Mit den Momentum True Wireless 5 bringt Sennheiser die fünfte Generation seiner Premium-In-Ears und ändert dabei etwas, das in dieser Preisklasse bisher kaum ein Hersteller angefasst hat: Die Akkus in den Ohrhörern und im Ladecase lassen sich selbst tauschen. Dazu kommen ein neues Design ohne Flügelaufsätze, Bluetooth 6.0, aptX Lossless und ein stärkeres ANC als beim Vorgänger. Rund 300€ kosten die In-Ears direkt bei Sennheiser und bei Amazon, damit spielen sie in der Premium-Liga.
Wir hatten gehofft, dass die In-Ears klanglich genau dort anknüpfen, wo die großen Sennheiser Momentum 4 (zum Test) stehen. Ganz gelingt das nicht, überzeugt haben uns die Momentum True Wireless 5 trotzdem. Messen müssen sie sich im Alltag an unseren Go-to-In-Ears, den Huawei FreeBuds Pro 5 (zum Test).
| Momentum True Wireless 5 | Momentum True Wireless 4 | |
|---|---|---|
| Preis | 300€ UVP | 300€ UVP, aktuell ab rund 160€ |
| Akku tauschbar | ja, Ohrhörer und Case | nein |
| Laufzeit mit ANC | 6 Stunden | 7 Stunden |
| Laufzeit mit Case | 40 Stunden | 30 Stunden |
| Gewicht Ohrhörer / Case | 7g / 55g | 6,2g / 66g |
| Bluetooth | 6.0 | 5.4 |
| LE Audio und Auracast | nein | ja |
| Flügelaufsätze | nein | ja |
| Case | Kunststoff | Stoffbezug |
Die Momentum True Wireless 5 sind die besseren In-Ears, vor allem beim ANC und wegen der tauschbaren Akkus. Wer auf beides verzichten kann, bekommt den Vorgänger inzwischen fast zum halben Preis.
Design und Verarbeitung
Beim Design bricht Sennheiser mit dem Vorgänger. Die Flügelaufsätze der Momentum True Wireless 4 sind weg, die Ohrhörer sind rundlicher geworden und das Ladecase hat seinen Stoffbezug gegen eine Schale aus Kunststoff getauscht. Es gibt die In-Ears in fünf Farben: Schwarz, Creme, Kupfer, Blau und Lavendel.
Größe und Verarbeitung
Für den Akkutausch hat Sennheiser die Gehäuse etwas größer gebaut. Als grobe Faustregel rechnen wir damit, dass ein Wechselakku-Design nur rund 80% der Akkukapazität zulässt, die ohne Wechselmechanik in dasselbe Gehäuse passen würde. Offiziell ist diese Zahl nicht, sie erklärt aber, warum Ohrhörer und Case minimal größer ausfallen als bei der Konkurrenz.
Das Case misst 67,2 x 48,4 x 25 Millimeter und wiegt 55 Gramm. Gegenüber dem Vorgänger ist es schmaler und leichter geworden, die Cases unserer Sony WF-1000XM4 und Huawei FreeBuds Pro 5 sind aber schlanker. Es ist nicht viel, in der Hosentasche fällt es trotzdem auf. Die Ohrhörer wiegen jeweils 7 Gramm und stehen sichtbar weiter aus dem Ohr heraus als bei den meisten Konkurrenten.
Das zeigt sich auch bei der Verarbeitung. Unsere FreeBuds Pro 5 wirken wie aus einem Guss, Übergänge sind dort nicht zu spüren. Bei den Sennheiser sind Schrauben und Nähte zu sehen, was bei Gehäusen, die sich öffnen lassen, auch gar nicht anders geht.
Die Ohrhörer sind nach IP54 gegen Staub und Spritzwasser geschützt, das Case hat keine Zertifizierung. Schweiß beim Training ist damit kein Problem, untertauchen solltet ihr die Sennheiser aber nicht. Ihr steuert die Ohrhörer per Tippen auf die Außenseite. Die Belegung passt ihr in der App für links und rechts getrennt an, auf Wunsch schaltet ihr die Touch-Steuerung ganz ab. Eine Pinch-Steuerung wie bei den FreeBuds Pro 5 fehlt leider, die ist beim Sport oder mit Mütze zuverlässiger, weil ihr nichts versehentlich auslöst.
Insgesamt sind die Momentum True Wireless 5 solide verarbeitet, wegen des Wechselakkus aber etwas größer und nicht ganz so glatt wie die Konkurrenz.
