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Der Hersteller Thermal Master präsentiert mit der Thor eine Handheld-Kamera, die nicht nur günstiger als die Konkurrenz, sondern auch deutlich leistungsfähiger ist. Mit einer SuperIR-Auflösung von 512 x 384 Pixeln, WLAN-Konnektivität und einem robusten Gehäuse sind die Voraussetzungen allemal gegeben.
Unsere bisherigen Tests von Wärmebildkameras beschränkten sich hauptsächlich auf den Sektor der USB-C-Geräte, die jedes handelsübliche Handy in eine Wärmebildkamera verwandeln. In unserer Bestenliste der Wärmebildkameras (zur Liste) könnt ihr euch nochmals einen ausführlichen Überblick verschaffen. Dennoch haben auch Handheld-Geräte in der heutigen Zeit eine klare Daseinsberechtigung. Der ergonomische Aufbau erlaubt es in Kombination mit dem integrierten Display und einem großzügig dimensionierten Akku, Thermografieaufnahmen überall auf einem professionellen Niveau zu erstellen. Wir haben für euch die Thermal Master Thor ausführlich getestet und zeigen euch hier alle Stärken und Schwächen.
Lieferumfang der Thermal Master Thor
Geliefert wird die Thermal Master Thor in einem stabilen Hartschalen-Case, das im Inneren mit Schaumstoff ausgekleidet ist. Somit ist ein sicherer Transport jederzeit gewährleistet. Neben der eigentlichen Wärmebildkamera finden sich in dem Paket eine Bedienungsanleitung, eine Garantiekarte, ein Kalibrierungszertifikat und ein 100cm langes USB-C-Kabel.
Design und Verarbeitung
Das grundlegende Design der Thermal Master Thor erfindet sich nicht neu, sondern orientiert sich an bewährter Technik. Die Wärmebildkamera ist mit Abmessungen von 263 x 115 x 139 Millimeter und einem Gewicht von rund 710 Gramm vergleichsweise leicht und liegt sehr gut in der Hand. Das Gehäuse besteht vollständig aus Kunststoff und der Handgriff ist mit einer weichen gummierten Oberfläche überzogen.
Das IPS-Display auf der Vorderseite hat eine Größe von 3,5 Zoll und löst mit 640 x 480 Pixeln auf. Die Tatsache, dass Wärmebildkameras generell in einem niedrigen Auflösungsbereich arbeiten, macht das verbaute Display zu einer passenden Wahl. Die darunter befindlichen Tasten dienen der Steuerung und ermöglichen eine intuitive Navigation durch die verschiedenen Menüs. Auf der Unterseite findet sich ein Gewinde, mit dem die Thermal Master Thor auf handelsüblichen 1/4 Zoll Stativen befestigt werden kann.
Die eigentliche Kameralinse auf der Vorderseite wird durch eine rote Kunststoffabdeckung geschützt, die sich mittels Schiebeschalter entfernen lässt. Oberhalb der Kameralinse befindet sich eine kleine LED, mit der ihr bei Bedarf das zu untersuchende Objekt besser ausleuchten könnt. Diese ist allerdings so schwach, dass sie keinen wirklichen Mehrwert bietet. Neben der LED integriert Thermal Master auch einen Laserpointer, mit dem sich das Ziel anvisieren lässt. Zusammenfassend kann man an der Verarbeitung der Thermal Master Thor nichts kritisieren. Alles fühlt sich hochwertig an und das Display ist selbst bei direkter Sonneneinstrahlung gut ablesbar.
