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Wir erweitern unsere Übersicht über Gaming-Tastaturen und haben diesmal die Gamakay TK75HE V2 im Test. Mit einem 75%-Layout entspricht sie dem Design vieler aktueller Gaming-Tastaturen. Eine Besonderheit ist die deutsche Tastaturbelegung, die bei diesen kleineren Modellen nicht selbstverständlich ist. Ein weiteres Highlight sind das kleine Display in der Tastatur sowie die Hall-Schalter. Wie sich die Gamakay TK75HE V2 im Test schlägt, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.
Design & Verarbeitung
Displays in der Tastatur sind ein alter Hut. Ich glaube, eine Logitech-Tastatur hatte schon vor 15 Jahren ein kleines, rudimentäres Display an der Stirnseite integriert. Meist dürft ihr an diesen Anzeigen aber nicht viel ändern oder seid auf vorgefertigte Optionen beschränkt.
Bei der Gamakay TK75HE V2 ist das anders. Auf dem 0,85 Zoll Display lassen sich nicht nur der Akkustand und die Uhrzeit anzeigen. Vielmehr könnt ihr hier auch Animationen abspielen. Entweder ladet ihr diese aus dem Community-Hub über das dazugehörige Programm herunter oder entwerft ein eigenes Design beziehungsweise GIF. Teilweise lassen sich die Bildchen sogar importieren.
Ein weiteres gern gesehenes Element ist der CNC-gefräste Drehknopf an der oberen rechten Ecke. Ganz klassisch passt ihr hiermit die Lautstärke an oder pausiert einen laufenden Track per Druck. Eine schmale LED-Leiste trennt die Haupttastatur von den Sondertasten „Home“, „PageUp“ und „PageDown“. Selbstredend ist auch diese Leiste frei konfigurierbar.
Die restliche Tastatur wirkt zunächst wie Standardware. Abgesehen vom Drehknopf kommt ausschließlich mattierter Kunststoff zum Einsatz. Bei der Bestellung wählt ihr zwischen dem QWERTY-Layout, einem ISO-UK-Layout oder eben einem ISO-DE-Layout. Letzteres ist besonders erfreulich, da die meisten Tastaturen chinesischer Hersteller primär den US-Markt bedienen.
Insgesamt stehen 83 Tasten zur Verfügung. Die Tastenkappen bestehen aus Kunststoff und sind transluzent; das heißt, die darunterliegenden LEDs scheinen durch die Kappen, nicht nur drumherum. Über zwei verschieden hohe Standfüße bestimmt ihr den Neigungswinkel. Maximal könnt ihr die Tastatur um 20mm anheben. Auch bei Gamakay findet ihr unter einem der Füße den USB-Empfänger für die 2,4GHz-Verbindung. Bluetooth und Kabel sind selbstverständlich auch möglich.
Unter den Tastenkappen spielt sich die eigentliche Magie ab. Gamakay bietet bei der TK75HE V2 nicht nur ein vollmodulares Tastenfeld mit Hot-Swap-fähigen Switches, der Hersteller verwendet ausschließlich Hall-Effekt-Switches. Diese gelten als deutlich präziser und langlebiger, da die Signalerfassung über Magnete läuft. Nachgemessen kommt die TK75HE V2 auf 323 x 136 x 20 Millimeter vorn und 33 Millimeter hinten. Außerdem bringt sie ein Gewicht von 840 Gramm auf die Waage.
