Mit der neuen HiFlow-Speicher- und Wechselrichterserie hat Hoymiles in diesem Jahr sein Produktsortiment grundlegend neu aufgebaut. Der Hoymiles HF-800-WB ist eine komplette Neuentwicklung, bietet einen Spitzenwirkungsgrad von bis zu 97%, verarbeitet Modulspannungen von bis zu 100V und kostet dabei gerade mal etwas mehr als 80€. Dazu leistet das Gerät bis zu 800W und ist extrem kompakt aufgebaut.
Mit der HiBattery 4020 X (zum Test) hat uns der Hersteller in diesem Jahr bereits bewiesen, dass bei Hoymiles Leistung, Sicherheit und Zuverlässigkeit an erster Stelle stehen. Ob der kleine HiFlow-Wechselrichter HF-800-WB ebenso überzeugen kann, klären wir in unserem ausführlichen Test.
Lieferumfang des Hoymiles HF-800-WB
Hoymiles liefert den Wechselrichter in einem kleinen blauen Karton, der alles enthält, was ihr für die Inbetriebnahme benötigt:
- Hoymiles HF-800-WB Wechselrichter 800W
- Anschlusskabel (5 Meter)
- Trennhilfe MC4
- Bedienungsanleitung
Während ihr bei zahlreichen Herstellern die Anschlusskabel separat kaufen müsst, liegt dem HF-800-WB ein passendes, fünf Meter langes Kabel bei. Es bietet auf der einen Seite die von Hoymiles bekannten Flex-Anschlüsse und auf der anderen Seite einen Schuko-Stecker, der in jede handelsübliche Steckdose passt.
Technische Daten
| Hoymiles HF-800-WB: Technische Daten | |
|---|---|
| Modell | HF-800-WB |
| Produktserie | HiFlow |
| Eingangsdaten (DC) | |
| Üblicherweise verwendete Modulleistung | 320 bis 520+W |
| Maximale Eingangsspannung | 100V |
| MPPT-Spannungsbereich | 16 bis 96V |
| Peak-MPPT-Spannungsbereich | 54 bis 80V |
| Min./Max. Startspannung | 22/96V |
| Maximaler Eingangsstrom | 16A |
| Maximaler Kurzschlussstrom (Eingang) | 25A |
| Anzahl MPP-Tracker | 1 |
| Anzahl Eingänge pro MPPT | 1 |
| Ausgangsdaten (AC) | |
| Nennausgangsleistung | 800VA |
| Nennausgangsstrom | 3,48A |
| Nennausgangsspannung / Bereich | 230V / 184 bis 276V |
| Nennfrequenz / Bereich | 50Hz / 45 bis 55Hz |
| Leistungsfaktor | > 0,99 (einstellbar 0,8 voreilend bis 0,8 nacheilend) |
| Gesamte harmonische Verzerrung (THD) | < 3% |
| Wirkungsgrade | |
| Spitzenwirkungsgrad (Peak Efficiency) | 97% |
| Europäischer Wirkungsgrad (EU Weighted) | 96% |
| MPPT-Wirkungsgrad (Nominal) | 99,8% |
| Kommunikation & Überwachung | |
| Kommunikation | WLAN 2,4GHz, Bluetooth (BLE) |
| Cloud-Überwachung | S-Miles Cloud |
| Allgemeine Daten | |
| Abmessungen | 213 x 182,5 x 36,5 Millimeter, 2,1 Kilogramm |
| Schutzart | IP67 |
| Betriebstemperatur | -40°C bis +65°C |
| Kühlung | Konvektionskühlung |
| AC-Stecker | Schuko-Stecker (Plug & Play) |
| Garantie | 12 Jahre |
| Konformität / Normen | VDE-AR-N 4105, EN 50549-1, u. a. |
| Eigenverbrauch bei Nacht | < 50mW |
Die technischen Daten sind für einen Balkonkraftwerk-Wechselrichter außergewöhnlich. Der Hoymiles HF-800-WB ist lediglich mit einem MPP-Tracker ausgestattet. Damit ist er vorrangig für den Betrieb mit zwei identischen Solarmodulen mit gleicher Ausrichtung konzipiert. Während die meisten Mikrowechselrichter auf eine Eingangsspannung von maximal 60V begrenzt sind, unterstützt der HF-800-WB Solarmodulspannungen von bis zu 100V. Im Optimalfall schließt ihr die Solarmodule hier also in Reihe statt wie üblich parallel an. Durch die Reihenschaltung benötigt ihr für zwei Solarmodule nur ein Kabelpaar und halbiert so die Leitungsmenge. Weiterhin fließen aufgrund der hohen Systemspannungen vergleichsweise niedrige Ströme, wodurch die Leitungsverluste sinken. Ein Spitzenwirkungsgrad von bis zu 97% und die 12-jährige Garantie runden das Gesamtpaket ab.
