufs Rad, fahre los und navigiere nach Karte oder wähle einfach spontan einen Ort aus. Weil das Kartenmaterial so detailliert ist, sehe ich unterwegs, welche Wege gute Radwege sind, und entscheide spontan, wo ich langfahre. Bei einem Gerät mit dünnem Kartenmaterial ist das nicht möglich, da bleibt euch nur die vorbereitete Linie.
Climber bei Anstiegen / Bergen
- Die Kletterfunktion ist gut, aber das kann die Konkurrenz auch
Die Kletterfunktion arbeitet zuverlässig: Der komplette Anstieg wird farbig dargestellt, sodass ihr seht, wo es richtig steil wird, und die Karte bleibt dabei groß genug. Jeder Berg wird korrekt erkannt und zugeordnet. Mein einziger Kritikpunkt: CLIMBER springt vor allem bei längeren Anstiegen an. Bei manchen kleineren Bergen hätte ich mir die Anzeige auch gewünscht.
Was in anderthalb Jahren dazugekommen ist
Das ist der Abschnitt, den ich mir bei Tests anderer Geräte oft wünsche. Denn ein Fahrradcomputer ist keine Anschaffung für eine Saison, so ein Gerät kauft ihr nur alle rund fünf Jahre. Und seit Launch hat SRAM rund 34 Software-Updates ausgeliefert, im Schnitt alle zwei Wochen. Das Gerät, das ich heute fahre, ist ein anderes als das, das ich gekauft habe. Ein paar Beispiele:
- Native Extension-Bibliothek (März 2025): Zusatz-Apps lassen sich direkt am Gerät installieren, das umständliche Sideloading entfällt. Ja richtig, es ist ein Android-Gerät, auf dem sich Apps installieren lassen.
- Klingel-Funktion (August 2025): Genau das Feature, mit dem iGPSport und Magene vorher geworben haben.
- Höhenlinien auf der Karte (September 2025): super praktisch, wenn ihr selbst navigiert und euch ein paar Höhenmeter sparen möchtet
- Medienwiedergabe (Oktober 2025): zuvor hatte ich eine Spotify-App installiert, inzwischen reicht mir die native Medienwiedergabe.
- Untergrund-Hinweise (Oktober 2025): zeigt an, worauf ihr gleich fahrt.
- Eigene Alarme (Dezember 2025): frei definierbare Erinnerungen pro Profil, etwa fürs Trinken.
- Automatischer Sync von FTP, Watt- und Pulszonen (Juni 2026) von der Trainingsplattform aufs Gerät.
- Trail Maps (Juli 2026): mein persönliches Highlight: es wurden zig Mountainbike-Trails eingezeichnet.
- Hammerhead App:
- hat nicht viele Funktionen, das Meiste stellt man am Gerät ein
- Routenverwaltung
- Routen können in der App geplant werden
- Fahrtenübersicht:
- Nach der Fahrt: Karte, hier mit Radwegen
- Daten nach der Fahrt
- Gangnutzung danach, öffnet sich als Browserfenster in der App
Bei zwei Updates lohnt sich der genauere Blick. Die Medienwiedergabe zeigt gut, wie das Android-System funktioniert, und wo es Grenzen hat. Vorher hatte ich mir eine Spotify-App per Sideload installiert, in der ich Playlists auswählen konnte. Als der native Player kam, habe ich sie deinstalliert. Der native kann keine Playlist-Auswahl, nur Steuerung.
Die Trail Maps sind eine weitere tolle Ergänzung. Ich sehe jetzt schon auf der Karte, dass ein Weg ein Trail wird. Vorher stand da nur eine Linie, und ich habe es erst gemerkt, als ich mittendrin war. Das funktioniert in beide Richtungen: Bin ich gemütlich mit dem Gravel-Bike unterwegs, will ich den Trail vermeiden. Sitze ich auf dem Mountainbike, suche ich ihn.
Diesen Update-Takt bekommt ihr bei den China-Navis nicht. Sie funktionieren nach dem Kauf gut, bleiben aber im Wesentlichen so, wie sie sind. Wobei Magene immerhin den Komoot-Sync nachgereicht hat.