Technische Daten
| Technische Daten | Thermal Master Thor |
|---|---|
| Modell | THOR001 / THOR002 |
| Infrarot-Auflösung | 256x192px |
| Super-IR-Auflösung | 512x384px |
| Display | 3,5″ IPS, 640x480px |
| Bildwiederholrate Display | 60Hz |
| Bildfrequenz (IR) | 25Hz |
| Temperaturbereich (°F) | -4°F bis 1022°F |
| Temperaturbereich (°C) | -20°C bis 550°C |
| Messgenauigkeit THOR001 | ±1,5°C oder ±1,5% vom Messwert |
| Messgenauigkeit THOR002 | ±2°C oder ±2% vom Messwert |
| Thermische Empfindlichkeit (NETD) THOR001 | <35mK |
| Thermische Empfindlichkeit (NETD) THOR002 | <40mK |
| Sichtkamera | 2MP |
| Fokussierung | Fixed focus |
| Brennweite | 4,3mm |
| Digitalzoom | 2x / 4x |
| Sichtfeld (FOV) | 40°x30° |
| IFOV | 2,79mrad |
| Pixel Pitch | 12µm |
| Mindestfokusabstand THOR001 | 8cm |
| Mindestfokusabstand THOR002 | 30cm |
| Messpunkte | THOR001: Center, Max, Min, 6 benutzerdefinierte Spots, Temperaturdifferenz; THOR002: Center, Max, Min, 3 benutzerdefinierte Spots, Temperaturdifferenz |
| Bildmodi | Fusion, IR, PIP, Visual |
| Wireless | Ja |
| PC-Software | Ja |
| Laserindikator | Ja |
| Mikrofon | Ja |
| Flash Shield / Schutzkappe | Ja |
| Metallbasis | Ja |
| Laserpositionierung | Ja |
| Akku | 5.000mAh Lithium‑Akku |
| Laufzeit | bis 10,5h |
| Ladeleistung | 18W |
| Ladezeit | 4h |
| Robuste Bauweise | 2m Sturztest, IP54 |
| Audio/Video/Fotos | Foto, Video, Sprachnotizen, QR‑basierte Berichte |
Die Thermal Master Thor 002/001
Die Thermal Master Thor ist in zwei Varianten erhältlich. Die von uns getestete Thor002 unterscheidet sich von der Thor001 durch das im Lieferumfang fehlende Makroobjektiv und eine etwas niedrigere Genauigkeit/Empfindlichkeit. Im Gegenzug glänzt die Thor002 mit einem deutlich niedrigeren Preis (399€ gegenüber 599€) und bietet dennoch ein breites Funktionsspektrum für die Analyse von größeren Bereichen. Mit einem breiten Sichtfeld von 40° x 30° und einer Brennweite von 4,3mm eignet sich die Thermal Master Thor sowohl für mittelgroße Objekte (Fenster, Wände, Kfz-Analyse) als auch für große Flächen wie Häuserfronten.
Der Sensor bietet eine native Auflösung von 256 x 192 Pixeln und wird mittels der SuperIR-Technologie auf 512 x 384 Pixel hochskaliert. Der Fokus lässt sich leider nicht manuell verstellen, weshalb für optimale Aufnahmen die richtige Entfernung zum Objekt eine entscheidende Rolle spielt. Thermal Master verbaut in der Thor einen 5.000mAh Akku, der eine Laufzeit von über 10 Stunden garantieren soll. Dank der IP54 Zertifizierung kann auch Staub und Spritzwasser der Kamera nichts anhaben.
Bedienung der Thermal Master Thor
Die Bedienung der Thermal Master Thor erfolgt fast ausschließlich über die unter dem Display befindlichen Steuerelemente. Lediglich die Aufnahme von Bildern oder Videos erfolgt über den Taster (Pistolenabzug) auf der Vorderseite.
Die Kamera bietet zudem die Möglichkeit, sich direkt mit einem externen Display (Smartphone oder Tablet) über die WLAN-Schnittstelle zu verbinden. Somit kann die Kameraaktivität live auf einem zweiten Gerät mitverfolgt werden. Dazu aktiviert ihr einfach die WLAN-Funktion der Thermal Master Thor und loggt euch anschließend mit eurem zweiten Gerät in das WLAN-Netz der Kamera ein. Auf dem Smartphone installiert ihr dafür die ThermalSmart App für Android oder iOS. Diese ist momentan im Android Store nicht erhältlich. Für die Installation folgt ihr einfach dem QR-Code in der Bedienungsanleitung. Wir mussten zusätzlich die mobilen Daten am Smartphone deaktivieren, um eine Verbindung aufbauen zu können.
Betriebsmodi und Einstellungen
Auf dem Smartphone lassen sich somit alle Aktivitäten nachverfolgen und auch Foto- und Videoaufnahmen starten.
Die Thermal Master Thor verfügt neben der Thermografiekamera auch über eine zweite Kamera für die Normalsicht. Diese löst mit 640 x 480 Pixeln auf und kann simultan zum Thermografiebild auslösen oder auch mit diesem kombiniert werden. Im „Fusion“-Modus wird das Wärmebild über das Normalbild gelegt. Somit können Objekte für die spätere Auswertung besser zugeordnet werden. Im „Bild-in-Bild“-Modus wird nur der mittlere Teil im Wärmebild dargestellt, während der umliegende Teil in Normalsicht gezeigt wird.