Design und Verarbeitung des Hoymiles HF-800-WB
Mit Abmessungen von 213 x 182,5 x 36,5 Millimetern und einem Gewicht von 2,1 Kilogramm ist der Hoymiles HF-800-WB für einen Wechselrichter der 800W-Klasse sehr kompakt und leicht. Vergleichbare Modelle der Konkurrenz bringen locker ein Kilogramm mehr auf die Waage.
Das Gehäuse besteht vollständig aus silbergrauem Aluminium und bietet auf der Rückseite einen dezenten Kühlkörper, der sich bündig in das Gehäuse einfügt. Auf der linken Seite befindet sich das MC4-Anschlussterminal für die Solarmodule. Wie bereits erwähnt, schließt ihr hier zwei Solarmodule in Reihe an, sodass nur ein Anschlussterminal nötig ist.
Auf der rechten Seite verortet Hoymiles die Flex-Anschlussbuchse für das Verbindungskabel zum Stromnetz. Daneben sitzt unter der schwarzen Abdeckung die Antennentechnik des Hoymiles HF-800-WB. Die Verarbeitung ist insgesamt erstklassig. Alle Anschlüsse sind sauber in das Gehäuse eingelassen und machen einen stabilen und hochwertigen Eindruck. Wie es sich für eine IP67-Zertifizierung gehört, sind die Verschraubungen der beiden Gehäuseschalen absolut bündig und ohne Spalt ausgeführt.
Einrichtung mit der S-MilesHome-App
Für den grundlegenden Betrieb benötigt ihr keinerlei App-Anbindung oder Internetverbindung. Ihr könnt den Wechselrichter einfach mit den Solarmodulen und der Steckdose verbinden, und schon kann es losgehen. Die optionale App dient lediglich der Überwachung und Steuerung. Möchtet ihr sie nutzen, ladet ihr euch die S-MilesHome-App herunter und legt ein Nutzerkonto (Mail/Passwort) an. Die Bluetooth-Suche in der App findet den Hoymiles HF-800-WB blitzschnell. Im Anschluss konfiguriert ihr euer heimisches WLAN und könnt fortan den Energieertrag überwachen.
Die Startseite zeigt euch, wie viel Solarenergie gerade erzeugt wird und wohin sie fließt. Weiterhin stehen euch Informationen zum Tagesertrag, Gesamtertrag und historische Erzeugungsdaten zur Verfügung. In der Geräteansicht wird es noch etwas ausführlicher. Die hier gezeigten Leistungsdaten haben wie auf der Startseite einen Zeitversatz von lediglich drei bis vier Sekunden. Zusätzlich könnt ihr euch hier eine Ertragskurve sowie den Verlauf von Netzspannung, Netzfrequenz und Wechselrichtertemperatur anzeigen lassen.
Ihr könnt den Hoymiles HF-800-WB auch mit einem Shelly Pro 3 EM Smart-Meter oder Shelly Plug-S-Steckdosen koppeln. So lässt sich bei Bedarf eine komplette Nulleinspeisung ohne Einspeisung in das öffentliche Stromnetz realisieren. Leider konnten wir diese Funktion bisher nicht testen. Unser Shelly Pro 3 EM wird zwar problemlos erkannt, die Kopplung schlägt jedoch mit der Fehlermeldung „Daten konnten nicht abgerufen werden“ fehl. Laut Hoymiles liegt dieser Fehler an einer Inkompatibilität mit der Shelly-Firmware 2.0 (oder höher). Dieses Problem wird im Oktober mit einem Update der App behoben.
In den Geräteeinstellungen könnt ihr euch Informationen zum Wechselrichter ansehen, das Netzwerk konfigurieren und Firmware-Updates durchführen. Außerdem könnt ihr die maximale Ausgangsleistung im Bereich von 100 bis 2.000W regeln. Wählt ihr eine Einstellung von mehr als 800W erhaltet ihr eine Warnmeldung, dass dies eine fach- und normgerechte Installation voraussetzt. Unabhängig davon stellen die 800W das technische Maximum des HF-800-WB dar und können ohnehin nicht überschritten werden. Zusätzlich findet ihr zwei weitere interessante Einstellungen, die wir euch im Folgenden näher erläutern.