Konnektivität: eine klare Kaufempfehlung vorab
Der Karoo ist ein SRAM-Produkt, und das merkt ihr. Meine AXS-Komponenten koppeln automatisch und zeigen Gangposition und Akkustand live an. Noch praktischer: Wird der Akku am Schaltwerk oder an den Schalthebeln schwach, meldet sich das Gerät von selbst, ich muss nicht daran denken, regelmäßig nachzusehen. Über die Bonus-Buttons an den Force-Schalthebeln blättere ich außerdem durch die Datenseiten, auch wenn ehrlicherweise gilt: ganz nett, muss aber nicht sein.
Deshalb hier die Empfehlung an Fahrer elektronischer Schaltung:
Zum (SRAM Hammerhead) Karoo greift ihr, wenn ihr eine SRAM-Schaltung fahrt. Shimano Di2 wird offiziell nicht nativ unterstützt. Über die Community-Extension KI2 läuft es, aber als Shimano-Fahrer würde ich vermutlich direkt zu Garmin oder Wahoo greifen.
Ansonsten läuft alles, was ein normaler Radfahrer nutzt: Powermeter und Pulsgurte koppeln über ANT+ oder Bluetooth, und mit dem Hammerhead-Konto lassen sich Strava, Komoot, Ride with GPS, TrainingPeaks, TrainerRoad, Intervals.icu, Xert und Suunto verknüpfen. Radar-Rücklichter bindet der Karoo über den ANT+-Standard ein, also markenunabhängig. Das Dual-Band-GPS ist sehr genau, auch im dichten Wald: mehr kann ich dazu nicht sagen, weil es einfach funktioniert.
Akku: die bekannte Schwäche
Der Akku ist 3.200mAh groß. Fahre ich einen ganzen Tag durch, komme ich auf 13 Stunden, mit zwischendurch ausgeschaltetem Display auf 14 bis 15. Ein Akku-Monster ist der Karoo 3 nicht, und genau das kritisiert praktisch jeder Test. Zum Vergleich: Ein Garmin Edge 1040 schafft rund 35 Stunden laut Hersteller. Wer allerdings Ultracycling oder mehrtägiges Bikepacking ohne Steckdose plant, braucht eine Powerbank oder einen anderen Fahrradcomputer.
Was mich nach 18 Monaten wirklich stört
Der größte Nervpunkt ist die Startzeit. Der Karoo braucht fast eine Minute zum Hochfahren, und danach vergehen nochmal rund zehn Sekunden, bis sich das System flüssig bedienen lässt. In der Praxis heißt das: Karoo einschalten, dann erst Helm und Schuhe anziehen, und schon ist auch das Navi bereit.
Damit zusammen hängt der Prozessor. Konkret sind das ein Quad-Core mit 2,0GHz und 4GB RAM. Hammerhead nennt ihn selbst „ultraschnell”, ich würde nach anderthalb Jahren sagen: ausreichend. Ich will nicht sagen, dass er überfordert ist. Im Alltag läuft alles flüssig. Aber es ist eben nicht die Geschmeidigkeit eines Smartphones. Wenn ich eine sehr lange Route lade und zusätzlich die Points of Interest einblende, merke ich das.
Dazu kommen drei Dinge, die mich weniger betreffen, die ihr aber wissen solltet: Fürs Internet braucht der Karoo ein Smartphone oder WLAN. Die Hammerhead-App zeigt alle Daten, aber der Mix aus Browser- und App-Ansicht wirkt nicht durchdacht. Und Wegpunkte aus GPX-Dateien liest das Gerät bis heute nicht ein.
Was 300€ besser können als 160€
Jetzt zur Kernfrage, und ich beantworte sie so sachlich wie möglich. Mein Kollege Jonas ist überzeugter iGPSport-Fahrer, und ich teile auch seine Einschätzung: Der BSC500 ist für 160€ ein sehr gutes Gerät. Trotzdem gibt es Dinge, die der Karoo nachweislich besser macht:
- Kartendetail: mehr Informationen, klarere Unterscheidung der Wegtypen, seit Kurzem Höhenlinien und Trail-Kennzeichnung.
- Rerouting: rechnet schneller neu und findet Wege, die ihr auch fahren wollt, ohne dass vorher eine Handy-App laufen muss.
- Echte Zielnavigation: berechnet Routen selbst: Ziel am Gerät suchen, Heimfahrt starten, spontan ein Ziel vom Handy schicken. Oder ganz ohne geplante Route nach Karte fahren.
- Gang-Aufzeichnung: als einziges der drei Geräte, mit echtem Nutzen für die Übersetzungswahl.
