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Gravel-Hype ausgetrickst: Wie mein Flatbar-Commuter nur die Hälfte kostet

Getestet von Erik Schmid am
Vorteile
  • tolle Preis-Leistung für ein Bike
  • Unikat: maßgeschneidert auf euch
  • preiswerte MTB-Schaltung am Gravel-Bike
  • Carbon-Rahmen & -Laufräder
Nachteile
  • schwieriger lokaler Support
  • Import von "China"-Teilen
  • erfodert Fachwissen und Schraubarbeit
  • Geometrie-Falle
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Wer das beste Preis-Leistungs-Verhältnis sucht und auf smartzone.de regelmäßig Technik aus China testet, überträgt dieses Prinzip unweigerlich auf andere Lebensbereiche. Die Preise auf dem Fahrradmarkt sind in den letzten Jahren förmlich explodiert. Bedingt durch Lieferengpässe der Vergangenheit und den anhaltenden E-Bike-Boom stiegen die unverbindlichen Preisempfehlungen für unmotorisierte Premium-Räder immer weiter. Doch anstatt diese Entwicklung zähneknirschend hinzunehmen, bietet sich der clevere Eigenbau als smarte Alternative an.

Bei meinem Fahrrad-Projekt stand genau das im Fokus: Kompromisslose Leistung zu einem fairen Preis, kombiniert mit der perfekten Abstimmung auf den Einsatzzweck. Was ihr dabei alles beachten müsst, erfahrt ihr in diesem Artikel!

Mondince Erik Flatbar Gravel Mai 26

Um das Resultat direkt vorwegzunehmen: Am Ende dieser Planung steht ein schnelles Flatbar-Gravel-Bike (ein geländegängiges Rad mit geradem Lenker). Es rollt auf leichten „Elite Wheels“-Carbon-Laufrädern, basiert auf einem Mondince FM316 (Open-Mold) Carbon-Rahmen und nutzt für den Antrieb eine mechanische „Shimano Deore XT“-Premium-Schaltgruppe. Kostenpunkt für dieses komplett individualisierte Setup: unter 1.800€. Bei etablierten großen Herstellern zahlt ihr für eine vergleichbare Ausstattung, insbesondere mit hochwertigen Carbon-Laufrädern, schnell das Doppelte. Dieser Artikel beleuchtet, warum ich genau diese Komponenten gewählt habe und wie die Technik dahinter harmoniert.

Wichtiger Disclaimer vorab: Ein derartiges Projekt geschieht stets auf eigene Verantwortung. Es setzt technisches Verständnis und spezielles Werkzeug voraus. Ihr müsst euch mit der Materie auskennen und schrauben können. Bei technischen Problemen kann euch nicht jeder beliebige Fahrrad-Laden weiterhelfen, ein kompetenter Zweiradmechaniker kommt damit aber zurecht.

Gravel-Hype und die Lücke im Markt

Der Markt für Gravel-Bikes boomt unaufhaltsam. Die Möglichkeit, auf glattem Asphalt hohes Tempo zu fahren und trotzdem nahtlos auf unbefestigte Schotter- und Waldwege abbiegen zu können, macht diese Radkategorie für den Alltag genial. Das Problem dabei: Nahezu alle hochwertigen Gravel-Bikes werden ab Werk ausschließlich mit einem Drop-Bar (Rennradlenker) ausgeliefert und sind dazu tief (Stack). Das sind tolle Fahrräder, die ich euch wirklich ans Herz legen kann. Aber für den Alltag, zum Beispiel mit Rucksack, sind sie nicht ideal.

Sucht ihr auf dem regulären Markt stattdessen nach einem leichten, sportlichen Rad mit geradem Lenker, landet ihr fast immer in der Kategorie der sogenannten „Fitnessbikes“. Hier zahlt ihr zwar hohe Preise für den etablierten Markennamen auf dem Rahmen, bekommt aber oft nur schwere Aluminium-Konstruktionen, träge Laufräder und Schaltgruppen aus dem Einsteiger-Segment. Statt moderner Standards wie Carbon-Gabeln oder hochwertiger Innenlager findet ihr häufig kostengünstige OEM-Teile. Ein durchdachtes Premium-Setup mit geradem Lenker gibt es von der Stange kaum zu fairen Preisen. Genau diese Marktlücke macht den Eigenbau so extrem reizvoll.

