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Magene ist im Radsport längst kein Unbekannter mehr, zumindest bei der Hardware. Die Powermeter-Pedale und -Kurbeln gelten unter Schraubern als echter Geheimtipp, auch sonst baut die Marke erstklassige Teile, und unterstützt sogar ein Profiteam (XDS Astana Team). Genau mit dieser Erwartung, da steht ein bekannter Hersteller dahinter, habe ich mir das Magene C606 v2 gekauft: für 127€ bei AliExpress, bei Amazon liegt es bei 169€.
Die Frage ist nur: Ein Fahrradcomputer lebt nicht von der Hardware allein, sondern vor allem von der Software und dem Kartenmaterial. Und genau da wird es spannend. Das Magene C606 v2 kostet ungefähr so viel wie das iGPSport BSC500, das ich parallel im Einsatz hatte. Es muss sich also direkt mit ihm messen. So viel vorweg: Das Magene ist ein ordentlicher Fahrradcomputer, aber das iGPSport BSC500 (zum Test) macht es dem Magene schwerer, als es der Preis vermuten lässt.
Lieferumfang und Verarbeitung
Fangen wir mit einem klaren Pluspunkt an, denn beim Lieferumfang zeigt sich die Hardware-Stärke von Magene sofort. Neben dem Computer liegen eine Gummi-Schutzhülle und sogar eine Displayschutzfolie bei. Beides braucht ihr an einem Fahrradcomputer nicht zwingend, aber haben ist besser als brauchen, und gerade die Folie ist eine schöne Geste.
Auf der Rückseite sitzt der übliche Garmin-Mount, und Magene legt direkt einen zweiten Mount als Ersatz bei. Das finde ich clever, denn die Kunststoff-Pins nutzen sich mit der Zeit ab, und so habt ihr den Ersatz gleich zur Hand. Dazu kommen ein USB-C-Kabel und die übliche Lenkerhalterung mit zwei Gummiringen. Wie schon beim BSC500 gilt: Gönnt euch eine gescheite Lenkerhalterung, das macht am Cockpit einfach mehr Freude.
Die Ladeklappe an der Unterseite lässt sich mit dem Fingernagel öffnen, dahinter sitzt der USB-C-Anschluss. Das Navi ist mit 97 x 57 x 17,6 Millimeter bei 107 Gramm kompakt. Die Verarbeitung ist ordentlich und es macht eine gute Figur am Fahrradlenker. Zertifiziert ist es nach IPX7, also darf auch bei Regen benutzt werden.
Display: klein, aber in der Sonne top
Das Magene C606 v2 setzt auf ein transflektives Display, und das ist sein großer Trumpf. Auf Produktfotos sieht so ein Panel nie besonders knackig aus, aber draußen bei praller Sonne ist die Ablesbarkeit exzellent. Ich muss die Helligkeit im Sommer nicht hochdrehen, bzw. die automatische Regelung muss es nicht, was nebenbei den Akku schont. Das ist genau der umgekehrte Ansatz zum hintergrundbeleuchteten BSC500, und wer viel bei greller Sonne fährt, wird das zu schätzen wissen. Der Preis dafür: Das Display ist mit 2,8 Zoll sichtbar kleiner und mit 400 x 240 Pixel nicht so scharf wie das des Karoo 3. Für draußen reicht es locker, und der Touchscreen reagiert souverän.
Die geringe Größe hat aber eine praktische Folge. Auf meiner Standard-Fahrseite mit Karte wird oben links der Abbiegehinweis eingeblendet, etwa „Abbiegen in 1 Kilometer”. Darunter bleibt dann nur noch Platz für zwei Datenfelder, bei mir der aktuelle Gang, also zum Beispiel 48 vorn und 15 hinten, und die Geschwindigkeit. Das größere iGPSport BSC500 bietet an dieser Stelle spürbar mehr Platz.
App und Konnektivität
- OnelapFit App: Umfang ist solide
- die letzten Rides bekommt man
- auch Statistiken
- man kann auch seine Bikes hinterlege
Die Software ist der Punkt, an dem Magene gegenüber der Konkurrenz Federn lässt. Nicht, weil etwas nicht funktioniert, sondern weil alles etwas einfacher und basic wirkt. Die deutsche Übersetzung ist stellenweise holprig, und ein paar Dinge müsst ihr euch erst erarbeiten. So habe ich erst nach einer Weile gemerkt, dass ihr Offline-Karten aufs Gerät laden könnt. Und ihr müsst die Smartphone-App vor der Fahrt einmal öffnen, damit die Verbindung steht, denn im Hintergrund verbindet sie sich nicht von allein, wie es der Karoo 3 macht. Habt ihr euch einmal eingerichtet, kommt ihr aber gut klar.