Lieferumfang der Gamakay TK75HE V2
Die Gamakay wird in einem recht einfach gehaltenen Karton mit ein wenig Polsterung versendet. Zurzeit ist die Gamakay TK75HE in Schwarz und in Weiß erhältlich. Zur Ausstattung gehören:
- Gamakay TK75HE V2
- USB-C-auf-USB-A-Kabel (stoffummantelt, ca. 200cm)
- Doppelter Tastenkappenentferner
- Bedienungsanleitung (Deutsch, Englisch, Japanisch)
Ergonomie & Layout der Gamakay TK75HE V2
Unsere Test-Tastatur wird mit zwei verschiedenen Switches angeboten. Entweder ihr wählt die Phoenix Silent oder die Mercury. Die Phoenix Silent sind rot eingefärbt und stellen die leise Variante dar. Die maximale Distanz für einen Tastendruck liegt bei 3,8 ± 0,2mm. Um die Tasten zu drücken, müsst ihr 40gf aufwenden und für den maximalen Hubweg sogar 60gf. Mercurys maximale Distanz liegt mit 3,5 ± 0,1mm etwas niedriger und auch die Auslösekraft beträgt lediglich 30 bis 55gf. Die Farbe dieser Switches ist Blau.
Wir hatten die roten Phoenix-Silent-Switches verbaut. Wie üblich aktiviert ihr Sondertasten per FN-Button. Wobei Gamakay sich mit der Beschriftung sehr zurückhält. Die meisten FN-Funktionen drehen sich um die LED-Beleuchtung oder um die Mediensteuerung ohne App-Support. Ich persönlich freue mich, dass die Enter-Taste in voller Größe ausgeführt wurde; die Entf-Taste oberhalb der Backspace-Taste ist ebenfalls angenehm angeordnet. Wobei ich trotzdem manchmal auf „Home“ lande.
Der USB-C-Anschluss der Gamakay TK75HE V2 liegt gut erreichbar auf der Rückseite, direkt neben dem Schalter für die drei Ausgänge, und kann einfach ohne proprietäres Kabel verwendet werden. Kritik folgt direkt: Ohne einen Schutz um den Anschluss sind Kabel und Buchse jedoch anfällig für Knicke und Ausleiern durch Zug in eine Richtung.
Tippgefühl und Beleuchtung der Gamakay TK75HE V2
In unserem Testmodell sind, wie erwähnt, Phoenix-Switches im Einsatz. Verglichen mit den bisher von uns getesteten Tastaturen dürften sie die leisesten mechanischen Schalter sein. Nicht mal das Aufschlagen der Tastenkappen auf dem Rahmen wird umgesetzt, stattdessen hört ihr nur ein leises, dumpfes Pochen, wenn ihr die Tasten bis zum Anschlag durchdrückt. Das muss nicht unbedingt der Fall sein, wenn ihr den Auslöseweg in der Applikation kürzer einstellt. Ein typisches taktiles Klicken fehlt ebenfalls, denn die Phoenix-Schalter sind linear ausgeführt.
Der Widerstand beim Tippen ist vorhanden; die Zahlen belegen, dass die Schalter nicht zu den leichtesten zählen. Viel von der „Kraft“, die ihr für einen Anschlag aufbringen müsst, verpufft jedoch förmlich, weil der Druck sich insgesamt so weich anfühlt. Das müsst ihr auch mögen. Für manche schnelle Spiele ergibt ein knackigerer Anschlag durchaus Sinn, das liegt aber in der persönlichen Vorliebe.
Mit der magnetischen Hall-Technik sind die Gamakay-Schalter jedenfalls bei Fragen der Präzision über jeden Zweifel erhaben. Die Eingaben kommen an, werden jedes Mal registriert und die Tastatur hat auch keine Probleme bei vielen parallelen Eingaben. Schnelle Shooter oder MOBAs sind kein Problem. Auch Tippen geht gut von der Hand, wobei nach einiger Zeit die „weiten“ Hubwege etwas anstrengend werden können.
Software
Für mich recht unerwartet war, dass Gamakay eine umfangreiche Applikation für die eigenen Tastaturen bereitstellt. Und dann ist die Installation auch noch so viel einfacher als etwa zuletzt bei der Epomaker G84 (zum Test) mit den komplizierten JSON-Dateien. Ihr ladet eine .exe, klickt euch kurz durch, und das schlanke Programm wird dort installiert, wo ihr es wollt. Die App mit dem Namen Gamakay Driver V4 lässt sich intern auf Treiber-Updates prüfen. Somit spart ihr euch den Weg über die Website und auch mögliche Firmwareupdates für die Tastatur können direkt in der App vollzogen werden. Bisher steht sie allerdings nur in Englisch und Chinesisch zur Verfügung. Einstellungen sind auf Englisch, jedoch verständlich erklärt.