Warum Flat-Bar und wie funktioniert das?

Da für sportliche Einsätze bereits ein klassisches Drop-Bar-Bike in meiner Garage steht, liegt der Fokus bei diesem Projekt zu 100% auf einem robusten und agilen Commuter (Pendler-Fahrrad). Gleichzeitig ist das Flat-Bar-Gravel auf der Feierabend-Runde durch den Wald kaum langsamer.

Ein Flat-Bar bietet im Stadtverkehr entscheidende Vorteile: Die Kopfhaltung ist ergonomisch aufrechter, das Sichtfeld vergrößert sich, der breite Lenker sorgt für eine bessere Hebelwirkung und das Fahren mit Rucksack ist angenehmer. Der wichtigste Aspekt ist jedoch rein technischer Natur: Ein gerader Lenker erlaubt die problemlose Nutzung von Mountainbike-Schaltgruppen. Die mechanische Shimano Deore XT ist in der MTB-Welt für ihre absolute Zuverlässigkeit und Langlebigkeit berühmt. Sie funktioniert einfach, verzeiht auch rauen Umgang und ist, verglichen mit speziellen Gravel-Schaltgruppen, spottgünstig.

Warum ein Gravel-Rahmen und kein Hardtail-MTB? An diesem Punkt drängt sich oft die Frage auf, warum ich nicht einfach einen Hardtail-Rahmen (Mountainbike mit Frontfederung) gekauft und mit einer leichten Starrgabel ausgestattet habe. Die Antwort liegt in der Effizienz.

  • Gravel-Rahmen bieten aerodynamische Vorteile, wie die gestrecktere Sitzposition, und vor allem einen deutlich geringeren Q-Faktor (den horizontalen Abstand der Pedale zueinander). Ein schmalerer Q-Faktor sorgt biomechanisch für eine wesentlich bessere, rennrad-ähnlichere Kraftübertragung auf langen Asphalt-Passagen.
  • Zudem bringen Gravel-Rahmen ab Werk essenzielle Montagepunkte für feste Schutzbleche mit, die an einem Commuter im täglichen Einsatz bei jedem Wetter unverzichtbar sind.
  • Außerdem habe ich keinen MTB-Rahmen gefunden, der ein Kettenblatt mit 40 Zähnen und aufwärts erlaubt. Grob gesprochen: Weniger Zähne sind tolle für Berge, mehr Zähne besser für den Top-Speed auf der Geraden.

Geometrie-Falle: Reach und Reach Plus

Flatbar Gravel Custom Build Mai 26 Geometrie Mondince

Geometrie-Tabellen gehören auch dazu, die KI hilft euch hier super weiter

Die größte technische Hürde bei diesem Custom-Projekt war zweifelsohne die Geometrie. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass ihr einfach einen geraden Lenker an einen Gravel-Rahmen schrauben könnt, der primär für einen gebogenen Rennradlenker konstruiert wurde. Wer das unbedarft versucht, sitzt am Ende völlig gestaucht auf dem Rad, das Fahrverhalten wird nervös und die Kraftübertragung leidet.

Der Grund ist simpel: Ein Rennradlenker ragt weit nach vorne. Die Bremsgriffe (Hoods), auf denen die Hände während der Fahrt meist ruhen, fügen der Geometrie etwa 80mm Länge hinzu. Fällt dieser Vorwärtsbogen durch die Montage eines Flat-Bars ersatzlos weg, fehlt diese Länge komplett. Um diesen Verlust auszugleichen, müsst ihr bei der Wahl der Rahmengröße nach oben gehen.

