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Bereits auf der Intersolar 2026 konnten wir einen ersten Eindruck vom neuen Sigenergy Sigenmate 2700 Ultra gewinnen. Hochwertige Optik trifft hier auf kompakte Abmessungen, die in Kombination mit 4.000W Eingangsleistung und 2,68kWh Speicherkapazität das Potenzial besitzen, der etablierten Konkurrenz Paroli zu bieten.
In diesem Jahr stehen im Bereich der Balkonkraftwerke und der dazugehörigen Speichertechnik besonders immer höhere Leistungs- und Kapazitätswerte im Fokus. Der Hersteller Sigenergy folgt diesem Trend nicht vollumfänglich, sondern setzt konsequent auf einfache Handhabung, hohe Eingangsleistung und eine umfangreiche App-Steuerung. Wir haben das neue Sigenmate 2700 Ultra ausführlich für euch getestet und zeigen euch hier alle Stärken und Schwächen des neuen Systems.
Lieferumfang des Sigenmate 2700 Ultra
Das Sigenergy Sigenmate 2700 Ultra wird gut gepolstert in einem stabilen Karton verschickt. Der Lieferumfang beschränkt sich auf das Wesentliche:
- Sigenmate 2700 Ultra
- Netzanschlusskabel (3 Meter)
- Schnellstartanleitung und Packliste
- MC4-Trennhilfe
Das Anschlusskabel ist mit drei Metern erfreulich lang und erlaubt somit eine flexible Positionierung des Systems. Wir vermissen im Lieferumfang allerdings eine vollständige Bedienungsanleitung. Diese kann mittels QR-Code, der sich direkt auf dem Gerät befindet, heruntergeladen werden.
Technische Daten
Das Sigenmate 2700 Ultra bietet eine Kapazität von 2,68kWh, die sich modular mit bis zu 6 Zusatzakkus auf 18,8kWh erweitern lässt. Die vier MPPT-Eingänge können eine Leistung von 1.000W (4.000W Gesamtleistung) aufnehmen, was für so ein kompaktes System ein beeindruckend hoher Wert ist. Wie aus den technischen Daten hervorgeht, kann der Akku allerdings nur mit 1.800W geladen werden. Das bedeutet: Wenn ihr das volle Potenzial dieser hohen Eingangsleistung ausnutzen wollt, benötigt ihr mindestens einen Zusatzakku. Der bidirektionale Wechselrichter liefert eine Leistung von bis zu 1.400W. Das bedeutet, ihr könnt das System mit bis zu 1.400W über das heimische Stromnetz oder mittels PV-Überschuss aufladen. Die zwei integrierten Off-Grid-Steckdosen sind auf eine Dauerleistung von 1.200W begrenzt, können aber kurzzeitig auch bis zu 1.800W ausgeben.
Die Einspeiseleistung in das heimische Stromnetz begrenzt der Hersteller ganz bewusst auf 800W. Somit kann das Speichersystem vereinfacht als Balkonkraftwerk bei der Bundesnetzagentur oder als Kleinsterzeugungsanlage über die neue VDE 4105 (zum Artikel) angemeldet werden.
Design und Verarbeitung des Sigenmate 2700 Ultra
Optisch setzt das Sigenmate 2700 Ultra auf ein kompaktes Aluminiumgehäuse mit Abmessungen von 460 x 275 x 225 Millimeter. Für ein Gerät in dieser Leistungsklasse mit einer Kapazität von 2,68kWh kann man durchaus von einem sehr kompakten Aufbau sprechen. Das Gewicht fällt mit 29 Kilogramm bezogen auf die Kapazität ebenfalls recht moderat aus. Somit lässt sich das System von einem kräftigen Erwachsenen problemlos transportieren. Sofort nach dem Auspacken fällt die erstklassige Verarbeitung ins Auge. Das Gehäuse ist nach allen Seiten hin abgerundet, perfekt lackiert und hat keine scharfen Ecken oder Kanten.
Auf der Vorderseite befindet sich neben dem Sigenergy-Logo ein breiter LED-Streifen, der euch zum einen den ungefähren Akkustand anzeigt und sich beim Lade- und Entladevorgang entsprechend nach links oder rechts bewegt. Neben dem LED-Streifen befinden sich vier Symbole, die Netzverbindung, Solareingang, WLAN-Status und Batteriestatus mit unterschiedlichen Farben anzeigen. Zu guter Letzt folgt noch ein Taster, mit dem das System an- oder ausgeschaltet wird.
