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Qidi Box als Add-on für den Vierfarbdruck am Qidi Q2 im Test

Getestet von Holger Becker am
Vorteile
  • bis zu 16 Farben möglich
  • Filamenttrocknung möglich
  • einfaches Handling
Nachteile
  • aktive Trocknung nicht während des Druckens
  • gelegentliche Staus am Auswurf
  • lange Startzeiten
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Mehrfarbdruck gehört heute fast zum Standard im 3D-Druck. Qidi Tech rüstet nun nach und bietet mit der Qidi Box eine Erweiterung für ihre CoreXY-Serie an. Den Qidi Q2 und den Qidi 4 Plus haben wir bereits separat ausführlich bewertet. Die Qidi Box ergänzt diese Geräte um automatischen Vierfarbdruck sowie eine aktive Trockenkammer. Wir klären im Test, ob die Integration gelingt und der Mehrwert den Umbauaufwand rechtfertigt.

Varianten

Qidi bietet die Box mit zwei klar getrennten Upgrade-Kits an. Es gibt ein Kit für den Qidi Q2 (zum Test) und ein Kit für den Qidi 4 Plus (zum Test). Beide Kits unterscheiden sich in den mechanischen Adaptern, Halterungen und Umbaukomponenten. Achtet beim Kauf unbedingt darauf, das passende Kit für euer Gerät zu wählen. Die aktuell ausgelieferte Version entspricht der Qidi Box V2 für den Q2. Qidi überarbeitete diese Version mechanisch und elektrisch, um zentrale Schwächen der ersten Generation zu beheben. Insbesondere die fehlerfreie Unterstützung von Online-Firmware-Updates macht das System alltagstauglich.

Lieferung

Der Versand erfolgt in einem großen, stabilen Karton. Alle Komponenten sind sauber sortiert und sicher verpackt. Der Lieferumfang ist vollständig und auf das jeweilige Upgrade-Kit abgestimmt. Neben der Box sind der Riser-Rahmen zur Bauraumerhöhung, der Box-Hub für den Vierfarbdruck, vier PTFE-Schläuche, zwei Datenkabel, ein neuer Filamentsensor sowie modifizierte Bauteile für den Sammelschacht enthalten. Zusätzlich liegen Schrauben, Kabeldurchführungen und eine bebilderte Anleitung bei.

Erster Eindruck

Der erste Eindruck der Qidi Box ist insgesamt solide. Die Verarbeitung wirkt ordentlich, das Gehäuse stabil und die Haube sitzt sauber auf. Es gibt keine auffälligen Spaltmaße, nichts klappert oder wirkt instabil. Die Box passt optisch gut zum Drucker und macht nicht den Eindruck einer improvisierten Nachrüstlösung.

Beim Öffnen und Schließen der Haube zeigt sich eine funktionale Mechanik ohne Auffälligkeiten. Die Haube lässt sich kontrolliert anheben und wieder schließen. Die Filamentrollen sitzen sicher und lassen sich ohne unnötigen Aufwand einsetzen oder wechseln. Insgesamt entsteht der Eindruck eines durchdacht konstruierten Zubehörs, das von Beginn an für den Mehrfarbdruck vorgesehen war und sich entsprechend unauffällig in das Gesamtsystem integriert.

Technische Daten laut Hersteller

Merkmal: Technische Daten:
Produkt QIDI Box Multi-Material-System
Systemtyp Multi-Material- und Multi-Color-Erweiterung
Kapazität pro Box 4 Filamente gleichzeitig
Maximale Erweiterung Bis zu 4 Boxen kombinierbar, insgesamt 16 Farben oder Materialien
Filamentdurchmesser 1,75mm
Filament-Trocknung Aktive Trocknung bis 65°C
Extruder Doppelzahnrad-System aus gehärtetem Stahl
Abrasive Materialien Geeignet für Carbon- und Glasfaser-Polymere
Kompatible Filamente PLA, ABS, ASA, PETG, TPU, PA, PC, CF- und GF-Filamente
NFC-Funktion Automatische Materialerkennung per NFC
Filamentüberwachung Verhedderungserkennung und automatische Umschaltung auf Ersatzspule
Echtzeit-Trocknung Ja, passiv
Abmessungen 357x300x234mm
Kompatible Drucker QIDI Max 3, Plus 3, Q2 Serie, Erweiterungskit erforderlich
Lieferumfang 7-in-1-Anschlüsse
PTFE-Schläuche 1600mm und 50mm
Signalkabel 2m

Neben der Nutzung von vier Filamenten pro Box lässt sich das System erweitern, indem mehrere Boxen gekoppelt werden, was bis zu 16 verschiedene Filamente in einem Druckauftrag ermöglicht. Das erweitert die Gestaltungsmöglichkeiten erheblich, etwa für detaillierte Farbabstufungen oder funktionale Kombinationen unterschiedlicher Materialeigenschaften. So lassen sich beispielsweise steife Materialien für tragende Strukturen und flexible Materialien für elastische Bereiche in einem Teil kombinieren.