Update: Kurz nach dem Ende des Tests hat Thermal Master die Thor mittels Firmwareupdate um einen weiteren Betriebsmodus ergänzt. Im sogenannten „Mix“-Modus werden dem Wärmebild weiße Konturlinien hinzugefügt, die besonders warme oder kalte Objekte hervorheben. Somit lassen sich Hotspots oder Wärmebrücken noch leichter lokalisieren und zuordnen.
Insgesamt stehen euch sieben Farbpaletten für die Auswertung eurer Thermografieaufnahmen zur Verfügung. Je nachdem, unter welchem Aspekt man die Bilder auswerten möchte (Hotspot, Wärmebrücke, Bewegung einer Wärmequelle), können verschiedene Farbspektren sinnvoll sein. Die Isotherme-Skala auf der rechten Seite gibt euch jederzeit einen Überblick, in welchem Temperaturbereich sich eure Aufnahmen bewegen. Für die Temperaturmessung bietet die Thor einen vollautomatischen Modus, der die minimale/maximale Temperatur und die Temperatur im Mittelpunkt des Messbereiches anzeigt. Ihr könnt aber auch manuell bis zu drei Messpunkte setzen und euch die Temperaturunterschiede zwischen diesen Punkten anzeigen lassen.
Einstellungen der Thermal Master Thor
Das Einstellungsmenü bietet euch zudem zahlreiche Möglichkeiten, das Thermografiebild zu optimieren und die Kamera nach euren Bedürfnissen zu konfigurieren. Wir haben die Einstellungen für euch einmal zusammengefasst:
- Messparameter (Emissionsgrad, Umgebungstemperatur, Messentfernung)
- Temperaturmessskala (-20-150°C/100-550°C/Automatikmodus)
- Alarmeinstellungen
- Fotoeinstellungen
- Isotherme
- Echtzeit-Superauflösung (SuperIR)
- Video-Einstellungen (automatisch speichern/stummschalten)
- Indexmodus (fortlaufende Nummerierung der Bilder)
- Einheitseinstellung (Temperatur °C/°F/K und Entfernung Meter/Fuß)
- WLAN-Einstellungen
- Bildschirmanzeige
- automatisches Abschalten (aus/5/10/20/120 Minuten)
- Geräteinformationen
- Werkseinstellungen
- SD-Karte formatieren
- Bildschirmhelligkeit
- Datum und Uhrzeit
- Sprache
- Firmwareupdates
Um die Genauigkeit der Aufnahmen zu erhöhen, kann der Emissionsgrad (IR-Reflexionsgrad der Oberfläche) angepasst werden. Thermal Master bietet hier zahlreiche vorkonfigurierte Materialien mit dem passenden Emissionsgrad zur Auswahl an. In den Alarmeinstellungen könnt ihr für die automatischen Messpunkte (min/max/Mitte) eine Alarmfunktion aktivieren. Diese wird sowohl im Display dargestellt als auch bei Bedarf durch die verbaute LED (Blinklicht) signalisiert. Weiterhin könnt ihr bei Überschreitung/Unterschreitung bestimmter Temperaturbereiche das automatische Auslösen der Kamera aktivieren. Somit lassen sich in einem einstellbaren Zeitintervall (10-990 Sekunden) 10-990 Bilder aufnehmen. Dieses Feature erlaubt es beispielsweise, elektrische Geräte zu überwachen und bei Erreichen einer Zieltemperatur die Aufnahmen automatisiert zu starten oder ein Objekt in der Langzeitüberwachung zu beobachten. In den Fotoeinstellungen kann dieser Automatismus auch ohne Temperaturschwellen konfiguriert werden. Wie ihr sehen könnt, ist das Funktionsspektrum äußerst umfangreich und erlaubt eine zielgerichtete Anpassung an eure jeweiligen Gegebenheiten.
TM Thor Software für Windows
Für die Auswertung der Aufnahmen bietet Thermal Master nicht nur die App-Unterstützung, sondern auch die kostenlose TM Thor Software für Windows.
Mit der Software lassen sich bereits angefertigte Aufnahmen deutlich umfangreicher analysieren. Ihr könnt sowohl neue Messbereiche oder Messpunkte erstellen als auch die verschiedenen Betriebsmodi (IR/Normalsicht/Fusion/Bild-in-Bild) aktivieren.
Bildqualität der Thermal Master Thor
Neben der Temperaturempfindlichkeit ist die Bildqualität für die meisten Käufer ein entscheidendes Kaufkriterium. In dieser Disziplin kann die Thermal Master Thor durchweg überzeugen.
Dank der dualen Aufnahmefunktion von Wärme- und Normalbild lassen sich Objekte direkt zuordnen. Anhand der Aufnahme des Brotbackautomaten wird die Temperaturempfindlichkeit der Thermal Master Thor deutlich. Selbst geringe Temperaturunterschiede auf der Oberfläche werden präzise dargestellt.