Die Seiten bieten jeweils eine Griffmulde, die den Transport erheblich vereinfacht. Auf der rechten Seite befinden sich die beiden Off-Grid-Steckdosen, die eine Gesamtleistung von 1.200W bereitstellen können. Auf der linken Seite befindet sich im unteren Bereich ein Überdruckventil, das im unwahrscheinlichen Fehlerfall die Akkuzellen kontrolliert entgasen lassen kann.
Anschlüsse
Bis auf die Off-Grid-Steckdosen befinden sich alle Anschlüsse auf der Rückseite des Gerätes. Im Betrieb werden diese durch eine Kunststoffabdeckung vor Staub und direktem Wassereinfluss geschützt. Zudem wirkt das System durch die Blende auch mit angeschlossenen Kabeln sehr clean und aufgeräumt.
Neben den vier MPPT-Eingängen befindet sich auf der linken Seite die Buchse für das Netzanschlusskabel. Auf der rechten Seite ist diese auf den ersten Blick nochmals vorhanden. Hier kann ein zweites Sigenmate 2700 Ultra parallel gekoppelt werden. Insgesamt können bis zu drei Systeme im Parallelbetrieb zusammengeschaltet werden. Unterhalb der Anschlüsse symbolisiert eine Abbildung den grundlegenden Aufbau. Die QR-Codes führen zur Bedienungsanleitung und zur mySigen-App. Alles ist benutzerfreundlich und für technische Laien verständlich aufgebaut.
Die Unterseite bietet vier gummierte Füße, die einen sicheren Stand gewährleisten. Unter einer Abdeckung verbirgt sich der Anschlussport für die Erweiterungsakkus. Nach dem Entfernen der Abdeckung wird das Sigenmate 2700 Ultra einfach auf die Zusatzakkus gestapelt. Somit kann die Kapazität mit bis zu 6 Zusatzakkus auf 18,8kWh modular erweitert werden. Abschließend beurteilen wir die Verarbeitung des Sigenmate 2700 Ultra als erstklassig. Sowohl die optische Verarbeitung als auch das haptische Feedback geben keinen Anlass zur Kritik.
Inbetriebnahme und Steuerung
Dank der IP66-Zertifizierung spielt der Standort des Speichersystems eine untergeordnete Rolle. Wir empfehlen dennoch, einen sonnengeschützten Standort mit guter WLAN-Abdeckung zu wählen.
Die grundlegende Installation ist ein Kinderspiel. Ihr positioniert das Sigenmate 2700 Ultra in der Nähe der Solarmodule, verbindet diese mit den MPPT-Eingängen des Speichersystems und schließt das Netzanschlusskabel an eine freie Schuko-Steckdose an. Wahlweise könnt ihr auch einen vorhandenen Mikrowechselrichter mit einer Ausgangsleistung von maximal 1.200W direkt an die Off-Grid-Steckdosen anschließen.
Steuerung mit der mySigen-App
Für die grundlegende Konfiguration und die Anbindung an ein Smart Meter ist die hauseigene mySigen-App für Android oder iOS zwingend erforderlich. Nach erfolgreicher Installation müsst ihr ein Nutzerkonto (E-Mail und Passwort) anlegen und das Sigenmate 2700 Ultra mittels Bluetooth-Suche hinzufügen. Im Anschluss konfiguriert ihr euer heimisches WLAN und koppelt das System mit einem vorhandenen Smart Meter.
Das Sigenmate unterstützt neben dem hauseigenen Smart Meter auch den Shelly Pro 3 EM, den Everhome Ecotracker und den P1-Zähler von HomeWizard.
Habt ihr das System erfolgreich eingerichtet, begrüßt euch die App mit einer Fülle an Informationen. Sigenergy hat hier die Funktionalitäten ihrer Gewerbe- und Heimspeichertechnik mit in das Sigenmate 2700 Ultra übernommen.