Lieferumfang der Sennheiser Momentum True Wireless 5
Im Karton liegen neben den Ohrhörern und dem Case ein kurzes USB-C-Kabel, Silikonaufsätze in vier Größen (XS, S, M, L) und ein Öffnungswerkzeug für den Akkutausch. Den passenden Kreuzschlitz-Schraubendreher (PH000) legt Sennheiser nicht bei, ein Netzteil ebenfalls nicht. Die Ohrstöpsel haben ein Silikon-Schutzgitter, das Schmutz aus den Ohren zuverlässig auffängt. Dazu kommt eine gewohnte runde Aufnahme, sodass sich auch Memory-Foam-Stöpsel nutzen lassen.
Tragekomfort
Der Tragekomfort der Momentum True Wireless 5 ist gut. Die Ohrhörer sitzen fest und dichten gut ab. Auf der Zugfahrt von Würzburg nach Berlin haben wir sie genau eine Akkuladung lang getragen, also rund fünfeinhalb Stunden. Erst danach fingen sie an, etwas zu drücken.
Das ist normal: Je nach Mensch und Ohr stören In-Ears nach drei bis sechs Stunden. Deutlich früher drücken sie nur, wenn die Aufsätze nicht zum eigenen Ohr passen. Macht deshalb gleich zu Beginn den „Fit Test“ in der App und probiert ruhig auch andere Aufsatzgrößen aus.
Dass die Ohrhörer weiter aus dem Ohr herausstehen, betrifft deshalb nur die Optik. Wer darauf Wert legt, sollte das vor dem Kauf wissen.
Wechselbare Akkus
Das wichtigste Argument für die Sennheiser Momentum True Wireless 5 sind die tauschbaren Akkus. Jeder Akku verliert mit den Jahren an Kapazität, bei fest verbauter Knopfzelle ist das irgendwann das Ende der In-Ears. Bei den Sennheiser löst ihr pro Ohrhörer zwei Schrauben, hebelt das Gehäuse mit dem mitgelieferten Werkzeug auf, tauscht den Akku und klickt es wieder zu. Beim Case reicht eine Schraube, danach schiebt ihr den Deckel auf und zieht den Akku an einer Lasche heraus.
Je nachdem, wie viel ihr die Kopfhörer nutzt, setzt ihr so zum Beispiel alle zwei Jahre frische Akkus ein. Als Ersatzteile sind ein Satz Akkus für die Ohrhörer und ein Akku für das Case vorgesehen. Im deutschen Sennheiser-Shop sind sie zum Zeitpunkt des Tests aber noch nicht gelistet, einen offiziellen Preis gibt es ebenfalls noch nicht. Etwas Fingerspitzengefühl braucht der Tausch: Im Gehäuse verlaufen eine flexible Leiterplatte und das Lautsprecherkabel. Die Gummidichtung muss danach wieder richtig sitzen, sonst ist der Spritzwasserschutz dahin.
Wie nötig das ist, zeigen meine Sony WF-1000XM4 (zum Test). Nach genau zwei Jahren haben sich die Akkus in den einzelnen Ohrhörern verabschiedet. Mit einem Set für 20€ von eBay habe ich die Knopfzellen selbst getauscht. Mit etwas Geschick ist das kein Hexenwerk, ihr müsst die Ohrhörer nur öffnen. Dass die Akkus von In-Ears für 280€ nach exakt zwei Jahren schlappmachen, ist trotzdem lächerlich, Sony. 😉 Sennheiser macht aus dem Bastelprojekt einen vorgesehenen Handgriff.
Klang

Die Abstimmung ist eher auf Mitten und Höhen ausgelegt. Stimmen stehen klar im Raum, feine Details in den Höhen kommen sauber durch. Eine Bassschleuder sind die Sennheiser nicht, der Bass ist präsent und kontrolliert, drängt sich aber nie in den Vordergrund. Wer mehr Tiefbass will, bekommt ihn trotzdem. Die „Bassanhebung“ in der App würden wir dafür aber nicht nutzen, besser funktioniert ein eigener Equalizer.
Sound Check und Equalizer
In der Smart Control Plus App gibt es dafür zwei Wege. Klassisch verstellt ihr die acht Bänder des Equalizers von 40Hz bis 15kHz selbst, fertige Presets von Neutral über Rock bis Jazz gibt es auch. Alternativ übernimmt das der „Sound Check“: Während eure Musik läuft, spielt die App drei Varianten vor und ihr tippt die an, die euch am besten gefällt. Danach verändert sich der Sound ein kleines Stück und die nächste Runde beginnt. Nach fünf Runden mit je drei Varianten steht euer persönlicher Equalizer.