Die Aufnahmequalität der Normalsicht kann nicht in allen Bereichen überzeugen. Bei starker Sonneneinstrahlung oder dunklen Umgebungen kommt die Kamera schnell an ihre Grenzen. Für eine Zuordnung der Objekte sind die Aufnahmen aber in den meisten Fällen brauchbar. Im Gegenzug überzeugen die Thermografieaufnahmen umso mehr. Der Rasenmähroboter und die Umgebung werden extrem detailreich dargestellt und die Temperaturunterschiede deutlich hervorgehoben.
Die Darstellungsqualität übertrifft bei optimalem Abstand zum Objekt sogar die Thermal Master P3 (zum Test), die bisher unsere Referenz im Bereich der USB-C-Wärmebildkameras darstellt. Aufgrund der festen Fokuseinstellung solltet ihr auf einen passenden Abstand zu den Objekten achten, um ein möglichst detailreiches Bild zu erhalten. Die besten Ergebnisse erzielt ihr mit einem Abstand von 30-150cm.
Trotz dieser Tatsache sind auch Aufnahmen größerer Flächen und kompletter Häuserfronten problemlos möglich. Am Beispiel dieser Fassade wird deutlich, dass im Bereich der obersten Geschossdecke die Isolierung nicht optimal ausgeführt wurde. Im zweiten Bild ist die Traglattung der Deckenkonstruktion trotz eines Temperaturunterschiedes von nur 0,3°C zu den umliegenden Gipskartonplatten deutlich hervorgehoben.
Makroaufnahmen
Im Bereich der Makroaufnahmen liefert die Thermal Master Thor 002 keine überragenden Ergebnisse ab. Anhand unserer elektronischen Last kann man nur grob erkennen, welche Bauteile sich hier erwärmen.
Einzelne Widerstände, Kondensatoren oder warme Leiterzüge sind lediglich zu erahnen. Solltet ihr für diesen Anwendungsfall Bedarf haben, bietet Thermal Master die Thor in der Variante Thor 001 mit ansteckbarem Makroobjektiv an.
Videoqualität
Die Videoqualität der Thermal Master Thor liegt auf dem Niveau der Bildaufnahmen und kann bis auf den Makrobereich überzeugen. Dabei werden die Videos mit 25Hz aufgenommen und bieten in allen Bereichen eine ausreichend flüssige Darstellung. Die Software erlaubt es theoretisch auch Tonaufnahmen anzufertigen, um die Thermografieaufnahmen mit entsprechenden Kommentaren zu versehen. Bisher funktioniert diese Funktion nicht zuverlässig. Die Aufnahmen sind durchweg zu leise, sodass ihr selbst lautes Schreien nicht aufnehmen könnt. Thermal Master hat in diesem Zusammenhang zugesichert, dieses Problem in naher Zukunft mittels Firmwareupdate zu beseitigen.
Akkulaufzeit und Ladung
Thermal Master verspricht mit einer Akkuladung des 5.000mAh Akkus eine Laufzeit von bis zu 10,5 Stunden. Im Test konnten wir mit voller Displayhelligkeit eine Laufzeit von rund 6 Stunden erreichen. Für Langzeitaufnahmen kann die Thor bei Bedarf auch mittels Powerbank oder externem USB-C-Ladegerät dauerhaft mit Strom versorgt werden. Ist der fest verbaute Akku einmal vollständig entleert, kann er mit bis zu 18W wieder geladen werden. Trotz der hohen Ladegeschwindigkeit dauert eine Akkuladung rund 4 Stunden, da die maximale Ladeleistung nur kurzfristig erreicht wird.
Testergebnis
Die Thermal Master Thor überzeugt uns im Test mit einer exzellenten Bild- und Videoqualität, die selbst die deutlich teurere Konkurrenz von Fluke oder Flir in den Schatten stellt. Das Zusammenspiel aus kompakter Handheld-Wärmebildkamera mit der hohen IR-Auflösung und der intuitiven Bedienung ermöglicht es selbst Laien, Thermografieaufnahmen auf professionellem Niveau anzufertigen. Mit einem Preis von 399€ bietet die Thor 002 bis auf den Makrobereich und die fehlerhaften Tonaufnahmen ein absolut gelungenes Gesamtpaket. Für alle, die auf die Makro-Aufnahmen nicht verzichten können, bietet Thermal Master mit der Thor 001 für 599€ die passende Alternative.
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