Die Lösung lässt sich sauber in Zahlen darstellen. Ausgehend von meiner gewohnten Geometrie bei 1,80m Größe und 82cm Schrittlänge (simpler, ohne Winkel):

  • Drop-Bar-Bike (Tideace GV201, Gr. 54):
  • Rahmen-Reach: 400mm
  • Vorbau: + 110mm
  • Rennrad-Hoods: + ~80mm
  • Gesamtreach: ~590mm
  • Flatbar-Commuter (Mondince FM316, Gr. XL):
  • Rahmen-Reach: 460,5mm
  • Vorbau: + 130mm
  • Hoods: + 0mm (Flat-Bar hat keine)
  • Gesamtreach: ~590mm

Der gewaltige XL-Rahmen gleicht in Kombination mit dem 130mm langen Kalloy-Uno-Vorbau den fehlenden Vorwärtsbogen des Rennradlenkers passgenau aus. Das Resultat ist eine sportliche, leicht gestreckte Sitzposition, nahezu identisch zu der des klassischen Drop-Bar-Bikes, aber mit mehr Stack (Höhe des Lenkers). Sie liefert auf der Geraden Vortrieb und Effizienz, ohne dass ihr auf die souveräne Kontrolle und die günstige MTB-Schalttechnik des geraden Lenkers verzichten müsst.

Komponenten: China-Import trifft Großserientechnik

Ein wesentlicher Teil des Konzepts basiert auf dem gezielten Einsatz von Komponenten aus Fernost. Diese bieten oft eine Verarbeitungsqualität auf Markenniveau, verzichten aber auf teure Marketingbudgets.

  • Laufräder: Die „Elite Wheels Gravel Pro Carbon“ (24mm Innenweite) sind solide Arbeitstiere. Die Carbonfelgen sind steif und sauber verarbeitet, was in dieser Preisklasse (ca. 320€) bei westlichen Marken kaum zu finden ist.
  • Lenker: Der Toseek-Carbon-Flatbar (26€) ist ein schlichtes Bauteil (ein Rohr aus Carbon :D). Ich habe ihn für mehr Wendigkeit und Aerodynamik auf 660mm gekürzt.
  • Vorbau: Der Kalloy Uno (17€) ist ein Klassiker in der Preis-Leistungs-Szene. Der Aluminium-Vorbau ist unauffällig, hält aber absolut steif.

Aluminium-Vorbau bei AliExpress

  • Kleinteile: Ein Carbon-Sattel für 17€ und Flat-Pedale für 15€ von AliExpress vervollständigen den Aufbau und reichen für einen Commuter aus.

Der Antrieb: Warum Shimano Deore XT die logische Wahl ist

Flatbar Gravel Custom Build Mai 26 14

Vor 7 Jahren erschien die Deore XT und ist noch immer erstklassig

Das Herzstück des Aufbaus ist die mechanische „Shimano Deore XT 12-fach“-Gruppe. Im Vergleich zu speziellen Gravel-Schaltgruppen (wie Shimano GRX 800 oder SRAM Rival) bietet die XT-Serie einen entscheidenden Vorteil: Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist fast unschlagbar. Auch eine SLX oder Deore würde schon ausreichen. Während ihr für ein Gravel-Schaltwerk und die passenden Schalthebel oft tief in die Tasche greifen müsst, ist die Shimano-XT-Gruppe durch ihre weite Verbreitung im MTB-Bereich konkurrenzlos günstig, ohne bei der Performance Abstriche zu machen. Die Schaltvorgänge sind auf demselben Niveau wie bei den teuren Rennrad-Pendants, die Bandbreite mit der 10-51T-Kassette reicht für jeden Berg. Da sie „noch mechanisch“ ist und heute viele elektronisch schalten möchten, werden die Komponenten derzeit abverkauft.

Nerd-Deep-Dive: Die perfekte Kettenlinie

Wer MTB-Teile an einen Gravel-Rahmen schraubt, stößt zwangsläufig auf das Thema Kettenlinie (der Abstand der Kettenblattmitte zur Rahmenmitte). Das konkrete Problem: Die Shimano XT ist für den Boost-Standard ausgelegt, also für Rahmen mit 148mm Achsbreite hinten und einer Kettenlinie von 52mm. Mein Mondince-Rahmen nutzt jedoch den schmaleren Gravel-Standard mit 142mm Achsbreite, der eine Kettenlinie von 49mm erfordert. Ohne Anpassung würde die Schaltperformance leiden.