Wir haben das einmal für Techno und einmal für Rock gemacht und sind mit beiden Profilen sehr zufrieden. Der Sound Check ist der schnellste Weg zu einem Sound, der zur eigenen Musik passt, ohne dass ihr euch mit Frequenzbereichen beschäftigen müsst.
Insgesamt liefern die Momentum True Wireless 5 einen detailreichen, auf Mitten und Höhen abgestimmten Klang, der sich per Equalizer sehr gut an den eigenen Geschmack anpassen lässt.
Active Noise Cancelling (ANC)
Das ANC der Momentum True Wireless 5 ist sehr gut. Es filtert nicht nur das gleichmäßige Rauschen in der Bahn heraus, sondern auch Rufe und ähnliche Geräusche, die uns im Gym sonst besonders stören. Auf der Fahrt nach Berlin hat es uns ein paar wirklich ruhige Stunden beschert. Damit liegen die Sennheiser für uns auf Augenhöhe mit den FreeBuds Pro 5. Gegenüber dem Vorgänger hat Sennheiser beim ANC nachgelegt.
Das allerbeste ANC am Markt ist es nicht. Wir würden die Sennheiser bei etwa 90% des aktuell Möglichen einordnen, unter den Premium-In-Ears also klar in der vorderen Reihe. Wer die maximale Ruhe sucht, schaut sich die Sony WF-1000XM6 (zum Test) an. In Stufen regeln lässt sich das ANC nicht, zuschaltbar ist nur „Anti-Wind“.
Der Transparenzmodus hat dagegen fünf Stufen von gering bis hoch, Stimmen klingen damit natürlich. Für Telefonate gibt es eine eigene Transparenz mit drei Stufen, und auf Wunsch pausiert die Musik, sobald Transparenz aktiv ist. Per Tippen auf den Ohrhörer schaltet ihr sie schnell zu, etwa für ein kurzes Gespräch oder eine Durchsage in Bus und Bahn.
Windgeräusche und Telefonie
Beim Fahrradfahren gibt es Windgeräusche. Das liegt an der Bauform, weil die Ohrhörer so weit aus dem Ohr herausstehen. Abhilfe schafft der Schalter „Anti-Wind“ in der App, der das Rauschen spürbar reduziert.
Telefonieren klappt auf dem Rad ebenfalls, die Windgeräusche filtern die Sennheiser für euer Gegenüber heraus. Verbaut sind dafür pro Ohrhörer vier Mikrofone, eines davon nimmt die Stimme über den Knochenschall auf. Trotzdem unser Rat: Telefoniert bitte nicht beim Fahrradfahren, schon gar nicht mit beiden Ohrhörern im Ohr. 😉
Smart Control Plus App
Die App Smart Control Plus ist eine wirklich gute Ergänzung zu den In-Ears und bietet sehr viele Einstellungen. Neben Equalizer, Sound Check und Anti-Wind findet ihr dort:
- Soundzonen: Ihr legt Orte fest, etwa das Gym, das Büro oder die eigene Wohnung, und hinterlegt dafür ein Klangprofil und die passende ANC-Einstellung. Betretet ihr einen dieser Orte, schaltet die App automatisch um. Dafür muss die Standortfreigabe am Smartphone aktiv sein. Weil die Zonen nur auf rund 100 Meter genau sind, wechselt das Profil erst nach ein paar Schritten.
- Sound Personalization und Speech Clarity: Die Personalisierung passt den Klang an euer Gehör an, etwa per Regler für die Lautstärke der Streichinstrumente. Speech Clarity hebt Stimmen hervor.
- Raumklang: Die Option „Optimized for Dolby Atmos“ erzeugt einen räumlichen 3D-Klang, auf Wunsch mit Head-Tracking. Uns gefällt der Effekt nicht, das geht uns aber mit Raumklang bei allen Kopfhörern so.
- Fit Test und Kopfhörer finden: Der Test prüft, ob die Aufsätze richtig abdichten, die Suche hilft beim verlegten Ohrhörer.
- Smart Pause und automatische Anrufannahme: Nehmt ihr einen Ohrhörer heraus, pausiert die Musik. Nehmt ihr ihn bei einem Anruf aus dem Case, ist das Gespräch direkt angenommen.