„AFCI“-Einstellungen
Hierbei handelt es sich um eine Schutzfunktion, die normalerweise String-Wechselrichtern mit hohen DC-Spannungen vorbehalten ist. Hohe String-Spannungen (viele Solarmodule in Reihe) können im Fehlerfall (beschädigtes Kabel oder MC4-Stecker) einen Lichtbogen zwischen Steckverbindung und leitfähigen Teilen verursachen. Ist die Funktion aktiviert, überwacht der Hoymiles HF-800-WB permanent die elektrischen Signale auf dem Kabel im Hochfrequenzbereich. Tritt ein unregelmäßiges Flackern oder Rauschen auf, das typisch für einen brennenden Lichtbogen ist, schaltet der Wechselrichter den betroffenen Eingang sofort ab.
Einstellungen für globales MPPT
Weil der Hoymiles HF-800-WB nur über einen MPPT-Eingang verfügt, beeinflusst die Teilverschattung eines einzelnen Moduls die Systemleistung erheblich. Um dies zu kompensieren, könnt ihr das globale MPPT aktivieren. Ein normaler MPPT-Tracker sucht permanent nur in einem begrenzten, lokalen Bereich nach dem optimalen Arbeitspunkt. Bei einer Verschattung weist die Leistungskurve jedoch nicht nur einen einzigen Höchstwert auf, sondern mehrere sogenannte lokale Maxima. Für einen optimalen Betrieb fährt der Wechselrichter deshalb in regelmäßigen Zeitabständen automatisch die gesamte Leistungskurve von der Leerlaufspannung bis zum Anschlag ab („Global Scan“). Dadurch „sieht“ er alle Leistungsgipfel und identifiziert den Bestwert.
Zusammenfassend sind Steuerung und Informationsumfang des Hoymiles HF-800-WB übersichtlich und sinnvoll gestaltet. Im Zusammenspiel mit den HiFlow-Speichersystemen ist sogar eine gegenseitige Steuerung kompatibler Geräte möglich. Alle Informationen dazu findet ihr in unserem HiFlow Praxis-Artikel.
Hoymiles HF-800-WB im Testbetrieb
Wie immer überprüfen wir vorab die technischen Daten mithilfe unserer Labornetzteile (61V/20A). Hoymiles gibt für den Wechselrichter eine Startspannung von 22V an. An unseren Labornetzteilen startet der Wechselrichter zwar ab 22V, schaltet sich aber nach wenigen Sekunden wieder ab. Erst ab 43V läuft er zuverlässig im Dauerbetrieb. An Solarmodulen mit 33V Arbeitsspannung verrichtet er hingegen völlig unauffällig seinen Dienst. Warum dies an den Labornetzteilen nicht möglich ist, konnten wir bisher nicht abschließend klären.
- 43V
- 54V
Die maximale Stromaufnahme des Eingangs liegt bei 15,1A. Für die volle Leistung von 800W benötigt ihr also eine Eingangsspannung von rund 54V. Damit wird auch sofort klar, dass ihr die meisten handelsüblichen Solarmodule in Reihe schalten müsst. Auch den Peak-MPPT-Spannungsbereich gibt Hoymiles mit 54 bis 80V an. In diesem Bereich erzielt der Wechselrichter den besten Wirkungsgrad. Theoretisch wäre es möglich, den Hoymiles HF-800-WB mit nur einem Solarmodul zu betreiben. Allerdings müsst ihr dann beim Wirkungsgrad Abstriche (1 bis 3%) machen.
Aufgrund der maximalen Eingangsspannung von 100V solltet ihr bei der Wahl der Solarmodule etwas achtgeben. Einige moderne 144-Zellen-Solarmodule im Leistungsbereich von 500 bis 700W arbeiten mit Spannungen von rund 50V. Im Leerlauf können diese allerdings 55 bis 60V erreichen. Zwei in Reihe geschaltete Module würden damit den Eingangsspannungsbereich überschreiten. Es lohnt sich also, vorab einen Blick in das Datenblatt der gewünschten Solarmodule zu werfen.
