Kabel sind wieder in Mode. Ja? Nein? Ich weiß es auch nicht. Aber einen gewissen Trend zurück zum Kabel scheint es zu geben. Retro ist ja immer mal wieder cool. Aber besonders der Preis könnte ein wichtiger Punkt sein, denn die Audioqualität, die ihr für einen mittelpreisigen, kabelgebundenen In-Ear bekommt, wischt in der Regel mit extrem teuren TWS weiterhin den Boden auf. Wir haben uns daher die Kiwi Ears Stardust genauer angeschaut und schon die Aufmachung mit ganzen fünf verbauten Treibern pro Seite lässt aufhorchen. Das gibt’s so in keinem True Wireless Kopfhörer.
Design & Verarbeitung
Hochwertige Komponenten und die Entwicklung von Jahrzehnten fließen in die kabelgebundenen In-Ears von heute ein. Durch Gaming und Bühnenerfahrung haben sich Überohrbügel durchgesetzt. Gleichzeitig bieten sie eine Zugentlastung und ihr könnt die Kabel am Rücken herunterführen, wenn ihr das wollt.
Kopfhörer gehen selten kaputt, Kabel brechen fast immer zuerst, daher sind die Kabel heutzutage bei vielen Modellen wechselbar. Klinke benötigt nur den Strom, der durch die Buchse geliefert wird. Daran zu denken, die Station auch mal aufzuladen, entfällt komplett, und eine nennenswerte Latenz gibt es bei dieser Art der Übertragung auch nicht. Daher setzen E-Sportler nach wie vor auf kabelgebundene Kopfhörer. All das bieten die Kiwi Ears Stardust, aber zugegebenermaßen auch einige andere kabelgebundene Kopfhörer in der Preisklasse um die 75€.
Zu fast all diesen Punkten gibt es Gegenargumente, die für True Wireless Kopfhörer sprechen. Besonders das Kabelmanagement und die Bruchgefahr entfallen dort natürlich, und das ist, trotz mittlerweile ausgeklügelter Kabelstärken und Verdrillungen, immer noch etwas nervig. Besonders punkten die kabelgebundenen Kopfhörer jedoch beim Preis-Leistungs-Verhältnis.
Unsere Kiwi Ears Stardust besitzen einen „dicken“ 10mm Treiber pro Seite und liefern gleichzeitig zusätzlich vier Balanced Armature Treiber. Vier! Das letzte Mal, dass wir solche Kopfhörer im Test hatten, war bei den 1More Penta. Und auch da klang das schon erste Sahne.
Die Hülle der Stardust besteht aus leichtem, aber robustem Resin-Kunststoff, die Außenseite ist mit einer Aluminiumplatte verstärkt. Passend zum Namen soll es sich um luft- und raumfahrttaugliches Aluminium handeln. Darauf sitzt die in Blau gehaltene Kunststoffplatte mit Muster und Logo.
An der Oberseite befindet sich ein Zwei-Pin-Anschluss für das Kopfhörerkabel. Ein kleines L oder R zeigt die jeweilige Seite an. Am Kabel hat sich Kiwi Ears leider für zwei winzige farbige Punkte entschieden, statt einen Buchstaben aufzudrucken. Das Kabel mit dem blauen Punkt kommt an L, rot an R. Das Kabel selbst ist ineinander verdrillt, das sieht schick aus, gibt dem Ganzen weniger Angriffsfläche für Knicke und lässt sich auch besser handhaben als zwei zusammengeklebte Kabelstränge. So wie ich das sehe, verläuft ein versilberter Kupferdraht hindurch. Dieser Draht wurde zusätzlich von Sauerstoff befreit. Ein silbernes Gewebegeflecht schützt das Konstrukt noch mal und teilt beide Kabelstränge in einzelne Kabel auf, um diese voneinander zu isolieren.
Der Lautsprecherausgang misst 6mm und alle herkömmlichen Stöpsel aus Formschaum oder Silikon sollten ohne Probleme passen. Die mitgelieferten setzen etwas Widerstand entgegen, wenn ihr sie wieder aufstecken wollt. Der Ausgang ist außerdem durch ein dünnes Alugitter in Form eines Sterns geschützt, vielleicht auch nur zur Zierde, denn hinter dem Stern liegt ein sehr engmaschiges Kunststoffgitter. An beiden Enden befindet sich ein kurzer Knickschutz. Der 3,5mm Klinkenstecker ist in einem schmalen Alugehäuse untergebracht.
