Endlich sind wir so weit: Wir testen den auf der IFA präsentierten EarFun Wave Pro X, den ihr wahrscheinlich schon lange ersehnt und den wir bereits vor einiger Zeit angekündigt haben. Das Interessante daran: Der Kopfhörer wurde schon letztes Jahr auf derselben Messe präsentiert, ist aber erst jetzt, ein Jahr später, wirklich fertig. EarFun schreibt selbst: „Creating Wave Pro X wasn’t easy. It took 30 months of relentless passion, innovation, and precision to deliver a headphone that redefines our top-tier standard, and sets a new benchmark for premium sound.“
Mit dem Wave Pro X (Bericht der IFA 2026) möchte EarFun endgültig in die Oberklasse der Bluetooth-Kopfhörer vorstoßen. Bereits die technische Ausstattung ist beeindruckend und lässt teurere Konkurrenten alt aussehen.
- ein Dual-Coaxial-Treiber mit einem 40mm-DLC- und einem 10mm-LCP-Treiber
- Bluetooth 6.0, LDAC, aptX Adaptive, aptX Lossless, LE Audio, Auracast
- adaptives ANC
- acht Mikrofone
- 90h Akkulaufzeit
- eine umfangreiche App mit Parametric EQ
Ihr könnt mit einigen Begriffen nicht so viel anfangen? Kein Problem, wir erklären die meisten davon kurz im jeweiligen Abschnitt.
Während der ursprüngliche Wave Pro (zum Test) vor allem durch sein Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugte und eine eher mittlere Leistung lieferte, will der Wave Pro X nun auch klanglich mit der etablierten Konkurrenz mithalten. Bei einem Preis von aktuell 120€ muss sich das Modell nicht mehr nur gegen günstige und oft minderwertige Allrounder durchsetzen, sondern tritt bereits gegen die großen Marken an. Und das zu einem Preis, der angesichts der aktuellen Wirtschaftslage in der Technikbranche sehr günstig ist. Ob sich das lange Warten gelohnt hat, erfahrt ihr jetzt im Detail.
Design und Verarbeitung
Schon beim Auspacken merkt ihr, dass sich EarFun beim Wave Pro X mehr Mühe gegeben hat als beim günstigeren Vorgänger. Die hochwertige Transporttasche schützt den Kopfhörer nicht nur zuverlässig, sondern bietet auch Platz für das USB-C-Ladekabel und das 3,5mm-Klinkenkabel.
Der Kopfhörer selbst vermittelt einen sehr wertigen Eindruck. Die Gehäuseoberflächen wirken modern und zeitlos. Die geriffelten Aluminiumdeckel heben sich angenehm vom sonst sehr schlichten, mattschwarzen Gehäuse ab und unterscheiden den Kopfhörer damit auch optisch von der Konkurrenz. Auf Akzentfarben verzichtet EarFun, sodass das restliche Design farblich komplett im professionellen Anthrazitschwarz gehalten ist.
Der schwarze Stoffüberzug an Bügel und Muschelinnenseiten wirkt im Vergleich zu den sonst sehr glatten Oberflächen gemütlich und angenehm. Das wertet die Haptik deutlich auf und sieht obendrein gut aus.
Generell ist die Optik bei Kopfhörern schwierig zu bewerten. Bei den teuren Marken gibt es aber im Grunde nur drei Designlinien: reine Plastikbomber (z. B. Sony, Sennheiser, Bose, Teufel), kreativere Modelle (z. B. B&W, Marshall, Apple) und gewagte Exoten (z. B. Focal). Unserer Meinung nach hat EarFun mit dem Wave Pro X einen schönen Mittelweg gefunden. Damit gehört er für uns in die Kategorie der kreativeren, schönen Modelle. Zur Auswahl steht außerdem eine cremeweiße Variante.

Trotz des Doppeltreibers fallen die 95mm großen Ohrmuscheln nicht zu wuchtig aus. Die Höhenverstellung des Wave Pro X von bis zu 35mm bietet ebenfalls viel Spielraum für größere Köpfe.
Lieferumfang des EarFun Wave Pro X
Im Vergleich zur restlichen Ausstattung des Kopfhörers fällt der Lieferumfang eher spärlich aus. Das USB-C-Ladekabel und das 3,5mm-Klinkenkabel entsprechen nur einfachem Standard und sind nicht besonders hochwertig verarbeitet. Das ist nachvollziehbar, wir wollen es aber trotzdem erwähnen.