Umbau

Der Umbau des Qidi Q2 ist zwingend erforderlich, wenn ihr den Vierfarbdruck nutzen wollt. Plant dafür realistisch etwa eine Stunde ein. Achtet auf sauberes Arbeiten, da kleine Ungenauigkeiten später schnell zu Störungen führen können. Der Umbau beginnt mit der Montage des Riser-Rahmens. Dieser erhöht den Bauraum nach oben um rund 40 Millimeter. Beim Zusammenbau fällt auf, dass die Ausrichtung einzelner Verbindungselemente variiert. Der fertige Riser verfügt über seitlich manuell verstellbare, integrierte Luftklappen. Vor allem ist entscheidend, dass der Glasdeckel nach der Montage höher sitzt und der PTFE-Schlauch im Vierfarbbetrieb nicht mehr am Glas reibt.

Der Riser der Qidi-Box

Filamentsensor tauschen

Bevor ihr das Multifilamentsystem anschließt, tauscht ihr den Filamentsensor. Entfernt zuerst den PTFE-Schlauch. Schraubt den alten Sensor ab und setzt das neue Modell ein. Qidi nennt keinen konkreten technischen Grund für diesen Schritt. In der Praxis arbeitet der neue Sensor jedoch stabil mit dem Box-System zusammen.

Reinigungssystem umbauen

Danach entfernt ihr das bisherige Abstreifblech. Das erfordert etwas Kraft. Baut anschließend die weiteren Teile des alten Reinigungssystems aus und setzt das neue Austausch-Abstreifblech ein.

Abstreifblech entfernen

PTFE-Führung ändern

Im nächsten Schritt entfernt ihr die bisherige PTFE-Zuführung vollständig. Die Filamentführung ändert sich grundlegend. Die Schläuche laufen jetzt durch den Riser-Rahmen. Achtet dabei auf saubere Radien. Vermeidet Knicke konsequent, da sie den Materialfluss stören.

Einzelhalterung entfernen

Parallel dazu baut ihr die originale Einzelfilamenthalterung am Qidi Q2 ab. Sie war bereits ein Kritikpunkt im Test des Qidi Q2. An ihrer Stelle setzt ihr den Box-Hub ein. Er wird nicht verschraubt, sondern eingerastet. Der Wegfall der Einzelhalterung ist ein Nachteil, wenn ihr zwischendurch mit nur einer Rolle drucken wollt, etwa mit TPU. In diesem Fall benötigt ihr eine eigene Lösung.

Im Anschluss erfolgen die elektrische und mechanische Verbindung. Ein Datenkabel verbindet den Hub mit dem Drucker, ein weiteres die Box selbst.

Qidi Box Datenkabel

Zusätzlich schließt ihr die vier PTFE-Schläuche zwischen Box und Hub an. Hier wären etwas längere Schläuche wünschenswert gewesen, damit die Box auch neben dem Drucker stehen kann.

Nach der Verkabelung fixiert ihr den Riser final. Anschließend schließt ihr die Box an, legt die Glasplatte wieder auf und schaltet das System ein. Direkt nach dem Start bietet der Drucker ein Online-Firmware-Update an. Der Update-Vorgang läuft fehlerfrei durch. Währenddessen signalisiert die Box ihre Aktivität. Nach Abschluss des Vorgangs fordert das System einen manuellen Neustart. Anschließend verlangt der Drucker eine erneute Kalibrierung inklusive Auto-Leveling und Input Shaping. Diese Schritte solltet ihr zwingend durchführen.

Intelligente Filamenterkennung via NFC

Die Qidi Box unterstützt eine intelligente Filamenterkennung über NFC. Legt ihr ein originales Qidi-Filament ein, erkennt das System das Material automatisch. Filamenttyp, empfohlene Temperaturen und weitere relevante Parameter werden direkt an den Drucker übergeben. Ihr müsst keine Einstellungen manuell vornehmen und lauft nicht Gefahr, mit falschen Profilen zu drucken. Das vereinfacht den Start erheblich, gerade beim Vierfarbdruck oder bei häufigen Materialwechseln. Bei anderen Filamentherstellern müsst ihr diese Parameter von Hand eingeben.