Flatbar Gravel Custom Build Mai 26 7

Die Lösung liegt in der Wahl des Kettenblatts:

  • Kurbel-Basis: Die SRAM Rival E1 Wide Kurbel (165mm Kurbellänge) hat eine Gravel-Kettenlinie von 47,5mm.
  • Kettenblatt: Das Alugear-Kettenblatt hat einen Offset von 2mm (statt der 6,5mm, die SRAM sonst verwendet).
  • Resultat: 47,5mm + 2,0mm = 49,5mm, exakt der Wert, den Shimano für 12-fach MTB am 142mm-Rahmen empfiehlt.

Damit fluchtet das Kettenblatt perfekt mit der Kassettenmitte auf der 142mm-Nabe. Der Antrieb läuft auf den mittleren Ritzeln (18 bis 14T) schön gerade, am kleinsten 10T-Ritzel verkantet es nicht und auch beim großen 51T-Ritzel gibt es keinen Kettenabwurf beim Rückwärtspedalieren.

Wie fährt es sich? Effizienz und Raum für Optimierung

Flatbar Gravel Custom Build Mai 26 17

180mm Bremsscheiben mit klassischen Bremshebeln = superbe Bremskraft

Im Fahrbetrieb zeigt sich das Rad als echtes Multitalent. Durch die starre Carbon-Gabel und die steifen Laufräder geht jeder Tritt direkt in Vortrieb über. Es fährt sich auf Asphalt exakt so effizient wie ein klassisches Drop-Bar-Gravel, bietet aber durch die XT-Bremsanlage (mit klassischen Hebeln und 180mm Scheibe vorn) eine deutlich aggressivere Verzögerung. So stark bremst selbst mein Drop-Bar-Bike mit aktueller „Force E1“-Gruppe nicht!

Wo werde ich noch optimieren?

Ein Punkt für das nächste Upgrade ist der Lenker. Der aktuelle Toseek-Flatbar hat lediglich 5° Backsweep (Rückbiegung). Bei der sehr gestreckten Sitzposition führt das dazu, dass die Handgelenke leicht nach außen knicken. Ein Lenker mit 12° oder 16° Backsweep wäre ergonomisch sinnvoller. Aber Achtung: Mehr Backsweep verkürzt den effektiven Reach wieder. Wer hier umrüstet, muss eventuell den Vorbau nochmals anpassen, um die sportliche Position nicht zu verlieren. Hier ist mein persönliches Problem: Einen Gravel-Rahmen mit mehr Reach habe ich nicht gefunden und weniger effektiven Reach will ich bei 1,80m nicht fahren! Seid ihr größer, dann ist vermutlich an dieser Stelle Schluss für das Flat-Bar-Projekt!

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Kostenrechnung im Detail: Woher kommt die Ersparnis?

Beim Blick auf die Kostenrechnung stellt sich die Frage: Wie ist ein Preis von unter 1.800 Euro für ein Carbon-Bike mit Premium-Komponenten möglich? Das Geheimnis liegt in drei entscheidenden Posten, bei denen ich bewusst auf den Marken-Aufschlag verzichtet habe.

Komponente Modell Preis
Rahmenset Mondince FM316 XL (mit Lackierung & Versand) 632€
Laufräder Elite Wheels Gravel Pro Carbon (mit Umrüstung auf Micro-Spline-Freilauf) 375€
Antrieb Shimano Deore XT (Schaltwerk, Trigger, Kassette) 185€
Kurbel/Blatt SRAM Rival XPLR Kurbel E1 + Alugear 42T ovales Kettenblatt 133€
Bremsen Shimano XT Hebel & Flat-Mount-Sättel 114€
Reifen Tufo Thundero HD 44mm (Paar) 90€
Kleinteile Lenker, Vorbau, Griffe, Tretlager, Pedale, Sattel etc. 227€
GESAMT ca. 1.756€

Dazu kommt noch etwas Werkzeug: Für ein vernünftiges Bit-Set, einen präzisen Drehmomentschlüssel, Carbon-Montagepaste und Fett sowie spezielle Nüsse für das T47-Tretlager, Bremsscheiben und die Kassette solltet ihr etwa 50 Euro einplanen. Hinzu kommen circa 15 Euro für ein Bremsentlüftungs-Set.