Routen über Komoot und die OnelapFit-App
- Die App bietet genug Einstellungsmöglichkeiten
- Offline-Maps kann man auf das Navi laden
- Toll: Strecken einfach per Komoot synchronisieren
- und dann an den Fahrradcomputer schicken
Routen kommen über die OnelapFit-App aufs Gerät, klassisch per GPX-Import oder, und das ist neu, direkt aus Komoot. Das läuft richtig gut: In der App tauchen die Komoot-Routen automatisch auf, ihr wählt eine aus, importiert sie und schickt sie an den Computer. Das ist ein Klick mehr als beim Karoo, aber diese Komoot-Anbindung ist für mich Pflicht an einem modernen Fahrradcomputer. Der Strava-Export der Fahrten klappt danach ebenfalls problemlos.
Sensoren und Powermeter
Bei der Kopplung spielt Magene seine Hardware-Stärke aus, dafür werden Bluetooth 5.0 und ANT+ genutzt. Meine SRAM-Schaltung war sofort verbunden und zeigt den richtigen Gang, das gilt auch für Shimano Di2 oder Campagnolo. Die Magene-Powermeter-Pedale laufen erwartungsgemäß nahtlos und liefern alle Werte inklusive Trittposition, Trittfrequenz und Leistung, ein echtes Heimspiel. Nur schade, und das kenne ich schon vom BSC500: Die gefahrenen Gänge tauchen nach der Fahrt nicht in der App auf. Herzfrequenzsensoren koppeln sich problemlos.
In der Praxis: Datenseiten und ClimbPro
- Datenseiten kann man frei bearbeiten
- auch z.B. mit Daten von den Powermeter-Pedalen
- es gibt auch eine KOM-Seite, mit Strava-Segmenten
- auch die Climbr-Seite ist anpassbar – gefällt mir!
Im Alltag macht das C606 v2 vieles richtig. Ihr könnt mehrere Profile anlegen, bei mir eins fürs Rennrad und eins fürs Gravel-Bike, und die Datenseiten frei zusammenstellen. Ich habe eine Seite für die Fahrdaten, eine für die Karte und eine für die Steigung, das passt alles.
- Es gibt auch eine Kletter- / Bergseite wie beim Karoo 3: Und die ist sehr gut!
Richtig gut gefällt mir das ClimbPro. Kommt ein Anstieg, wechselt das Gerät automatisch in die Kletteransicht und zeigt den Berg als Graphen: wo es wie steil wird und wie viele Höhenmeter noch vor euch liegen. Praktisch ist, dass parallel eine kleine Karte eingeblendet bleibt, denn nicht jeder Berg verläuft linear und manchmal müsst ihr abbiegen. In der Praxis funktioniert das durchweg gut.
Und damit sind wir bei meinem größten Kritikpunkt, dem Kartenmaterial. Ich kann nur aus Deutschland berichten, in China-Videos sieht die Karte deutlich detaillierter aus. Hierzulande aber bietet das Magene die wenigsten Informationen von allen drei Geräten. Das iGPSport BSC500 zeigt schon mehr, und an das Karoo 3 kommt ohnehin niemand heran.
- Da ist das Kartenmaterial echt nicht top: Wir sind voll im Wald und auf dem Display sieht man nur einen kleinen grünen Fleck. Das machen andere besser!
Konkret sehe ich auf der Magene-Karte fast nur große Straßen wie Bundesstraßen, hin und wieder einen grünen Fleck für ein Waldstück (deutlich weniger als es real sind), und ansonsten sind alle Wege nur als schlichte Linien eingezeichnet, egal wie gut oder schlecht sie sind. Biegt ihr spontan in so eine Linie ab, landet ihr schnell auf einem Wurzelpfad oder im Dickicht, ohne dass die Karte davor gewarnt hätte.
Solange ihr eure geplante Route einfach abfahrt, ist das kein Problem. Sobald ihr aber abweichen oder eine Umleitung suchen müsst, wird es zäh, denn auf so einer dünnen Karte findet ihr selbst nur schwer einen vernünftigen Weg.
Das automatische Rerouting hilft da wenig. Meist bekomme ich nur ein „dreh um” oder eine Luftlinie zurück zur ursprünglichen Route. Dazu ist es träge: Es dauert oft 30 Sekunden bis eine Minute, bis das Magene überhaupt meldet, dass ich abgekommen bin, und danach nochmal so lange bis zur neuen Route. So lange bleibt niemand stehen und wartet. Auch das Navigieren zu gespeicherten Orten oder nach Hause führt euch manchmal über Wege, die ihr mit den meisten Rädern schlicht nicht fahren wollt. Hier zeigt der Karoo 3, wie viel besser es gehen kann.
Im Vergleich zum iGPSport hat der Magene C606 v2 zwar WLAN an Bord, aber das braucht es wohl nur zum runterladen von Offline-Karten. So hat man immerhin unterwegs ohne Smartphone (oder ohne Mobilfunk) zumindest eine Karte auf dem Navi gespeichert. Der interne Speicher ist mit 8GB ausreichend groß, denn die Dateien (wie Routen oder Karten) sind nur wenige Megabyte groß.
GPS-Genauigkeit und Akkulaufzeit
Beim GPS setzt das Magene C606 v2 nur auf Single-Band, während das BSC500 mit Dualband arbeitet. Im Alltag würde ich darauf aber keinen großen Wert legen. Ab und zu liegt die aufgezeichnete Spur ein Stück neben der Straße, doch am Ende reden wir bei einer 20-Kilometer-Fahrt vielleicht über 50 Meter Abweichung, das interessiert niemanden. Bei schwächerem Empfang wird es etwas ungenauer, die Navigation stört das aber überhaupt nicht.