Wirkungsgrad
Den Wirkungsgrad haben wir bei 200, 400 und 800W überprüft und dabei einen Mittelwert von 96% (95, 96 und 97%) ermittelt. Weil unser Leistungsmessgerät an der Schuko-Steckdose nicht geeicht ist, halten wir die Herstellerangabe von 97% für glaubhaft. Der Hoymiles HF-800-WB erreicht somit den höchsten von uns bisher gemessenen Wirkungsgrad in der Klasse der 800W-Wechselrichter.
Temperaturverhalten
Bei einer Raumtemperatur von 21°C haben wir den Hoymiles HF-800-WB drei Stunden lang mit der maximalen Ausgangsleistung belastet und anschließend die Temperaturwerte in der App und mithilfe einer Wärmebildkamera erfasst.
Angesichts des Gewichts von 2,1 Kilogramm und der geringen Kühlfläche waren wir zunächst skeptisch, ob der Hoymiles diese lange Lastphase ohne Drosselung schafft. Nach rund zwei Stunden maßen wir eine Oberflächentemperatur von etwa 60°C. Ab diesem Zeitpunkt stieg die Temperatur nur noch langsam an und erreichte mit 66°C (interner Sensor 63°C) ihr Maximum. Auf diesem Wert pegelte sich der Wechselrichter bis zum Testende ein. Eine Drosselung der Leistung fand nicht statt. Dank des sehr hohen Wirkungsgrades bleiben die Temperaturen unter Volllast in einem hohen, aber dennoch akzeptablen Bereich.
Um die Drosselungsschwelle zu erreichen, haben wir den Wechselrichter im Anschluss in eine Decke eingepackt und unter Volllast betrieben. Ab einer internen Temperatur von 75°C (77°C Oberflächentemperatur) drosselt der Wechselrichter sukzessive seine Leistung, bis er die Temperatur halten kann.
Der Hoymiles HF-800-WB im Realbetrieb
In den vergangenen zwei Wochen haben wir den Wechselrichter an verschiedenen Solarmodulen der Leistungsklasse von 400 bis 500W getestet. Dabei haben wir sowohl den Betrieb mit nur einem Solarmodul als auch die Reihenschaltung von zwei Solarmodulen erprobt.
Im Betrieb mit zwei in Reihe geschalteten Solarmodulen gab es keinerlei Probleme. Der Wechselrichter erzeugt bereits bei sehr wenig Tageslicht Energie, während manche Geräte der Konkurrenz dann noch die Arbeit verweigern. Der MPPT-Eingang reagiert zügig auf Leistungsänderungen (Wolken, bedeckter Himmel) und regelt innerhalb von Sekunden wieder auf sein Leistungsmaximum.
Betreibt ihr den Wechselrichter mit nur einem Solarmodul (getestet mit Solarmodulen mit 33 bis 37V), läuft der Hoymiles HF-800-WB nicht ganz so souverän. Bei wenig Lichteinstrahlung in den Morgenstunden startet der Wechselrichter seine Solarproduktion deutlich später und schaltet oft zwischen Produktion und Stand-by hin und her. Hier zeigt sich klar, dass der HF-800-WB auf höhere Arbeitsspannungen optimiert wurde und sich mit zwei in Reihe geschalteten Modulen am wohlsten fühlt. Mit leichten Einbußen beim Tagesertrag (1 bis 2%) ist allerdings auch der Betrieb mit nur einem Solarmodul möglich.
Testergebnis
Mit dem HF-800-WB beweist Hoymiles wieder einmal, dass der Hersteller sein Handwerk beherrscht und der Markt für Mikrowechselrichter immer noch Optimierungspotenzial bietet. Mit einem hervorragenden Wirkungsgrad, einer funktionalen App und einem hohen Leistungsspektrum überzeugt dieser Wechselrichter in fast allen Bereichen. Diese exzellente Leistung hängt allerdings von der richtigen Wahl der Solarmodule und des Standortes ab. Weil der HF-800-WB nur über einen MPPT verfügt, sollten die beiden Solarmodule gleich ausgerichtet sein. Außerdem muss die Gesamtspannung der Reihenschaltung zum Eingangsspannungsbereich passen. Beachtet ihr diese beiden Punkte, erhaltet ihr für etwas mehr als 80€ einen erstklassigen 800W-Mikrowechselrichter für euer Balkonkraftwerk.
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