Das Transportcase ist völlig in Ordnung, aber auch kein Eyecatcher. Hier steht die Funktion über der Ästhetik.
Bedienung und Funktionen des EarFun Wave Pro X
Trotz der technischen Höchstleistungen im Inneren bleibt EarFun bei der Bedienung klassisch. Alle Tasten sitzen an der rechten Ohrmuschel und sind gut erreichbar und leicht zu drücken. Die klar definierten Druckpunkte ermöglichen eine sichere Bedienung. Die wichtigsten Tastenfunktionen im Überblick:
- An-/Ausschalter:
- 5s gedrückt halten, um den Koppelmodus zu starten (im ausgeschalteten Zustand)
- 10s gedrückt halten, um zurückzusetzen (im eingeschalteten Zustand)
- 1x drücken, um die Wiedergabe zu pausieren und fortzusetzen (bei Musik)
- 2x drücken, um den Sprachassistenten zu aktivieren
- 1x drücken, um einen Anruf anzunehmen oder zu beenden
- 2s gedrückt halten, um einen Anruf abzulehnen
- 2x drücken, um zwischen zwei Anrufen zu wechseln
- Lautstärketasten:
- 1x +, lauter
- 2s + gedrückt halten, nächster Titel
- 1x -, leiser
- 2s – gedrückt halten, voriger Titel
- ANC-Taste:
- 1x drücken, zwischen den Modi wechseln
- 2s gedrückt halten, Multipoint-Funktion aktivieren
Die Sprachansagen informieren über den aktuellen Status von ANC, Bluetooth-Verbindung und Akkustand. Die Sprache lässt sich einstellen, Deutsch wird wie gewohnt unterstützt. Im Multipoint-Modus wechselt der Kopfhörer ganz einfach zwischen zwei Geräten, sobald eines die Wiedergabe pausiert oder stoppt und das andere sie startet.
Die Bedienung wirkt insgesamt durchdacht und nicht überladen, sie erfordert kaum Eingewöhnung. Das Koppeln mit anderen Geräten klappt in der Regel zuverlässig. Vor dem ersten Update war das mit meinem Honor Magic 6 Pro allerdings nicht möglich. Nach dem Update auf Version 1.5.2 funktionierte es problemlos.
Hard- und Software
Die Funktionen, die EarFun in den Wave Pro X gepackt hat, übersteigen alles, was ich bisher bei anderen Kopfhörern zusammengenommen hatte. Selbst nach zwei Wochen bin ich immer wieder auf neue Einstellungen oder Funktionen gestoßen, weil vieles sehr vielschichtig aufgebaut ist. Dabei verzichtet EarFun auf Spielereien wie Spatial Audio und konzentriert sich auf das Wesentliche. Das heißt: maximale Klanganpassung und eine stabile, moderne und verlustfreie Verbindung zu den Endgeräten. Dafür sorgt Qualcomms QCC3095, ein leistungsstarker Bluetooth-Audiochip der oberen Mittelklasse, der mit hoher Energieeffizienz und verlustfreier Audioübertragung glänzt. Hier eine Übersicht der Highlights des Wave Pro X:
- Multipoint-Verbindung (2 Geräte gleichzeitig verbunden)
- „Game Mode“ (latenzarmer Modus)
- äußerst vielseitiger Equalizer
- Transparenzmodus und intelligentes ANC
- analoge 3,5mm-Klinke
- HiFi-DAC über USB-C-Verbindung
- Bluetooth 6.0
- LDAC, aptX Adaptive/Lossless
- Auracast/LE-Audio-Empfang (vergleichbar mit einem Radiosender im Bluetooth-Bereich, den beliebig viele Geräte empfangen können. Kommt z.B. am Flughafen für Durchsagen zum Einsatz)
- KI-Übersetzer
EarFun Audio App
Die EarFun Audio-App gehört zusammen mit dem Wave Pro X zu den umfangreichsten ihrer Klasse. Trotz vieler Menüebenen ist die Oberfläche übersichtlich und verständlich gestaltet, zudem läuft die App stabil und zuverlässig. Sie ist für Android- und Apple-Geräte kostenlos verfügbar. Neben Firmware-Updates lassen sich hier alle oben genannten Funktionen einstellen und anpassen. Besonders hervorzuheben ist der Equalizer.