Kompatibilität
Ein kurzer Exkurs zur Kompatibilität. Es erscheint simpel. Hat euer Smartphone keinen Klinkenanschluss, könnt ihr die Klinkenvariante der Kiwi Ears Stardust nicht benutzen. Doch ein Adapter von USB-C auf Klinke regelt das, oder? Nicht immer. Wenn der Adapter keinen eigenen geeigneten DAC beherbergt und sich als digitales Gerät am Smartphone meldet, quittieren einige Modelle dennoch den Dienst. So etwa geschehen beim Xiaomi 17 Pro Max (zum Test). Selbst mit einem hochwertigen USB-C-auf-Klinke-DAC von Questyle ließ sich das High-End-Smartphone nicht überreden, die Kiwi Ears Stardust zu betreiben. Im Zweifelsfall wählt ihr einfach die USB-C-Variante der In-Ears. An Windows-Geräten und Dockingstations hatte ich übrigens durchgehend keine Schwierigkeiten, auch ein iPhone mit Adapter trällerte fröhlich drauf los.
Lieferumfang der Kiwi Ears Stardust
Die Verpackung ist nichts Besonderes, aber in einem ähnlichen, bläulichen Farbton gehalten wie die Außenseite der Buds. Spannender ist dagegen der Inhalt, der im Vergleich zu den meisten TWS-Kopfhörern besonders bei den Aufsätzen üppig ausfällt. So erhaltet ihr drei transparente Silikonstöpsel von S bis L, außerdem noch drei Paar in Schwarz, die von der Form her runder gestaltet sind. Um alles zu verstauen, liefert Kiwi Ears eine mit Stoff überzogene Hartschalentasche mit. Sie misst 10,4 x 7,5 x 2,6 Zentimeter und beherbergt ein kleines Netz, in dem ihr etwa die Aufsätze parken könnt.
Farbvarianten der Kiwi Ears Stardust gibt es nicht. Stardust ist in diesem Fall auch der Farbton. Stattdessen wählt ihr den Aufbau des Kabels. Zur Auswahl steht ein Kabel ohne Mikrofon und mit 3,5mm Klinke, das Gleiche noch mal mit Mikrofon und einmal mit Mikrofon und USB-C-Anschluss statt 3,5mm Klinke. Einen Adapter auf das jeweilige andere Format legt Kiwi Ears nicht bei. Preislich unterscheiden sich die Typen marginal: 77€ ohne Mikro, ein Euro mehr mit und 80€ für die USB-C-Variante.
Tragekomfort

Ich konnte die Kopfhörer mehrere Stunden im Ohr halten und hatte dann einen leichten, aber noch nicht schmerzhaften Druck. An der Stelle könnt ihr mit den für euch passenden Stöpseln einiges optimieren. Für Sport sind die Kopfhörer ebenfalls geeignet, solange das Kabel durch die Bewegungen nicht auf Spannung kommt und dadurch am Ohr zieht. Jogger führen das Kabel am besten direkt am Rücken herunter. Das mitgelieferte Kabel hat eine Länge von rund 115cm. Der Vorteil ist, es lässt sich sehr einfach durch ein längeres ersetzen, ihr braucht lediglich dieselben Zwei-Pin-Kontakte auf der Kopfhörerseite.
Einen offiziellen Wasserschutz gibt es für die Stardust nicht. Bauartbedingt dürften Schweiß und Regen den Kopfhörern in der Regel jedoch nichts anhaben. Dennoch solltet ihr hier lieber etwas vorsichtiger sein.
Soundqualität der Kiwi Ears Stardust
Die Konfiguration kennt ihr bereits. Ein 10mm Dynamiktreiber pro Seite, unterstützt von jeweils vier Balanced-Armature-Treibern. Kiwi Ears beschreibt auch ausführlich, welcher Treiber was übernimmt. Der, verglichen mit den Armature-Treibern, große Dynamiktreiber kümmert sich ausschließlich um Bässe und den Tieftonbereich bis in die unteren Mitten. Die restlichen Mitten und den Hoch- und Ultra-Hochtonbereich bedienen die Balanced-Armature-Treiber. Eine Frequenzweiche wird sich um die Aufteilung in die jeweiligen Frequenzbereiche kümmern, damit die einzelnen kleinen Lautsprecher wirklich nur das abbilden, was sie sollen.
| Frequenz: | 20 bis 40.000Hz |
| Bluetooth: | – |
| Chipset: | – |
| Nennleistung: | 5mW |
| Anschlussart: |
3,5mm Klinke (AUX) / USB-C |
| Adapter: | – |
| Reichweite: | 1,25m |
| Modellnummer: | |
| Widerstand: | 13 Ohm |
| Einzelnutzung: | Ja |
| Gewicht: | 4,9g (25g mit Kabel) |
| Lautstärke: | 107dB |
| Apt-X: | Nein |
| Codecs: | – |
| Zertifikate: | – |
| Wasserresistenz: | – |
Sound
Kiwi Ears gibt selbst an, dass die Stardust Allrounder sind, die die Klarheit und Auflösung für Monitoring besitzen, insgesamt aber warm und voll abgestimmt wurden.