Die animierte Visualisierung des Haushaltes gibt euch Informationen zur momentanen PV-Leistung, dem aktuellen Hausbedarf und dem Netzbezug bzw. der Einspeisung. Zusätzlich bietet die Ansicht das aktuelle Wetter mit der momentanen Temperatur. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass ihr der App die Berechtigungen für euren Standort erteilt. Zudem bietet Sigenergy zahlreiche Möglichkeiten, den PV-Ertrag, die Batterienutzung und den Energiefluss auszuwerten. Mit der Energiestatistik, dem Leistungsmetriken-Diagramm (mit Daten zum PV-Tagesertrag, Hausverbrauch, importierter und exportierter Energiemenge), dem Akku-SoC-Trend und dem Diagramm zur Energieersparnis kommen Statistik-Fans voll auf ihre Kosten.
Gleich zu Beginn fällt uns allerdings ein unschönes Verhalten der App auf: Die Leistungsdaten auf dem Startbildschirm werden nicht immer automatisch aktualisiert. Hier muss der Screen manuell nach unten gewischt werden, um die Daten zu aktualisieren.
Betriebsmodi
Insgesamt bietet das Sigenmate 2700 Ultra drei Betriebsmodi, die wir euch hier näher erläutern.
Sigen KI-Modus
Dieser Betriebsmodus setzt zwingend ein Smart Meter und eure Standortinformationen voraus. Zusätzlich solltet ihr über einen dynamischen Stromtarif verfügen, um diesen Modus sinnvoll nutzen zu können. Das Sigenmate 2700 Ultra analysiert euren Hausverbrauch anhand eurer Nutzungsgewohnheiten, gibt eine Verbrauchsprognose ab und bezieht Wetterdaten mit ein. Wird festgestellt, dass der zu erwartende Solarertrag den Tagesbedarf nicht deckt, wird intelligent in den Niedrigpreisphasen der Akku über das heimische Stromnetz aufgeladen, sodass in den Hochpreisphasen genügend Energie für die Versorgung des Haushaltes zur Verfügung steht.
Eigenverbrauch
Ähnlich wie im KI-Modus wird hier der Hausverbrauch mittels Smart Meter erfasst. Das System regelt seine Einspeiseleistung dynamisch und bedarfsgerecht exakt nach eurem Hausverbrauch. Dynamische Stromtarife werden hier nicht berücksichtigt.
Zeitbasierte Steuerung
Wie der Name es schon vermuten lässt, können hier Zeitpläne erstellt werden. Ihr habt die Möglichkeit, sowohl die Ladung des Akkus als auch die Einspeisung in das Hausnetz mit einer von euch gewünschten Leistung minutengenau zu steuern. Zusätzlich kann auch der Eigenverbrauchsmodus im Zeitplan eingebaut werden. Somit könnt ihr beispielsweise das Sigenmate 2700 Ultra in der Nacht mit einer Leistung von 0–800W einspeisen lassen, während über den Tag der Eigenverbrauchsmodus aktiviert wird.
Sofortige manuelle Steuerung
Unabhängig von eurem gewählten Betriebsmodus ist jederzeit die sofortige manuelle Steuerung möglich. Mit einem Klick auf dem Startbildschirm könnt ihr das Sigenmate in den Modus Laden, Entladen, Batterie halten oder Selbstverbrauch schalten. Weiterhin könnt ihr die Lade- oder Einspeiseleistung festlegen und einen Zeitraum von 1 bis 1.440 Minuten (24 Stunden) wählen.
Zusammenfassend sind die Betriebsmodi übersichtlich und nutzerfreundlich gestaltet. Vor allem die sofortige manuelle Steuerung mit einem Klick ist ein tolles Feature, das wir so bisher noch bei keinem Hersteller gesehen haben.
Geräteeinstellungen und Funktionen
Die App bietet weiterhin ausführliche technische Informationen. Ihr könnt euch beispielsweise die Solarmodulleistung (Spannung, Strom, Tagesertrag) jedes einzelnen MPPT-Eingangs anzeigen lassen und eine detaillierte Auswertung des Tagesverlaufs durchführen. Zusätzlich stehen sämtliche Daten des internen Wechselrichters und der verbauten Akkuzellen zur Verfügung. Eine so detaillierte Auswertung haben wir bisher noch bei keinem anderen Hersteller gefunden. Weiterhin steht euch in der App jederzeit der hauseigene KI-Assistent (Sigen-AI) zur Verfügung. Es handelt sich dabei um ein KI-basiertes Chat-Modell, das euch Fragen rund um das System beantworten kann. Leider ist dieser Assistent nicht nur äußerst langsam, sondern kennt sich auch kaum mit dem Sigenmate 2700 Ultra aus. Für die Navigation durch die App und für Fragen zu bestimmten Einstellungen kann er dennoch hilfreich sein.