Im Vergleich zum ursprünglichen Wave Pro bietet EarFun deutlich umfangreichere Anpassungsmöglichkeiten, bis hin zu einem personalisierten Klangbild, das auf den empfundenen Frequenzen eures eigenen Gehörs basiert. Art und Tiefe der Klangeinstellungen sind wirklich next level. Hier kann sich niemand beschweren, dass es zu kompliziert oder zu oberflächlich sei.
- Übersicht
- EQ mit Hörfrequenzen
- Klangstil
Die Einstellungsmöglichkeiten des professionellen EQs gehen weit über das hinaus, was normale Nutzer anpassen möchten. EarFun setzt damit ein Statement, was alles möglich ist, wenn ihr es nur wollt. Wer geringere Ansprüche hat, kommt mit den EQ-Voreinstellungen wahrscheinlich sehr gut zurecht, zumal der Standardklang vollkommen in Ordnung ist.
Klangqualität des EarFun Wave Pro X
Die größte Neuerung, die EarFun auf den Markt bringt, ist zweifellos das DCAA-Dual-Coaxial-System. Hinter diesem sperrigen Begriff verbirgt sich ein 2-Wege-System mit übereinander angeordneten Treibern. Solche Systeme sind grundsätzlich nicht neu, in Kopfhörern aber kaum verbreitet. Am bekanntesten ist das Prinzip von Autolautsprechern, wo auch 3-Wege-Systeme keine Seltenheit sind. EarFun erfindet hier also nicht das Rad neu, sondern beschreitet alte, verlassene Wege wieder. Die Umsetzung sieht am Ende unspektakulärer aus, als ihr vielleicht erwarten würdet.
Frequenzraum
Der abgedeckte Frequenzbereich umfasst 20Hz bis 40kHz und ist damit nicht unbedingt breiter als bei Ein-Treiber-Systemen. Der große 40mm-DLC-Treiber (Diamond-Like Carbon) übernimmt die tiefen bis mittleren Frequenzen, während ein zusätzlicher 10mm-LCP-Treiber (Liquid Crystal Polymer) für Höhen bis Ultra-Höhen zuständig ist. Auf dem Papier verspricht das mehr Präzision und eine bessere Auflösung.

Die Kombination der beiden Treiber klingt deutlich besser als beim Vorgänger. Gerade der Tiefgang, den das ANC noch erheblich verstärkt, ist wesentlich präsenter. Aber auch die Höhen können sich hören lassen, selbst wenn sie eher warm und ausgewaschen als präzise und fein klingen. Ob der Klang richtig gut oder nur mittelmäßig ist, lässt sich schwer sagen. Er liegt irgendwo dazwischen. Selbst mit diversen Anpassungen klingt der Wave Pro X nicht gut genug, um Musik richtig zu genießen. Allerdings ist er auch nicht so matschig, dass sich das Gegenteil behaupten ließe. Das muss er aber auch gar nicht.
Der Bass ist kräftig, aber kontrolliert. Den Tiefbass stellt der Kopfhörer größtenteils sauber dar, auch bei höheren Lautstärken bleibt er stabil. Die Mitten bilden Stimmen natürlich und angenehm präsent ab. Elektronische Musik, Pop, Podcasts, Filme, Spiele und gesangsbetonte Musik gibt der Kopfhörer sehr gut wieder. Instrumente klingen dagegen teilweise ein wenig verhalten.
Einschätzung zum EarFun Wave Pro X im Vergleich
Der Wave Pro X ist ein vielseitiger Allrounder für den Alltag, aber kein Ersatz für die HiFi-Anlage. Dort schlägt er sich richtig gut. Reduziert ihr den überbetonten Bass etwas und hebt die unteren Mitten leicht an, ergibt sich ein wirklich schönes und ausgewogenes Klangbild.
Auch die Höhen profitieren spürbar vom zusätzlichen Treiber. Feinheiten werden klarer herausgearbeitet und der Klang wirkt insgesamt freier. Komischerweise reicht es trotz des zusätzlichen Treibers aber nicht für die letzte Präzision.
