Inhaltsverzeichnis
Die Huawei FreeClip, die seit Anfang 2024 unsere Open-Ear Bestenliste als erstes Clip-Modell anführen, bekommen endlich einen Nachfolger. Nach zwei Jahren sollen die Huawei FreeClip 2 wieder den neuen Standard im Open-Ear-Bereich setzen. Seit dem ersten Modell hatte ich die FreeClip Kopfhörer durchgehend als Fallback im Einsatz, wenn ich kein anderes Testgerät zur Hand hatte. Ob es Huawei mit dem FreeClip 2 nun wirklich geschafft hat, den Vorgänger zu toppen und an den richtigen Stellen zu verbessern, habe ich die letzten Wochen versucht herauszufinden.
Da der Nachfolger grundsätzlich sehr ähnlich ist und der Vorgänger immer noch auf dem Markt, habe ich mich im Testbericht auf die Unterschiede konzentriert. Wenn ihr abdichtende Kopfhörer mit ANC sucht, dann seid ihr hier komplett falsch. Open-Ear-Kopfhörer und in diesem Fall ein Clip-Modell zeichnen sich gerade dadurch aus, dass ihr eure Umgebung durchgehend wahrnehmen könnt. Widmen wir uns kurz den offensichtlichen Neuerungen vom Datenblatt und arbeiten uns dann wie gehabt durch die Testkategorien.
Neuerungen: Die FreeClip 2 sind nochmals kleiner und leichter geworden, wenn auch nur minimal und meiner Meinung nach auf Kosten einer intuitiven Nutzung. Ansonsten bekommen wir den aktuellsten Bluetooth-Standard, eine vermeintlich noch bessere Gesprächsqualität, neue Steuerungsmöglichkeiten mit „Swipe“ und eine nochmals bessere Akkulaufzeit.
Design und Verarbeitung
Die Earbuds selbst sind mit 25,4 x 26,7 x 18,8 Millimeter minimal geschrumpft, was man insbesondere an der größeren Einheit hinter dem Ohr sieht. Ein einzelner Earbud wiegt gerade mal 5,1 Gramm. Die Huawei FreeClip 2 werden wie gehabt am Ohr angeklippt, sind aber spürbar weicher und bequemer als der Vorgänger. Das tut dem guten Sitz aber keinen Abbruch, wie wir gleich noch sehen werden. Was die Verarbeitungsqualität anbelangt, spielt Huawei wie gehabt in einer eigenen Premiumliga. Auch wenn haptisch kein Metall zum Einsatz kommt, wirkt alles stabil und hochwertig. Gerade das Verbindungskabel zwischen den beiden Einheiten ist deutlich dehnbarer und angenehmer gearbeitet als beim Vorgängermodell. Die einzelnen Earbuds selbst sind jetzt auch IP57-zertifiziert und damit wirklich wasserdicht, nicht wie der Vorgänger mit IP54. Auch starker Regen und Schweiß ohne Ende machen den Kopfhörern absolut nichts mehr aus. Vier schicke Farben habt ihr mit Roségold, Schwarz, Weiß und Blau zur Auswahl.
Das Ladecase ist nicht wasserdicht. Bei den FreeClip 2 hat man es etwas geschrumpft auf 50,0 x 49,6 x 25,0 Millimeter. Die 48,5 Gramm mit Kopfhörern im Case sind beim Transport nicht wahrnehmbar, aber auch das alte Case war mit Kopfhörern gerade in der Open-Ear-Welt sehr transportabel. Die Verarbeitungsqualität bezogen auf das Gelenk und den einen Knopf ist völlig in Ordnung. Unten befindet sich ein USB-C Ladeanschluss.
Der Lieferumfang ist nicht erwähnenswert, da fast nichts beiliegt. Allerdings war eine Art Schmuck enthalten, der mich dazu veranlasste, einen Blick in den Reviewers Guide zu werfen. Für gewöhnlich ignoriere ich solche Guides, so gut es geht, um mich bei einem Test nicht beeinflussen zu lassen. Dort fand ich die Antwort auf meine Frage zum Schmuck, über den ich hier aber nichts weiter sagen will 😁.