In den Geräteeinstellungen könnt ihr das Sigenmate 2700 Ultra noch genauer an eure Bedürfnisse anpassen. Wir haben hier die wichtigsten Funktionen zusammengefasst:
- Batterieentladepriorität
- Priorität der Solarstromquelle
- PV-Leistungsbegrenzung (Gesamtleistung der MPPTs begrenzen)
- Akkustand-Einstellungen (obere und untere SoC-Grenze)
- Vorlaufschaltung (manuelle Batterieheizung)
- Batterieleistungsgrenze (maximale Akku-Lade- und Entladeleistung)
- Tarifplan (eigenen Stromtarif festlegen)
- Begrenzung der Netzexportleistung
- Energiesparmodus
In den Akkustand-Einstellungen könnt ihr die obere und untere Ladegrenze in 1%-Schritten festlegen. Somit könnt ihr zum einen den Akku schonen (89–90% oberes Limit) oder bei Bedarf eine Backup-Reserve in den Akkuzellen vorhalten.
Das Sigenmate 2700 Ultra verfügt über eine automatische Akkuheizung, die bei kalten Außentemperaturen euren Akku vorheizt. Ihr könnt diese Funktion auch manuell (zeitgesteuert) aktivieren. Somit kann unter Einsatz von Energie der Akku stets auf Wohlfühltemperatur gehalten werden.
Zusammenfassung zur mySigen-App
Zusammenfassend bietet die mySigen-App ein sehr breites Funktionsspektrum, das sich teilweise ziemlich versteckt in Untermenüs befindet. Ihr solltet dementsprechend etwas Zeit einplanen, um die App genau kennenzulernen. Wir sehen hier trotz der tollen Funktionen noch Optimierungspotenzial. Vor allem die Ansicht auf dem Startbildschirm, die sich nicht immer zuverlässig aktualisiert, und kleinere Fehler stehen hier im Fokus. So kann beispielsweise ein zugewiesenes WLAN-Netzwerk momentan nicht mehr geändert werden. Die App bietet diese Funktion zwar, aber die Änderung ist laut Fehlermeldung („Gerät unterstützt diese Funktion nicht“) nicht möglich. Weiterhin kann die Priorität der Solarstromquellen (Grundlast, Akkuladung, Netzeinspeisung) nicht verändert werden, obwohl die App dies suggeriert.
Das Sigenmate 2700 Ultra im Testbetrieb
Bevor wir den Realbetrieb starten, überprüfen wir an dieser Stelle die technischen Daten des Sigenmate 2700 Ultra an insgesamt drei Labornetzteilen (je 0–60V/21A).
Der Ladebetrieb wird bereits bei einer Eingangsspannung von 19V gestartet. Das System bietet eine maximale Stromaufnahme von 32 Ampere pro MPPT-Eingang. Diese wird im Test mit 32,4A sogar leicht übertroffen. Aufgrund der hohen Stromaufnahme wird die maximale Leistung von 1.000W pro Eingang bereits bei rund 33V Modulspannung erreicht. Somit können auch Solarmodule mit niedrigen Arbeitsspannungen das volle Potenzial des Sigenmate ausreizen. Aufgrund der begrenzten Ausgangsleistung unserer Labornetzteile konnten wir die volle Eingangsleistung von 4.000W nicht überprüfen. Der interne Akku des Sigenmate 2700 Ultra kann des Weiteren nur mit 1.800W geladen werden. Für eine höhere Ladeleistung wird mindestens ein Zusatzakku (+1.800W Ladeleistung) benötigt. Mit unseren Labornetzteilen konnten wir bis zu 2.600W Eingangsleistung erzeugen. Hierbei wurden 1.800W in das Akkusystem geladen und 800W in das Hausnetz eingespeist. Ab diesem Wert drosseln die MPPT-Eingänge, um die 800W Einspeisebegrenzung (Balkonkraftwerk) einzuhalten.
