Midea AT8 Ultra: Interview zum Wischsauger von der IFA
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Auf der IFA stand am Midea-Stand ein Wischsauger auf einem Podest, an dem ein Schild „Exclusive Prototype, please do not touch“ klebte. Wir durften ihn trotzdem anfassen, weil Andre, Technikchef für Reinigungsprodukte bei Midea, ihn uns auseinandergenommen hat. Er erklärte uns einige Special-Features des neuen Nass-Wischsaugers AT8 Ultra: Die Haare an der Bürste schneidet eine Klinge, das Reinigungsmittel entsteht erst beim Sprühen, und im Schmutzwassertank stecken drei verschiedene Sorten Pellets.
Zum Gerät selbst haben wir bereits geschrieben, als Midea es in Berlin zeigte: der AT8 Ultra und die Waschmaschine Omni Trio (zur Meldung). Hier geht es um das, was Andre am Stand erklärt und vorgeführt hat.
Entwicklungszeit und Einordnung
Der AT8 Ultra ist rund ein Jahr in Entwicklung gewesen und setzt auf der AT8-Pro-Reihe auf. Er ist das Spitzenmodell der Reihe, und nur er bekommt den Arm an der Bürste und die App-Anbindung.
Der Arm an der Bürste
Das erste, was Andre abgenommen hat, war die Abdeckung über der Bürste. Darunter sitzt eine Gummilippe an einem beweglichen Arm, und auf der Blende steht in Großbuchstaben „Intelligent Robot Arm“.
Die Mechanik erkennt die Richtung: Schiebt ihr das Gerät nach vorn, hebt sich die Lippe an. Zieht ihr es zurück, drückt der Arm sie auf den Boden und zieht das Wasser ab. Andres Vergleich dazu ist der einfachste, den man finden kann: „Es ist wie ein Scheibenwischer am Auto.“
Dahinter stecken zwei Probleme, die Midea zusammen lösen wollte. Das erste ist der nasse Boden direkt nach dem Wischen, das zweite sind die Streifen, die beim Trocknen zurückbleiben. Wer Kinder oder Hunde hat, kennt beide: Der Boden ist sauber, aber die nächsten zehn Minuten läuft niemand darüber.
Eine Rasierklinge gegen Haare
Die Frage, die bei jedem Wischsauger irgendwann kommt: Was passiert mit den Haaren, die sich um die Walze wickeln? Andre hat die Bürste herausgezogen und auf eine Rippe darunter gezeigt.
„Wie schneiden Sie und ich unsere Haare? Mit so einer Klinge. Es ist eine Rasierklinge.“
Der Metallkamm unter der Walze kämmt die Haare also nicht nur ab, er schneidet sie durch. Danach zieht der Luftstrom sie in eine kleine Kammer und von dort nach oben ins Gerät. In Mideas Datentabelle stand dazu nur „Anti-Tangle: Comb Scraper“. Für die Praxis ist der Unterschied groß: Ein Kamm sammelt die Haare an einer Stelle, wo man sie später herausklauben muss, eine Klinge zerlegt sie so weit, dass sie im Schmutzbehälter landen.
Kartusche mit integriertem Putzmittel
Der Teil, den Midea am stärksten bewirbt, ist das Reinigungsmittel im Gerät. Andre nennt es CCR, ausgeschrieben Co-Continuous Structure Release Technology: Wirkstoff und Trägerstruktur durchdringen sich in der Kartusche, und das durchfließende Wasser löst daraus immer nur so viel heraus, wie gerade gebraucht wird. In Mideas Marktkommunikation heißt diese Funktion Easy Foam. Andre hat die Kartusche herausgedreht, eine Vierteldrehung, dann abheben. Darin stecken feste Pellets, keine Flüssigkeit.
Das Wasser wird durch die Kartusche gedrückt und löst dabei langsam etwas heraus. Das Reinigungsmittel entsteht also erst auf dem Weg zur Düse und kommt als Schaum auf dem Boden an. Andre nennt das „detergent on demand“, Reinigungsmittel auf Abruf.
Die praktisch wichtigste Angabe kam erst auf Nachfrage: Midea legt drei Kartuschen bei, und eine reicht ungefähr ein Jahr. Über die Lebensdauer des Geräts rechnet Andre mit etwa drei Stück. Wer den AT8 Ultra kauft, kauft also aller Voraussicht nach nie wieder Putzmittel dazu. Das ist deutlich mehr als das „ein Jahr ohne Nachkaufen“, mit dem Midea in seinen Unterlagen wirbt.