Neben den typischen Einstellungen für die Beleuchtung gibt es umfangreiche eigene Menüs für die Einstellungen von Tastendruck, Auslöseverhalten und natürlich das kleine Display. Gamakay unterstützt dabei mit vorgefertigten Profilen, etwa für Shooter, bei denen dann nicht nur die üblich verwendeten Tasten leuchten, sondern die Schalter auch auf eine vorausgewählte Auslösehöhe eingestellt werden. Eine weitere unübliche Option nennt sich „Snap Tap“. Einmal aktiviert, wird bei sich gegenseitig auflösenden Tastenbefehlen die letzte gedrückte Taste bevorzugt. Drückt ihr also W für vorwärts und danach S für rückwärts, bewegt sich der Charakter mit Snap Tap nach hinten. Ohne würde er durch das N-Key-Rollover einfach stehenbleiben, da sich W und S gleichzeitig aufheben. Einzige Limitierung: Ihr müsst die Tasten zuweisen und jede Taste lässt dies nur einmal zu. Erst W, dann S geht also; zusätzlich erst S, dann W geht nicht.
Im Standard zeigt das Display Datum und Uhrzeit sowie den derzeitigen Akkustand. Wie eingangs erwähnt, erstellt ihr hier nicht nur eigene Standbilder oder ladet diese hoch, sondern kreiert auch kleine Animationen oder ladet GIFs. Für Letzteres steht in der App ein Community-Reiter zur Verfügung, in dem ihr reihenweise bereits existierende Kreationen abrufen könnt. Bei mir hüpft etwa Gengar aus Pokémon hin und her. Aber diese Community-Liste ist nicht gefiltert oder geprüft, somit gibt es auch sehr viele NSFW-Einträge. Die mögliche Programmierbarkeit ist jedoch recht umfangreich, und wer sich da tief reinarbeiten will, holt sicher auch einiges an sinnvollen Anzeigemöglichkeiten heraus.
Konnektivität & Latenz
Der Auslösebereich von Hall-Effekt-Tasten kann in der Regel selbst bestimmt werden; das ist neben der Präzision ein weiterer Vorteil. Sie sind quasi programmierbar. Gamakay erlaubt eine Auslösung von winzigen 0,005mm (also 5 Mikrometer) bis hin zu 3,3mm. Völlig absurd ist auch die, selbst kabellos, erreichte Polling-Rate von 8.000Hz. Zum Vergleich: Unsere bisher getesteten Tastaturen haben eine Polling-Rate von 1.000Hz. Das ist aber auch einfach eine Herstellerangabe, die wir so nicht prüfen können.
Das führt alut Gamakay zu einer extrem niedrigen Latenz von 0,06ms. Zumindest bei USB-C und 2,4GHz-Verbindungen. Einzig Bluetooth hat das Nachsehen und wird jetzt durch diese Zahlen, mit einer Polling-Rate von 125Hz und einer Latenz von rund 20ms, abgehängt. Klar, fürs Tippen und Surfen spielt das keine Rolle. Aber für Spiele ist es nicht zu empfehlen, besonders wenn so viel bessere Optionen zur Verfügung stehen. Weniger Latenz ist immer besser, selbst wenn die eigenen Reflexe den limitierenden Faktor darstellen.
Einzig von der hohen Scan-Rate von 10.000Hz profitiert auch Bluetooth. Während die Polling-Rate angibt, wie oft Eingaben an den Prozessor des Computers gesendet werden, gibt die Scan-Rate an, wie oft die Eingaben vom Controller der Tastatur abgefragt werden. Von dort aus werden sie dann weiter an den Computer geschickt. Bei einer Tastatur wie der TK75HE V2 kaum wegzudenken sind das N-Key-Rollover und die vollständige Anti-Ghosting Abdeckung.