Trotz eines angegebenen Spannungsbereiches von 16–60V schaltet das Sigenmate 2700 Ultra bei einer Eingangsspannung von 50V seine MPPT-Eingänge ab. Eine Fehlermeldung erscheint in der App allerdings nicht. Wir vermuten, dass es sich hierbei um ein Firmwareproblem handelt, das zukünftig hoffentlich behoben wird. In der Praxis spielen solche hohen Modulspannungen nur selten eine Rolle. Dennoch sollte ein System, das für 60V spezifiziert ist, auch bis zu diesem Bereich arbeiten.
Kapazität und Temperaturverhalten
Um die tatsächlich nutzbare Kapazität zu ermitteln, haben wir das Sigenmate 2700 Ultra über das Hausnetz (1.400W) aufgeladen und mit 200W/400W/800W entladen. An den Leistungswerten konnten wir folgende Kapazität entnehmen: 200W (2.480Wh), 400W (2.520Wh), 800W (2.592Wh). Das entspricht einem Durchschnitt von 2.531Wh. Hierbei verbleibt keine Sicherheitsreserve (Entladung bis 0% SoC) im Akku. Ausgehend von der Herstellerangabe von 2.688Wh liegt die real nutzbare Kapazität bei 94%. Für eine vollständige Ladung werden durchschnittlich 3.180Wh aus dem heimischen Stromnetz benötigt. Damit stehen 2.531Wh nutzbare Energie einem Energiebedarf von 3.180Wh gegenüber. Die kombinierten Lade- und Entladeverluste belaufen sich somit auf 20% (80% Gesamteffizienz). Die höchste Effizienz wurde bei 800W (82%) gemessen. Mit diesem Wert liegt das Sigenmate 2700 Ultra unter dem Durchschnitt der Konkurrenz (82–87%).
Hat der Akku seine untere oder obere Ladegrenze erreicht, liegt der Standby-Verbrauch bei rund 29W Netzbezug. Zwar verwendet das System keinerlei Energie aus dem Akku, um den Standby-Verbrauch aus dem Netz zu reduzieren, dennoch ist dieser Wert deutlich zu hoch. Wird das Speichersystem für 24 Stunden ohne PV-Eingangsleistung am Netz belassen, liegen die Standby-Verluste somit bei rund 0,7kWh.
Temperaturverhalten
Um eine möglichst hohe Temperaturentwicklung zu provozieren, haben wir das Sigenmate 2700 Ultra im AC-Volllastbetrieb und im Realbetrieb verglichen.
Im reinen AC-Betrieb (22°C Raumtemperatur) haben wir das Sigenmate vollständig aufgeladen (1.400W) und im Anschluss sofort wieder mit 800W entladen. Nach diesem Test konnten wir an den Kühlrippen Temperaturen von bis zu 56°C messen. Der interne Sensor des Akkus erreichte hierbei Temperaturen von rund 40°C. Das System drosselte die Leistung während des gesamten Tests nicht.
Im Realbetrieb sieht die Situation ähnlich aus. Wir haben das Sigenmate mit 2.000W PV-Leistung und aktiver dynamischer Einspeisung über den Tag laufen lassen. Hierbei sollte man wissen, dass das Sigenmate bis zu 1.400W in euer Hausnetz abgeben kann, solange nicht mehr als 800W eingespeist werden. Aufgrund dieser Tatsache und meiner hohen Grundlast (800–1.000W) lief das System bis zur vollständigen Akkuladung fast durchgängig auf Höchstleistung. Mit bis zu 58–59°C an den Kühlrippen wird das Sigenmate sehr warm. Der interne Sensor des Akkus erreichte hierbei Temperaturen von rund 45°C. Ab einer Schwelle von 60°C schaltet das System die Einspeisung vollständig ab. Sobald die Temperatur etwas sinkt, wird der Wechselrichter wieder aktiviert. Dies führt an sehr warmen Tagen zum ständigen Wechsel zwischen Einspeisung und deaktivierter Einspeisung.