Gerade das Verstauen in das Ladecase ist im Unterschied zum Vorgänger komplizierter und auch nach einigen Wochen wenig intuitiv. Es wurde mit der Zeit besser, aber kein Vergleich zum Vorgänger. Immer wieder bin ich unsicher, wie ich die Kopfhörer nun einsetzen soll. Letztendlich klappt es immer, aber das sind nun mal die kleinen, aber feinen Unterschiede. Beim Vorgänger gab es solche Probleme zu keiner Zeit. Ansonsten liefern die FreeClip 2 aber in der ersten Kategorie voll ab und verbessern den Vorgänger gerade bei dem, was jetzt folgt.
Tragekomfort der Huawei FreeClip 2
In Huaweis Datenblatt geht es unter anderem um softes Silikon, und das bringt es auf den Punkt. Der Tragekomfort ist definitiv besser und die sogenannte C-Bridge, also das Stück Kabel, das die beiden dickeren Einheiten des Kopfhörers miteinander verbindet, ist flexibler und auch spürbar weicher. Das sorgt nun auch nach einer ganzen Nacht im Ohr (ja, einmal hatte ich die Kopfhörer die ganze Nacht am Ohr) für keinerlei Druckstellen oder Probleme. Der Tragekomfort ist schlichtweg phänomenal. Zudem sitzen die Earbuds, wenn ihr sie richtig vor dem Ohr justiert habt, wirklich sicher, und auch Joggen ist kein Problem. Da wackelt wirklich nichts hin und her. Je nach Größe eurer Ohröffnung kann es dennoch zu Problemen kommen, allerdings dann eher bei der Soundqualität. Bei mir schließt die Soundeinheit ziemlich gut mit dem Gehörgang ab. Auch Brillenträger dürften hier keinerlei Probleme haben.
Soundqualität der Huawei FreeClip 2

Bei leichtem Wind im Freien und in ruhigen Umgebungen liefern die Huawei FreeClip 2 starke Mitten und Höhen mit kaum Verzerrung – auch bei 70–90% Lautstärke. Sobald die Umgebungsgeräusche zunehmen, leidet der Musikgenuss. Genau diese Wahrnehmung der Umgebung ist aber der Kern von Open-Ear-Kopfhörern. Am wohlsten fühlen sich die FreeClip 2 bei Hörbüchern und Podcasts. Bei hohem Umgebungslärm müsst ihr definitiv voll aufdrehen, aber selbst dann bleibt die Qualität noch annehmbar. Beim Bass können Open-Ears grundsätzlich nicht zaubern. Es fehlt der Druck und vor allem die Tiefe im Vergleich zu In-Ears. Überraschend ist aber, wie präsent der Bass für ein Open-Ear-Modell sein kann. Das ist definitiv der wahrnehmbarste Bass, den ich je bei einem Open-Ear-Modell hatte. Dazu kommen saubere Details in Mitten und Höhen. Einzelne Instrumente und kleine Effekte lassen sich gut heraushören. Durch die Bauform wirkt die Bühne außerdem oft räumlicher als bei klassischen In-Ears. Bei den FreeClip 2 entsteht spürbar mehr Breite und Tiefe, der Klang wirkt weniger „aufdringlich“. Aber das hängt hier mehr denn je von der richtigen Position ab. Ich habe die Kopfhörer immer erst eingesteckt und mich dann nochmals erwischt, wie ich nachjustieren musste, dass ich wirklich die volle Lautstärke hatte.
Wenn euch der Klang ab Werk nicht gefällt, könnt ihr in der AI Life App nachhelfen. Es gibt drei EQ-Presets für Bass, Mitten oder Höhen. Zusätzlich gibt es einen 10-Band-Equalizer für eigene Anpassungen. Notfalls könnt ihr fehlenden Bass auch per EQ etwas kompensieren.