Trockungskammer

Ein weiterer Pluspunkt ist die Möglichkeit zur aktiven Filamenttrocknung in der Box. Diese Funktion lässt sich jedoch nicht parallel zu einem laufenden Druck nutzen. Erst wenn sich kein Filament in der Zuführung befindet, kann die Qidi Box als aktive Trocknungskammer eingesetzt und aufgeheizt werden. Für den Dauertrocknungsbetrieb gibt es Trocknungsmittel und eine entsprechende Halterung für die Säckchen.

Keine Papprollen

Qidi weist ausdrücklich darauf hin, dass Filamentrollen aus Pappe problematisch sein können. Ohne Adapter entsteht erhöhter Widerstand, der zu ungleichmäßigem Vorschub führt und sich besonders beim Farbwechsel negativ auswirkt. Adapterringe aus Kunststoff stabilisieren den Rollendurchmesser und sorgen für einen gleichmäßigen Lauf. Diese Adapter könnt ihr problemlos selbst drucken. Entsprechende Dateien sind in großer Zahl im Internet verfügbar. In der Regel reicht PLA aus, PETG ist bei höheren Temperaturen robuster.

Erste Druckversuche

Die ersten Druckversuche verliefen zunächst nicht erfolgreich. Das lässt sich jedoch plausibel auf die starken Temperaturschwankungen im Labor zurückführen. Am Testtag wurde der Raum kurz zuvor von etwa 5°C auf 21°C aufgeheizt. Unter diesen Bedingungen sind Probleme nicht überraschend. In späteren Tests trat dieser Fehler nicht mehr auf.

Gelegentlich kommt es weiterhin zu einem Stau im Filamentauswurf, also in der Abfallrutsche. Möglicherweise wird Qidi hier noch nachbessern. Der Vollständigkeit halber sei aber erwähnt, dass ähnliche Effekte auch bei vergleichbaren Mehrfarbsystemen anderer Hersteller auftreten.

Testergebnis

Getestet von
Holger Becker

Die Qidi Box V2 erweitert den Qidi Q2 funktional um den Vierfarbdruck und macht diesen grundsätzlich zuverlässig nutzbar. Sie ist dabei weniger als Komfortzubehör zu verstehen, sondern als notwendige technische Ergänzung, wenn Mehrfarbdrucke regelmäßig umgesetzt werden sollen.

Der Umbauaufwand ist jedoch nicht zu unterschätzen. Mehrere Komponenten am Drucker müssen verändert oder ersetzt werden, und der Aufbau verlangt sorgfältiges Arbeiten. Wer hier ungenau vorgeht, riskiert Folgeprobleme, etwa beim Filamentauswurf oder bei der Filamentführung. Positiv ist, dass sich nach sauberem Umbau ein stabiler Betrieb einstellen kann.

Im Betrieb zeigt die Box ihre Stärken vor allem in der strukturierten Filamentverwaltung. Farbwechsel laufen meist kontrolliert ab, die automatische Filamenterkennung reduziert Bedienfehler, und die geschlossene Box hilft, Umwelteinflüsse besser zu kontrollieren. Die Trocknungsfunktion ist grundsätzlich sinnvoll, lässt sich jedoch nicht parallel zum Drucken nutzen und ersetzt keinen dedizierten Filamenttrockner für stark hygroskopische Materialien.

Auf der anderen Seite bleiben Einschränkungen bestehen. Die lange Startzeit von rund acht Minuten gehört weiterhin zum Alltag. Gelegentliche Staus im Filamentauswurf können auftreten und erfordern Aufmerksamkeit, auch wenn dieses Verhalten nicht ungewöhnlich für Mehrfarbsysteme ist. Der Wegfall der Einzelfilamenthalterung reduziert die Flexibilität, wenn der Drucker zwischendurch bewusst ohne Box betrieben werden soll.

Insgesamt ist die Qidi Box V2 eine funktionale Lösung für den Vierfarbdruck, die ihren Zweck erfüllt. Sie richtet sich an Anwender, die den zusätzlichen Aufwand akzeptieren und den Mehrfarbdruck regelmäßig nutzen möchten.

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Flo
Gast
Flo
2 Minuten her

“Zusätzlich schließt ihr die vier PTFE-Schläuche zwischen Box und Hub an. Hier wären etwas längere Schläuche wünschenswert gewesen, damit die Box auch neben dem Drucker stehen kann.”

Wenn ich das System auf 16 Farben ausbauen, wo soll ich dann die Boxen hinstellen, wenn beim Vierer schon die Schläuche zu kurz sind?

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