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Vor einigen Monaten haben wir mit dem NASync DH2300 einen Einsteiger-NAS mit zwei Einschüben von Ugreen getestet. Nun widmen wir uns dem anderen Ende dieses Spektrums, denn die Chinesen haben uns mit einem absoluten High End-Netzwerkspeicher ausgestattet. Seit rund einem Monat benutze ich den Ugreen NASync iDX6011 Pro.
Der High End-Anspruch äußert sich bei diesem NAS in jeder Zeile des Datenblatts: Es gibt sechs HDD- und zwei SDD-Einschübe, den performanten Notebook-Chip Intel Ultra 7 255H und 64GB RAM. Die maximale Speicherkapazität liegt bei 196TB und das Pro-Modell, den NASync iDX6011 gibt es nämlich ebenfalls, ist sogar mit einem Display ausgestattet. Alle relevanten Anschlüsse sind verbaut, darunter zweimal RJ45 mit jeweils 10Gbit/s.
Spoilerwarnung: Der Ugreen NASync iDX6011 Pro ist ein hervorragender Netzwerkspeicher und ich musste mit der Lupe nach Problemen und Nachteilen suchen. Allerdings müsst ihr im aktuellen Marktumfeld (Speicherkrise), in Anbetracht der erstklassigen Ausstattung, in den sauren Apfel beißen: Preislich richtet sich der iDX6011 Pro an semiprofessionelle und professionelle Kunden, denn regulär kostet das System 2.599 US-Dollar.
Anschlüsse, Aufbau & Design des Ugreen NASync iDX6011 Pro
Der Ugreen NASync iDX6011 Pro ist eine ziemlich massive Konstruktion. Auf Kompaktheit oder ein niedriges Gewicht hat der Hersteller aus China keinen Wert gelegt, sondern primär auf hochwertige und stabile Materialien. Das Gewicht (rund 12 Kilogramm) finde ich dabei kaum störend, denn einmal aufgestellt, bewege ich den NAS nicht regelmäßig.
Die HDD-Einschübe auf der Vorderseite können ganz einfach herausgenommen werden und auch das Einlegen der Festplatten ist hier besonders intuitiv gelöst. Für HDDs mit 3,5 Zoll benötigt ihr nicht einmal einen Schraubendreher. Ihr legt einfach die Festplatte in den Schlitten, führt die dafür vorgesehene Mechanik zusammen, die dann hörbar einrastet, und das war es auch schon. Zehn Sekunden pro Festplatte dauert das ungefähr.
Zudem stehen zwei Slots für M.2-SSDs bereit. Auch darüber hinaus ist hier an Anschlüssen alles mit dabei, was ich von einem NAS dieser Klasse erwarten würde: zweimal LAN mit je 10Gbit/s, zweimal Thunderbolt 4, zweimal USB 3.2, zweimal USB 2.0, ein Slot für SD-Karten, einmal PCIe (x8), einmal HDMI mit 8K-Support und einmal OCuLink.
Wir haben das iDX6011 Pro-Modell im Test, das exklusiv mit dem OCuLink-Port und mit einem 3,7 Zoll-Display auf der Vorderseite ausgestattet ist. Jenes LCD ist ein Touch-Display, das sich im Test als weitaus nützlicher erwiesen hat, als ich erwartet hatte. Zwar handelt es sich nicht um viel mehr als eine Status-Anzeige, aber genau das funktionierte hervorragend.
Der Lieferumfang umfasst Schrauben für HDDs mit 2,5 Zoll, zwei CAT.7-Netzwerkkabel, zwei Kühlkörper für SSDs, sowie das Stromkabel. Eine Bedienungsanleitung ist auch mit dabei und sogar ein magnetisches Gitter aus Metall hat Ugreen beigelegt, das die beiden Hauptlüfter vor Staub schützen soll.
Ersteinrichtung von UGOS Pro
Eine Besonderheit der NAS von Ugreen ist, dass sie mit internem Speicher versehen sind, auf den bei der Ersteinrichtung das Betriebssystem installiert wird. Der Vorteil liegt auf der Hand: Wenn ihr nur ein paar Anpassungen im System vornehmt, müssen die HDDs nicht erst lautstark hochfahren. Beim iDX6011 Pro ist eine SSD mit 128GB verbaut.
Wie auch schon beim Ugreen DH2300 haben Download und Installation des Betriebssystems relativ lang gedauert. Nach etwa zwei Stunden Wartezeit war das System dann bereit. Dank des Ugreen DH2300 war ich bereits an die Bedienung von UGOS Pro gewöhnt und habe mich sehr schnell zurechtgefunden. Auch für Neueinsteiger ist das System aber sehr intuitiv und einfach zu verstehen. Ein Assistent nimmt euch bei Bedarf kurz an die Hand und zeigt euch die wichtigsten Features.