Bei mir dichten die FreeClip sogar gut ab, wenn sie mal richtig sitzen. Das Ganze natürlich, ohne unangenehm im Ohr zu wirken. Wie immer kann euer Umfeld in ruhigen Umgebungen mehr oder weniger mithören. In Bus oder Bahn klappt das vor allem dann, wenn jemand direkt neben euch sitzt und sich darauf konzentriert. Beim Joggen oder Radfahren ist es dagegen ein Vorteil, nicht komplett von der Umwelt abgeschirmt zu sein. Durch den stabilen Sitz sind die Huawei FreeClip auch für diesen Einsatzzweck gut geeignet.
Gesprächsqualität der Huawei FreeClip 2
Für eine gute Gesprächsqualität sorgen drei Mikrofone pro Ohrhörer in Kombination mit einem neuen NPU AI Prozessor. In der Praxis ist die Gesprächsqualität verständlich, aber nicht so exzellent wie beim Vorgänger. Windgeräusche sowie lautere Umgebungen in Kaufhäusern oder am Flughafen werden aber sehr zuverlässig unterdrückt. Die Stimme bleibt immer gut verständlich. Wer häufig telefoniert und dabei ansprechbar bleiben will, ist mit den Huawei FreeClip 2 ebenfalls bestens beraten.
Als Neuerung nennt Huawei noch adaptives Audio. Das kenne ich eigentlich von Kopfhörern mit ANC, die eben je nach Umgebung die Stärke automatisch anpassen. In den Einstellungen befindet sich jedenfalls der Punkt adaptive Lautstärke (experimentelle Funktion übrigens) und der ändert dann einfach mal die Lautstärke in der Nutzung. Praktisch oder sinnvoll empfand ich das zu keiner Zeit und habe es nach zwei Tagen einfach wieder deaktiviert. Aber es gibt laut Datenblatt noch „Adaptive Voice Enhancement“, was wohl in der Praxis die Gesprächsqualität so gut macht, wie sie hier letztendlich ist. Ein- oder ausschalten kann man das nämlich nicht.
Steuerung in der Praxis
Bei der Steuerung neu ist der Swipe am Gehäuse selbst. Davon bin ich, ähnlich wie von allen Touchbedienungen, kein Fan und auch hier nicht richtig warm damit geworden. Aber für meinen Favoriten, physische Tasten, ist hier auch nicht wirklich Platz und letztendlich funktioniert es in der Praxis. Dennoch habe ich so selten wie möglich (außer mal Telefonanruf entgegennehmen) auf die Funktionen am einzelnen Earbud zurückgegriffen. Wenn man denn will, hat man jetzt jedenfalls nochmals mehr Möglichkeiten, und das klappt auch mit dem zweimal und dreimal Antippen ebenso wie mit dem Swipe ganz gut. Folgendes ist verfügbar:
- Zweimal Antippen links – Wiedergabe/Pause oder Nächster/Vorheriger Titel oder Sprachassistent
- Zweimal Antippen rechts – Wiedergabe/Pause oder Nächster/Vorheriger Titel oder Sprachassistent
- Zweimal Antippen (beidseitig – bei Anruf) – Annehmen und Auflegen
- Dreimal Antippen links – Nächster Titel
- Dreimal Antippen rechts – Vorheriger Titel
- Swipe (Streichen – links oder rechts) – Lautstärke hoch und runter
Die Lautstärke kann durch hoch und runter Wischen angepasst werden. Das ist wirklich eine sinnvolle und praktische Neuerung. Die Head Motion Control ist auch noch verfügbar, aber das würde ich als Gimmick abtun. Kann Spaß machen und hat im Test auch einmal funktioniert, aber dauerhaft nutzt so etwas wohl keiner.
Bluetooth Multipoint, also die Verbindung mit zwei Geräten gleichzeitig, wird auch unterstützt. Die Verbindung mit Geräten ist natürlich absolut kein Problem und geschieht in wenigen Sekunden. Das geschieht in fast allen Fällen immer mittels SBC oder AAC, denn der hochauflösende L2HC Codec ist Huawei-exklusiv. Wenn ihr ein Huawei Smartphone habt, dann würdet ihr davon profitieren. Aber hochauflösende Codecs sind bei Open-Ear-Kopfhörern jetzt auch nicht das große Thema.