Der Akku fasst 2.000mAh und ist in rund drei Stunden per USB-C wieder voll. Magene gibt bis zu 25 Stunden Laufzeit an, das kann ich so nicht bestätigen, es hängt stark von den Einstellungen ab. In der Praxis habe ich rund 5 Prozent pro Stunde verbraucht, macht etwa 20 Stunden. Das reicht locker für lange Tage, und das transflektive Display hilft, weil es ohne hohe Helligkeit auskommt.
Lohnt der Aufpreis zum Magene C706?
Kurz zum größeren Modell, dem Magene C706 für rund 240€, bei Amazon etwas günstiger. Es bringt ein größeres 3,3-Zoll-Display, fünf statt drei Tasten, Dualband-GPS und ein paar Extras wie Sprachansagen, eine elektronische Klingel und einen Lichtring mit. Die eigentliche Software, die App und die Datenfelder sind aber identisch. Meiner Meinung nach lohnt der Aufpreis nicht. Das größere Display ist nett, Dualband braucht kaum jemand, und die grundsätzliche Schwäche bei den Karten bleibt genau dieselbe.
Damit ihr die Einordnung auf einen Blick habt, hier die technischen Daten von Karoo 3, BSC500 und C606 v2 nebeneinander, ergänzt um das iGPSport BiNavi (zum Test).
| Hammerhead Karoo 3 | iGPSport BSC500 | Magene C606 v2 | iGPSport BiNavi | |
|---|---|---|---|---|
| Abmessungen | 102,8 x 61,7 x 19,9mm | 100,5 x 57,2 x 14,7mm | 97 x 57 x 17,6mm | 101 x 60 x 14,5mm |
| Gewicht | 118g | 107g | 107g | 103g |
| Display | 3,2 Zoll, 480 x 800 Pixel | 3,3 Zoll, 480 x 320 Pixel | 2,8 Zoll, 400 x 240 Pixel | 3,5 Zoll, 480 x 320 Pixel |
| Displayart | transflektiv (Farb-LCD) | transmissiv (Farb-LCD) | transflektiv | transflektiv |
| Akku | 3.200mAh, bis 15 Stunden | 2.300mAh, bis 25 Stunden | 2.000mAh, bis 25 Stunden | 1.250mAh, bis 35 Stunden |
| System und Software | Android mit Hammerhead-App | natives System mit iGPSport-App | natives System mit OnelapFit-App | natives System mit iGPSport-App |
| Preis | 300 bis 350€ | rund 160€ | 169€ | rund 240€ |
Ein Wort noch zum Hammerhead Karoo 3, der in der Tabelle mitläuft. Er kostet zwar rund das Doppelte, spielt bei der Navigation aber in einer eigenen Liga. Das Kartenmaterial sucht seinesgleichen, so detailliert, dass ihr allein mit dem Gerät durch Städte und Landschaft findet. Kleine Wege, Radwege und Alternativrouten sind sauber eingezeichnet, und das Rerouting arbeitet souverän. Wer die bestmögliche Navigation will und bereit ist, dafür zu zahlen, kommt am Karoo kaum vorbei.
Testergebnis
Das Magene C606 v2 ist ein wirklich ordentlicher Fahrradcomputer. Es navigiert zuverlässig, bringt Trainingsfunktionen und mehrere Profile mit, die Komoot-Anbindung ist herrlich einfach, das transflektive Display ist draußen top, der Akku hält lange und der Lieferumfang ist großzügig. Als reines Stück Hardware macht Magene wenig falsch, das kennt ihr von der Marke.
Keine Rose ohne Dornen: Die größte Schwäche ist das karge Kartenmaterial. Ihr möchtet unterwegs auf die Karte schauen und erkennen, ob ihr abbiegen könnt, und genau da bietet das Magene zu wenig. Dazu kommen das träge Rerouting und eine Software, die einfacher wirkt als die der Konkurrenz. Ihr kommt in der Praxis klar, aber ideal ist es nicht.
Und damit sind wir beim entscheidenden Punkt: Das C606 v2 kostet ungefähr so viel wie das iGPSport BSC500 (zum Test), funktioniert aber nicht besser. Das BSC500 hat das größere Display, die bessere Karte und die rundere Software. Wer die Wahl zwischen beiden hat, greift zum iGPSport BSC500.
Ein schlechtes Gerät ist das Magene deshalb nicht, im Gegenteil. Ich verschenke es nach dem Test an meine kleine Schwester, die frisch zum Gravel-Fahren gekommen ist. Mit einer kurzen Einweisung wird sie bestens damit zurechtkommen, und über einen eigenen Fahrradcomputer freut sie sich riesig. Genau da liegt die Stärke des C606 v2: ein solides, ehrliches Gerät, das seinen Job macht. Nur wer die direkte Konkurrenz kennt, merkt, dass es für dasselbe Geld etwas mehr gibt.
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