Besonders positiv fällt die Maximallautstärke auf. Hier sind wirklich extrem unangenehme Pegel möglich, wobei die Verzerrungen erfreulich gering bleiben. Klanglich schließt der Wave Pro X damit auf jeden Fall zur Elite auf, auch wenn er insgesamt noch ein wenig darunterliegt. Der Unterschied ist allerdings so gering, dass ihr beim Griff zur deutlich teureren Konkurrenz keinen echten Mehrwert mehr erwarten könnt.
ANC und Telefonie
Mit der intelligenten ANC-Steuerung betritt EarFun Neuland. Die acht Mikrofone analysieren kontinuierlich die Umgebung und die Geräusche am Ohr und passen die Geräuschunterdrückung bei Bedarf automatisch an. Dabei könnt ihr auswählen, ob primär der Pegel der Außengeräusche oder das, was im Ohr ankommt, erfasst werden soll.

Die Telefonqualität überzeugt hingegen sehr. Gesprächspartner werden klar verständlich übertragen, Hintergrundgeräusche werden wirksam herausgefiltert. Gerade im Büro oder unterwegs zeigen die acht Mikrofone ihre Stärke. Allerdings klingt die eigene Stimme ein wenig weiter entfernt und nicht so kraftvoll wie bei einem Headset mit Mikrofonarm.
Verbindungsqualität

Kabelgebunden stehen zum einen eine klassische analoge 3,5mm-Klinke und zum anderen eine digitale Verbindung über USB-C zur Verfügung. Darüber lädt gleichzeitig auch der Kopfhörer. Wer das nicht möchte, um den Akku des Endgeräts zu schonen, kann diese Funktion in der App deaktivieren. Für die USB-C-Audioübertragung arbeitet im Kopfhörer ein hochauflösender 96kHz/24-Bit-DAC.
Akkulaufzeit des EarFun Wave Pro X

Ist der Akku doch einmal leer, lässt er sich schnell wieder aufladen. Laut Hersteller bekommt ihr nach nur 15 Minuten Ladezeit beachtliche 10 Stunden Wiedergabe. Bei uns waren es nach 15 Minuten Ladezeit deutlich weniger als 10 Stunden. Bei dieser Ausdauer ist Quick-Charge aber auch kaum notwendig.
Testergebnis
Der EarFun Wave Pro X ist die konsequente Weiterentwicklung des bereits erfolgreichen Wave Pro. Während der Vorgänger vor allem mit seinem günstigen Preis punkten konnte, bietet der Wave Pro X nun auch klanglich ein deutlich höheres Niveau. Doch nicht nur beim Klang legt die neue Version zu: Auch technisch hat der Wave Pro X gefühlt alles an Bord, was ihr euch vorstellen könnt. Bluetooth 6.0, LDAC, aptX Lossless, Auracast, Multipoint, USB-Audio, ein solides ANC und eine hervorragende Akkulaufzeit lassen kaum Wünsche offen. Hinzu kommt eine der besten Apps dieser Preisklasse, die nicht nur innovativ gestaltet ist, sondern auch Einstellungen für echte Profis bietet.
Klanglich überzeugt insbesondere das neue Dual-Treiber-System mit mehr Auflösung, besserer Räumlichkeit und kontrollierterem Bass. Zwar spielen echte Premium-Modelle weiterhin auf einem etwas höheren Niveau, kosten jedoch oft das Doppelte oder mehr. Dieser Aufpreis ist aber keinesfalls gerechtfertigt, da der Klang des Wave Pro X schon sehr nah an dem dran ist, wo er sein soll.
Wer einen modernen Over-Ear-Kopfhörer für Reisen, Alltag und Homeoffice sucht und dabei ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis erwartet, findet im EarFun Wave Pro X aktuell einen der interessantesten Kandidaten unter 150 Euro.
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Ja, bitte testen, klingt interessant! 🤗
Die oder die Momentum 4 refurbished für 20€ mehr? Was meint ihr?
Ich habe mir vor einem halben Jahr auch die Momentum 4 refurbished geholt. Waren wie neu und klingen echt super. Wie hier der Klang sein wird, muss man testen.
Was das ANC betrifft muss ich jedoch sagen, dass in manchen Situationen meine Earfun Free 3 Pro InEars sogar mehr herausfiltern, als die Momentum 4.
Danke Stefan!
Habe die Momentum bestellt und bin auf das ANC gespannt. Bin mit dem ANC der Air Pro 4 im Gym nicht immer zufrieden. Evtl. bekommen die pro x auch eine Chance.