Wer seinem eigenen Mittel treu bleiben will, kann es weiterhin in den Frischwassertank geben. Die Kartusche ist ein Angebot, keine Pflicht.
Die Technik kommt nicht aus der Bodenpflege, sondern aus dem eigenen Haus: Midea hat eine große Waschmittelsparte, und der Wirkstoff in Pelletform stammt von dort.
Pellets auch im Schmutzwassertank
Der Teil, der im Skript gar nicht vorgesehen war und den wir am interessantesten fanden: Auch im Schmutzwassertank sitzen Pellets, und zwar drei verschiedene Sorten. Eine gegen Gerüche, eine gegen Bakterien und eine gegen Schaum.
„Erst machen wir den Schaum, und danach zerstören wir ihn wieder“, sagt Andre. Das klingt widersinnig, ist aber genau der Punkt, an dem die meisten Geräte im Alltag ärgerlich werden: Zu viel Schaum im Schmutzwassertank drückt beim nächsten Start oben wieder heraus. Wer schon einmal zu großzügig mit dem Spülmittel war, weiß, wie das endet.
Schaum und heißes Wasser sind hier kein Entweder-oder
Der AT8 Ultra hat eine Heizung an Bord und kann heißes Wasser sprühen. Am Griff sitzt ein Schalter, mit dem ihr zwischen Schaum und heißem Wasser umschaltet, und ein Abzug, der beides nur auf Knopfdruck abgibt. Auf der Standwand dahinter steht der Grund, warum das zwei getrennte Systeme sind: „Dual-Path, separate channels for foam and hot water“.
Interessant wird es bei der Kombination. Bei Dampfgeräten schließen sich Reinigungsmittel und Hitze gegenseitig aus, das ist bei jedem Gerät dieser Art die Ansage des Herstellers. Auch die Dampf-Wischsauger, die wir bisher im Test hatten, arbeiten nach diesem Prinzip.
Midea dreht das um. Der Schaum ist hitzeaktiviert, die beste Reinigung kommt laut Andre erst aus der Reihenfolge: erst Schaum aufsprühen, einbürsten, dann heißes Wasser hinterher. Das heiße Wasser trägt den Schaum in die kleinen Vertiefungen des Bodens.
Bedienung, Gewicht und Station
Die Saugstufen hoch, mittel und niedrig liegen am Daumen, dazu die Umschaltung Schaum oder Wasser. Über der Walze sitzt eine eigene Wasserzufuhr, sodass ihr an hartnäckigen Stellen zusätzlich Wasser geben könnt.
Beim Schieben fällt zuerst der Schwerpunkt auf. Beide Tanks sitzen unten am Gerät und nicht oben am Stiel, und das merkt man sofort: Der AT8 Ultra steht ruhiger in der Hand als Geräte, die ihr Gewicht oben tragen. Dazu kommt die Antriebshilfe der Räder, die das Gerät beim Vorschieben mitzieht. Beides zusammen macht das Führen leicht genug, dass das reine Gewicht kaum eine Rolle spielt.
An der Station gibt es ein Detail, das man erst schätzt, wenn man es einmal hatte: Man fährt vorwärts hinein, ohne das Gerät anzuheben und ohne es auszurichten. Die Ladekontakte sitzen so, dass das Gerät sie beim Hineinfahren von selbst trifft. Andres Begründung dafür ist an den Leuten ausgerichtet, die so ein Gerät benutzen: Nicht jeder kann oder will sich jedes Mal bücken und die Kontakte suchen, und schon gar nicht ein Gerät dieser Größe anheben.
Unsere Einschätzung
Der AT8 Ultra sammelt an drei Stellen Lösungen für Probleme, die im Alltag tatsächlich nerven: nasser Boden nach dem Wischen, Haare in der Walze und ein Schmutzwassertank, der stinkt. Am stärksten ist dabei die Kartusche, weil sie mit drei Stück im Karton nicht ein Jahr, sondern realistisch die gesamte Nutzungszeit abdeckt.
Zwei Fragen bleiben offen, und beide sind nicht Andres Ressort: Unter welchem Namen der AT8 Ultra nach Deutschland kommt und was er kosten soll. Midea führt seine Wischsauger hierzulande als X6 und X8, der Vorgänger AT6 Ultra ist hier nie erschienen. Ein Testgerät hat uns Midea am Stand zugesagt. Dann klärt sich auch die Frage, die man am Messestand nie beantwortet bekommt: ob der Arm auf einem echten Küchenboden genauso sauber abzieht wie auf dem Vorführfliesenstück.
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