Der Rahmen: „Open-Mold“ als Preisbrecher

Der Mondince FM316 ist ein sogenannter Open-Mold-Rahmen. Das bedeutet, dass die Gussform (Mold) nicht exklusiv für eine große Marke geschützt ist, sondern von verschiedenen Anbietern genutzt werden kann. Ihr kauft hier direkt an der Quelle, was auch kleinere Fahrrad-Marken praktizieren.

Der Prozess: Die Bestellung läuft nicht über einen schicken Webshop, sondern oft über direkten Kontakt via E-Mail oder WhatsApp. Ihr zahlt per PayPal. Das erfordert ein gewisses Vertrauen und ist definitiv nicht für jedermann.

Alternativen: Während ein vergleichbarer Carbon-Rahmen mit individueller Lackierung bei einem Premium-Hersteller allein schon über 1.000€ bis Open-End kosten kann, landet ihr hier bei rund 630 Euro inklusive Versand.

Die Schaltgruppe: Der MTB-Cheat-Code

Hier spielt das Flatbar-Konzept seine größte Stärke aus. Da ihr keine teuren Rennrad-Schaltbremshebel (STIs) benötigt, könnt ihr im MTB-Regal ins oberste Fach greifen.

Die komplette „Shimano XT“-Gruppe, bestehend aus Schaltwerk, Trigger, Kassette und Bremshebel, schlägt mit gerade einmal 299 Euro zu Buche.

Alternativen für Drop-Bar-Lenker: Eine mechanische Shimano GRX 820/610 Gruppe kostet aktuell circa 630 Euro. Wer es modern und elektronisch mag, zahlt für eine SRAM Rival E1 AXS sogar rund 1.050 Euro. Die XT-Gruppe spielt technisch auf dem Niveau einer SRAM Rival oder GRX 800, kostet aber nur einen Bruchteil. Das ist pure Effizienz für das Budget.

Die Laufräder: Vertrauen in „China-Carbon“?

Laufräder sind der beste Geschwindigkeits-Bonus eines Fahrrads. Viele schrecken vor Carbon-Importen zurück, doch meine persönlichen Erfahrungen sind bisher komplett positiv.

Härtetest: Ich fahre verschiedene Elite-Wheels-Modelle seit über zwei Jahren völlig problemlos. Mit 100kg Kampfgewicht fordere ich das Material ordentlich heraus, aber die Laufräder drehen noch immer komplett rund. Gewählt habe ich die „Elite Wheels Gravel Pro“, mit 24mm Innenweite und 40mm Tiefe, modern und sehr günstig.

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Alternativen: Natürlich könnt ihr für ca. 300 bis 400 Euro auf bewährte Alu-Laufräder von DT Swiss setzen. Diese sind jedoch schwerer und weniger aerodynamisch. Vergleichbare Carbon-Laufräder von lokalen Marken starten hierzulande meist erst ab 700 Euro aufwärts.

Das Ergebnis: Eine 9,1kg-Maschine

Das Resultat des unkonventionellen Ansatzes und der gezielten Komponentenwahl ist ein Flatbar-Gravel, das fahrfertig gerade einmal 9,1kg wiegt. Das ist ein phänomenaler Wert für ein Rad dieser Preisklasse. Zum Vergleich: Viele Aluminium-Gravel-Bikes von großen Versendern wiegen in der 2.000-Euro-Klasse gut 11kg fahrbereit. Die Bikes fahren zudem mit schmaleren Reifen und weniger Bandbreite im Antrieb.

Fazit: Lohnt sich der Eigenbau?