Die zugehörige AI Life App lässt sich mühelos auf allen Android Geräten installieren (hier bei Huawei die .apk) und zeigt dann den Akkuladestand des Ladecase und der einzelnen Buds an. Zudem sieht man die verbundenen Geräte, kann Soundprofile individuell einstellen, die Trageerkennung aktivieren und deaktivieren und natürlich Updates durchführen. Ein klares Highlight ist noch, dass es kein Rechts oder Links bei den Kopfhörern gibt, sondern sie das beim Einsetzen automatisch anpassen. Für die Nutzung der App ist kein Account notwendig und die Einstellungen werden direkt auf den Earbuds gespeichert.
Akkulaufzeit der Huawei FreeClip 2
Den minimal größeren Akku habe ich in der Praxis nicht gemerkt, aber mit 80% Lautstärke kam ich abermals problemlos auf 7 Stunden Laufzeit am Stück. Wenn man dann noch dreimal innerhalb von 30–40 Minuten voll nachladen kann, ist man hier wirklich bestens bedient. 10 Minuten reichen laut Huawei sogar für 3 Stunden aus. Die einzelnen Earbuds der Huawei FreeClip 2 haben jedenfalls 60mAh verbaut und die Station 537mAh. Aufgeladen wird das Ladecase wahlweise über USB-C oder aber kabellos auf einem Ladepad oder der Rückseite eures Smartphones. Am Kabel zeigte mein Case nach nur 40 Minuten ein grünes Licht und war wieder voll einsatzbereit.
Testergebnis
Zusammengefasst sind die Huawei FreeClip 2 ein sinnvoller Nachfolger, da sie das Grundkonzept kaum verändern, aber einige Nachteile des Vorgängers ausbügeln. Der Tragekomfort ist spürbar besser. Die Hörer sind weicher, flexibler und auch nach langen Sessions angenehm. Dabei bleibt der Sitz stabil genug für Sport. Dazu kommt die deutlich höhere Alltagstauglichkeit durch IP57 bei den Earbuds. Regen und Schweiß sind jetzt kein Thema mehr.
Beim Sound bleibt es typisch Open-Ear. In ruhigen Umgebungen klingen sie sauber, mit guten Mitten, Höhen und für diese Bauform überraschend präsentem Bass. Sobald es laut wird, leidet der Musikgenuss. Das ist aber auch genau der Punkt von Open-Ear, um die Umgebung mitzubekommen. Podcasts und Hörbücher liegen ihnen am meisten. Wichtig: Die Position am Ohr entscheidet. Manchmal müsst ihr nachjustieren, damit Lautstärke und Klang wirklich passen.
Stark sind die FreeClip 2 bei der Gesprächsqualität, gerade bei Wind und Lärm. Allerdings empfinde ich die Vorgänger hier als stärker. Vielleicht kann Huawei hier noch mit einem Update nachbessern. Die Swipe-Steuerung für die Lautstärke ist eine der wenigen Neuerungen, die ich wirklich praktisch finde. Der größte Kritikpunkt bleibt dagegen das weniger intuitive Einsetzen ins Case. Das klappt zwar, fühlt sich aber im Vergleich zum Vorgänger unnötig fummelig an.
Klare Alternative auf dem Markt bleiben somit die günstigeren FreeClip 1 (zum Test) aus 2024. So groß sind die Unterschiede dann letztendlich auch nicht und die Gesprächsqualität ist beim Vorgänger sogar besser. Mittlerweile gibt es auf dem Open-Ear-Markt mit den Clip-Modellen vieler Hersteller auch deutlich mehr Konkurrenz. Auch wenn es kein High-End-Gerät sein muss, schaut einfach in unserer Bestenliste für Open-Ear-Kopfhörer vorbei.
Preisvergleich
Newsletter bestellen
Hol Dir die neuesten Infos zu Chinahandys und Gadgets direkt ins Postfach!
Alle News Updates über Telegram.





