Akkulaufzeit der Gamakay TK75HE V2
Der Akku ist bei Gamakay der Schwarze Peter. Er wird nirgends beworben und es gibt auch keine Angaben zur Laufzeit. Die Größe des Akkus ist nicht mal direkt auf der Tastatur selbst zu finden. Die Heimlichtuerei hat einen einfachen Grund: Die Gamakay TK75HE V2 hält im Akkubetrieb nicht lange durch. Zumindest bei aktivierter Beleuchtung und bespieltem Display müsst ihr nach drei bis vier Tagen nachladen. Das heißt aber auch, ein Wochenende auf einer LAN-Party wäre kein Problem.
Deaktiviert ihr beide Stromfresser, habt ihr rund zwei Wochen, bevor die Tastatur wieder an eine Ladebuchse muss. Beides sind keine überragenden Werte. Im Netz kursieren Akkuwerte von um die 4000 mAh, was gar nicht mal so schlecht wäre.
Zwar könnt ihr die Tastatur mit 2,4GHz-Empfänger in vollem Maße nutzen, nach zwei, drei Ladezyklen zu den Feiertagen (viel gespielt zu der Zeit) war es mir aber schlicht zu umständlich und ich habe das Gerät gleich am Kabel gelassen.
Testergebnis
Immer wenn ich denke, dass es keine großen Verbesserungen mehr bei Tastaturen geben kann, belehrt mich der chinesische Markt eines Besseren. Die Gamakay TK75HE V2 ist klasse. Die Tasten fühlen sich toll an. Sie arbeitet leise und die Präzision leidet weder unter der niedrigen Geräuschkulisse noch unter den vergleichsweise weichen Anschlägen. Die Einstellmöglichkeiten sind phänomenal und das kleine Display ist sicher kein Gamechanger, aber ein nettes Gimmick, um sich optisch noch etwas abzuheben.
Das Layout wirkt durchdacht; die Tasten liegen eng, aber nicht gequetscht. Auch der Drehknopf für die rudimentäre Mediensteuerung gefällt mir gut. Alles wirkt hochwertig und sauber verarbeitet. Ich würde mir eine Gamakay TK100HE wünschen, denn mir fehlt der Nummernblock. Ich mag ihn einfach. Für alle anderen, die den Platzvorteil suchen und eine starke Tastatur ihr Eigen nennen möchten, ist die Gamakay absolut spitze.
Preislich ist Gamakay stark aufgestellt. Mit 100€ UVP liegt sie etwas über dem idealen Wert; verglichen mit der namhaften Konkurrenz ist das dennoch günstig. Mit Angebotspreisen rutscht die TK75HE V2 auf 65 bis 70€ und spätestens hier könnt ihr bedenkenlos zuschlagen. Eindeutig eine Kaufempfehlung! Eine Alternative wäre die Ducky One 2 Mini oder die Epomaker G84. Wenn ihr ohne Nummernblock nicht auskommt, dann schaut euch auch die Epomaker G99 mal genauer an.
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Also bei ner 75% Tastatur keinen Nummernblock als Negativ darzustellen find ich jetzt irgendwie schwierig…
Servus! Die Auflistung unter den Kontra-Punkten dient auch der schnellen Übersicht über die Ausstattung (das gilt auch für alle unsere Tests). Da ein 75%-Layout bauartbedingt keinen Nummernblock hat, führen wir das der Vollständigkeit halber auf – so sieht jeder sofort, was fehlt und muss auch nicht den Test lesen. Dort wird im übrigen das in keiner Weise negativ dargestellt… . Ob das für das persönliche Setup ein echter Kritikpunkt ist oder nicht, bleibt natürlich jedem selbst überlassen.
beste Grüße
Jonas