Der Aufbau eines individuellen Fahrrads aus Einzelkomponenten ist definitiv kein Projekt für einen verregneten Sonntagnachmittag. Es erfordert Recherche, das penible Einlesen in Kompatibilitätsstandards wie T47-Tretlager oder Kettenlinien-Offsets und vor allem die Bereitschaft, tief in die Materie einzutauchen. Dafür werdet ihr mit einem Fahrrad belohnt, das genau auf euch abgestimmt ist!

  • Preis-Leistungs-Killer: Premium-Komponenten (Carbon-Setup, 12-fach-Schaltung) für unter 1.800 Euro bei einem niedrigen Gesamtgewicht von nur 9,1kg.
  • Der MTB-Cheat-Code: Die robuste Shimano Deore XT bietet dank des Flatbar-Setups die Bremsleistung und Bandbreite von deutlich teureren Gravel-Schaltgruppen zu einem Bruchteil des Preises.
  • China-Carbon liefert ab: Der verwindungssteife Mondince „Open-Mold“-Rahmen und die Elite Wheels Gravel Pro bieten moderne Standards und Premium-Performance zu einem fairen Preis.
  • Maßgeschneiderte Ergonomie: Durch den Griff zum XL-Rahmen, gepaart mit dem 130mm-Vorbau, entsteht ein exakt berechneter Reach für eine sportliche, effiziente Pendler-Position.
  • Persönliche Ausstattung und Komponenten: 1- oder 2-fach Schaltung? Große Berg-Kassette oder fein abgestuft? Kettenblatt? Schutzbleche? Ihr sucht euch die Komponenten nach eurem Fahrprofil zusammen und zahlt nicht doppelt!

  • Wenig bis kein lokaler Support: Keine unkomplizierte Garantieabwicklung. Lokale Fahrradhändler bestimmter Marken verweigern oft die Reparatur oder Inspektion von Import-Rädern. Kommt ihr nicht weiter, braucht es einen unabhängigen Fahrradmechaniker.
  • Experten-Projekt: Der Selbstaufbau ist nichts für Anfänger. Themen wie Kettenlinien-Offsets, T47-Standards und das Entlüften hydraulischer Bremsen setzen tiefes Wissen und Spezialwerkzeug voraus.
  • Import-Hürden: Der direkte Kauf in Fernost (Bestellung per Mail, Zahlung per PayPal) erfordert Vertrauen, Recherche und Vorwissen.
  • Geometrie-Falle: Ohne präzise Berechnungen des Reach sitzt ihr mit einem geraden Lenker schnell wie auf einem Hollandrad.

Testergebnis

Getestet von
Erik Schmid

Wer die technische Versiertheit mitbringt und Spaß daran hat, die Mechanik bis ins kleinste Detail zu verstehen und zu optimieren, wird mit einem unvergleichlichen Ergebnis belohnt. Ihr erhaltet für unter 1.800€ nicht nur ein Fahrrad, das etablierten 3.000-Euro-Modellen der großen Marken in nichts nachsteht, sondern auch das befriedigende Gefühl, ein absolutes Unikat erschaffen zu haben.

Wichtiger Hinweis zu den Risiken: Für ein solches Projekt müsst ihr zwingend schrauben können. Wer noch nie hydraulische Bremsleitungen gekürzt und entlüftet hat, Carbon-Teile ohne Drehmomentschlüssel anzieht oder an der Justierung einer 12-fach-Schaltung verzweifelt, sollte von einem kompletten Eigenbau absehen. Kein lokaler Fahrradhändler wird eine Erstinspektion an einem selbst importierten China-Carbon-Rahmen durchführen. Ihr handelt von der ersten Schraube bis zur ersten Testfahrt komplett auf eigene Verantwortung.

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Klaus Krypto
Gast
Klaus Krypto
1 Stunde her

Tolles Projekt!!

Mega Leistung dass es alles passt und du aufgebaut hast!

Kannst du noch ein wenig in die Specs gehen, dass man lernen und nachvollziehen kann, worauf du geachtet hast. Zum Beispiel, Laufräder, Freilauf und Schaltgruppe.

Übrigens gabs bis vor kurzem das Rose Backroad Flatbar mit GRX 810 2 fach und 8,6kg für 1900€.

Grüße

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