Im nächsten Schritt habe ich die sechs HDDs, die ich in den iDX6011 Pro eingelegt habe, zu einem RAID 5 gekoppelt. RAID 5 kombiniert hohe Datensicherheit mit guter Performance und Speicherplatznutzung. Natürlich stehen aber auch alle möglichen anderen Verbünde bereit, von JBOD über RAID 0, RAID 1 bis zu RAID 10. Das Erstellen des RAID 5 hat dann nochmal rund einen halben Tag in Anspruch genommen.
Im letzten Schritt habe ich meine Daten vom TerraMaster F2-221 (zum Test) auf den Ugreen iDX6011 Pro kopiert. Glücklicherweise könnt ihr in der Web-Oberfläche von UGOS Pro ganz einfach ein Netzwerklaufwerk hinzufügen, sodass sich der iDX6011 Pro die knapp 10TB von dem TerraMaster-NAS selbstständig ziehen konnte, ohne dass mein PC an sein musste. Die Übertragungsgeschwindigkeit lag, begrenzt durch meinen Router und den TerraMaster-NAS, dauerhaft bei genau 1Gbit/s. Der iDX6011 Pro langweilt sich dabei nur.
Features des Ugreen iDX6011 Pro im Überblick
Bei vielen anderen NAS wäre jetzt der Punkt gekommen, an dem ich die Daten einfach liegen lassen würde, vielleicht per SMB gelegentlich darauf zugreife. Beim Ugreen iDX6011 Pro ist das ein bisschen anders. Um einfach nur ein paar Daten in einen RAID-Verbund zu schreiben, braucht es wahrlich keinen Prozessor mit 16 Kernen und 64GB RAM.
Kurzum: Dieser NAS langweilt sich, wenn ihr ihn einfach nur als Datengrab verwendet. Also habe ich mich aufgemacht, die massive Leistung auch zu nutzen. Meine erste Idee war es, einfach Windows auf eine virtuelle Maschine zu installieren, damit meine Freundin an ihrem Laptop endlich nicht mehr 20 Minuten auf die Umsetzung einer Eingabe warten muss. Das Einrichten einer virtuellen Maschine ging beinahe schon erschreckend leicht über eine App von Ugreen.
Leider habe ich bei meinem Plan zwei Punkte nicht beachtet. Die Windows-Installation in der VM kann nicht auf den HDMI-Anschluss des NAS zugreifen. Das liegt wohl daran, dass kein Zugriff auf die Grafikkarte besteht. Das Fehlen von GPU Passthrough, anscheinend bei allen NAS-Systemen von Ugreen, wird in Foren kritisiert. Bis sich das ändert, wenn es das jemals tut, funktioniert mein Plan mit der Windows-Installation also nur über eine Remote Desktop-Verbindung. Schade!
Die KI-Features im Detail
Den fehlenden GPU Passthrough der Virtualization Station von Ugreen könnte ich natürlich mithilfe eines alternativen Betriebssystems umgehen, allerdings habe ich darauf keine Lust. UGOS Pro ist wartungsarm und einfach zu bedienen. Diese beiden Punkte würde ich wohl zumindest teilweise opfern, wenn ich mich für die Installation eines Systems wie Proxmox entscheiden würde. Also habe ich einen neuen Plan geschmiedet, um die CPU-Auslastung endlich mal über 1% zu heben.
Ugreen bewirbt den iDX6011 Pro nämlich als KI-NAS. Die massive Leistung ist vor allem an Bord, damit LLMs lokal auf dem NAS ausgeführt werden können. Klingt komplett unnötig?
Das habe ich auch erst gedacht, aber die unfassbar umfangreiche Integration in das System hat mich sehr schnell vom Gegenteil überzeugt. Uliya, so heißt der Assistent von Ugreen, hat tiefen Zugriff auf die Features des NAS und die dort gespeicherten Dateien. Hier einmal ein paar Beispiele, was ihr, nochmal zur Erinnerung: komplett ohne Verbindung zum Internet, so fragen könnt:
- Wie ist die Temperatur von HDD 1?
- Kannst du mir den Docker-Container des NGINX Proxy Manager installieren?
- Zeig mir Bilder meines Hundes in der Hohen Tatra!
Uliya versteht übrigens die deutsche Sprache und alle Zugriffe können selbstverständlich auch ausgeschaltet werden. Ferner gibt es eine Möglichkeit, Sprachnotizen, die ihr mit der Ugreen-App aufzeichnet, auf eurem NAS transkribieren, übersetzen oder zusammenfassen zu lassen. Beeindruckend finde ich dabei, dass all das, selbst mit mehreren Terabyte Daten, blitzschnell vonstatten geht.