Genau so fühlen sich die Kiwi Ears Stardust auch an. Die Abstimmung ist nicht analytisch, sondern warm, effektreich und macht einfach Laune. Besonders der Hochtonbereich ist in seinen besten Momenten so sauber, wie ich ihn schon lange nicht mehr in dieser Art gehört habe. Aber auch kleine Details und Hintergrundgeräusche in der Aufnahme kommen gut zur Geltung. Nichts wird verschluckt, solange die Audioquelle in einem Format vorliegt, das diese Details auch wiedergeben kann.
Mitten zeichnen sich durch eine klare Stimmenwiedergabe aus, die immer präsent bleibt, aber andere Bereiche nicht überlagert. Im Bassbereich halten sich die Kiwi Ears Stardust hingegen etwas zurück. Es ist nicht so, dass sie nicht imstande wären, volle, donnernde Bässe abzuliefern, aber der Bass ist nicht flächig gestreut, sondern passt die Momente perfekt ab. Es wird nicht überall künstlich versucht, das Klangbild aufzufüllen, sondern nur dann Tiefenpräsenz und besonders Bass gezeigt, wenn diese auch vorkommen sollen. Richtigen Bassliebhabern könnte das zu wenig sein, wobei eine Equalizer-Anpassung helfen kann, hier noch mehr herauszukitzeln. Ich habe die Stardust allerdings ohne EQ getestet.
Etwas Federn lassen müssen die Stardust bei hohen Lautstärken über 75%. Hier wird die Wiedergabe langsam etwas matschig und verliert Details, der Bass tritt dann stärker in den Vordergrund. Das ist zwar schade, aber keine zu große Belastung. Bei diesem Pegel sind die Stardust bereits so laut, dass ihr sowieso nicht ewig durchballern könnt (zumindest ich nicht) und auch nicht solltet.
Sprachqualität
Die konnte ich bei unserem Testmodell nicht prüfen, schlicht, weil wir die Variante ohne Mikrofon bekommen haben. Laut anderen Berichten taugt das Mikrofon jedoch für Telefonate und erzielt dann eine angemessene Leistung, mit guter Geräuschunterdrückung. Da es im oberen Drittel am Kabel angebracht ist, müsst ihr das Kabel jedoch entweder an den Mund halten oder mit dem dann mitgelieferten Clip recht weit oben am Shirt festmachen.
Testergebnis
Mit den Kiwi Ears Stardust werft ihr quasi einen Blick in die Vergangenheit und werdet mal wieder daran erinnert, wie stark kabelgebundene Kopfhörer klingen können. Im Portfolio von Kiwi Ears ordnen sich die Stardust im Mittelfeld ein. Es ist also noch Luft nach oben, denn besonders bei sehr hohen Lautstärken wird die Wiedergabe etwas unsauber. Das ist allerdings Jammern auf sehr hohem Niveau. Klanglich stechen die Kiwi Ears eine ganze Reihe von True-Wireless-Kopfhörern aus, auch solche aus deutlich höheren Preisklassen. Allein auf den Sound bezogen, würden sie wohl einen der vorderen Plätze in unserer TWS-Bestenliste (zur Liste) belegen.
Unterwegs stört das Kabel leider manchmal, eben wie früher. Dank der Verdrillung und eines steifen, aber dennoch flexiblen Mantels bleibt es jedoch gut handhabbar. Und wer sich für die Stardust entscheidet, wählt das Kabel ja ohnehin bewusst. Etwas schwieriger ist da schon, dass nicht mehr alle Smartphones über einen einfachen USB-C-auf-Klinke-Adapter Ton ausgeben. Das solltet ihr vorab prüfen oder euch gleich einen passenden externen DAC anschaffen.
Insgesamt haben mich die Kiwi Ears Stardust aber schwer begeistert, und mit einem Preis von 75 bis 80€ bewegen sie sich auf einem verträglichen Niveau. Von mir erhalten sie eine Kaufempfehlung. Wer lieber auf ältere, bereits im Preis gesunkene Modelle setzt, kann sich die 1More Penta P50 (zum Test) ansehen. Auch die etwas teureren Earfun EH100 (zum Test) verdienen an dieser Stelle eine Erwähnung.
Wie sieht es aus, habt ihr Lust auf gelegentliche Tests kabelgebundener Kopfhörer, oder reicht euch einer pro Jahr zur allgemeinen Kenntnisnahme? Lasst uns gerne einen Kommentar da!
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