Zusammenfassend ist der Kühlkörper des Sigenmate 2700 Ultra für diese Leistungsklasse unterdimensioniert. Wird das System mit Zusatzakku und bis zu 4.000W Eingangsleistung bei zeitgleicher Einspeisung betrieben, sind Temperaturprobleme vorprogrammiert. Somit solltet ihr bei hohem Leistungsbedarf über eine Zwangsbelüftung (aktive Kühlung durch Lüfter) nachdenken.
Das Sigenmate 2700 Ultra im Realbetrieb
Für unseren Test unter realen Bedingungen verbinden wir das Sigenmate 2700 Ultra mit einer Solaranlage mit insgesamt 2.000W Modulleistung. Zudem testen wir auch die Ladung mittels PV-Überschuss über das heimische Stromnetz. Dafür steht eine weitere Solaranlage (4.000W) bereit, die direkt in das Stromnetz einspeist. Für die dynamische Einspeisung kommen ein Shelly Pro 3EM und der Everhome Ecotracker zum Einsatz.
Dank der Südausrichtung der Solarmodule und des guten Sommerwetters wird die maximale Ladeleistung des Akkus von 1.800W problemlos erreicht. Überschüssige Energie, die nicht mehr zwischengespeichert werden kann, wird bis zu einer Grenze von 800W in euer Hausnetz eingespeist.
Wobei diese Aussage nicht ganz korrekt ist: Verwendet ihr für die Steuerung des Sigenmate ein Smart Meter, regelt das Sigenmate selbstständig die Ausgangsleistung bis zur maximalen Wechselrichterleistung von 1.400W. Die 1.400W werden allerdings nur in eurem Hausnetz verwendet. Das bedeutet, dass bei entsprechend hoher Hauslast die Ausgabeleistung anstatt der gesetzlich geltenden 800W auch bis zu 1.400W betragen kann. Trotz dieser höheren Leistung ist das System für eine vereinfachte Anmeldung als Balkonkraftwerk zulässig. Die VDE AR-N 4105 schreibt hier nur vor, dass die Einspeiseleistung in das öffentliche Stromnetz auf 800W begrenzt sein muss. Diese Bedingung erfüllt das Sigenmate anstandslos. Ist der Akku beispielsweise vollständig geladen, werden die MPPT-Eingänge auf die Leistung eures Hausverbrauchs zuzüglich der 800W für die Einspeisung begrenzt.
Diese Regelung hat aber auch einen Nachteil: Besitzt ihr bereits eine zweite Solaranlage (z. B. eine große Dach-PV), schaltet das Sigenmate bei vollständig geladenem Akku seine MPPT-Eingänge ab, sobald von der zweiten PV-Anlage 800W eingespeist werden. Das Sigenmate erkennt hier anhand der Smart Meter-Werte nur, dass bereits das 800W-Einspeiselimit erreicht ist und somit keine Selbsteinspeisung mehr erfolgen darf. Hier wäre eine einfache Softwareanpassung in der mySigen-App notwendig, in der eine zweite PV-Anlage berücksichtigt wird.
Dynamische Einspeisung mit Smart Meter
Die dynamische Einspeisung mittels Shelly oder Ecotracker gehört im Übrigen zu einer der besten und schnellsten Regelungen, die wir bisher testen konnten. Diese liegt gleichauf mit der kürzlich getesteten HiBattery 4020 X und regelt in Sekundenschnelle den Hausverbrauch annähernd auf 0W. Das Sigenmate erkennt Laständerungen im Haus in 1 bis 2 Sekunden und gleicht sie augenblicklich aus. Selbst ein Induktionskochfeld mit ständig schwankenden Lasten kompensiert es fast vollständig. In diesem Bereich hat Sigenergy alles richtig gemacht und bietet Leistungen im Spitzenfeld. Somit kann das Sigenergy Sigenmate 2700 Ultra euren Hausverbrauch bis zu einer Leistung von 1.400W fast vollständig abdecken.
Off-Grid-Betrieb
Das Sigenmate 2700 Ultra bietet gleich zwei Off-Grid-Steckdosen, die ohne Netzverbindung eine Dauerleistung von 1.200W zur Verfügung stellen. Diese Begrenzung ist der maximalen Entladeleistung von 1.200W des Akkusystems geschuldet. Für 10 Sekunden stellt das Sigenmate auch bis zu 1.800W zur Verfügung. Bei genügend PV-Eingangsleistung kann auch die maximale Ausgangsleistung von 1.400W über die Off-Grid-Steckdosen bereitgestellt werden.