Ugreen NASync iDX6011 Pro im Praxiseinsatz
Ich persönlich benötige die KI-Funktionen nicht wirklich, denn meine Ordnerstruktur ist sehr übersichtlich und ich weiß genau, wo welche Daten liegen. Nun wollte ich die ganze Power des Ugreen NASync iDX6011 Pro aber auch nicht ungenutzt lassen.
Deswegen begeben wir uns in den kommenden Wochen gemeinsam auf eine Reise: Einmal wöchentlich wird es einen Artikel geben. Die Stichworte lauten: Tailscale, Jottacloud-Backup, NGINX Proxy Manager, DNS-Sinkhole. Eine SSD habe ich dafür schon bestellt. Wenn ihr noch weitere Ideen habt, freue ich mich sehr über einen Kommentar! Alle Artikel aus der NAS-Serie werde ich nach Veröffentlichung hier im Testbericht verlinken.
Bisher konnte ich den Ugreen NASync iDX6011 Pro also wirklich nur als Datengrab benutzen und dafür ist der NAS natürlich absolut überqualifiziert. Das Installieren und Verwenden von Windows hat den Prozessor zwar schon ein bisschen gefordert, aber eben wirklich nur ein bisschen. Selbst dabei sind die beiden großen Hauptlüfter sehr leise, die Temperaturen von Prozessor und Festplatten sehr niedrig geblieben.
Der Leistungs-Overkill kommt aber mit einem Nachteil: Selbst im Leerlauf, also ohne dass die HDDs sich drehen, zieht der NAS etwa 30W. Zum Vergleich: Beim NASync DH2300 sind es etwa 11W. Unter Volllast zieht der iDX6011 Pro sogar über 100W. Ein Jahr im Leerlauf kostet bei 35 Cent/Kilowattstunde also schon fast 100€. Aber dass sich ein NAS mit Intel Ultra 7-Chip und 64GB RAM nur lohnt, wenn ihr die Power auch benötigt, ist ja irgendwie klar.
Testergebnis
Starten wir einmal direkt mit den Nachteilen, denn viele davon gibt es nicht. Der Ugreen NASync iDX6011 Pro verbraucht sehr viel Strom im Vergleich mit sparsamen Einsteiger-Systemen. Der HDMI-Anschluss kann nicht von einem virtualisierten Betriebssystem angesprochen werden, weil GPU Passthrough von UGOS Pro nicht unterstützt wird. Das Fehlen von PCIe 5 möchte ich nicht wirklich kritisieren, weil selbst die 20Gbit/s (2.500MB/s) der beiden LAN-Anschlüsse oder die etwa 3.000MB/s von Thunderbolt 4 nicht einmal PCIe 4 ausreizen.
Abgesehen davon ist der Ugreen NASync iDX6011 Pro ein hervorragender Netzwerkspeicher. Die KI-Features haben in meinem Test genau wie von Ugreen beworben funktioniert. Die Power des Intel-Chips mit 64GB RAM ist schon fast wahnsinnig für einen NAS. Die Konstruktion ist sehr stabil und schön anzusehen, das Display an der Front ist überraschenderweise mehr als nur ein kleines Gimmick. Die Installation der Festplatten ist unfassbar simpel und UGOS Pro ist auch für Einsteiger intuitiv gehalten.
Am beeindruckendsten finde ich aber das Wärmemanagement und die Lautstärke des NAS, denn selbst bei hoher Last drehen die Lüfter nicht im maximalen Modus. Den habe ich nur einmal über das System manuell ausgewählt und dann ist der NAS tatsächlich ziemlich laut. Im normalen Betrieb ist der iDX6011 Pro hingegen flüsterleise und bleibt kühl. Nur so als Vergleich: Mein Xiaomi Mi Notebook Pro X 15 (zum Test) ist bei mittlerer Last lauter als der iDX6011 Pro bei Volllast.
Wenn ihr einen NAS mit bis zu 196TB Speicherplatz und mit mehr Leistung als die allermeisten Notebooks wirklich braucht, ist der iDX6011 Pro unbedingt einen Blick wert. Die Konkurrenz verbaut im gleichen Preisbereich keine derart performante Hardware. Allerdings bleibt abzuwarten, wie lange Ugreen die Preise im aktuellen Marktumfeld wirklich halten kann. Die Super Early Bird-Preisstufe der Kickstarter-Kampagne wurde bereits vorzeitig beendet.
Lasst uns jetzt gerne noch in den Kommentaren wissen, zu welchen Funktionen ihr euch eine gesonderte Anleitung wünschen würdet. Tailscale, Backup zu Jottacloud und das Einrichten des NGINX Proxy Manager zum Hosten von Internetseiten stehen bereits auf meiner Liste!
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