- Routen-Verwaltung: Kategorien und Favoriten statt einer langen Liste.
- Erweiterbarkeit: Extensions aus der Bibliothek oder per Sideload.
- Update-Takt: alle zwei Wochen neue Funktionen, seit Jahren.
Umgekehrt gilt genauso: Der iGPSport BSC500 hält länger durch, startet schneller, ist leichter und kostet deutlich weniger. Wenn ihr eure Route in Komoot plant und sie einfach nur abfahrt, macht er das genauso gut. Für die meisten Radfahrer ist er die vernünftige Wahl, und dabei bleibe ich.
- links – Hammerhead Karoo 3 / mitte – iGPSport BSC500 / rechts – Magene C606 v2
Zum Einordnen habe ich neben den beiden günstigen Geräten noch das iGPSport BiNavi mit in die Tabelle genommen, das liegt preislich zwischen den Lagern und ist damit die eigentliche Alternative, wenn euch der BSC500 zu einfach und der Karoo zu teuer ist.
| Hammerhead Karoo 3 | iGPSport BSC500 | Magene C606 v2 | iGPSport BiNavi | |
|---|---|---|---|---|
| Abmessungen | 102,8 x 61,7 x 19,9mm | 100,5 x 57,2 x 14,7mm | 97 x 57 x 17,6mm | 101 x 60 x 14,5mm |
| Gewicht | 118g | 107g | 107g | 103g |
| Display | 3,2 Zoll, 480 x 800 Pixel | 3,3 Zoll, 480 x 320 Pixel | 2,8 Zoll, 400 x 240 Pixel | 3,5 Zoll, 480 x 320 Pixel |
| Displayart | transflektiv (Farb-LCD) | transmissiv (Farb-LCD) | transflektiv | transflektiv |
| Akku | 3.200mAh, bis 15 Stunden | 2.300mAh, bis 25 Stunden | 2.000mAh, bis 25 Stunden | 1.250mAh, bis 35 Stunden |
| System und Software | Android mit Hammerhead-App | natives System mit iGPSport-App | natives System mit OnelapFit-App | natives System mit iGPSport-App |
| Preis | 300 bis 350€ | rund 160€ | 169€ | rund 215€ |
Auf dem Papier gewinnt der Karoo nur bei Auflösung und Speicher, beim Akku verliert er gegen alle drei. Genau das ist der Punkt dieses Tests: Der Aufpreis steckt fast vollständig in der Software, nicht in den Daten. Wer ein großes, transflektives Display und lange Laufzeit sucht, findet das beim iGPSport BiNavi für rund 100€ weniger, nur eben nicht die Navigationsqualität.
Testergebnis
Der Hammerhead Karoo 3 ist das Gerät, das mich am wenigsten beschäftigt. Ich montiere ihn, starte die Route und fahre, den Rest macht er. Genau dafür zahlt ihr den Aufpreis: nicht für bessere Daten auf dem Papier, sondern für Software, die unterwegs auf dem Rad einfach unterstützt.
Bei 500€ UVP würde ich zögern. Der reale Preis liegt aber seit Langem bei 300 bis 335€, und in dieser Region finde ich ihn angemessen. Ganz einfach: Es braucht nicht das SRAM Red XPLR Schaltwerk für 500€, das SRAM Rival schaltet für 200€ genauso. Die 60 Gramm Gewichtsunterschied machen euch nicht schneller. Aber wenn ihr nicht anhalten müsst, weil das Kartenmaterial so gut ist 😉. Steckt die Differenz lieber in einen guten Fahrradcomputer, davon habt ihr auf jeder Ausfahrt etwas.
Kaufen würde ich ihn, wenn ihr eine elektronische SRAM-Schaltung fahrt, viel in unbekanntem Gelände unterwegs seid, gern spontan von der Route abweicht oder ein Gerät wollt, das über Jahre neue Funktionen bekommt.
Sparen könnt ihr euch den Aufpreis, wenn ihr überwiegend bekannte Strecken fahrt, Shimano Di2 nutzt, sehr lange Distanzen ohne Lademöglichkeit plant, oder wenn euch schlicht reicht, dass eine geplante Route zuverlässig abgefahren wird. Dann nehmt den iGPSport BSC500 (zum Test) und legt das gesparte Geld in bessere Reifen an.
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