In unserem Test konnten von Kühlschränken über Heißluftpistolen bis hin zum Industriestaubsauger alle Geräte auch ohne Netzbezug versorgt werden. Das Sigenmate schaltet bei Überlast seine Ausgänge nicht ab, sondern reduziert die Ausgangsleistung auf die maximale Ausgabeleistung von 1.200W. Somit kocht ein 2.000W-Wasserkocher das Wasser einfach mit 1.200W und benötigt etwas länger. Selbst bei extremer Überlast (Heißluftpistole und Staubsauger mit insgesamt 3.500W) schalten die Ausgänge nicht ab, sondern versorgen die Geräte mit reduzierter Leistung weiter.
Zusätzlich könnt ihr auch einen externen Mikrowechselrichter mit bis zu 1.200W an die Off-Grid-Steckdosen anschließen. Sigenergy integriert zudem eine unterbrechungsfreie Stromversorgung, die bei plötzlichem Netzausfall eure angeschlossenen Geräte nahtlos weiter versorgt. Sigenergy gibt hier eine Umschaltzeit von 0 Millisekunden an. Da wir über keine Messgeräte zur Erfassung der Umschaltzeit verfügen, haben wir den Test mit einem Netzwerk-Router und einer Glühlampe durchgeführt. Während der Router problemlos weiterarbeitete, flackerte die Lampe für einen winzigen Augenblick.
Das Sigenmate 2700 Ultra im Winterbetrieb
Für den Test der Heizfunktion haben wir das Sigenmate 2700 Ultra auf -15°C heruntergekühlt und im Anschluss den Ladevorgang gestartet.
Startet ihr in der App die manuelle Ladung oder legt eine PV-Spannung an den MPPT-Eingängen an, wird die interne Heizung automatisch aktiviert. Diese benötigt 110W und wird vorrangig durch PV-Leistung bedient. Reicht die PV-Eingangsleistung nicht aus, um die Heizung zu betreiben, wird zusätzlich Energie aus dem Stromnetz bezogen. In der App ist die Aktivität der Batterieheizung bisher nicht klar ersichtlich. Man sieht lediglich, dass Energie aus dem Netz oder per PV bezogen wird. Auch in den erweiterten Akkueinstellungen steht, dass die Heizung nicht aktiv ist.
Nach rund einer Stunde ist eine Akkutemperatur von 10–12°C erreicht und die Ladung startet mit rund 450W. Ab diesem Temperaturbereich wird die Akkuheizung deaktiviert und das System lädt weiter mit rund 450W. Durch die eigene Verlustleistung steigt die Akkutemperatur automatisch weiter an und erreicht nach rund zwei Stunden 22°C. Ab diesem Zeitpunkt steigt die Ladeleistung im Minutentakt sukzessive an und erreicht bei 25°C ihren Maximalwert.
Testergebnis
Das Sigenergy Sigenmate 2700 Ultra ist ein wirklich außergewöhnliches Speichersystem, das im Test sehr viel Lob, aber auch Kritik einstecken muss. Die Verarbeitung und die Wertigkeit sind über alle Maße erhaben und auch die dynamische Einspeisung mit Smart-Meter lässt keine Wünsche offen. Zudem verfügt die App über sehr umfangreiche Möglichkeiten der Auswertung und zeigt euch viele technische Leistungsdaten, die bei anderen Systemen im Verborgenen bleiben. Bei einem momentanen Preis von 1.199€ sind unsere Erwartungen entsprechend hoch und so können wir über Punkte wie die durchschnittliche Effizienz, die hohe Temperaturentwicklung und den hohen Standby-Verbrauch nicht hinwegsehen. Sigenergy hat mit dem Sigenmate 2700 Ultra klar gezeigt, dass man bei den ganz Großen mitmischen kann. Allerdings fehlt hier definitiv noch etwas Feintuning an Hard- und Software.
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Das “dass” in der Überschrift schreibt man mit einem “s”. War das die KI?