Codecs und Verbindung
Auf dem Papier sind die Momentum True Wireless 5 bestens ausgestattet: Sie verbinden sich per Bluetooth 6.0 mit bis zu zwei Geräten gleichzeitig (Multipoint) und unterstützen neben SBC und AAC auch aptX, aptX HD, aptX Adaptive mit bis zu 24 Bit und 96kHz sowie aptX Lossless für die verlustfreie Übertragung in CD-Qualität. LDAC fehlt, LE Audio und Auracast sind zum Marktstart ebenfalls nicht dabei, obwohl der Vorgänger beides beherrscht.
In der App wählt ihr unter „Audiomodus-Priorität“ zwischen „Stabile Verbindung“ mit SBC und AAC und „Erweiterte Klangqualität“ mit den aptX-Codecs. Dort schaltet ihr auch Hi-Res mit 24 Bit/96kHz oder die verlustfreie Übertragung mit 16 Bit/44,1kHz zu, für den Wechsel starten die Kopfhörer neu.
In der Praxis gab es mit den hochauflösenden Codecs ein Problem, das wir so bisher mit keinen anderen Kopfhörern erlebt haben. Zu Hause können wir die Sennheiser nur mit AAC störungsfrei nutzen. Sobald ein hochauflösender Codec aktiv ist, knackt es oder die Musik setzt alle paar Sekunden kurz aus. Mit AAC tritt das nicht auf.
Jetzt das Paradoxe: Unterwegs oder im Gym, wo deutlich mehr Bluetooth-Geräte funken, läuft mit unserem OnePlus 15 sogar aptX Lossless ohne Störungen. Am Smartphone liegt es nicht, denn mit den großen Momentum 4 klappt die hochauflösende Verbindung auch zu Hause. Wir vermuten, dass daheim irgendetwas dazwischenfunkt und die In-Ears empfindlicher darauf reagieren als andere Kopfhörer. Sennheiser schreibt in der Anleitung selbst, dass der Hi-Res- und der Lossless-Modus die Verbindungsstabilität verringern können.
Das ist unsere persönliche Erfahrung, bei euch zu Hause muss das nicht so sein. Wer ähnliche Aussetzer hat, stellt in der App auf „Stabile Verbindung“ um. Wer ganz normal über Spotify, Apple Music oder Amazon Music streamt, hört den Unterschied ohnehin nicht. Uns geht es mit Spotify Premium genauso.
Akkulaufzeit der Sennheiser Momentum True Wireless 5


Ihr ladet per USB-C mit maximal 5 Watt oder kabellos per Qi. Acht Minuten im Case reichen laut Sennheiser für eine Stunde Musik, eine komplette Ladung dauert rund anderthalb Stunden. Wer die Akkus schonen will, begrenzt die Ladung in der App auf etwa 80%. Für Vielhörer, die ihre In-Ears jeden Tag stundenlang nutzen, sind die tauschbaren Akkus am Ende wertvoller als eine Stunde mehr Laufzeit.
Testergebnis
Die Sennheiser Momentum True Wireless 5 sind sehr gute In-Ears mit einem Alleinstellungsmerkmal in der Premium-Klasse: Die Akkus in den Ohrhörern und im Case lassen sich selbst tauschen. Klanglich sind sie eine Wucht und kommen nah an die großen Momentum 4 heran, das ANC filtert im Gym sogar Rufe heraus und spielt für uns in der obersten Liga mit. Natürlich gibt es auch Multipoint, aptX Lossless, kabelloses Laden und eine App mit sehr vielen Einstellungen, allen voran der Sound Check für den eigenen Equalizer und die Soundzonen.
Der Wechselakku hat aber seinen Preis. Ohrhörer und Case sind etwas größer als bei der Konkurrenz, die Ohrhörer stehen weiter aus dem Ohr heraus und Schrauben und Nähte sind zu sehen. Beim Tragekomfort stört das nicht, der ist gut. Rund fünfeinhalb Stunden mit ANC bei hoher Lautstärke sind in Ordnung, mehr aber nicht. Hochauflösende Codecs liefen bei uns zu Hause nicht störungsfrei, unterwegs dagegen schon. Das sind keine Deal-Breaker, aber bei rund 300€ klare Kritikpunkte.
Wer seine In-Ears viele Jahre nutzen will und nicht nach zwei Jahren mit schwachen Akkus dastehen möchte, ist mit den Momentum True Wireless 5 genau richtig. Wer das Maximum beim ANC oder besonders unauffällige Ohrhörer sucht, sollte sich die Konkurrenz genauer anschauen.
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